Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen und der Weg dorthin…

„Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind.“

Pflegefamilien werden dringend gebraucht. Familien, Paare und Singles, die sich vorstellen können, einem Kind ein sicheres Zuhause zu geben, sind jederzeit willkommen. Pflegekinder aufnehmen – für viele Interessenten ist der Weg zum Pflegekind erst einmal mit Unsicherheiten und Fragen gespickt. Sind wir der Aufgabe gewachsen? Wie lange dauert es, bis ein Pflegekind einzieht? Erfüllen wir alle Voraussetzungen? Im Gespräch mit Pamela Premm von Premm PR berichtet Bertram Kasper, Geschäftsbereichsleiter beim St. Elisabeth-Verein, von seinen Erfahrungen und gibt Antworten auf die meist gestellten Fragen. Entstanden ist ein Mutmach-Interview für alle, die alle die Pflegekinder aufnehmen oder darüber nachdenken wollen.

Pamela Premm (PP): Vom Bewerberverfahren bis zum Einzug des Pflegekindes – es gibt viele Fragen auf dem Weg zur Pflegefamilie bis es dann zum „Pflegekinder aufnehmen“ kommt. Viele potenzielle Eltern sind sich unsicher, ob sie überhaupt die Voraussetzungen erfüllen, um Pflegeeltern zu werden. Worauf kommt es denn letztendlich an?

Bertram Kasper (BK): Schon allein, dass sich potenzielle Pflegeeltern mit der Thematik auseinandersetzen, macht sie zu guten Kandidaten. Wir sagen immer: Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind und die Lust, als Familie zusammenleben zu wollen. Um das herauszufinden, laden wir alle Kandidaten zu einem Kennenlern-Gespräch ein. In diesem ersten Infogespräch geht es darum, Vertrauen aufzubauen, und unsere fachlichen Unterstützung zur Begleitung von Pflegefamilien durch uns als Träger vorstellen. Erst dann gibt es eine ausführliche Infomappe und einen Fragebogen für die potenziellen Eltern, in dem z. B. auch Fakten zum Einkommen oder zur Wohnsituation abgefragt werden.

PP: Man liest immer wieder, dass interessierte Familien einen großen Respekt vor dem Jugendamt haben. Sind diese Unsicherheiten berechtigt?Pflegekinder aufnehmen

BK: Es kursieren die seltsamsten Vorstellungen von der Rolle der Jugendämter und über die Schärfe der Überprüfung. Auch dem Jugendamt ist es ein Anliegen, mit den zukünftigen Pflegefamilien ins Gespräch zu kommen. Insgesamt sind die Abläufe bürokratischer und stärker an offiziellen Formalien geknüpft als bei einem freien Träger. Das kann auf Interessenten respekteinflößend wirken. Vor dem Jugendamt braucht man allerdings keine Angst haben. Dort arbeiten ausgebildete Sozialpädagogen, die, genauso wie wir, auf Pflegestellen angewiesen sind. Auch bei einer direkten Zusammenarbeit mit den Jugendämtern bildet ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis die Basis. Wir arbeiten gut mit den Jugendämtern zusammen und unsere Pflegefamilien auch.

„Als Pflegefamilie wird man nicht geboren. Familien wachsen mit der Aufgabe…“

PP: Interessenten durchlaufen bei Ihnen ein mehrstufiges Bewerberverfahren. Viele interessierte Familien machen sich Sorgen, dass sie die Kriterien nicht erfüllen. Was sagen Sie diesen?

BK: Erst einmal geht es uns nicht darum, ein Urteil über die Menschen abzugeben. Im Bewerberverfahren wollen wir herausfinden, ob sich die zukünftigen Pflegefamilien zu 100 Prozent mit der Aufgabe identifizieren. Wir wissen aus Erfahrung, dass man als Pflegefamilie nicht geboren wird. Es ist ein sich Einfinden in die veränderte Situation. Man wächst in die neue Aufgabe hinein. Die interessierten Familien machen sich zu viele Sorgen. Wir versuchen daher, gleich zu Beginn, eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Wir möchten den zukünftigen Eltern Ängste und Unsicherheiten nehmen, daher stehen Gespräche an erster Stelle. Der Bewerbungsprozess darf außerdem nicht als Einbahnstraße betrachtet werden. Es ist ein wechselseitiger Prozess. Wir möchten schließlich die Familien auch von uns überzeugen.

 „Wir wollen herausfinden, wie Familien mit Übergängen umgehen.“

PP: Ein perfektes Bild von sich, seiner Familie und dem Umfeld zu zeichnen, ist also gar nicht notwendig?

BK: Nein, ganz im Gegenteil. Je offener auch über schwierige Themen gesprochen wird, desto besser. Jede Familie hat doch ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Wir wollen vor allem wissen, wie emotional belastende Momente verarbeitet wurden, wie die Familie mit Übergängen umgeht. Das können beispielsweise schwierige Lebensphasen oder einschneidende Erlebnisse wie der Verlust eines geliebten Menschen sein. Holt sich die Familie Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird? Verfügt sie über eigene Strategien, um eine schmerzvolle Erfahrung zu verarbeiten und mit ihr abzuschließen?

Auch hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Paare, die große Schwierigkeiten haben, mit Übergängen zurechtzukommen, können ganz fürsorgliche Eltern sein. Uns geht es hierbei nicht, um das ob, sondern um das wie. Wie können wir Familien bestmöglich helfen? Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch, dass die  bestehenden Familienkonstellationen durcheinander gewirbelt werden können. Familien müssen sich ganz neu sortieren. Wenn wir von den Familien schon vorab wissen, wie sie solchen Veränderungen begegnen, können wir sie als Träger besser auf dem Weg zur Pflegefamilie unterstützen.

PP: Für Geschwisterkinder und die Verwandtschaft kann ein Pflegekind auf Unverständnis stoßen. Wie kann man gerade Geschwisterkinder vorbereiten?

BK: Auch hier gilt: reden, reden, reden. Wenn ein Pflegekind in die Familie kommt, ist das für die Geschwisterkinder ein herber Einschnitt. Es beginnt eine Phase, in der das Pflegekind viel Zeit beanspruchen wird. Die Eltern werden einige Termine wahrnehmen müssen. Das Pflegekind braucht intensive Aufmerksamkeit, die von den eigenen Kindern abgeht. Daher ist es wichtig, mit den Geschwisterkindern im Vorfeld offene Gespräche zu führen und die Gefühle zu erkunden.

Pflegekinder aufnehmenKinder sind in ihren Aussagen sehr direkt. „Bei uns in der Familie ist es gut, und wir haben noch Platz für ein Kind“, sind hoffnungsvolle Vorzeichen. Stehen die eigenen Kinder einem Pflegekind eher skeptisch oder ablehnend gegenüber, ist das eine denkbar ungünstige Situation. Natürlich können die Geschwisterkinder das Ausmaß der Veränderung im Vorhinein nicht abschätzen. Daher ist es wichtig, immer wieder mit den Kindern in Kontakt zu treten. In Seminaren geben wir ihnen den Raum, um Gefühle auszudrücken. Indem wir spezielle Freizeiten für Pflegekinder anbieten, haben die Kernfamilien die Chance, immer wieder Zeit miteinander zu verbringen und die gegenseitige Bindung zu stärken.

