Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Von Pamela Premm

Pflegekinder kommen aus einer völlig anderen Welt und müssen sich in einer fremden Familie mit fremden Tagesabläufen zurechtfinden. Da ist Verständnis gefragt. Buchautorin und Pflegemutter Monika Schilling hat vier Pflegekindern ein Zuhause geschenkt. Und weiß, dass in der Erziehung von Pflegekindern Gespräche wichtiger sind als Regeln.

Zu viele Regeln machen unfrei

Bevor Monika Schilling eine Regel aufstellt, überlegt sie sich genau, welche Konsequenzen diese für ihr eigenes Wohlbefinden und für das gesamte Familienleben hat. „Ich will mich nicht meiner eigenen Freiheit berauben, indem ich eine unnötige Regel aufstelle“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. In ihrer Pflegefamilie gibt es nur einige grundsätzliche Versorgungsregeln wie Zähne putzen, zur Schule gehen oder freundlich miteinander sein. „Pflegekinder müssen so unglaublich viel leisten. Da braucht es nicht noch zusätzliche Regeln“, sagt die Pflegemutter.

Gleiches gilt für Strafen: „Was nützt es mir, wenn ich den Kindern eine Woche Fernsehverbot erteile, ihnen dann aber eine interessante TV-Dokumentation zeigen möchte? Auf diese Weise mache ich mich und uns zum Sklaven meiner Strafe und am Ende ärgere ich mich über mich selbst.“

Monika Schilling

Was ist Grundmotiv von Fehlverhalten?

Erziehung von Pflegekindern

Anstatt die Kinder zu maßregeln, sollten Pflegeeltern das Grundmotiv hinterfragen, welches hinter einem Fehlverhalten steckt. Kein Kind will seinen Pflegeeltern vorsätzlich Schaden zufügen oder sie gar verletzen. Daher sollten sich Pflegeeltern auch nicht persönlich angegriffen fühlen. „Die Kinder sind nicht per se böse. Sie hatten in den Ursprungsfamilien einfach keine Chance, moralische Werte zu verinnerlichen. Sie handeln aus dem Impuls mangelnder Bedürfniskontrolle heraus. Es liegt an mir, ihnen einen besseren Weg aufzuzeigen.“ Monika Schilling geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich versuche Situationen zu vermeiden, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das erfordert Disziplin trägt aber zum Familienfrieden bei. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass so viel einfacher bdie Erziehung von Pflegekindern gelingt.“

Werte vorleben statt strafen

Doch wie wahrt man den Familienfrieden in einer Pflegefamilie mit vier Pflegekindern? Indem man Werte vorlebt und respektvoll miteinander umgeht. Das ist nach Monika Schilling das ganze Geheimnis. „In der Erziehung von Pflegekindern ist vor allem Geduld gefragt. Ich versuche meinen Pflegekindern ein gewisses Grundverständnis entgegen zu bringen und in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben. Auch wenn eines meiner Pflegekinder mal völlig ausflippt, schaffen wir es immer wieder, dass es sich fängt und auf Normallevel herunterfährt. Letztendlich behandle ich meine Pflegekinder so, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. Und wenn eines der Kinder mal tobt, dann darf es die Emotionen herauslassen. Das ist kein Grund für mich, mit Strafen zu drohen oder selbst laut zu werden. Ich mag schließlich auch nicht angeschrien werden.“

Verhalten neu verinnerlichen

Was sich so einfach und plausibel anhört, ist ein stetiger Prozess. Bis ein Pflegekind bestimmte Verhaltensmuster verinnerlicht hat, kann es lange dauern. Aber Geduld und Zuversicht lohnen sich, auch wenn immer nur kleine Erfolge sichtbar werden. „Man muss sich das so vorstellen: Pflegekinder sind hungrig nach allen Seiten, wie ein Fass ohne Boden“, erklärt Schilling. „Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Fass zu füllen. Ein tägliches Abendritual hilft uns dabei.“

Erziehung von Pflegekindern – die Abendrunde als Ritual

Erziehung von Pflegekindern
Bei einer Pflegefamilie entdeckt

Für viele Familien erscheint ein Abendritual mühsam, dabei hilft es, Emotionen zu reflektieren und Geschehenes zu verarbeiten. Familie Schilling trifft sich nach dem Abendessen. „Während unserer Abendrunde besprechen wir den Tag. Jeder darf berichten, was ihn besonders gefreut oder genervt hat. In dieser Zeit hören wir uns aufmerksam zu, schmieden Pläne und begeben uns auf Phantasiereise.“ Für die Pflegekinder ist es wichtig, einen geschützten Ort zu haben, an dem sie über Gefühle und Erfahrungen sprechen können. Manchmal denkt sich die Familie Geschichten aus, die in Kinderbüchern verarbeitet werden. „Am Anfang habe ich das Erlebte in Wochenberichten zusammengefasst und den Kindern vorgelesen,“ so Schilling. „Schnell merkte ich, dass die Geschichten etwas bei den Kindern bewirken. Sie fühlen sich wahrgenommen.“

Gemeinsam Kinderbücher entwickeln

Mittlerweile entwickelt die Familie gemeinsam Kinderbücher mit fiktiven Charakteren, die spannende Abenteuer erleben. Die Pflegekinder beteiligen sich an der kreativen Gestaltung und erkennen sie sich in den Figuren wieder. „Über die Geschichten kommen wir als Pflegeeltern mit unseren Kindern ins Gespräch. Und ganz nebenbei überbrücken wir die große Altersspanne, die zwischen den 9- und 14-jährigen Kindern liegt.“ Im Gespräch zu bleiben, ist in der Erziehung von Pflegekindern besonders wichtig, da es im Alltag immer wieder Konflikte gibt.

