Covid-19 und die Beratung von Pflegefamilien

Covid-19 und die Beratung von Pflegefamilien

von Autorin Corina Rink.

Covid -19 heißt die Bedrohung, die von außen auf uns zu kommt, niemand kann genau sagen, wie und was da passieren wird, aber es klingt sehr bedrohlich und verunsichernd.

Waren wir noch vor ein paar Tagen recht unbeschwert mit Freund*innen im Restaurant, oder haben mit anderen gemeinsam im Fitnessstudio trainiert, im Chor gesungen oder mit den Nachbarn und deren Kindern den Spielplatz besucht, so sollen wir nun ganz plötzlich alle zu Hause bleiben und uns vor unseren Mitmenschen schützen.

Privat bedeutet das, dass wir zunächst mal keine Freund*innen mehr treffen, dass wir gut überlegen, welche Einkäufe wirklich unbedingt notwendig sind und möglicherweise auch, wer sie für uns besorgen kann. Vieles können wir heutzutage online erledigen oder möglicherweise haben wir ohnehin schon vorher auf alternative Angebote zugegriffen und bekommen unser Gemüse sogar vom Bio-Bauernhof vor die Tür geliefert.

Wer Kinder hat weiß, was es bedeutet von nun an rund um die Uhr zu Hause zu sein, die Schulaufgaben gemeinsam mit den Kindern zu Hause zu erledigen, die kleineren ganztags zu betreuen, keine Oma im Hintergrund, die entlasten kann, …weil auch die sich schützen muss. Keine Shoppingtour, kein Kino, kein entspannter Grillabend mit Freund*innen. Nein, alles scheint still zu stehen -oder zumindest langsamer zu drehen.

Ohne Virus wäre es an manchen Stellen beinahe auch ein wenig erholsam, dass endlich die Menschen alle etwas langsamer und achtsamer werden, aber mit einer derartigen Bedrohung im Nacken, ist es wahrlich keine Freude.

Für alle eine enorme Herausforderung, denn niemand hat je zuvor mit sowas zu tun gehabt.

Und die Bedrohung ist unsichtbar und die Situation befremdlich und für uns nicht einordbar. Haben wir doch einen Auftrag zu erledigen, bei dem es nicht so ganz einfach erscheint, Kontakte zu vermeiden. Und beruflich wissen wir deswegen nun zunächst auch nicht, wie wir das alles leisten sollen.Wir sollen beraten und helfen, nicht selten, nein meistens haben wir auch den Auftrag zu überprüfen und zu kontrollieren, dass kein Kind zu Schaden kommt.

Das heißt für alle „Ambulanten Erziehungshilfen“, dass sie regelmäßig auch in die Haushalte der entsprechenden Familien gehen müssen, um sich von der Situation vor Ort ein Bild zu machen und um den Unterstützungsbedarf frühzeitig erkennen zu können.

Covid-19 und die Beratung von Pflegefamilien

Die Beratung von Pflegeeltern und Kindern für die ich zuständig bin, konnte ich in den letzten Wochen recht gut erledigen. Ich habe regelmäßig und in kurzen Abständen, wegen des Lockdown, telefonische Beratungen durchgeführt und immer wieder waren auch Video-Konferenzen möglich. Wenn es unbedingt erforderlich war konnte man mit Mindestabstand und Maske einen Spaziergang im Freien machen oder im Garten sein und wichtige Gespräche führen.

Die für viele Pflegekinder üblichen „Begleiteten Umgänge“ wurden vorübergehend ausgesetzt und die meisten Eltern und Kinder haben das ganz gut akzeptieren können und konnten sich mit den Pflegeeltern auch auf andere Kontaktmöglichkeiten (Zoom, Skype, Telefon) einigen.Es war in meiner Arbeit in den letzten Wochen eher selten krisenhaft, (was nicht heißt, dass es nichts zu tun gab), die überwiegende Zeit ausgesprochen erfreulich, wie die Familien mit der herausfordernden Situation umgegangen sind und mit wieviel Engagement und Kreativität sie diese die Aufgabe angenommen haben.

Covid 19 und die Beratung von Pflegefamilien
Covid-19 und die Beratung von Pflegefamilien

Es sind meine persönlichen Erfahrungen, die ganz sicher nicht allen und allem gerecht werden, es gab bestimmt auch ganz andere Ereignisse.

Ich persönlich war oft richtig gehend gerührt, was mir sowohl die Kinder als auch die Pflegeeltern in der ganzen letzten Zeit berichtet haben. Da wurden Salatbeete angelegt und Hühnerställe gebaut, Masken genäht, Fahrräder repariert, Osterfeuer(-chen) im Garten angezündet und Zelte in der Wohnung aufgebaut. Ich war und bin wirklich sehr beeindruckt, auch von den Entwicklungsschritten, die manches Kind aufgrund der Ruhe und der Nähe zur Familie gemacht hat, weil die Angebote von außen weniger waren und man sich intensiver miteinander beschäftigen konnte.

Die Familien mit denen ich zu tun hatte waren sehr dankbar für den häufigen Austausch mit mir als Fachberatung und die Nähe, trotz der Distanz. Es tat ihnen gut, zu wissen, dass da jemand am anderen Ende der Leitung ist und sich interessiert für die aktuelle Verfassung der Familie. Viele Gespräche waren lange und intensiv, weil es viele Fragen und tiefe Themen zu besprechen gab, hin und wieder reichte auch ein nur kurzes Telefonat aus, aber das Wissen darum, dass der Anruf erfolgen wird, war oft schon eine große Erleichterung. So wurde deutlich das Covid-19 und die Beratung von Pflegefamilien gelingen kann.