„Der Bewerbungsprozess und bis es zum Pflegekinder aufnehmen kommt, kann ungefähr so lange dauern wie eine Schwangerschaft.“

PP: Die Pflegeeltern können es häufig kaum erwarten, bis das Kind einzieht. Wie lange dauert es vom Erstgespräch bis zur Anerkennung als Pflegeeltern und dann bis heißt: Pflegekinder aufnehmen?

BK: Das kommt immer darauf an. Wir sagen als Faustformel, dass der Bewerbungsprozess einer Schwangerschaft gleichkommt, inklusive Nestbau und Vorfreude. Einerseits nehmen wir uns ausreichend Zeit, um die Eltern kennen zu lernen. Allerdings versuchen wir auch, die Bedürfnisse der Eltern zu berücksichtigen, die von Beginn an hoch motiviert sind und der Anerkennung entgegenfiebern. Meistens dauert der Bewerbungsprozess etwa ein halbes bis drei Viertel Jahr. Manchmal forcieren wir das Verfahren auch. Dann wenn wir uns für die zukünftige Pflegefamilie ein bestimmtes Kind vorstellen können.

PP: Müssen Pflegeeltern denn alle Vorbereitungsseminare absolviert haben, bevor das Pflegekind einziehen darf?

BK: Nein, es ist sogar sehr sinnvoll, wenn sie noch einige davon wahrnehmen, wenn das Kind bereits eingezogen ist. Für die Grundqualifikation durchlaufen Pflegeeltern zwölf Module. Wenn das Pflegekind bereits in der Familie lebt, findet eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Themen statt. Das befürworten wir. Ansonsten bilden wir die Pflegefamilien regelmäßig fort. Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch sich ständig zu qualifizieren und auch Supervision in Anspruch zu nehmen.

PP: Auch aufseiten der leiblichen Eltern stehen viele Unsicherheiten und Sorgen. Die Frage, ob es dem eigenen Kind gut gehen wird, spielt dort mit ein. Welchen Einfluss haben die leiblichen Eltern auf die Auswahl der Pflegeeltern?

BK: Sowohl die leiblichen Eltern als auch die Pflegeeltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht, was wir versuchen, positiv zum Wohl des Kindes zu beeinflussen. Wenn wir glauben, dass ein Kind in einer Pflegefamilie gut aufgehoben ist, leisten wir durchaus Überzeugungsarbeit bei den leiblichen Eltern oder beim Vormund. Auch die Pflegeeltern dürfen Wünsche äußern. Ist ein Pflegekind gefunden, wird ganz behutsam der Kontakt zwischen Pflegeeltern und Pflegekind angebahnt. Hier wird sehr genau geschaut, ob es zusammenpasst und ob sich beide Seiten „gut riechen“ können.

PP: Viele zukünftigen Pflegeeltern haben die Befürchtung zu alt für ein kleines Kind zu sein. Gibt es eine Altersgrenze für Pflegeeltern?

BK: Diese Angst ist unbegründet. Auch ältere Pflegeeltern haben die Chance, ein jüngeres Kind zu bekommen. Eine Grundregel besagt, dass die Pflegekinder die Volljährigkeit erreicht haben sollten, bevor die Pflegeltern im Rentenalter sind.

PP: Gibt es auch Fälle, dass Eltern als Pflegeeltern abgelehnt wurden?

BK: Wir schauen schon ganz genau, ob die Familie, Geschwisterkinder und die Verwandtschaft hinter dem Modell „Pflegefamilien“ stehen. Manchmal wiegt ein Ereignis aus der Vergangenheit auch so schwer, dass wir erst einmal davon absehen, ein Pflegekind zu vermitteln. Es kommt vor, dass erst eine Baustelle geschlossen werden muss, bevor die Zeit für etwas Neues gekommen ist. Beim Verlust des eigenen Kindes kann es sinnvoll sein, noch etwas Zeit verstreichen zu lassen.

Wichtig ist, dass die Eltern und das Umfeld emotional gefestigt sind, dem Pflegekind einen sicheren Halt geben können, sich Hilfe bei Konflikten holen und über eine hohe Empathie-Fähigkeit verfügen. Wir möchten die zukünftigen Pflegeeltern nicht überfordern, sodass wir schon sehr genau hinschauen. Wir versuchen, aber eher unterstützend einzuwirken, wenn wir das Potenzial erkennen, anstatt Kandidaten abzulehnen. Da wir einen guten Betreuungsschlüssel haben, können unsere Fachberater Familien auch durch schwierige Situationen intensiv begleiten.

Sie spielen mit dem Gedanken ein Pflegekind aufzunehmen? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Mehr Informationen zu unserem Bewerberverfahren erhalten Sie in folgendem Magazinbeitrag: Wie werden wir Pflegefamilie?

Lesen Sie im Interview – Teil 2: Das Pflegekind zieht ein…Er erscheint am 23.05.2018 um 9.00 Uhr auf dieser Homepage.

 

Pflegeeltern sind Optimisten

Pflegeeltern sind Optimisten

Pflegeeltern sind Optimisten…

Was ist eigentlich ein Optimist? Einer der „Ja“ sagt zum Leben. Jemand der immer an das Gute und das Positive glaubt. Jemand der in der Lage ist auch negative Ereignisse positiv umzudeuten. Jemand der auch schwierige Situationen als zeitlich begrenzt, als zu kontrollieren und als in sich geschlossenes Phänomen erlebt. Wahrlich ein Optimist.

Mir bekannte Pflegeeltern würde ich als unerschöpfliche Optimisten bezeichnen. Sie sind immer gut drauf, immer ein freundliches und zugewandtes Wort auf den Lippen, meistens ein Lachen in ihren Gesichter, auch wenn sie gerade nicht im Fokus stehen, diese die liebevolle Ansprache ihres Pflegesohnes, auch wenn es gerade hoch hergeht, selbst dem größten Sturm wissen sie noch etwas Gutes abzugewinnen und eine vermeindliche Niederlage begreifen sie noch als Chance für Veränderung. Diese Pflegeeltern sind Optimisten!

Wie machen sie das bloß und was unterscheidet sie von anderen Menschen? Sind sie glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben? Haben sie mehr Selbstwert als andere Paare und spüren sie mehr Selbstwirksamkeit als Menschen in ihrer Umgebung? Und wie sind die Auswirkungen auf sie und ihre Umgebung? Was ist der Schlüssel zu diesem unerschöpflichen Optimismus? Und wozu ist Optimismus gut? Was ist der Sinn von Optimismus?

Was sagt die Wissenschaft zum Optimismus?

Ein Buch von Martin E.P. Seligman, einem der Begründer der Positiven Psychologie trägt den Untertitel „Warum Optimisten länger leben?“. Viele Studien zeigen inzwischen, dass Optimisten tatsächlich im Vergleich zu Pessimisten um ca. 19 % länger leben, dass ihre körperliche Abwehrkraft Pflegeeltern sind Optimistenund auch ihre Resilienz deutlich ausgeprägter sind, als bei eher pessimistischen Menschen. Die einschlägigen Wissenschaftsmagazine wie „GEO“, „GEO Wissen“ oder „Geist und Gehirn“ haben in den letzten Jahren viele Veröffentlichungen gerade auch bezogen auf das Zusammenspiel zwischen Geist, Gehirn und Körper dazu publiziert. Auch wenn längst noch nicht alles in diesem Kontext erforscht ist zeichnet sich eine eindeutige Tendenz ab. Die Kraft der guten Gefühle ist nachweisbar.