Pflegeeltern als Anwalt der Kinder

Bis ein Kind in der Pflegefamilie ankommt, vergehen Monate, weiß Monika Schilling. Erst nach der Honeymoon-Zeit zeigen sich die gesamten Ausmaße der traumatischen Erlebnisse. Doch auch nach dem Übergang in die Pflegefamilien sind schmerzhafte Erfahrungen täglicher Begleiter. „Pflegekinder werden alltäglich mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da reicht ein Baby-Bild aus, dass sie in die Schule mitbringen sollen, um Wunden wieder aufzureißen.“ Es gibt immer wieder diese Situationen, in denen Pflegekinder ausgegrenzt werden oder Verletzungen erfahren, die sie nur schwer aushalten können. Den meisten Außenstehenden fällt es schwer, sich in die Situation von Pflegekindern hineinzuversetzen. „Wir verstehen uns als Anwalt unserer Kinder und machen auf Begebenheiten aufmerksam. Es sind gerade die existenziellen Fragen, die für Pflegekinder unbeantwortet bleiben und starke Emotionen auslösen.“ Familie Schilling unterscheidet bei Konflikten ganz klar zwischen Öffentlichkeit und Zuhause: „Konfrontationen aus dem Umfeld dürfen nicht zum Konfliktthema zuhause werden. Wir sprechen über das, was passiert ist, aber wir versuchen immer, den Ärger vor der Tür zu lassen. Hier sollen unsere Pflegekinder einfach nur ein geborgenes Nest haben, ganz ohne Verhaltensdruck.“ Und wenn der Haussegen doch mal schiefhängt? „Dann haken wir den Tag einfach ab. Jeder Tag ist neu und genau so wollen wir ihn begehen.“

Wollen auch Sie in die Erziehung von Pflegekindern einsteigen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 3: Zwischen den Familien – Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Von Pamela Premm

Wer sich für ein Pflegekind entscheidet, nimmt unweigerlich eine Zwischenposition ein. Da sind die leiblichen Eltern auf der einen Seite, das Jugendamt und der Vormund auf der anderen. Und dazwischen die Pflegefamilie, die sich 24 Stunden am Tag um das Wohl des Pflegekindes kümmert und ihm ein geborgenes Umfeld schenkt. Um diesen Spagat zu meistern, bedarf es eine große Portion Vertrauen und starken Zusammenhalt. Was das bedeutet, wissen auch Caroline und Thomas Wagner mit ihren drei Pflegetöchtern.

Pflegestellen werden in Hessen und deutschlandweit dringend gesucht

Psychische Erkrankungen machen es den leiblichen Eltern oft unmöglich, sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Diese haben zumeist viel Leid erfahren: Trennungsängste, Beziehungsabbrüche bis hin zur körperlichen Misshandlung. Die Vorgeschichte nehmen sie mit in die neue Familie. „Da braucht es zu Beginn eine Menge Zuspruch“, sagt Caroline. „Erstmal geht es darum, eine Bindung und Vertrauen aufzubauen.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

© Konstantin Yuganov-mozZz – Fotolia.com

Dazu gehört auch, eine sinnvolle Besuchsregelung mit den leiblichen Eltern zu vereinbaren.“ In dieser Hinsicht wünscht sich die dreifache Pflegemutter mehr Rechte für Pflegefamilien. Gerade am Anfang müssen die Besuchskontakte behutsam erfolgen. „Ich halte es für wichtig, dass unsere Pflegekinder regelmäßigen Kontakt zu den leiblichen Eltern halten. Sie sollen auch ihre Wurzeln kennen lernen und erfahren dürfen, dass sie ihren Eltern etwas bedeuten. Allerdings sollte immer auf das Wohl der Kinder geachtet werden.“

Es wird viel Unruhe von außen reingetragen

Dass da die angesetzten Besuchskontakte bei Pflegekindern auch zu früh erfolgen können, musste die Pflegemutter schmerzlich erfahren. „Unsere große Tochter hatte in der Anfangsphase starke Schwierigkeiten, die Besuche bei den leiblichen Eltern zu verarbeiten. Die Kontakte waren zu häufig, ich durfte als Rückhalt nicht dabei sein. Das hat uns jedes Mal wieder zurückgeworfen. Sie war damals noch ein Kleinkind. Unsere Pflegetochter und auch wir fühlten uns in der Situation allein gelassen.“ Ähnlich verlief der Kontakt bei Melina, die schon als Baby zu den Wagners kam. Es gab monatelang keinen oder nur sporadischen Kontakt zur Mutter. Jeder Kontakt überforderte das Kind, dennoch wurde trotz einer psychischen Erkrankung der Mutter irgendwann eine Rückführung angedacht. Die Sorge um das Kind und die monatelange Unsicherheit war für das Paar sehr belastend. „Es wird so viel Unruhe von außen reingetragen. Ich wünschte mir, dass wir mehr Rechte hätten, auf Entscheidungen zum Wohle des Kindes einzuwirken“, so der Pflegevater Thomas. Bei der 3-jährigen hat sich das Jugendamt mittlerweile für einen dauerhaften Verbleib in der Pflegefamilie ausgesprochen. Bei den großen Pflegetöchtern ist der Umgang mit den leiblichen Eltern inzwischen adäquat geregelt. Das Paar rät jedem, sich frühzeitig Hilfe und Rat zu holen, auch was eine mögliche Rückführung angeht.

Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren

Gerichtstermine, Gutachten, schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern – auch das gehört unter Umständen zu einem Leben als Pflegefamilie. Auch bei Familie Wagner versuchen die leiblichen Eltern immer wieder die Pflegekinder zurückzuholen. Teilweise unter inakzeptablen Bedingungen. „Eine Rückführung hätte in allen drei Fällen dem Kindeswohl geschadet. Es waren teilweise zermürbende Termine bis hin zum Oberlandesgericht, die viel Kraft gekostet haben.“ Der Pflegevater hat sich mittlerweile selbst schlau gemacht, Gesetze studiert und immer wieder Beistand gesucht. Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern„Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig informiert, immer wieder nachfragt und auf sein Recht besteht. Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat uns dabei großartig unterstützt.“ Gespräche mit dem zuständigen Supervisor helfen beim Verarbeiten der schwierigen Momente und bei Sachfragen. „Wir mussten schon einige Krisen überstehen“, sagt auch Caroline. „Aber wir sind auch daran gewachsen, sodass uns so schnell nichts mehr aus der Bahn wirft.“ Und mit jeder positiven Rückmeldung wächst auch das Vertrauen in die eigene Kraft.

Die nötige Distanz und der Glaube haben dem Paar geholfen

Und welche Strategie verfolgt das Paar, um die Herausforderungen zu bewältigen? „Ich betrachte den Sachverhalt mit einer gewissen Distanz. Mir ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und mich zu informieren“, sagt der Pflegevater. Die Mutter tickt da anders: „Mir hat mein Glaube sehr geholfen. Mein Schicksal in Gottes Hände zu legen, nimmt mir die Last auf meinen Schultern.“ Einen Groll gegen die Eltern hegt sie nicht.  „Man darf nicht vergessen, dass auch die leiblichen Eltern in einer schwierigen Lage sind. Sie haben diesen wunderbaren kleinen Menschenkindern das Leben geschenkt und können sie nun nicht begleiten. Das ist schon schwer.“ Allerdings wünscht sich das Paar auch klarere Strukturen für alle Beteiligten zum Wohle des Kindes. „Mit Pflegekindern sollte nicht experimentiert werden, insbesondere wenn sie schon als Säuglinge aus der Familie herausgenommen wurden. Sie kennen doch teilweise gar nichts anderes als ihre Bezugspersonen in den Pflegefamilien.“ Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen ElternBei der Frage, ob sie es manchmal bereuen, sich auf das Abenteuer Pflegekind eingelassen zu haben, schütteln beide den Kopf: „Mögliche Rückführungen und schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern, sind sicherlich belastend, aber am Ende überwiegt die Freude an den Kindern. Pflegefamilien werden händeringend gesucht, also warum nicht etwas Gutes tun? Unsere Kinder brauchten ein Zuhause und wir wollten unbedingt Kindern ein Zuhause schenken. Und wenn abends die Kleine im Bett liegt und sagt, dass sie uns liebhat, lösen sich alle Bedenken in Luft auf.“

Sie möchten Pflegekindern ein sicheres, geborgenes Umfeld schenken? Dann melden Sie sich gerne bei uns. 

Und hier der Link zu unserem Film „Basisstation gesucht“, der Sie motivieren soll das Abenteuer Pflegefamilie zu wagen. Herzlichen Dank an Christoph Schuchardt von kameramann 24.

(Namen wurden von der Redaktion geändert)

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente…

In diesem Beitrag lesen Sie welche Aspekte im von der großen Koalition beschlossenen Rentenpaket 2019 für Pflegefamilien vor allem im Zusammenhang mit der Mütterrente relevant sein können.

Die Rente insgesamt ein Thema für alle Menschen. Seit Jahren wissen wir, dass die Gefahr eines Kollaps bezogen auf unsere Renten größer und größer wird. Die Begründungen dazu sind hinglänglich bekannt. Wir alle werden aufgefordert privat vorzusorgen, damit wir nicht in eine Altersarmutsfalle tappen.

Aus meiner Sicht wird der Leistung von Müttern und Familien unabhängig davon, ob sie sich um eigene oder angenomme Kinder kümmern, immer noch nicht angemessen Rechnung getragen. Interessenverbände wie z.B. PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. versuchen auf die Politik Einfluss zu nehmen, und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das Rentenpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist noch weit entfernt, den gesellschaftlichen Beitrag wirklich zu würdigen.

Die große Koalition hat jetzt die neue Mütterrente ab 2019 auf den Weg gebracht. Was gilt es für Pflegefamilien zu beachten!

Was ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erkennt der Staat die Erziehungsleistungen von Eltern an, diese Zeiten werden grundsätzlich auf die Rente angerechnet. Des Weiteren sollen Mütter – seltener Väterm – die aufgrund von Kindererziehung ihren Beruf ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt werden, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was wurde im Rentenpaket entschieden?