Ja und natürlich war nicht nur alles dauernd und ständig ganz toll, es gab selbstverständlich Höhen und Tiefen. Und sicher braucht es für alle einen langen Atem und mehr als reichlich an Geduld. Und auch zeitlich sollte dieser Ausnahme-Zustand wirklich unbedingt begrenzt sein, denn nach und nach geht dem ein oder anderen dann doch allmählich die Puste aus.

Natürlich muss man auch differenzieren, die Arbeit in den Pflegefamilien gestaltet sich in der Regel ganz anders als die Arbeit z.B. der „Sozialpädagogischen Familienhilfe“ oder anderer ambulanten Hilfen.

Die Pflegeeltern beispielsweise wohnen häufig im eigenen Haus oder Wohnung mit Garten und haben insgesamt -nicht nur materiell- ganz anderen Voraussetzungen, als sozial schwache (benachteiligte)  Familien, die mit geringem Einkommen oder gar Hartz IV, mit mehreren Personen, in einer kleinen Wohnung, ohne Balkon und Garten leben. Da gibt es natürlich noch ganz andere Probleme zu bewältigen.

Für alle die diese Arbeit tun, eine wirklich schwierige Angelegenheit während der Pandemie und abgesehen, von der realen Gefahr sich zu infizieren und selbst krank zu werden, ist auch die psychische Belastung der Mitarbeitenden , sprich die Angst und die Sorge um das eigene Wohl und das der ihnen und uns anvertrauten Kinder nicht zu unterschätzen.

Was die Unterstützung der Behörden, in dem Fall der zuständigen Jugendämtern angeht, habe ich sehr unterschiedliche Beobachtungen gemacht.

Angefangen bei einigen Mitarbeitern*innen, die sich „gefühlt“ ab Mitte März scheinbar in Luft aufgelöst haben, was man natürlich als hoch kritisch ansehen muss, weil viele wichtige Dinge weder geregelt, noch abgesprochen werden konnten und sich kein wirklich zuständiger Ansprechpartner finden lassen wollte, bis hin zu absolut engagierten Sozialarbeiter*innen, die sehr regelmäßig, auch aus dem Homeoffice anrufen haben, um sich zu erkundigen, was die Kinder und Eltern so machen und ob es Unterstützungsbedarf gibt, war alles dabei.

Insgesamt eine breite Palette an Erlebnissen und Erfahrungen, die ich gemacht habe – so könnte jeder/jede von uns sicher zahlreich berichten, was er/ sie so erlebt hat und immer noch erlebt. Meine Zeilen sind da sicher maximal ein kleiner, sehr unvollständiger Ausschnitt. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass durch unser aller Einsatz manchem, manches erspart blieb und die Hoffnung, dass die Situation sich mehr und mehr stabilisieren und wieder etwas „normaler“ werden wird.

Für alle Kolleginnen und Kollegen mit denen ich zu tun hatte und habe, darf ich sagen, dass sie meinem Empfinden nach, die schwierigen Anforderungen und Aufträge (wie immer und hier besonders) verantwortungsbewusst, verbindlich und kreativ …mit hohem Sachverstand, mit guten Ideen und mit viel Liebe umgesetzt und gemeistert haben.

Das war und ist immer noch sehr besonders und nicht immer selbstverständlich.

Ich sage auch im Namen der MAV (Mitarbeitervertretung im St. Elisabeth-Verein) allen Danke, auch dem Vorstand, besonders Herrn Kling Böhm, für die motivierenden Worte und die netten E-Mails überhaupt, … ihr Dankeschön an alle Mitarbeitenden, war und ist sehr verdient!

Und am Ende sage ich auch ganz persönlich nochmal Danke an meine Fachbereichs-Leitung, die schnell wie immer und sehr wertschätzend für die notwendigen Schutzmaßnahmen gesorgt hat und alle Berater*innen u.a. mit nötigen Hygiene-/Desinfektionsartikeln versorgt hat

Ich habe mich dabei wahrgenommen, gut versorgt und sicher gefühlt.

Autorin: Corina Rink

Wollen Sie auch Pflegefamilien werden, dann folgen Sie folgendem Link: Kontakt aufnehmen

Und wir haben zu Covid 19 auch mit 2 Pflegemüttern gesprochen. Wie meistern Pflegefamilien die Zeit der Kontaktbeschränkungen und des Homeschooling. Hier ein Podcast dazu. Sehr hörenswert!

Die Big Five für Pflegeeltern

Die Big Five für Pflegeeltern

Wie Menschen aktuell mit der Corona Krise umgehen, hat auch etwas mit Ihrer Persönlichkeit zu tun. Die Reaktionen werden stark von dem Erlernten und den „vererbten“ Anlagen geprägt. Bin ich vielleicht besonders gewissenhaft, werde ich mir sehr strinkt an die Vorschriften im Umgang mit dem Virus halten bzw. vielleicht sogar nach weiterführende Maßnahmen ergreifen. Doch was ist Persönlichkeit eigentlich genau?

Definition Persönlichkeit

Als Persönlichkeit werden nach der allgemein verbindlichen Definition alle prägenden Eigenschaften eines Menschen bezeichnet.

Quelle: Fernstudium Psychologie

Oder anders ausgedrückt sind mein Erleben, Fühlen und Verhalten maßgeblich von der Gesamtheit aller Merkmale meiner Persönlichkeit geprägt. Dazu gehören meine Charaktereigenschaften, meine Motive und meine Kompetenzen.