Dabei muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Optimismus aktuell nicht die einzige Einflugschneise in das Thema ist. Die Positive Psychologie ist schon genannt. Dazu kommt die Glück- und Zufriedenheitsforschung und nicht zuletzt die Neurobiologie, die dazu beiträgt auch die Vorgänge im Gehirn mit den dazugehörigen biochemischen  Vorgängen zu erforschen. Nicht zu vergessen die Medizin, die daran interessiert ist, wie Gesundung durch von Optimismus geprägten innerpsychische Vorgänge positiv beeinflusst werden kann.

Was sind die Wirkfaktoren von Optimismus?

Nach Durchsicht verschiedener Veröffentlichungen zum Thema kristallisieren sich folgende Faktoren als besonders wirksam heraus:

  • Eigeninitiative
  • Selbstwirksamkeitserwartung
  • Zufriedenheit
  • Ressourcenorientierung
  • Beziehungen
  • Sinn

Bei den einzelnen Faktoren wird deutlich werden, dass sie eng miteinander zusammenhängen und die Übergänge zum Teil fließend sind. Auch vor diesem Hintergrund kann der Schluss gezogen werden, dass gerade in der Verbindung der einzelnen Faktoren eine große Kraft liegt. Zufriedenheit, ein positives Gefühl und Begeisterung sorgen für die Ausschüttung neuroplastischer Botenstoffe im Gehirn. Sie sind wie Nahrung für die Nervenzellen und die neuronalen Vernetzungen. Heute wissen wir, wenn wir Erfahrungen in diesem Zustand machen, dass diese sich besonders gut einprägen.

Doch was verbirgt sich konkret hinter den oben genannten Aspekten, auch mit dem Fokus auf den Titel dieses Magzinbeitrags „Pflegeeltern sind Optimisten“:

Eigeninitiative:

Unter Eigeninitiative ist nach Prof. M. Frese gemeint, das ich aus mir selbst heraus aktiv werden, das ich zukunftsbezogen und antizipierend handele (proaktiv), das ich mit Widerstand rechne und damit umgehe und das ich die Einstellung habe mit meinem Handeln auch Veränderungen zu bewirken. Hier wird deutlich, dass sich in der Eigeninitiative auch Aspekte von Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeitserwartung wieder finden.

Gerade für Pflegeeltern scheint die Haltung der Eigeninitiative hilfreich zu sein, geht es doch im Alltag darum Lösungen zu finden und in der Interaktion mit dem Pflegekind wahrscheinlichen Widerstand nicht auf mich als Pflegemutter oder Pflegevater  zu beziehen. Viele pädagogische Handlungen sind auf die Zukunft gerichtet und wirken in der Summe, ohne dass ich deren Wirkung im jeweiligen Augenblick erkennen kann. Gerade dann kommt es stark darauf an, dass sich eine optimistische Haltung zu bewahren…eben doch Pflegeeltern sind Optimisten.

„There are three types of people in the world: those who make things happen, those who watch things happen, and those who wonder what happened.” (Ash, 1995, p. 151)

Selbstwirksamkeitserwartung:

Hier meinen Wissenschaftler wie R. Schwarzer und M. Jerusalem die innere Überzeugung selbst etwas bewirken zu können. Typische Sätze für Menschen mit dieser Überzeugung sind: „Ich erreiche meine Ziel“, „Ich schaffe das“ oder „Ich löse das jetzt aus meinen eigenen Fähigkeiten heraus“. Aus dieser Haltung heraus entsteht Energie und das Gefühl der Unabhängigkeit. Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten ist bei Menschen mit einer hohen Selbstwirksam-keitserwartung besonders ausgeprägt.

Entscheiden sich Familien Pflegefamilien zu werden, haben sie oft unausgesprochen ein ausgeprägtes Selbstwirksamkeitsempfinden. Sie sind geleitet von der Idee, dass sie neben den eigenen Kindern Kraft, Energie und Liebe für weitere Kinder haben. Der Wunsch etwas zu teilen bzw. weiterzugeben ist ausgeprägt. Sie möchten lebenswerte Lebensräume für Kinder schaffen, die eben eher weniger Selbstwirksamkeitserleben haben, denen eben nicht so leicht über die Lippen kommt „Ich bekomme das hin“. Pflegeeltern vertrauen darauf, dass sich Wege finden lassen und wir als Fachberatungsdienst begleiten Pflegefamilien dabei, den Blick auf Wirksamkeit zu erhalten.

Zufriedenheit:

Die Psychologin A. Schütz von der TU Chemnitz fand heraus, dass es zwischen dem Erleben von Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit einen unmittelbaren Zusammenhang gibt. Je selbstwirksamer ich mich erlebe, desto zufriedener bin ich mit mir und meinem Leben. Die Schere zwischen Selbst- und Idealbild ist gering. Wir sind dann zufrieden, Pflegeeltern sind Optimistenwenn wir unseren eigenen Weg gehen können, wenn wir zu den getroffenen Entscheidungen stehen können. Auch hier wird wieder der Bezug zur Selbstwirksamkeit deutlich. Zufriedenheit stellt sich auch dann ein, wenn ich mit meinen Werten im Einklang leben kann, wenn sie beruflich und privat kongruent sind, wie H. Jellouschek in einer Befragung von deutschen Managern herausfand.

Wir als Fachberatungdienst für Pflegefamilien erleben in der Zusammenarbeit mit unseren Familien genau die beschriebene Verbindung. Die Kraft für das Pflegefamiliesein, die Ausdauer auch schwierige Phasen mit den Pflegekinder zu überstehen, kommt genau aus der Quelle des Zusammenspiels, von Selbstwirksamkeit, Zufriedenheit und der gelebten Einklang mit den eigenen Werten als Familie. Diese Wirkkraft ist für viele Pflegekinder genau die Voraussetzung einen Ort von Konsitenz zu erleben, der die Tür für das eigene Selbstwirksamkeitserleben weit aufstoßen kann. Ein echtes Geschenk.

Ressourcenorientierung:

Wer die Fähigkeit besitzt, die eigenen Ressourcen in den Fokus seiner Aufmerksamkeit zu stellen verfügt über eine Quelle der Stärkenorientierung. Insoo Kim Berg und Steve de Shazer haben auf dem Hintergrund der Lösungs- und Ressourcenorientierung einen eigenständigen Therapieansatz entwickelt. Auch Seligman hat Ende der 90er Jahre in der Stärkenorientierung eine entscheidende Säule für die Positive Psychologie gesehen.

Vielen Pflegeeltern scheint dieser Aspekt in die „Wiege gelegt zu sein“. Der Fokus auf die eigenen Stärken und auch der Fokus auf die gelingenden Situationen in der Interaktion mit den Pflegeeltern sind von immenser Bedeutung. So lassen sich Entwicklungen initieeren, die zu Beginn von Pflegeverhältnissen vielleicht nicht zu erwarten gewesen wären.

Deshalb achten wir als Fachdienst auch im Bewerbungsprozess auf die Fähigkeit zur Stärkenorientierung. Ist das Glas halbvoll oder ist das Glas halbleer? Dazu gehört für uns auch der Aspekt der Offenheit sich als Pflegefamilie auf eigene Lern- und Entwicklungsprozesse einzulassen, um für sich selbst weitere Stärken und Fähigkeiten zu etablieren. Neben der Fachberatung stehen unseren Pflegefamilien noch weitere Unterstützungssysteme wie Supervision, Fortbildung und Regionalgruppe zur Verfügung.