Ab 2019 bekommen alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche. Jedoch gibt es statt einem Rentenpunkt nur einen halben Rentenpunkt. So sieht es der Rentenkompromiss vor. Diese Mütterrente erhalten alle Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Vollzeit betreut wurden oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommenobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze für Rentenbeiträge orientiert. Liegen Mütter oder Väter darüber bekommen sie ihre Erziehungsleistung nicht auf die Rente angerechnet. Eltern, die ihre Kinder zusammen großgezogen haben, können wählen, wer die Erziehungszeiten erhalten soll. Gleiches gilt für Pflegefamilien und Mütterrente.Pflegefamilien und Mütterrente

Wichtig: Antrag für die Mütterrente stellen!

Um sich die Erziehungszeiten anrechnen zu lassen, muss bei der Rentenversicherung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wurden schon vorher Erziehungszeiten berücksichtigt, muss dieser Antrag nicht gestellt werden. Es wird jedoch empfohlen das persönliche Rentenkonto danach zu überprüfen.

Zur Beachtung: Besonderheiten bei Pflegefamilien und Mütterrente

Adoptiv- und Pflegeeltern, die Mütterrente beanspruchen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Die ist besonders wichtig, da eine Berücksichtigung von Erziehungszeiten ausgeschlossen ist, wenn die Kindererziehungszeit bereits bei einem anderen Leistungsempfänger (leibliche Eltern von Pflegekindern) berücksichtigt wurde. Diese Praxis stellt aus unserer Sicht einen Affront gegenüber der Erziehungsleistung der Pflege- bzw. Adoptiveltern dar. Deshalb fordert der PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme den Passus mit dem Leistungsausschluss ersatzlos zu streichen.

Folgende Links klären weiter zum Thema Pflegefamilien und Mütterrente auf:

Aufruf an bereits verrentete Pflege- und Adoptiveltern

PFAD Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes 

Möchten Sie Pflegefamilie werden, dann können Sie hier direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

Fachberatungen für Pflegefamilien

Fachberatungen für Pflegefamilien

Betriebsausflug der Fachberatungen für Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein in Marburg…

Am 14.08.2018 wandern die Fachberatungen für Pflegefamilien die Schächerbachtour bei Homberg/Ohm im schönen Hessen. Mit dabei waren alle Mitarbeitenden aus dem Fachbereichsbüro, von Hauswirtschaft und Hausmeisterei. Das ganze Team des Fachbereichs für Pflegefamilien, 25 Personen.

Sich gemeinsam auf den Weg machen, wandern, fröhlich sein, gemeinsam essen. Unser Betriebsauflug – jedes Jahr ein guter Tag für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Gemeinsam wandern fördert den Austausch untereinander

Wandern eignet sich dafür besonders gut, da es möglich ist, den Weg in wechselnden Konstellationen zu gehen. So entstehen manchmal unverhofft Gespräche, die sonst vielleicht nicht möglich wären. Mal steht einfach der Weg und die schöne Landschaft im Mittelpunkt des Austausches, dann wieder sind es vielleicht die letzten Erlebnisse aus Beratungsgesprächen mit Pflegefamilien, etwas Privates von den eigenen Kindern oder die Ideen für den nächsten Urlaub.

Was ist das Schöne an meiner Arbeit, was macht mir besonders Freude?

Fachberatungen für Pflegefamilien

Diese Frage spielte auch auf den 9 km der Schächerbachtour eine Rolle. Bertram Kasper bat einige Kolleginnen und Kollegen um ihre Beiträge dazu. Vorzuschicken ist in diesem Kontext, dass wir alle viel Freude und Sinnhaftigkeit in unserer Arbeit erleben. Doch wie ist der vielleicht auch durch seine Aktualität geprägte Blick gerade jetzt. Die Technik machte es möglich einige Orginalstimmen einzufangen.

Erstes Statement:

So sagte z.B. Ulla Brehm, die schon seit vielen Jahren als Fachberatung dabei ist und die selbst viele Jahre Pflegemutter war:

„Pflegeeltern bieten sich Pflegekindern als ihre sozialen Eltern an. Wir haben Euch nicht geboren, doch wir wollen eure sozialen Eltern sein. Und „Elternschaft“ endet eben nicht. Und Jugendhilfe macht sich dazu wenig bis gar keine Gedanken. Wie lange hat es gedauert bis „Care Leaver“ auch in der Forschung in den Fokus gerückt sind. Und wir wissen heute, dass es für viele Pflegeeltern nach der Jugendhilfe erst richtig los geht. Wenn der Übergang ins eigene Leben, in die Berufstätigkeit und vielleicht in die eigene Familiengründung ansteht. Und wie geht das: Auf Du und Du mit den Pflegekindern sein, ohne dafür noch eine Aufwandsentschädigung zu bekommen.“ Elternschaft, auch wenn es eine Soziale ist hört für mein Verständnis nicht auf. Und mir macht es Freude mit Pflegeeltern und Pflegekindern zu überlegen, wie dieser Weg gut gelingen kann. Dabei unterstütze ich gerne. Und wir sprechen dabei viel über die Art der Ausgestaltung, von Möglichkeiten, von Nähe und Distanz und von tatsächlich Machbarem.