LINC Personality Profiler

Das LINC Institute in Lüneburg hat auch als Reaktion auf die Corona Krise für ihr Zertifizierungsseminar ein Onlineformat entwickelt, um weiter Personlity Profiler qualifizieren zu können. Bertram Kasper konnte vom am 15. + 16.04. 2020 daran teilnehmen. Schon ein wenig vorweggenommen: Für uns war es ein fachlich fundiertes Seminar, in dem wir viel über das Big Five Modell in Verbindung mit der Anwendung des Personality Profilers gelernt haben, auch für die Persönlichkeitsentwicklung von Pflegefamilien.

Was ist das Big Five Modell genau?

Ab ca. der 1930 er Jahre wurde das Big Five Modell kontinuierlich weiterentwickelt. Inzwischen gibt es seit ca. 20 Jahre eine wissenschaftliche Anerkennung und weit über 3000 Forschungen weltweit, auch über Länder- und Kulturgrenzen hinweg. Wir sprechen also von einem Persönlichkeitsmodell, das international als Grundlage der Persönlichkeitsforschung dient. Im Ursprungsmodell wurden für Faktoren der Persönlichkeit aus weit über 17000 Persönlichkeitsbeschreibungen abgeleitet. Die Grundbezeichnungen des Big Five für Pflegeeltern waren wie folgt:

  • Offenheit für Erfahrungen (Aufgeschlossenheit)
  • Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
  • Extraversion (Geselligkeit)
  • Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)
  • Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit)

Das LINC Institut hat mit der Leuphana Universität Lüneburg das Verfahren zur Persönlichkeitsanalyse „Personality Profiler“ auf Grundlage der Big Five ausdifferenziert, erweitert und praktikabler für die Anwender gestaltet. So ist es auch gut für Pflegeeltern nachvollziehbar und mit dem ca. 30- seitigen Report fast selbsterklärend.

Die Dimensionen bidimensional weiterentwickelt

Zertifizierung Personality Profiler
(C) LINC Institute

Die Grafik zeigt die Dimensionen der Persönlichkeit in ihrer Bidimensionalität. Dabei wurde vor allem wert darauf gelegt das Wortwahl positiv zu gestalten. In der Zertifzierung Personality Profiler werden die Pole der Dimensionen mit jeweils 6 Facetten intensiv analysiert bzw. beschrieben. Für einen Überblick beschreibe ich die einzelnen Dimensionen nur kurz.

1. Dimension: Extraversion versus Introversion

Bin ich als Person eher nach außen orientiert, dann habe ich ein starkes Kontaktbedürfnis verbunden mit einem intensiven Aktivitätsniveau. Gerne gestalte ich soziale Situationen und wünsche mir eine positive Wahrnehmung durch meine Umgebung.

Als eher introvertierter Mensch strebe ich nach innerer Ruhe und Zufrieden. Ich sinniere über mein Leben, reflektiere meine Gefühle und schätze intensiven Austausch mit Einzelnen oder in kleinen Gruppen. Mich zeichnen Unabhängigkeit von der Bewertung anderer aus.

2. Dimension: Gewissenhaftigkeit versus Flexibilität

Ich gehe als gewissenhafter Person eher diszipliniert, geplant und strukturiert vor. Entscheidungen trefe ich wohlüberlegt. Ich strebe nach Leistung und Kompetenz. Mein Umfeld richte ich geordnet aus.

Bin ich eher flexibel und treffe spontane gefühlsbetonte Entscheidungen. Improvisationstalent ist mein zweiter Vorname und mein Leben versuche ich eher entspannt ohne viel Ambitionen anzugehen. Gerne arbeite ich an vielen Projekten gleichzeitig.

3. Dimension: Offenheit versus Beständigkeit

Kreativität und Phantasie bestimmen mein Handeln, wenn ich zum Pol der Offenheit tendiere. Gerne probiere ich Neues und jongliere mit großem Interesse unterschiedliche Themen im meinem Leben. Es gehört zu mir den Status quo zu hinterfragen.

Ist mein Charakter auf Beständigkeit ausgerichtet, orientiere ich mich gerne an Daten, Fakten und der Realität. Ich verfüge über ausgeprägte Werte, die verinnerlicht habe. Bewährtes behalte ich bei. Strukturen und Autoritäten geben mir Orientierung.

4. Dimension: Kooperationorientierung versus Wettbewerbsorientierung

Ich verhalte mich eher zurückhaltend, wenn es um Selbstdarstellung geht. Suche den Kompromiss und bin hilfsbereit. Meine Kommunikation ist offen und vertrauensvoll. Ich sehe eher das Gute in den Menschen.

Bin ich mehr wettbewerbsorientiert, stelle ich mich gerne positiv dar. Konflikte trage ich offen aus und habe eine skeptische Grundeinstellung gegenüber Menschen. Ich bin geübt meine Kommunikation der Situation anzupassen. Gerne halte ich mich aus den Problemen anderer raus.

5. Dimension: Sensibilität versus Emotionale Stabilität

Als sensibler Mensch verfüge ich über einen guten Zugang zu meinen Gefühlen. Durch meine Empfindsamkeit kann ich mich gegen äußere Einflüsse schwieriger abgrenzen. Dies macht mich auch anfälliger gegenüber Stress.

Ich fühle mich grundsätzlich eher entspannt und gelassen. Stress kann mir i.d.R. nicht viel anhaben. Sicherheit in sozialen Situationen zeichnet mich aus. Nach außen kann ich kontrolliert wirken und auf andere Menschen eher unsensibel erscheinen.

Von diesen 5 Dimensionen ist der Name Big Five abgeleitet. Ins Spiel brachte diese Bezeichnung erstmals 1949 Donald Fiske. Also die Big Five für Pflegeeltern.

Die Big Five für Pflegeeltern berücksichtigen auch die Motive und Kompetenzen in der Auswertung

Motive oder was treibt mich an?