Beziehungen:

Der Wissenschaftsjournalist W. Bartens schreibt: „Wer sich jeden Tag missmutig ein paar Löffel kalt gepresstes Olivenöl einflößt, der wird davon kein gesundheitlichen Nutzen haben“. Sinnvoller sei da ein Schweinebraten mit guten Freunden. Auch G. Hüther geht davon aus, dass ein gutes soziales Netzwerk erheblich zur Stabilisierung in schwierigen Zeiten beiträgt.

Pflegeltern sind Optimisten


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Dabei wirken vor allen die direkten Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse. Sie sind dem Optimismus förderlich und tragen durch die Zugehörigkeitserfahrungen deutlich zu einem stabilen Selbstwert bei.

Wir erleben Pflegefamilien mit einem ausgeprägten Netzwerk, als stabile Systeme, denen es auch leichter gelingt schwierige Phasen zu überstehen. Dabei ist aus unserer Erfahrung für die Familien besonders wichtig, dass das direkte familiäre Beziehungsnetzwerk auch hinter der Idee steht,  Pflegefamilie zu werden. Eng mit dem Beziehungsthema ist der Aspekt des Zugehörigkeitsgefühls verknüpft. Sichere Beziehungen begünstigen das Erleben von Zugehörigkeit. Gerade auch für Pflegekinder trägt die Erfüllung diese zentralen Bedürfnisses zur Entwicklungsförderung bei.

Und zu welchem Schluss kommen Sie für sich?

Und? Zu welchem Schluss kommen Sie ganz für sich? Sind Sie ein optimistischer Mensch, überwiegt der Optimismus in Ihrer Familie? Finden Sie etwas der Wirkaspekte von Optimismus bei sich und ihren engsten Angehörigen wieder? Wie stark sind die einzelnen Faktoren ausgeprägt und welche gilt es vielleicht noch zu entwickeln? Wie dem auch sei…Pflegeeltern sind Optimisten.

Wir freuen uns über Rückmeldungen und Kommentare und wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen, um sich über ein Leben als Pflegefamilie zu informieren.

Pflegekinder in der Pubertät

Pflegekinder in der Pubertät

Gedanken über die Zeit zwischen Anschmiegen und Opposition in Pflegefamilien

Pflegekinder in der Pubertät..

Eine kleine Anekdote eines pubertierenden Mädchens:

„Als ich klein war, hab ich mich über mein neues Fahrrad gefreut. Meine Eltern rannten neben mir her. Und dann bin ich losgefahren. Ich wußte, dass am Rand Stützräder waren und mich hielten. Jetzt bin ich 15. Ich brauche meine Eltern nicht mehr so nah bei mir. Aber mir tun die Jugendlichen leid, deren Eltern überhaupt nicht in der Nähe sind. Ich möchte die Stützräder nicht ganz und gar abhaben, ich möchte sie nur nicht andauernd spüren müssen.“

Die Pubertät ist eine Zeit des Übergangs, in welcher der Jugendliche nicht mehr die Rolle des Kindes und noch nicht die Rolle des Erwachsenen innehat. Sie ist für alle Beteiligen, sowohl für die Jugendlichen, als auch für die Mütter und Väter eine anstrengende Zeit. Anstrengend deshalb, weil bisher Vertrautes in der Beziehung zwischen Eltern und den Heranwachsenden nicht mehr klappt. Diese Entwicklung bringt neue Verhaltensweisen der Jugendlichen hervor und verlangt neue Formen des Umgangs miteinander. Sowohl die Jugendlichen, als auch deren Eltern sind verunsichert.

Vielfältige Entwicklungsaufgaben…

In dieser Zeit müssen von den Jugendlichen vielfältige Entwicklungsaufgaben wahrgenommen werden. Entwicklungsaufgaben entstehen aus drei unterschiedlichen Bedingungen heraus: Aufgrund der körperlichen Reife eines Menschen, der Erwartungen der Gesellschaft, sowie auf Grund von persönlichen Zielsetzungen und Wertvorstellungen einer Person.

Entwicklungsaufgaben im Jugendalter sind zum einen biologisch bedingt, d. h. durch das wirksam erden bestimmter Hormone entstehen körperliche Veränderungen, wird die Sexualität aktiviert und die Fähigkeit zur Fortpflanzung entdeckt. Zum anderen gibt es kulturell bzw. gesellschaftlich bedingte Entwicklungsaufgaben. Im Einzelnen werden benannt:

  • Akzeptanz des eigenen Körpers und der eigenen körperlichen Erscheinung (Annahme der körperlichen Veränderung)
  • Aneignung der Geschlechterolle, d.h. der Verhaltensmuster, die in unserer Gesellschaft von Frauen und Männern erwartet werden.
  • Aufbau von Freundschaften und verantwortungsbewußteren Beziehungen zu Gleichaltrigen (=peer-group)
  • Emotionale Ablösung von den Eltern und von anderen Erwachsenen. Ziel ist von beiden Elternteilen emotional unabhängiger zu werden.
  • Aufnahme von intimeren Partnerbeziehungen (zum Freund und/oder zur Freundin), d. h. Eingehen von neuen Bindungen außerhalb des Elternhauses.

Damit verbunden ist die Entwicklung von Vorstellungen über Ehe, Familie und intimes Zusammenleben, d.h. die Vorbereitung auf die Gründung einer Ehe und Familie.

  • Aufbau von Wissen darüber, was man werden will und was man dafür können und lernen muß.
  • Aufbau eines realistischen Selbstbildes, d.h. wissen wer man ist und was man möchte.
  • Entwicklung einer eigenen Weltanschauung, d.h. Aufbau von Wertorientierungen die als Richtschnur für das eigene Verhalten akzeptiert werden.
  • Aufbau von auf die Zukunft gerichteten Erwartungen und Perspektiven, d.h. Bildung von Zielen, von denen man glaubt sie erreichen zu können.

Der Weg zur eigenen Identität…

Es wird deutlich, dass die zentrale Aufgabe die Suche nach der eigenen Identität ist. Der Psychoanalytiker Eric Ericson hat dies besonders in den Mittelpunkt seiner Forschungen gestellt. Das Jugendalter ist die Zeitspanne, in der vieles ausprobiert wird, um zu einer eigenen Identität oder einem eigenen Selbstkonzept zu finden. Ericsson sieht in diesem Ausprobieren den entscheidendsten und wichtigsten Schritt hin zu einer eigenen und eigenständigen Identität. Wenn Sie sich noch einmal die beschriebenen Entwicklungsaufgaben vergegenwärtigen, steht die Suche nach der Identität, die Selbstfindung, im Mittelpunkt der Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen. In der Psychologie wird der Begriff Identität nicht einheitlich verwendet. Übereinstimmend steht jedoch fest, dass Identität das ist, was jemand „wirklich“ ist und durch folgende Komponenten näher gekennzeichnet ist:

  • Die Person für die man sich selbst hält.
  • Die Person, die man gerne sein und werden möchte und wie sie zu werden glaubt.
  • Die Person, für die einen andere halten und wie diese einen selbst haben möchten.

D.h. Identität meint die Beschaffenheit des Selbst als eine einmalige und unverwechselbare Person durch die soziale Umgebung und durch das Individuum selbst.