Und Steffen Henkel steigt mit in das Gespräch ein und sagt:

„Welche große Bereitschaft er bei den Pflegeeltern erlebt, die auch lange nach dem Pflegeverhältnis wie selbstverständlich für „ihre sozialen Kinder“ da sind. Ich habe eine echte Hochachtung davor.“

Zweites Statement:

Ein paar Schritte in Stille und ein paar Gedanken weiter beschreibt Steffen Henkel was er so toll an der Arbeit als Fachberatung für Pflegefamilien findet und nimmt das Thema der Herkunftseltern in den Blick:

„Es ist für mich bemerkenswert zu sehen, wo häufig am Anfang Misstrauen und Vorsicht ist, wie dann durch die Regelmäßigkeit der Besuchskontakte zwischen Pflegekind, leiblichen Eltern und Pflegefamilie nach und nach Vetrauen wächst, wechselseitige Öffnung und Akzeptanz entsteht. Und besonders schön finde ich, dann zu erleben, wie positiv dies auf die Pflegekinder wirkt. Einfach toll und von allen Beteiligten eine echte Leistung und ein wertvoller Einsatz.“

Drittes Statement:

Fachberatungen für Pflegefamilien

Esther Schmitt ist im Team der Fachberatungen für Pflegefamilien intensiv mit der Fortbildung, der Qualifizierung und der Projektentwicklung betraut. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wieso sie in dieses Arbeitsfeld gewechselt ist, und was ihre Motivation und ihre Freude im Pflegekinderbereich bis noch heute darstellt:

„Ich fand und finde heute immer noch, dass Pflegekinder ein Lobby brauchen und ich habe einen großen Respekt und ein große Anerkennung vor den Familien, die Pflegekindern einen Ort schenken, an dem gedeihlichen Leben und ein gute Entwicklung möglich ist.

Und dabei trägt mich die Gewissheit, dass jeder Mensch ein Recht hat ein gutes Leben zu leben. Es gilt Bedingungen zu schaffen, durch die genau das möglich wird. Ohne Pflegefamilien wäre genau das für Pflegekinder nicht möglich.

Und das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich jeden Tag wenn ich aufstehe die Chance habe, den Pflegeeltern ganz konkret dabei den Rücken zu särken für die Pflegekinder ein guter Lebensort zu sein.“

Viertes Statement:

Neben den Fachberatungen tragen ebenfalls die Kolleginnen aus dem Fachbereichsbüro, unsere Kollegin aus der Hauswirtschaft und der Hausmeister viel zum Gelingen eines reibungslosen Ablaufes bei. Auch sie haben erzählt, was ihnen besonders Freude bei der Arbeit macht.

Frau Wendy Bald, als Leiterin des Büros findet besonders wichtig:

„Ich war schon immer ein Mensch, der gerne indirekt und im Hintergrund das Große und Ganze unterstützt hat und mit Rat und Tat versucht die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit zu unterstützen. Ich möchte das Ganze im Blick behalten.“

Fünftes Statement:

Und Heike Weiß, als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft erzählt:

„Ich versuche alles immer so einzurichten, dass sich alle wohlfühlen und gut versorgt sind. Dabei geht es mir auch darum, dass sich nicht nur die Kolleginnen aus dem Fachberatungsdienst wohlfühlen, sondern im besonderen die Pflegekinder, ihre leiblichen Eltern und natürlich unsere Pflegefamilien. Und es freut mich, dass alle meinen Beitrag für das Ganze sehen und ich dafür Zuspruch bekommen. Eine schöne Aufgabe.“

Sechstes Statement:

Dirk Griesche (Fachberatung Pflegefamilien) findet es klasse:

Fachberatungen für Pflegefamilien

„Richtig Spaß an der Arbeit als Fachberatung macht mir, dass ich Familien langfristig begleiten darf. Die Pflegefamilien lernen mich kennen und ich lerne die Pflegefamilien kennen. Irgendwann macht es Klick und dann kommt wechselseitig das Vertrauen ins Spiel. Und das mit den Familien gemeinsam erleben zu dürfen ist wirklich eine schöne Erfahrung. Es macht Spaß bei diesem wechselseitigen Prozeß dabei sein zu können. Und gemeinsam durchstandene schwierige Situationen helfen dabei.“

Fachberatungen für Pflegefamilien sind auch KrisenbegleiterInnen…

Zum Schluss kommt nocheinmal Ulla Brehm und bringt etwas auf den Punkt, was wohl allen Fachberatungen wirklich eine große Freude bereitet:

„Besonders Freude macht es mir, wenn große Krisen und Irritationen sich auflösen lassen und alle Beteiligten einen neuen und gemeinsamen Weg finden und dabei wirklich keiner verloren gegangen ist.“

Auch bei einem Betriebsausflug lässt sich ein positiver und guter Blick auf die Arbeit werfen. Das ganze Team im Fachbereich Pflegefamilien trägt mit zu einem gelingenden Prozeß für Pflegekinder, leibliche Eltern und die Pflegefamilien bei. Eine sinnstiftende Arbeit die Freude bereitet und immer wieder neue Herausforderungen bietet.

Wollen Sie Pflegefamilie werden und von einer guten Begleitung profitieren, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahmen. Hier ist der LINK!

Beratung von Pflegeeltern

Beratung von Pflegeeltern

Die Beratung von Pflegeeltern trägt zum Gelingen von Pflegeverhältnissen bei…

Der St. Elisabeth-Verein unterhält seit inzwischen 25 Jahren einen Fachbereich für Pflegeeltern. Aktuell sind unter unserer Trägerschaft über 100 Pflegefamilien in denen 182 Kinder  leben. Ein Team von 15 Fachberatungen, einer Projektleitung und 2 Geschäftsbereichsleitungen unterstützen die Familien bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe. Der heutige Magazinbeitrag stellt den Fachberatungsdienst und das Rückmeldegespräch zwischen Pflegeeltern und Fachberaterin in den Fokus.