Das Ergebnis des Personality Profilers leitet aus dem Ergebnis der Big Five auch die Motive des Anwenders ab. Das LINC Institute orientiert sich dabei am Motiv-Modell von David McClelland. Zwischen dem Ergebnis aus den Big Five und den Motiven gibt es eine signifikante Wechselwirkung. In einem weiteren Magazinbeitrag werde ich näher auf die Motive mit ihren jeweiligen Ausprägungen eingehen.

Kompetenzen oder was liegt mir gut?

Das Profil des Personality Profilers leitet Kompetenzen aus den Charaktereigenschaften der Big Five ab. Insgesamt werden 26 Kompetenzen dargestellt. Dabei wird einmal die Perspektive der Selbsteinschätzung eingenommen und dann gezeigt, wie die Kompetenzen einer Person mit identischer Persönlichkeitsstruktur überwiegend stark oder schwach ausgeprägt sind.

Im Report werden folgende Motive gemessen: Einfluss, Unabhängigkeit, Sicherheit (Kontrollmotive), Beziehung, Werte und Sinn, Lebensstil (Beziehungs- und Lebensführungsmotive), Leistung, Wachstum und Kreativität (Leistungs- und Erfolgsmotive).

Die Big Five für Pflegeeltern und jetzt?

Jetzt freuen wir uns auf die Arbeit mit dem erweiterten Big Five Modell. Wir werden es unter anderem in der Anerkennung und Beratung von Pflegefamilien einsetzen und für Paarkonstellationen.

LINC Institute bietet einen professionellen Rahmen

Das LINC Institute als Entwicklungsschmiede des Tools bieten im Rahmen der Zertifizierung Personality Profiler verschiedene Unterstützungsformate an. Dazu gehören nicht nur Literatur und gut aufbereitete Materialien (wie z.B. Kartenspiele), sondern auch ein Netzwerk über XING und Übungsgruppen mit zertifizierte Partner und Begleitung durch LINC.

Möchten Sie selbst Pflegefamilie werden oder haben Sie Interesse an einem Profiling mit den Big Five, dann nutzten Sie einfach unter Kontaktformular!

Literatur: Der Blogartikel orientiert sich an den Workshopunterlagen vom LINC Institute

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Von Pamela Premm

Pflegekinder kommen aus einer völlig anderen Welt und müssen sich in einer fremden Familie mit fremden Tagesabläufen zurechtfinden. Da ist Verständnis gefragt. Buchautorin und Pflegemutter Monika Schilling hat vier Pflegekindern ein Zuhause geschenkt. Und weiß, dass in der Erziehung von Pflegekindern Gespräche wichtiger sind als Regeln.

Zu viele Regeln machen unfrei

Bevor Monika Schilling eine Regel aufstellt, überlegt sie sich genau, welche Konsequenzen diese für ihr eigenes Wohlbefinden und für das gesamte Familienleben hat. „Ich will mich nicht meiner eigenen Freiheit berauben, indem ich eine unnötige Regel aufstelle“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. In ihrer Pflegefamilie gibt es nur einige grundsätzliche Versorgungsregeln wie Zähne putzen, zur Schule gehen oder freundlich miteinander sein. „Pflegekinder müssen so unglaublich viel leisten. Da braucht es nicht noch zusätzliche Regeln“, sagt die Pflegemutter.

Gleiches gilt für Strafen: „Was nützt es mir, wenn ich den Kindern eine Woche Fernsehverbot erteile, ihnen dann aber eine interessante TV-Dokumentation zeigen möchte? Auf diese Weise mache ich mich und uns zum Sklaven meiner Strafe und am Ende ärgere ich mich über mich selbst.“

Monika Schilling

Was ist Grundmotiv von Fehlverhalten?

Erziehung von Pflegekindern

Anstatt die Kinder zu maßregeln, sollten Pflegeeltern das Grundmotiv hinterfragen, welches hinter einem Fehlverhalten steckt. Kein Kind will seinen Pflegeeltern vorsätzlich Schaden zufügen oder sie gar verletzen. Daher sollten sich Pflegeeltern auch nicht persönlich angegriffen fühlen. „Die Kinder sind nicht per se böse. Sie hatten in den Ursprungsfamilien einfach keine Chance, moralische Werte zu verinnerlichen. Sie handeln aus dem Impuls mangelnder Bedürfniskontrolle heraus. Es liegt an mir, ihnen einen besseren Weg aufzuzeigen.“ Monika Schilling geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich versuche Situationen zu vermeiden, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das erfordert Disziplin trägt aber zum Familienfrieden bei. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass so viel einfacher bdie Erziehung von Pflegekindern gelingt.“

Werte vorleben statt strafen

Doch wie wahrt man den Familienfrieden in einer Pflegefamilie mit vier Pflegekindern? Indem man Werte vorlebt und respektvoll miteinander umgeht. Das ist nach Monika Schilling das ganze Geheimnis. „In der Erziehung von Pflegekindern ist vor allem Geduld gefragt. Ich versuche meinen Pflegekindern ein gewisses Grundverständnis entgegen zu bringen und in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben. Auch wenn eines meiner Pflegekinder mal völlig ausflippt, schaffen wir es immer wieder, dass es sich fängt und auf Normallevel herunterfährt. Letztendlich behandle ich meine Pflegekinder so, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. Und wenn eines der Kinder mal tobt, dann darf es die Emotionen herauslassen. Das ist kein Grund für mich, mit Strafen zu drohen oder selbst laut zu werden. Ich mag schließlich auch nicht angeschrien werden.“