Wie waren die eigenen Erfahrungen in der Pubertät

Pubertät stellt eine Herausforderung für die ganze Familie dar. Ebenso verschieden wie die Jugendlichen selbst, sind ihre Mütter und Väter. Sie als Eltern fühlen sich möglicherweise an die eigene Pubertät erinnert. Heute jedoch sind Sie in der Rolle der Eltern. Im Erleben mit den eigenen Kindern oder mit Pflegekindern können schöne und schmerzhafte Erfahrungen aus der eigenen Jugend wach werden. Sie können auch in ihrem eigenen Verhalten überrascht oder auch betroffen das Verhalten Ihrer Eltern wiedererkennen. Wer von uns kennt nicht die Situation, wie er in Auseinandersetzungen mit seinen Kindern ähnliche Worte oder einen ähnlichen Tonfall wie der eigene Vater benutzt. Dabei können unsere Vorerfahrungen einen unbefangenen Umgang mit unseren pubertierenden Kindern erschweren, oder auch helfen, sie zu verstehen.

Für eine Familie als flexibles Beziehungsnetz bedeutet das Heranwachsen der Kinder stets Veränderung. Dies wird in folgendem Schaubild zur Krisentheorie und zur Veränderung in Familien deutlich. Die Phase der Pubertät stellt für Familien immer auch eine mögliche Krise dar. Sie wird in der Theorie als sogenannte Entwicklungskrise beschrieben, d.h. eine Krise, die vorhersehbar ist und mit der man sich im Vorfeld beschäftigen kann.

Wie können Sie Ihr Kind bzw. Pflegekind unterstützen?

Es stellt sich also die Frage: „Wie können Sie Pflegekinder in der Pubertät unterstützten“. Wie gut die Balance zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Übernahme von Verantwortung gelingt, hängt von der Persönlichkeit der Jugendlichen und den früheren, wie auch den gegenwärtigen Beziehungen zwischen den Eltern und den Jugendlichen ab. Eine gute Unterstützung ist es, wenn die Eltern Selbständigkeit bieten, so dass das Kind eine Chance hat, sich damit zu identifizieren. Hilfreich ist ein Vorbild, das in einem ausgewogenen Maße Orientierung gibt und zugleich altersgerechte Gelegenheiten zu unabhängigen und eigenverantwortlichen Handlungserprobungen gewährt. Wie Sie alle wissen, ist dies leichter gesagt als getan. Dies gilt besonders auch für Pflegekinder, zu denen man in der Regel ein anderes Verantwortungsbewußtsein als gegenüber den eigenen Kindern verspürt.

Sowohl die Erfahrung, als auch die Experten lehren, dass Eltern, die einerseits ihre Führungsrolle übernehmen und andererseits ihre Verhaltensregeln und Erwartungen häufig erläutern, die Entwicklung Ihrer Kinder zu verantwortungsbewußten und selbständigen Menschen begünstigen. Sie zeigen sich selbst als interessierte, sinnvoll lenkende und mit dem Kind kommunizierende Eltern und geben ihm vermehrt Gelegenheit zu selbständigem Handeln. Gleichzeitig bestärken sie durch die von ihnen erwiesene Zuneigung und Achtung ihrer Kinder darin, sich mit ihnen zu identifizieren. Durch ihr Verhalten bieten sie sich als Modell für vernünftige Selbständigkeit an. Dem gegenüber sind nachlässig oder zu autoritäre Eltern kein Vorbild für verantwortungsbewußte, kooperative Selbständigkeit. Diese Erziehungsstile werden in extremen Ausprägungen von Kindern als Ablehnung erlebt und behindern damit eine positive Identifikation mit den Eltern.

Die Familie als Zwischenglied…

In der Zeit der Pubertät kommt der Familie in ihrer Funktion als Zwischenglied für den Jugendlichen und der Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Die wechselnden Bedürfnisse der Gesellschaft müssen von den Eltern übersetzt und vermittelt werden. Dabei ist es wichtig, als Familie flexibel und kompromißfähig zu sein, um die wachsenden Bedürfnisse der Kinder nach Freiraum zu berücksichtigen. Nur mit dieser Durchlässigkeit der Familie – Umwelt – Grenze, wird dem Jugendlichen erlaubt, einen Vergleich zwischen der eigenen und anderen Familien zu ziehen.

Pflegekinder in der Pubertät…

Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, dass es neben den spezifischen Problemen ähnliche Auseinandersetzungen wie bei den eigenen Kindern geben wird. Diese Auseinandersetzungen gehen um Kleidung, Rauchen, evtl. Alkoholkonsum, Schminken, laute Musik, Mithilfe im Haushalt und über den Freundeskreis oder vieles andere mehr.

Bei gelungener Identifizierung in der Pflegefamilie im Kindesalter, hat das Kind die Werte und Normen der Eltern als seine eigenen übernommen. Vor dem Hintergrund des psychoanalytischen Gedankenbildes bildet sich ein Gewissen und das Kind hat gelernt, sich an den elterlichen Idealen zu orientieren. Wie oben beschrieben, ist es in der Pubertät notwendig, dass die Jugendlichen ihre Identifikation mit den Eltern lockern und aufgeben können. Die Lockerung bedeutet aber auch, dass damit die Normen, Werte und Ideale, die sich am Vorbild der Eltern gebildet haben, in Frage gestellt werden. Dies ist für die Jugendlichen nicht nur eine Befreiung, sondern auch ein Verlust an Orientierung. Pointiert gesagt drückt sich dies in dem Satz aus:

„Die Pubertierenden beherrschen nichts und sie wollen doch alles beherrschen“.

Indem die Jugendlichen sich von den Eltern abzuwenden beginnen und die Identifikation mit Ihnen fragwürdig wird, werden zwangsläufig auch die elterlichen Ideale unsicher bzw. sie werden sogar bekämpft. Das hat eine erhebliche Selbstunsicherheit zur Folge, die sich hinter herablassender Verachtung und Überheblichkeit Autoritäten gegenüber verbirgt. Wenn man die Eltern als inneres Vorbild und Ideal verliert, verliert man auch einen Teil von sich selbst und aufgrund dieser Verunsicherung wird für die Jugendlichen nichts wichtiger als neue Ideale außerhalb der Familie zu finden, denen sie sich häufig ebenso blindlings unterwerfen, wie zuvor der elterlichen Autorität.

Pflegekinder und Pubertät

Pflegekinder in der Pubertät

Diese Entwicklung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Eltern. Beziehungen zwischen Kindern und Eltern verändern sich grundlegend. Wenn sich der Sohn nicht mehr an seinem Vater orientiert und dessen Wünsche als etwas ansieht, was ihn nicht mehr betrifft, sehen viele Eltern die Beziehung zu ihren Kindern als grundlegend gefährdet.

Durch solche zwangsläufig eintretenden Entfremdungen werden Pflegeeltern noch mehr beunruhigt als leibliche Eltern, weil sie sich oft nicht auf sichere Beziehungen in der frühen Kindheit stützen können. So werden die Abgrenzungsversuche bei den Jugendlichen schnell so interpretiert, dass das Kind nie ihr Kind geworden sei. Alle Schwierigkeiten, die mit der Ablösung verbunden sind, verstehen sie leicht als Ergebnis von Erbanlagen und frühkindlichen Erziehung, auf die sie keinen Einfluß hatten. Damit stellen die Eltern die Beziehung zum Pflegekind von sich aus in Frage und reagieren auf Schwierigkeiten unter Umständen mit Ausstoßungstendenzen. Dadurch, dass sie den pubertären Ablösungsprozeß als grundlegende Infragestellung der Beziehung erleben, sind sie tief betroffen über das Ergebnis ihrer Fürsorge.