Beratung von Pflegeeltern – ein Thema im World Cafe 2015

Auf unserer Jahrestagung 2015 haben wir mit unseren Pflegefamilien ein World Cafe durchgeführt.Dort wurde deutlich wie wichtig unseren Familien die Begleitung durch unsere Fachberatungen ist. Gleichzeitig bestand zum einen der Wunsch der Pflegefamilien mehr über die Aufgaben, die Arbeitsschwerpunkte und die Rolle der Fachberatungen zu erfahren. Zum  anderen wurden Reflexionsgespräche zwischen Pflegefamilie unf Fachberatung gewünscht, mit dem Ziel die gemeinsame Zusammenarbeit regelmäßig zu reflektieren.

Beratung von Pflegeeltern – die Aufgaben und die Rolle der Fachberatung

Die im folgenden dargestellte Struktur für die Aufgaben- und Rollebeschreibung der Fachberatung zeigt im Überblick die Schwerpunkte.

Grundlegende Tätigkeiten der Fachberatung im Rahmen der Sicherstellung der Leistungsvereinbarung (Eine Leistungsbeschreibung und das dazugehörige Entgelt wird zwischen dem St. Elisabeth-Verein und dem Jugendamt in der sogenannten Leistungsvereinbarung vereinbart und beschreibt, welche Leistungen wir als Einrichtung und die Erziehungsstellen für das Entgelt erbringen müssen).

  • Überprüfung neuer Familien
  • Aufnahme- und Anbahnungsverfahren von Kindern
  • Fachaufsicht
  • Sicherstellung des Kindeswohls
  • Eigene Fort- und Weiterbildung
  • Leitung der Regionalgruppen
  • Vorbereitung und Teilnahme an der jährlichen Erziehungsstellentagung
  • Begleitung der Fortbildungsangebote für die Erziehungsstellen
  • Teilnahme an Arbeitsgruppen zur Weiterentwicklung des Fachbereiches
  • Hinsichtlich der Familien: Überprüfung der Teilnahme an den Angeboten des Settings
  • Sicherstellung des Kindeswohls (Präventionskonzept)
  • Herkunftsfamilienarbeit (Biographiearbeit)
  • Umsetzung der Hilfeplanung
  • Einzelgespräche
  • Qualitätsmanagement (Handbuch Fachberatung)

Gliederung der Tätigkeiten:

  1. Beratungsarbeit
  2. (direkt)kindebezogene Tätigkeiten und Inhalte
  3. Herkunftselternarbeit
  4. Krisenbegleitung
  5. Koordination der Hilfe/Kontaktpflege/Netzwerke
  6. Verwaltung und Organisation

Beratung von PflegeelternDie Tätigkeiten 1 – 6 werden dann konkret ausgeführt und im Detail beschrieben. Alle unsere Pflegefamilien haben die komplette Tätigkeitsbeschreibung erhalten und alle neue Familien bekommen sie mit Beginn unserer Zusammenarbeit. Die jeweils zuständige Fachberatung hat die Aufgabe die Stellenbeschreibung mit der Pflegefamilie zu besprechen.

Möchten Sie die Stellenbeschreibung erhalten, schreiben Sie uns bitte ein E-Mail.

Faktoren gelingender Beratung von Pflegeeltern

Zentral für die in den Familien lebenden Pflegekinder ist es, dass das unterstützende Helfersystem gut zusammenarbeitet. Dazu ist zum einen hilfreich die gegenseitigen Erwartungen für die Kooperation zu klären (dazu kann die Tätigkeitsbeschreibung für die Beratung von Pflegeeltern dienen) und zum anderen darauf zu achten, dass die Zusammenarbeit regelmäßig reflektiert wird. So ist es möglich frühzeitig unterschiedliche Sichtweisen, Unstimmigkeiten aber auch gelingende Aspekte anzusprechen. Unser Leitfaden für das Gespräch zur Zusammenarbeit gliedert sich in drei Zeitebenen:

  • Rückblick,Vergangenheit
  • Gegenwart
  • Zukunft

 

Gespräch zur Zusammenarbeit

Dieses Gespräch soll zum einen der Reflektion der Zusammenarbeit zwischen der Fachberatung und der Erziehungsstellenfamilie dienen, zum anderen geht es um die wechselseitige Weiterentwicklung und auch um die zu verändernden Anforderungen an den Fachbereich insgesamt. Dabei kann auch die Zusammenarbeit mit den Herkunftseltern, dem Jugendamt, dem Vormund, Therapeuten, der Schule, der Kindertageseinrichtung und anderen Institutionen reflektiert werden.

Beim dem Reflektionsgespräch nehmen möglichst beide Erziehungsstelleneltern teil. Grundsätzlich geht es bei dem Rückmeldegespräch immer um die Sichtweise der Erziehungsstellenmutter und des Erziehungsstellenvaters und der Fachberatung. Diese können auch unterschiedlich sein.

Die folgenden Hinweise dienen sowohl der Erziehungsstelle, als auch der Fachberatung zur Anregung für Fragestellungen im Gespräch. Der „Leitfaden“ oder Aspekte davon können bei jeder Gelegenheit genutzt werden, wenn es der Erziehungsstelle oder der Fachberatung sinnvoll erscheint die gemeinsame Zusammenarbeit in Blick zu nehmen.