Verhalten neu verinnerlichen

Was sich so einfach und plausibel anhört, ist ein stetiger Prozess. Bis ein Pflegekind bestimmte Verhaltensmuster verinnerlicht hat, kann es lange dauern. Aber Geduld und Zuversicht lohnen sich, auch wenn immer nur kleine Erfolge sichtbar werden. „Man muss sich das so vorstellen: Pflegekinder sind hungrig nach allen Seiten, wie ein Fass ohne Boden“, erklärt Schilling. „Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Fass zu füllen. Ein tägliches Abendritual hilft uns dabei.“

Erziehung von Pflegekindern – die Abendrunde als Ritual

Erziehung von Pflegekindern
Bei einer Pflegefamilie entdeckt

Für viele Familien erscheint ein Abendritual mühsam, dabei hilft es, Emotionen zu reflektieren und Geschehenes zu verarbeiten. Familie Schilling trifft sich nach dem Abendessen. „Während unserer Abendrunde besprechen wir den Tag. Jeder darf berichten, was ihn besonders gefreut oder genervt hat. In dieser Zeit hören wir uns aufmerksam zu, schmieden Pläne und begeben uns auf Phantasiereise.“ Für die Pflegekinder ist es wichtig, einen geschützten Ort zu haben, an dem sie über Gefühle und Erfahrungen sprechen können. Manchmal denkt sich die Familie Geschichten aus, die in Kinderbüchern verarbeitet werden. „Am Anfang habe ich das Erlebte in Wochenberichten zusammengefasst und den Kindern vorgelesen,“ so Schilling. „Schnell merkte ich, dass die Geschichten etwas bei den Kindern bewirken. Sie fühlen sich wahrgenommen.“

Gemeinsam Kinderbücher entwickeln

Mittlerweile entwickelt die Familie gemeinsam Kinderbücher mit fiktiven Charakteren, die spannende Abenteuer erleben. Die Pflegekinder beteiligen sich an der kreativen Gestaltung und erkennen sie sich in den Figuren wieder. „Über die Geschichten kommen wir als Pflegeeltern mit unseren Kindern ins Gespräch. Und ganz nebenbei überbrücken wir die große Altersspanne, die zwischen den 9- und 14-jährigen Kindern liegt.“ Im Gespräch zu bleiben, ist in der Erziehung von Pflegekindern besonders wichtig, da es im Alltag immer wieder Konflikte gibt.

Pflegeeltern als Anwalt der Kinder

Bis ein Kind in der Pflegefamilie ankommt, vergehen Monate, weiß Monika Schilling. Erst nach der Honeymoon-Zeit zeigen sich die gesamten Ausmaße der traumatischen Erlebnisse. Doch auch nach dem Übergang in die Pflegefamilien sind schmerzhafte Erfahrungen täglicher Begleiter. „Pflegekinder werden alltäglich mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da reicht ein Baby-Bild aus, dass sie in die Schule mitbringen sollen, um Wunden wieder aufzureißen.“ Es gibt immer wieder diese Situationen, in denen Pflegekinder ausgegrenzt werden oder Verletzungen erfahren, die sie nur schwer aushalten können. Den meisten Außenstehenden fällt es schwer, sich in die Situation von Pflegekindern hineinzuversetzen. „Wir verstehen uns als Anwalt unserer Kinder und machen auf Begebenheiten aufmerksam. Es sind gerade die existenziellen Fragen, die für Pflegekinder unbeantwortet bleiben und starke Emotionen auslösen.“ Familie Schilling unterscheidet bei Konflikten ganz klar zwischen Öffentlichkeit und Zuhause: „Konfrontationen aus dem Umfeld dürfen nicht zum Konfliktthema zuhause werden. Wir sprechen über das, was passiert ist, aber wir versuchen immer, den Ärger vor der Tür zu lassen. Hier sollen unsere Pflegekinder einfach nur ein geborgenes Nest haben, ganz ohne Verhaltensdruck.“ Und wenn der Haussegen doch mal schiefhängt? „Dann haken wir den Tag einfach ab. Jeder Tag ist neu und genau so wollen wir ihn begehen.“

Wollen auch Sie in die Erziehung von Pflegekindern einsteigen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 3: Zwischen den Familien – Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Von Pamela Premm

Wer sich für ein Pflegekind entscheidet, nimmt unweigerlich eine Zwischenposition ein. Da sind die leiblichen Eltern auf der einen Seite, das Jugendamt und der Vormund auf der anderen. Und dazwischen die Pflegefamilie, die sich 24 Stunden am Tag um das Wohl des Pflegekindes kümmert und ihm ein geborgenes Umfeld schenkt. Um diesen Spagat zu meistern, bedarf es eine große Portion Vertrauen und starken Zusammenhalt. Was das bedeutet, wissen auch Caroline und Thomas Wagner mit ihren drei Pflegetöchtern.

Pflegestellen werden in Hessen und deutschlandweit dringend gesucht

Psychische Erkrankungen machen es den leiblichen Eltern oft unmöglich, sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Diese haben zumeist viel Leid erfahren: Trennungsängste, Beziehungsabbrüche bis hin zur körperlichen Misshandlung. Die Vorgeschichte nehmen sie mit in die neue Familie. „Da braucht es zu Beginn eine Menge Zuspruch“, sagt Caroline. „Erstmal geht es darum, eine Bindung und Vertrauen aufzubauen.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

© Konstantin Yuganov-mozZz – Fotolia.com

Dazu gehört auch, eine sinnvolle Besuchsregelung mit den leiblichen Eltern zu vereinbaren.“ In dieser Hinsicht wünscht sich die dreifache Pflegemutter mehr Rechte für Pflegefamilien. Gerade am Anfang müssen die Besuchskontakte behutsam erfolgen. „Ich halte es für wichtig, dass unsere Pflegekinder regelmäßigen Kontakt zu den leiblichen Eltern halten. Sie sollen auch ihre Wurzeln kennen lernen und erfahren dürfen, dass sie ihren Eltern etwas bedeuten. Allerdings sollte immer auf das Wohl der Kinder geachtet werden.“