Die Ablösungsprozesse zielführend gestalten

Wenn Pflegeeltern die Ablösungskrise als eine Krise ihrer bisherigen und gegenwärtigen Beziehung zum Kind wahrnehmen, werden sie selbst in ihrer Elternrolle stark verunsichert. Dabei geht es in diesem Entwicklungsabschnitt nur darum, dass sowohl die Eltern, als auch das Kind ihre Beziehung zueinander neu festlegen müssen. Aber das merken die Eltern oft nicht, sie merken nur, dass ihr Einfluß auf das Kind geringer wird, dass sie das Kind nicht mehr steuern können, wie sie es früher tun konnten. Sie setzten auf Grund ihrer Auffassung von den eigenen elterlichen Aufgaben, den Selbstbestimmungstendenzen des Kindes Widerstand entgegen, so dass es zwischen Eltern und Kind zu Machtkämpfen kommt. Dies erschwert für beide Seiten den Ablösungsprozeß.

Hinzu kommt, dass in diesen Situationen womöglich das Kind seine leiblichen Eltern idealisiert und sie als nicht einschränkend phantasiert. Dadurch wird die Situation in den Pflegefamilien in der Regel verschärft, weil die leiblichen Eltern in einer bisher ungewohnten Weise vom Pflegekind in das Pflegeelternsystem hineingezogen werden. Aber auch die leiblichen Eltern drängen sich dann oft mehr auf, weil sie bisher keine Gelegenheit hatten, sich mit ihrem schlechten Gewissen, bezogen auf die Herausnahme auseinanderzusetzen. Sie wollen dann wieder zur Verfügung stehen und etwas gutmachen. In der Folge kommt es zu Auseinandersetzungen und Konkurrenzsituationen zwischen Pflegeeltern und leiblichen Eltern.

Ablösungsbemühungen in der Eltern – Kind Beziehung sind immer auch von aggressiven Gefühlen bestimmt. Trennung und Trauer gehen notwendigerweise mit Aggressionen einher. Die Aggression dient im psychologischen Sinne der Distanzierung. Gelingt es Pflegeeltern die menschliche Aggression nicht als vermeintliche Bosheit mißzuverstehen, sondern als wertvolles, stammesgeschichtliches Erbe anzusehen, welches zum Ziel die Distanzierung und dadurch die Fortentwicklung hat, können Empfindungen persönlicher Kränkung und Wertminderung in dieser Entwicklungsphase eher vermieden werden.

Welche Wege können nun aus dieser Krise und den möglichen Schwierigkeiten führen?

Die Ablösungskrise kann nur überwunden werden, wenn nicht nur das Kind, sondern auch Sie als Pflegeeltern die Beziehung im Sinne einer zunehmenden Distanz verändern können. Wenn Sie die Beziehung zu den Jugendlichen nicht verlieren wollen, geht es darum die Ambivalenz, das Hin- und Herschwanken zwischen Abstoßung und Anklammerung zu ertragen. Hilfreich kann es sein, die Jugendlichen bei deren Ablösungsbemühungen zu unterstützen. Pflegekinder in der PubertätDabei ist es wichtig, dass Sie sich klarmachen, dass Sie trotz der täglichen Konflikte nicht aufgeben, dem Jugendlichen weiter orientierend zur Verfügung stehen. Ihr Jugendlicher wird bestimmt keine geradlinige Entwicklung nehmen. Immer wieder versuchen sie sich der Leistung, die sie erbringen sollen zu entziehen. Sie halten ihr Pensum nicht durch und müssen öfter als andere ihre Lehrstelle wechseln. In der Familie fällt es den Kindern und Jugendlichen schwer, ihre altersgemäßen Pflichten zu übernehmen. Sie halten sich nicht an Absprachen und kommen immer wieder zu spät nach Hause. Sie leben nach dem Prinzip „Bedürfnisbefriedigung jetzt“. Sie können ihr Geld nicht einteilen. Manche sind suchtgefährdet. Andere geraten mit dem Gesetz in Konflikt. Andere Pflegekinder laufen immer wieder weg. Dennoch benötigen diese jungen Menschen Erwachsene, die trotzdem zu ihnen halten, sie mitsamt ihrer Problematik annehmen. Wenn ein Erwachsener zu einem Jugendlichen der gestohlen hat, sagen kann – „Was du getan hast, finde ich nicht gut, aber ich achte dich trotzdem“ – dann hat er eine Chance, diesen Teufelskreis zu unterbrechen.

Pflegekinder in der Pubertät – einige Anregungen zum Umgang

Mir ist wichtig, dass Sie die folgenden Ausführungen nicht einfach als Pflichtprogramm hinnehmen, sondern sie als Wegweiser betrachten können, der Ihnen Anregungen geben soll, dass eine oder andere auszuprobieren. Wichtig ist, dass Sie sich jedoch in Ihrer Haut wohl fühlen, denn Ihre eigene Lebenskraft und Ihre Lebenslust wirken unmittelbar positiv auf Ihre Kinder.

  • Für die Jugendlichen ist es sehr unterstützend, wenn Sie einfach da sind, ohne sich ihnen aufzudrängen. Es gilt, sagen Sie nichts, hören Sie einfach Ihrem Kind zu. Haben Sie ein offenes Ohr für die Gedanken und Gefühle Ihrer Pflegekinder.
  • Geduld im Ertragen der widersprüchlichen Gefühle von Zuneigung und Abneigung bei den Jugendlichen und bei Ihnen selbst. Einfühlung und vielleicht auch die Erinnerung an eigene Krisen können dabei helfen. Erlauben Sie sich und Ihrem Kind Schmerzen zu leiden, Konsequenzen zu halten und Rückschläge zu ertragen.
  • Sinnvoll ist es auch, die eigene Lebenserfahrung nicht als die einzig Mögliche hinzustellen, nicht als den einzig richtigen, perfekten Lebensstil anzubieten, sondern auch kritisierbar zu sein.
  • Sie sollten den Jugendlichen ermöglichen, dass sie und Ihre Geschichte kennenlernen, auch mit ihren Schattenseiten.
  • Dies verlangt von den Eltern Aufrichtigkeit sich selbst gegenüber.
  • Sie sollten kein schlechtes Gewissen haben, weil Sie auf der Einhaltung der von Ihnen aufgestellten Regeln und Grenzen bestehen. Wichtig ist jedoch, auch innerlich offen für Verhandlungen zu sein, um nicht in einem einzigen Machtkampf zu enden.Pflegekinder in der Pubertät
  • Eltern sein heißt sich in Beziehung setzen. Wenn es nur darum geht, Kontrolle zu halten, dann werden Sie sicherlich nicht den erwarteten Erfolg erzielen.
  • Stellen Sie gemeinsam Regeln auf. Wichtig dabei ist, sie klar und knapp zu formulieren und deutlich wird, dass Sie das letzte Wort haben. Die Sache mit den Grenzen ist bei Jugendlichen nicht anders als bei Kindern anderer Altersgruppen. Jugendliche sind bloß schlauer. Sie können einen eher einschüchtern oder überreden.
  • Halten Sie zusammen. Lassen Sie nicht zu, dass Sie die Jugendlichen gegeneinander ausspielen.
  • Zügeln Sie Ihren Zorn.
  • Bleiben Sie da. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, schreiend aus dem Zimmer rennen zu wollen.
  • Sie können ruhig verletzlich sein. Jugendliche sind verletzlich und Eltern sind auch verletzlich. Wenn Sie Ihre eigene Verletzlichkeit zum Ausdruck bringen, kann das für Jugendliche der Anstoß sein, über ihre eigene Verletzlichkeit zu sprechen. Zu einer guten Beziehung gehört auch, dass man sich auch in die Karten gucken läßt.
  • Lassen Sie sie gehen, aber verlassen Sie sie nicht. Sie haben sie verwurzelt, jetzt müssen Sie sie beflügeln. Ablösung und Bindung sind eng miteinander verknüpft. In welcher Phase der Ablösung sich Ihr Kind auch befinden mag, es braucht Ihre Hilfe. Denken Sie an das Mädchen, das die Stützräder nicht ganz und gar abhaben will, aber sie auch nicht andauernd spüren wollte und wenn die Stützräder eben noch spürbar sind, protestiert es.
  • Lassen Sie sich Zeit. Jugendliche verlangen nicht, dass Sie für sie irgendetwas Besonderes oder etwas Erfüllendes organisieren, sie wollen Sie und Ihre Zeit.
  • Mahlzeiten sind Chancen für Gespräche.
  • Erziehung findet oft ganz nebenbei statt.
  • Nisten Sie sich im Hinterkopf Ihres Kindes als kleine Stimme des Gewissens ein.
  • Entspannen Sie sich.