Rückblick/Vergangenheit

(Rückblick auf das vergangene Jahr / Rückblick auf jeweils ein konkretes Beratungsgespräch bzw. Ereignis)

  • Was gibt es zu der Vergangenheit im Allgemeinen zu berichten?Beratung von Pflegeeltern
  • Was haben wir/Sie im vergangen Zeitraum erreicht?
  • Welche guten, aber auch schwierigen Erfahrungen haben wir gemacht? Wie sind wir mit den guten und wie sind wir mit den schwierigen Situationen umgegangen?
  • Welche Stärken haben uns auch in den schwierigen Momenten weitergeholfen?
  • Welche Aspekte in der Zusammenarbeit haben wir als hilfreich, zielführend und entwicklungsfördernd erlebt?
  • Was war eher weniger hilfreich, zielführend und entwicklungsfördernd?

 Gegenwart

  • Gibt es Themen aus Sicht der Erziehungsstelleneltern und aus Sicht der Fachberatung, die aktuell besprochen werden sollen und wie viel Aufmerksamkeit wollen wir diesen Themen geben.
  • Wie stellt sich für die Erziehungsstelleneltern und für die Fachberatung die aktuelle Situation dar und was ist eher förderlich bzw. was ist eher hemmend?
  • Was sind die Stärken der Erziehungsstelleneltern?
  • Was sind die Stärken der Fachberatung?
  • Welche unserer Angebote werden nutzen Sie (Fortbildung, Supervision, Regionalgruppen, Jahrestagung und Curriculum zur Qualifizierung von Erziehungsstellen)

Zukunft

  • Wie wollen wir gemeinsam unsere Zusammenarbeit zukünftig gestalten bzw. verbessern und wollen wir denn auch weiter zusammenarbeiten.
  • Beratung von PflegeelternWelche Wünsche haben Sie zu den Inhalten, Gestaltung und zu den Themen bezüglich unserer Angebote (Fortbildung, Supervision, Regionalgruppen, Jahrestagung und Qualikurs)
  • Welche Entwicklungsthemen sehen Sie als Erziehungsstellenfamilie für sich, welche Entwicklungsthemen würde ich Ihnen als Fachberatung empfehlen.
  • Welche Vereinbarungen wollen wir dazu treffen?
  • Gibt es aktuelle Wünsche an den Fachbereich bzw. an die Geschäftsbereichsleitung?

 

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Wir arbeiten unter dem Dach des St. Elisabeth-Vereins. Ein Träger für Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe und Altenhilfe.

Urlaub mit Pflegekindern

Urlaub mit Pflegekindern

Urlaub mit Pflegekindern – wie es stressfrei gelingt

Mit dem Start der Sommerferien steigen auch die Erwartungen an die geplante Reise. Wie der Urlaub mit Pflegekindern entspannt verläuft, dazu haben wir uns bei Pflegefamilie Peters* aus Marburg umgehört.

Der Pool glitzert in der Abendsonne. Die Familie sitzt gemeinsam auf der Terrasse und lässt einen wunderschönen Urlaubstag beim Brettspiel ausklingen. Ferien wie aus dem Bilderbuch sehen in der Realität meist ganz anders aus: Schlafmangel, quengelnde Kinder und gestresste Eltern statt Friede, Freude, Urlaubsstimmung. Dabei können Familienreisen durchaus gelingen. Vorausgesetzt es darf auch mal chaotisch zugehen und man schraubt seine eigenen Erwartungen drastisch zurück. So wie Familie Peters aus Mittelhessen. Wenn die Pflegefamilie den Van vollpackt, ist es mit der Idylle schnell vorbei. Utensilien, Bekleidung und Proviant für sechs Personen müssen verstaut werden. Ob es an die niederländische Nordseeküste, nach Südfrankreich oder Istrien geht: Jedes Kofferpacken gleicht einem Umzug. Die Pflegefamilie aus Hessen reist gerne und viel. Und das im Großformat mit zwei leiblichen Söhnen und zwei neun und elf Jahre alten Pflegetöchtern. Wie der Urlaub mit Pflegekind stressfrei funktionieren kann, verrät Vater Jörg.

Urlaub mit Pflegekind ist wie eine Reise zum Mars

Urlaub mit PflegekindernDer Alltag von Familie Peters ist klar strukturiert. Außerhalb der Ferien gehen die Pflegetöchter pünktlich um 20.00 Uhr ins Bett. Die Mutter kümmert sich um den Haushalt und die Familie. Der immergleiche Alltag hilft den Mädchen dabei, sich zu orientieren. Beim Reisen werden genau diese festen Abläufe aufgebrochen. „In den Ferien sehen wir das gelassener, da dürfen die Kinder auch schon mal länger aufbleiben“, sagt Pflegevater Jörg. Was für jede andere Familie ganz normal klingt, kann für Familie Peters schon sehr herausfordernd sein. „Wenn unsere Pflegekinder den Alltag nicht mehr haben, bringt sie das ziemlich durcheinander“, so der Sozialpädagoge. „Wenn nur eine Kleinigkeit anders ist, ist es für sie wie auf dem Mars – eine andere Welt.“ Dann werden Regeln vergessen, getroffene Vereinbarungen umgangen und heftige Trotzanfälle ausgelebt. „Da hilft es nur, locker zu bleiben und mit dem umzugehen, was gerade passiert“, sagt der Pflegevater.