Es wird viel Unruhe von außen reingetragen

Dass da die angesetzten Besuchskontakte bei Pflegekindern auch zu früh erfolgen können, musste die Pflegemutter schmerzlich erfahren. „Unsere große Tochter hatte in der Anfangsphase starke Schwierigkeiten, die Besuche bei den leiblichen Eltern zu verarbeiten. Die Kontakte waren zu häufig, ich durfte als Rückhalt nicht dabei sein. Das hat uns jedes Mal wieder zurückgeworfen. Sie war damals noch ein Kleinkind. Unsere Pflegetochter und auch wir fühlten uns in der Situation allein gelassen.“ Ähnlich verlief der Kontakt bei Melina, die schon als Baby zu den Wagners kam. Es gab monatelang keinen oder nur sporadischen Kontakt zur Mutter. Jeder Kontakt überforderte das Kind, dennoch wurde trotz einer psychischen Erkrankung der Mutter irgendwann eine Rückführung angedacht. Die Sorge um das Kind und die monatelange Unsicherheit war für das Paar sehr belastend. „Es wird so viel Unruhe von außen reingetragen. Ich wünschte mir, dass wir mehr Rechte hätten, auf Entscheidungen zum Wohle des Kindes einzuwirken“, so der Pflegevater Thomas. Bei der 3-jährigen hat sich das Jugendamt mittlerweile für einen dauerhaften Verbleib in der Pflegefamilie ausgesprochen. Bei den großen Pflegetöchtern ist der Umgang mit den leiblichen Eltern inzwischen adäquat geregelt. Das Paar rät jedem, sich frühzeitig Hilfe und Rat zu holen, auch was eine mögliche Rückführung angeht.

Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren

Gerichtstermine, Gutachten, schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern – auch das gehört unter Umständen zu einem Leben als Pflegefamilie. Auch bei Familie Wagner versuchen die leiblichen Eltern immer wieder die Pflegekinder zurückzuholen. Teilweise unter inakzeptablen Bedingungen. „Eine Rückführung hätte in allen drei Fällen dem Kindeswohl geschadet. Es waren teilweise zermürbende Termine bis hin zum Oberlandesgericht, die viel Kraft gekostet haben.“ Der Pflegevater hat sich mittlerweile selbst schlau gemacht, Gesetze studiert und immer wieder Beistand gesucht. Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern„Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig informiert, immer wieder nachfragt und auf sein Recht besteht. Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat uns dabei großartig unterstützt.“ Gespräche mit dem zuständigen Supervisor helfen beim Verarbeiten der schwierigen Momente und bei Sachfragen. „Wir mussten schon einige Krisen überstehen“, sagt auch Caroline. „Aber wir sind auch daran gewachsen, sodass uns so schnell nichts mehr aus der Bahn wirft.“ Und mit jeder positiven Rückmeldung wächst auch das Vertrauen in die eigene Kraft.

Die nötige Distanz und der Glaube haben dem Paar geholfen

Und welche Strategie verfolgt das Paar, um die Herausforderungen zu bewältigen? „Ich betrachte den Sachverhalt mit einer gewissen Distanz. Mir ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und mich zu informieren“, sagt der Pflegevater. Die Mutter tickt da anders: „Mir hat mein Glaube sehr geholfen. Mein Schicksal in Gottes Hände zu legen, nimmt mir die Last auf meinen Schultern.“ Einen Groll gegen die Eltern hegt sie nicht.  „Man darf nicht vergessen, dass auch die leiblichen Eltern in einer schwierigen Lage sind. Sie haben diesen wunderbaren kleinen Menschenkindern das Leben geschenkt und können sie nun nicht begleiten. Das ist schon schwer.“ Allerdings wünscht sich das Paar auch klarere Strukturen für alle Beteiligten zum Wohle des Kindes. „Mit Pflegekindern sollte nicht experimentiert werden, insbesondere wenn sie schon als Säuglinge aus der Familie herausgenommen wurden. Sie kennen doch teilweise gar nichts anderes als ihre Bezugspersonen in den Pflegefamilien.“ Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen ElternBei der Frage, ob sie es manchmal bereuen, sich auf das Abenteuer Pflegekind eingelassen zu haben, schütteln beide den Kopf: „Mögliche Rückführungen und schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern, sind sicherlich belastend, aber am Ende überwiegt die Freude an den Kindern. Pflegefamilien werden händeringend gesucht, also warum nicht etwas Gutes tun? Unsere Kinder brauchten ein Zuhause und wir wollten unbedingt Kindern ein Zuhause schenken. Und wenn abends die Kleine im Bett liegt und sagt, dass sie uns liebhat, lösen sich alle Bedenken in Luft auf.“

Sie möchten Pflegekindern ein sicheres, geborgenes Umfeld schenken? Dann melden Sie sich gerne bei uns. 

Und hier der Link zu unserem Film „Basisstation gesucht“, der Sie motivieren soll das Abenteuer Pflegefamilie zu wagen. Herzlichen Dank an Christoph Schuchardt von kameramann 24.

(Namen wurden von der Redaktion geändert)

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente…

In diesem Beitrag lesen Sie welche Aspekte im von der großen Koalition beschlossenen Rentenpaket 2019 für Pflegefamilien vor allem im Zusammenhang mit der Mütterrente relevant sein können.

Die Rente insgesamt ein Thema für alle Menschen. Seit Jahren wissen wir, dass die Gefahr eines Kollaps bezogen auf unsere Renten größer und größer wird. Die Begründungen dazu sind hinglänglich bekannt. Wir alle werden aufgefordert privat vorzusorgen, damit wir nicht in eine Altersarmutsfalle tappen.