Ich hoffe, es wurde deutlich, wie komplex das Thema „Pubertät“ und „Pubertät in Pflegefamilien“ ist. Vielleicht haben Sie dennoch einen Eindruck bekommen, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, sich dieser Ablösungskrise zu stellen und sie erfolgreich zu bewältigen. Ich bin sicher, die Prognose ist gut, auch wenn das Engagement von Ihnen als Pflegeeltern vielleicht erst Früchte trägt, wenn der junge Mensch 30 Jahre alt ist. Lassen Sie sich nicht entmutigen, sondern sagen Sie zu Ihren Kindern und Jugendlichen, „Wenn nicht jetzt, irgendwann wirst Du einen guten Weg für Dich gehen“.

Enden möchte ich mit dem Zitat von Aischylos:

„In Zeiten der Dunkelheit ist es Zeit zu lieben, kann ein Akt der Liebe die Balance herstellen.“

Unsere Fachberatungen begleiten unsere Pflegefamilien in dieser abenteuerlichen Zeit und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Wir organisieren Fortbildungen zum Thema „Pubertät in Pflegefamilien“ und wir stellen Supervision zur Verfügung. Unsere Pflegefamilien werden intensiv unterstützt.

Möchten auch Sie Pflegeeltern werden freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

 

 

 

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Sich willkommen fühlen: Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Von Gastautorin Pamela Premm

Ich war zu spät. Fast eine halbe Stunde. Im Winter rollen die Züge nicht so regelmäßig aus dem Bahnhof, wie sie sollten. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat mich zu einem Kennenlerngespräch eingeladen. Sie planen ihren Content-Bereich auf der Webseite auszubauen und suchen eine passende Redakteurin. Da ich selbst Mama bin, berührt mich das Thema Pflegefamilie sofort.

Das Gebäude des St. Elisabeth-Vereins liegt auf einer Anhöhe vor den Toren Marburgs. Es ist ruhig, beschaulich. Trotz meiner Verspätung werde ich am Eingang von einer Kollegin herzlich in Empfang genommen. Den Kaffee darf ich mir in der kleinen Küche selbst aussuchen. Etwas aufgeregt bin ich schon. Wahrscheinlich geht es mir da wie den zukünftigen Pflegeeltern. Doch meine Nervosität wird mir schnell genommen. Die Kollegen des St. Elisabeth-Vereins, mit denen ich das Gespräch führe, sind freundlich und zugewandt. Die Atmosphäre ist familiär. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben.

Ich lerne ein neues Wort: verhaltensoriginellZu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Nicht alle Pflegekinder sind umgänglich, erfahre ich. Die meisten haben ein ordentliches Päckchen zu tragen. Feiertage wie Weihnachten oder Muttertag sind per se mit starken Emotionen verknüpft und eine besondere Herausforderung für die Familien. „Einige Kinder sind verhaltensoriginell“, sagt Bertram Kasper, der sich seit nunmehr 25 Jahren um Pflegefamilien kümmert. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern beschreibt eher eine Realität, die mit dem romantischen Bild von Familie so gar nichts zu tun hat. „Die Pflegekinder schaffen es ohne Weiteres durch auffälliges Verhalten ein ganzes Familienfest zu sprengen“, ergänzt er. Daher sei es wichtig, ruhige, klare Abläufe und Strukturen an den Feiertagen zu schaffen, an denen sich die Kinder orientieren können.

Als Mutter von zwei eigenen Kindern kann ich nur zustimmend nicken. Selbst meinen beiden werden große Feiern manchmal zu viel. Und statt freudige Kinderaugen gibt es Tränen. Wie soll es da nur den Kindern gehen, die gar nicht genau wissen, wie man Weihnachten und Geburtstage eigentlich feiert? Für die große Ereignisse bisher mit Enttäuschungen verbunden waren? „Es gibt immer wieder diese schwierigen Tage“, sagt Esther Schmitt, die sich unter anderem auch um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins kümmert. „Das sind Tage, an denen die Familie besonders in den Fokus rückt. Die Kinder können den Überschwall an Geborgenheit kaum verkraften. Stattdessen brechen angestaute Emotionen aus.“

Der Verein nimmt zukünftige Pflegeeltern an die Hand

Zum Glück sind die Pflegefamilien nicht allein. Von Beginn an steht ihnen der Verein als Ratgeber zur Seite. Ähnlich wie bei mir gibt es für potenzielle Pflegefamilien ein erstes Kennenlerngespräch. Erst dann folgen schriftliche Informationen. „Wir möchten herausfinden, ob wir zueinander passen. Die Eltern sollen das Gefühl bekommen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind“, sagt Esther Schmitt.

Wir sind seit über 30Jahren als Pflegefamilie tätig, davon seit 15 Jahren als Erziehungsstelle beim St. Elisabeth Verein, Pflegefamilien Hessen. Wir stellen immer wieder fest, dass das eine sehr gute Entscheidung war. Wir sind dankbar durch unsere Fachberaterin gut betreut zu sein. Wir erfahren durch sie eine gute Unterstützung in den verschiedensten Alltagssituationen, aber auch wenn es mal problematisch wird. Durch die diversen Fortbildungsangebote werden wir optimal geschult und die Gemeinschaft innerhalb des Vereins und der Erziehungsstellen empfinden wir als super hilfreich.

Martina und Harry Pflegefamilie aus Leidenschaft für Kindern mit Handicap

„Wir möchten natürlich auch Werbung für uns machen. Schließlich sind wir auf die Unterstützung der Familien angewiesen.“ Dafür bietet der St. Elisabeth-Verein ein Paket mit umfangreichen Weiterbildungsmaßnahmen für die Familien.  „Uns ist es wichtig, dass die Eltern sich ausreichend qualifiziert fühlen für die anstehende Aufgabe“, sagt Jens Rohe, Geschäftsbereichsleiter des Vereins und ebenfalls Pflegevater. Dafür bieten wir entsprechende Seminare und Workshops an und geben Familien regelmäßig die Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen.“ Der Verein ist überdurchschnittlich engagiert. Das spürt man auch im Gespräch.