Pflegekinder verhalten sich im Urlaub oft auffällig

Gerade im Urlaub können sich bestimmte Verhaltensmuster intensivieren. Viele Pflegekinder zeigen in einer ungewohnten Umgebung ein auffälliges Verhalten. Distanzlosigkeit zu anderen Menschen ist eines davon. „Unsere Mädchen gehen direkt auf wildfremde Menschen zu, suchen körperlichen Kontakt, der in der Situation völlig unangebracht ist. Da müssen wir schon sehr aufpassen“, sagt der 45-jährige. Zugrunde liegen meistens Bindungsstörungen. Zuverlässige Beziehungen haben viele Pflegekinder nie kennengelernt. Ganz im Gegenteil: Sie haben die Erfahrung machen müssen, dass man sich auf andere Menschen nicht verlassen kann. Der Drang nach Aufmerksamkeit und körperliche Nähe zu Fremden ist nur ein Anzeichen dafür, dass in der frühen Kindheit etwas gefehlt hat. Doch nicht nur das, erklärt der Familienvater: „Als unsere Pflegekinder noch jünger waren, durfte man sie nicht aus den Augen lassen. Blitzschnell waren sie abgelenkt und verschwunden. Das kann auch gefährlich werden.“

Ruhe und Wasser sind das A und O

Stressfrei in den Urlaub mit Pflegekindern? Da ist Planung gefragt. Damit die Familie trotz fremder Umgebung viel Ruhe und Privatsphäre genießen kann, bucht sie meistens ein Ferienhaus oder einen Campingurlaub. „Wichtig ist, dass wir uns auch mal zurückziehen können. Unsere Pflegetöchter brauchen gerade nachts viel Ruhe, damit sie überhaupt in den Schlaf finden.“ Eine ländliche Umgebung und ein abgeschlossenes Grundstück sind perfekte Voraussetzungen für einen erholsamen Urlaub mit der Großfamilie. „Und Wasser! Ohne Wasser geht nichts.“ Ob sich dies in einem Pool oder See befindet, sei indes egal. „Während die Kinder im Wasser unbeschwert toben oder sich auf der Luftmatratze treiben lassen, können wir auch als Eltern entspannen.“ Neben den entschleunigten Tagen gibt es immer mal wieder Unternehmungen. „Dann fahren wir in das nächste Hafenstädtchen, erkunden die Gassen und gehen mit der ganzen Familie essen“, so der Familienvater. „Auch unsere Pflegetöchter merken schnell, dass solch ein Restaurantbesuch etwas ganz Besonderes ist und genießen die gemeinsame Zeit.“

Erwartungen zurückschrauben und Fünfe gerade sein lassen

Urlaub mit PflegekindernJedes Pflegekind ist einzigartig, hat seine eigene Biografie. Was man ihnen im Einzelfall zumuten kann, hängt von jedem Kind individuell ab und von den Nerven der Eltern. „Die Eltern sollten sich einig sein, wenn sie eine Reise planen. Und auch mal Fünfe gerade sein lassen, damit es keinen Stress gibt“, bestätigt Jörg. „Außerdem sollte man nicht zu hohe Erwartungen haben.“ Die können schon mal nach hinten losgehen, wie der Familienvater aus eigener Erfahrung weiß. Eine Reise nach Venedig entpuppte sich vor einigen Jahren als Nervenprobe. „Als Kind war ich selbst oft in Norditalien und Venedig. Also entwickelte ich den ambitionierten Plan, meiner Familie die Lieblingsorte meiner Kindheit zu zeigen. Unsere kleine Pflegetochter wollte zu dieser Zeit allerdings nie an der Hand gehen. Sie am Ufer der Wasserstraßen allein spazieren zu lassen, war viel zu gefährlich. Also lief ich mit einem schreienden Kind auf dem Arm durch Venedig. An Sightseeing war nicht mehr zu denken.“

Urlaub mit Pflegekindern

Trotz solcher Erfahrungen möchte die Familie die gemeinsamen Urlaube nicht missen. Ob es nun Skifahren in Südtirol oder Ferienhausurlaub in Kroatien ist: „Es ist anstrengend als Großfamilie in einer Konstellation mit Pflegekindern zu reisen, aber es schweißt auch zusammen. Und wenn wir in alten Alben blättern, schwelgen alle in den liebenswerten Erinnerungen.“ Und noch ein Effekt hat der Urlaub für die Kinder: „Wir staunen immer wieder, wie positiv sich eine gemeinsame Reise auf die Entwicklung der Pflegekinder auswirkt. Nach jedem Urlaub sind sie körperlich und seelisch gewachsen.“

Urlaub mit Pflegekindern ist übrigens in den meisten Fällen problemlos möglich. Alle Reisen werden mit den leiblichen Eltern oder dem Vormund abgesprochen. Zusätzlich können sich Pflegeeltern eine Vollmacht ausstellen lassen. Nur selten gibt es Fälle, in denen etwas dagegenspricht. Für Pflegekinder ist es in jedem Fall ein großes Abenteuer. Und für die Eltern? Die müssen vielleicht das ein oder andere Mal tiefer durchatmen und darauf bauen, dass auch der schönste Urlaubsstress irgendwann zu Ende geht.

Möchten Sie auch einen Urlaub mit Pflegekindern verbringen, dann freuen wir uns darauf Sie als Familie kennenzulernen. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

*Namen der Redaktion geändert