Aus meiner Sicht wird der Leistung von Müttern und Familien unabhängig davon, ob sie sich um eigene oder angenomme Kinder kümmern, immer noch nicht angemessen Rechnung getragen. Interessenverbände wie z.B. PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. versuchen auf die Politik Einfluss zu nehmen, und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das Rentenpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist noch weit entfernt, den gesellschaftlichen Beitrag wirklich zu würdigen.

Die große Koalition hat jetzt die neue Mütterrente ab 2019 auf den Weg gebracht. Was gilt es für Pflegefamilien zu beachten!

Was ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erkennt der Staat die Erziehungsleistungen von Eltern an, diese Zeiten werden grundsätzlich auf die Rente angerechnet. Des Weiteren sollen Mütter – seltener Väterm – die aufgrund von Kindererziehung ihren Beruf ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt werden, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was wurde im Rentenpaket entschieden?

Ab 2019 bekommen alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche. Jedoch gibt es statt einem Rentenpunkt nur einen halben Rentenpunkt. So sieht es der Rentenkompromiss vor. Diese Mütterrente erhalten alle Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Vollzeit betreut wurden oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommenobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze für Rentenbeiträge orientiert. Liegen Mütter oder Väter darüber bekommen sie ihre Erziehungsleistung nicht auf die Rente angerechnet. Eltern, die ihre Kinder zusammen großgezogen haben, können wählen, wer die Erziehungszeiten erhalten soll. Gleiches gilt für Pflegefamilien und Mütterrente.Pflegefamilien und Mütterrente

Wichtig: Antrag für die Mütterrente stellen!

Um sich die Erziehungszeiten anrechnen zu lassen, muss bei der Rentenversicherung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wurden schon vorher Erziehungszeiten berücksichtigt, muss dieser Antrag nicht gestellt werden. Es wird jedoch empfohlen das persönliche Rentenkonto danach zu überprüfen.

Zur Beachtung: Besonderheiten bei Pflegefamilien und Mütterrente

Adoptiv- und Pflegeeltern, die Mütterrente beanspruchen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Die ist besonders wichtig, da eine Berücksichtigung von Erziehungszeiten ausgeschlossen ist, wenn die Kindererziehungszeit bereits bei einem anderen Leistungsempfänger (leibliche Eltern von Pflegekindern) berücksichtigt wurde. Diese Praxis stellt aus unserer Sicht einen Affront gegenüber der Erziehungsleistung der Pflege- bzw. Adoptiveltern dar. Deshalb fordert der PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme den Passus mit dem Leistungsausschluss ersatzlos zu streichen.

Folgende Links klären weiter zum Thema Pflegefamilien und Mütterrente auf:

Aufruf an bereits verrentete Pflege- und Adoptiveltern

PFAD Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes 

Möchten Sie Pflegefamilie werden, dann können Sie hier direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

Fachberatungen für Pflegefamilien

Fachberatungen für Pflegefamilien

Betriebsausflug der Fachberatungen für Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein in Marburg…

Am 14.08.2018 wandern die Fachberatungen für Pflegefamilien die Schächerbachtour bei Homberg/Ohm im schönen Hessen. Mit dabei waren alle Mitarbeitenden aus dem Fachbereichsbüro, von Hauswirtschaft und Hausmeisterei. Das ganze Team des Fachbereichs für Pflegefamilien, 25 Personen.

Sich gemeinsam auf den Weg machen, wandern, fröhlich sein, gemeinsam essen. Unser Betriebsauflug – jedes Jahr ein guter Tag für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Gemeinsam wandern fördert den Austausch untereinander

Wandern eignet sich dafür besonders gut, da es möglich ist, den Weg in wechselnden Konstellationen zu gehen. So entstehen manchmal unverhofft Gespräche, die sonst vielleicht nicht möglich wären. Mal steht einfach der Weg und die schöne Landschaft im Mittelpunkt des Austausches, dann wieder sind es vielleicht die letzten Erlebnisse aus Beratungsgesprächen mit Pflegefamilien, etwas Privates von den eigenen Kindern oder die Ideen für den nächsten Urlaub.

Was ist das Schöne an meiner Arbeit, was macht mir besonders Freude?

Fachberatungen für Pflegefamilien

Diese Frage spielte auch auf den 9 km der Schächerbachtour eine Rolle. Bertram Kasper bat einige Kolleginnen und Kollegen um ihre Beiträge dazu. Vorzuschicken ist in diesem Kontext, dass wir alle viel Freude und Sinnhaftigkeit in unserer Arbeit erleben. Doch wie ist der vielleicht auch durch seine Aktualität geprägte Blick gerade jetzt. Die Technik machte es möglich einige Orginalstimmen einzufangen.

Erstes Statement:

So sagte z.B. Ulla Brehm, die schon seit vielen Jahren als Fachberatung dabei ist und die selbst viele Jahre Pflegemutter war:

„Pflegeeltern bieten sich Pflegekindern als ihre sozialen Eltern an. Wir haben Euch nicht geboren, doch wir wollen eure sozialen Eltern sein. Und „Elternschaft“ endet eben nicht. Und Jugendhilfe macht sich dazu wenig bis gar keine Gedanken. Wie lange hat es gedauert bis „Care Leaver“ auch in der Forschung in den Fokus gerückt sind. Und wir wissen heute, dass es für viele Pflegeeltern nach der Jugendhilfe erst richtig los geht. Wenn der Übergang ins eigene Leben, in die Berufstätigkeit und vielleicht in die eigene Familiengründung ansteht. Und wie geht das: Auf Du und Du mit den Pflegekindern sein, ohne dafür noch eine Aufwandsentschädigung zu bekommen.“ Elternschaft, auch wenn es eine Soziale ist hört für mein Verständnis nicht auf. Und mir macht es Freude mit Pflegeeltern und Pflegekindern zu überlegen, wie dieser Weg gut gelingen kann. Dabei unterstütze ich gerne. Und wir sprechen dabei viel über die Art der Ausgestaltung, von Möglichkeiten, von Nähe und Distanz und von tatsächlich Machbarem.

Und Steffen Henkel steigt mit in das Gespräch ein und sagt:

„Welche große Bereitschaft er bei den Pflegeeltern erlebt, die auch lange nach dem Pflegeverhältnis wie selbstverständlich für „ihre sozialen Kinder“ da sind. Ich habe eine echte Hochachtung davor.“

Zweites Statement:

Ein paar Schritte in Stille und ein paar Gedanken weiter beschreibt Steffen Henkel was er so toll an der Arbeit als Fachberatung für Pflegefamilien findet und nimmt das Thema der Herkunftseltern in den Blick:

„Es ist für mich bemerkenswert zu sehen, wo häufig am Anfang Misstrauen und Vorsicht ist, wie dann durch die Regelmäßigkeit der Besuchskontakte zwischen Pflegekind, leiblichen Eltern und Pflegefamilie nach und nach Vetrauen wächst, wechselseitige Öffnung und Akzeptanz entsteht. Und besonders schön finde ich, dann zu erleben, wie positiv dies auf die Pflegekinder wirkt. Einfach toll und von allen Beteiligten eine echte Leistung und ein wertvoller Einsatz.“

Drittes Statement:

Fachberatungen für Pflegefamilien

Esther Schmitt ist im Team der Fachberatungen für Pflegefamilien intensiv mit der Fortbildung, der Qualifizierung und der Projektentwicklung betraut. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wieso sie in dieses Arbeitsfeld gewechselt ist, und was ihre Motivation und ihre Freude im Pflegekinderbereich bis noch heute darstellt:

„Ich fand und finde heute immer noch, dass Pflegekinder ein Lobby brauchen und ich habe einen großen Respekt und ein große Anerkennung vor den Familien, die Pflegekindern einen Ort schenken, an dem gedeihlichen Leben und ein gute Entwicklung möglich ist.

Und dabei trägt mich die Gewissheit, dass jeder Mensch ein Recht hat ein gutes Leben zu leben. Es gilt Bedingungen zu schaffen, durch die genau das möglich wird. Ohne Pflegefamilien wäre genau das für Pflegekinder nicht möglich.

Und das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich jeden Tag wenn ich aufstehe die Chance habe, den Pflegeeltern ganz konkret dabei den Rücken zu särken für die Pflegekinder ein guter Lebensort zu sein.“

Viertes Statement:

Neben den Fachberatungen tragen ebenfalls die Kolleginnen aus dem Fachbereichsbüro, unsere Kollegin aus der Hauswirtschaft und der Hausmeister viel zum Gelingen eines reibungslosen Ablaufes bei. Auch sie haben erzählt, was ihnen besonders Freude bei der Arbeit macht.

Frau Wendy Bald, als Leiterin des Büros findet besonders wichtig:

„Ich war schon immer ein Mensch, der gerne indirekt und im Hintergrund das Große und Ganze unterstützt hat und mit Rat und Tat versucht die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit zu unterstützen. Ich möchte das Ganze im Blick behalten.“

Fünftes Statement:

Und Heike Weiß, als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft erzählt:

„Ich versuche alles immer so einzurichten, dass sich alle wohlfühlen und gut versorgt sind. Dabei geht es mir auch darum, dass sich nicht nur die Kolleginnen aus dem Fachberatungsdienst wohlfühlen, sondern im besonderen die Pflegekinder, ihre leiblichen Eltern und natürlich unsere Pflegefamilien. Und es freut mich, dass alle meinen Beitrag für das Ganze sehen und ich dafür Zuspruch bekommen. Eine schöne Aufgabe.“

Sechstes Statement:

Dirk Griesche (Fachberatung Pflegefamilien) findet es klasse:

Fachberatungen für Pflegefamilien

„Richtig Spaß an der Arbeit als Fachberatung macht mir, dass ich Familien langfristig begleiten darf. Die Pflegefamilien lernen mich kennen und ich lerne die Pflegefamilien kennen. Irgendwann macht es Klick und dann kommt wechselseitig das Vertrauen ins Spiel. Und das mit den Familien gemeinsam erleben zu dürfen ist wirklich eine schöne Erfahrung. Es macht Spaß bei diesem wechselseitigen Prozeß dabei sein zu können. Und gemeinsam durchstandene schwierige Situationen helfen dabei.“

Fachberatungen für Pflegefamilien sind auch KrisenbegleiterInnen…

Zum Schluss kommt nocheinmal Ulla Brehm und bringt etwas auf den Punkt, was wohl allen Fachberatungen wirklich eine große Freude bereitet:

„Besonders Freude macht es mir, wenn große Krisen und Irritationen sich auflösen lassen und alle Beteiligten einen neuen und gemeinsamen Weg finden und dabei wirklich keiner verloren gegangen ist.“

Auch bei einem Betriebsausflug lässt sich ein positiver und guter Blick auf die Arbeit werfen. Das ganze Team im Fachbereich Pflegefamilien trägt mit zu einem gelingenden Prozeß für Pflegekinder, leibliche Eltern und die Pflegefamilien bei. Eine sinnstiftende Arbeit die Freude bereitet und immer wieder neue Herausforderungen bietet.

Wollen Sie Pflegefamilie werden und von einer guten Begleitung profitieren, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahmen. Hier ist der LINK!

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