Gemeinsam entwickeln wir die ersten Themen

Schnell entsteht ein Dialog über die Themen, für die sich Familien und Pflegefamilien gleichermaßen interessieren könnten. Wir sammeln Ideen für den Redaktionsplan: Authentische Geschichten sind wichtig, um Emotionen zu wecken. Informationen, um aufzuklären. Einblicke in den Alltag mit Pflegekindern, um die Freude widerzuspiegeln. All dies hatte ich mir schon auf der Zugfahrt notiert.

Besondere Situationen wie der erste Urlaub oder das erste Osterfest als neue Familie, Erfolgsgeschichten von erwachsenen Pflegekindern: Es gibt so viele Themen, die Eltern und zukünftige Eltern beschäftigt. Ich habe das Gefühl, Gutes zu tun, wenn ich den Verein dabei unterstütze, seine Ziele zu erreichen. Wir umreißen noch kurz, wie wir gemeinsam beginnen können. Dann ist die Zeit auch schon wie im Fluge vergangen.

Einen Matching-Prozess gibt es auch für Pflegefamilien

„Es wird sehr genau geprüft, welches Kind in welche Familie passt“, sagt Betram Kasper, der mich freundlicherweise zurück zum Bahnhof fährt. Ein aufwendiges Profiling bildet dafür die Grundlage. „Quirlige Kinder passen eher in eine Familie, die auch mal Fünfe gerade sein lässt. Zu ruhigen Eltern passt eher ein zurückhaltendes Kind, das viel Zuneigung und Fingerspitzengefühl braucht. Dahinter steht immer das gemeinsame Ziel, den Pflegekindern die Möglichkeit zu bieten, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu werden, einen Beruf auszuüben und sich vollständig intergriert zu fühlen“, sagt er abschließend und ergänzt: „Viele Kinder haben seit Gründung des Vereins ihren Weg gefunden und Hürden erfolgreich gemeistert. Es sind die kleinen Erfolgsgeschichten, die uns motivieren und zeigen, dass sich unser Einsatz lohnt.“Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Ich nehme viel mit aus dem Gespräch

Pflegeeltern sind Sinnstifter, die Wertvolles auf den Weg bringen. Pflegefamilie zu sein, ist eine intensive Zeit, geprägt von Fürsorge und dem nötigen Respekt vor der Aufgabe und füreinander. Im Grunde unterscheidet es sich nicht all zu sehr von einem normalen Familienalltag. Mit dem Unterschied, dass die Höhen ein bisschen höher und die Tiefen ein bisschen tiefer ausfallen. Und dass es im Hintergrund auch noch die echten Eltern gibt. Das Leben mit Kindern verändert alles. Das Leben mit Pflegekindern verändert noch mal mehr. Mit einem warmen Gefühl im Herzen fahre ich zurück nach Kassel. Ich freue mich auf die Arbeit und darauf, im Moment des Schreibens ebenfalls zum Sinnstifter zu werden, wie es die vielen Familien und Paare für ihre Pflegekinder sind.

Den Artikel schließe ich mit einem offenen Plädoyer für den ersten Schritt: Alle, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren, sollten unbedingt Kontakt zum St. Elisabeth-Verein aufnehmen und sich von den kompetenten und freundlichen Mitarbeitern beraten lassen. Es lohnt sich ganz bestimmt.

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen – Hier finden Sie das Kontaktformular oder rufen Sie einfach an.

Von Gastautorin Pamela Premm

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein – eine starke Gemeinschaft

Ein  Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl stellt eines der zentralsten Bedürfnisse von uns Menschen dar. Wir möchten dazugehören, dabei sein, uns zuhause, angenommen und verbunden fühlen, ein Netz haben, beheimatet sein  und  Wurzeln  schlagen können.  Hoffentlich  verfügen  wir  über  vielfältige  Möglichkeiten, Gemeinschaft zu leben und uns zugehörig zu fühlen: im familiären Umfeld, in unserer Kirchengemeinde, in Vereinen, in einer Gruppe mit  Freunden  oder  Weggefährten und nicht zuletzt auch im  Arbeitsbereich, in einem Team, oder bei einem Projekt. 

sense of belonging…

Schon  Alfred  Adler  (Sozialmediziner  und  Begründer  der  Individualpsychologie)   sagte:  „Wenn   der Mensch  sich  angenommen  und  verstanden weiß, wenn er gemäß seinen Gaben und Fähigkeiten einen Beitrag zur  Gemeinschaft  leisten  kann,  dann  stellt sich Zugehörigkeitsgefühl ein.“ Der angloamerikanische  Begriff  für Zugehörigkeitsgefühl  heißt  „sense  of  belonging“ und drückt damit auch den so  zentralen, sinnlichen und sinnstiftenden Teil der Bedeutung von Zugehörigkeit aus. Wie  fühlt  sich  Zugehörigkeit  für  mich  in  ganz  sinnlicher  Weise  an:  wohlig  und warm, haltend und geborgen, sicher  und  geerdet  oder,  wenn  sie  zu  Abhängigkeit wird, eher verpflichtend und eng, zwingend und fordernd, bestimmend und unfrei? Wie genau kann ich den Unterschied wahrnehmen?

Den Unterschied wahrnehmen…

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern

Genau dieser Unterschied im Erleben von  Zugehörigkeit  ist  entscheidend. Dies gilt gerade  und  im  Besonderen auch für die vielen Pflegekinder in  unseren  Pflegefamilien und die Kinder und Jugendlichen in unseren Wohngruppen, die sich  aufgrund von schwierigen Lebensereignissen eben oft nicht zugehörig und  in  Gemeinschaft  erlebt  haben.  Was  tun unsere Pflegemütter und Pflegeväter im  ganz  alltäglichen  Miteinander,  in  der  Gestaltung  des  gemeinsamen Lebens, damit bei den ihnen anvertrauten jungen Menschen ein Zugehörigkeitsgefühlt entsteht?

Ein älteres Pflegekind sagt dazu…

Lassen wir dazu ein älteres Pflegekind  stellvertretend  sprechen: „Sich  für mich interessieren, mich beim Namen  nennen, mich  freundlich  ansehen, mir zuhören – mich aussprechen lassen, mich in den Arm nehmen, mir vertrauen  –  mir  etwas  zutrauen,  mit mir zusammen etwas  machen,  sich mit mir freuen,  mir etwas  zeigen, mit mir Spaß  haben, sich Zeit  für  mich  nehmen,  mich so nehmen,  wie  ich  bin.“

Das Gefühl der Zugehörigkeit und das Gefühl in Gemeinschaft zu sein, spielt eine  entscheidende Rolle für unser  Verhalten  und  unser  Empfinden. Es beeinflusst positiv unser Wohlbefinden, unser Selbstwertgefühl  und  unsere  Bereitschaft  etwas  für  die  Gemeinschaft beizutragen. Darin drückt sich der sinnstiftende Teil des „sense of belonging“ aus.

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern

Bei unserer Jahrestagung 2016…

Bei der alljährlichen Tagung für die Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein hieß es in  einer Liedzeile, die von einem 17-jährigen Erziehungsstellenmädchen für einen  Song geschrieben wurde, „Zünde dein Licht an und denke daran, wie wertvoll, wie wertvoll du bist.“(siehe unten).

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern

Daraus  spricht  die  tiefe  Erkenntnis,  dass die Selbstannahme im Sinne einer damit  verbundenen  Bewusstheit  über  die  eigenen  Fähigkeiten, Talente und Kenntnisse wesentlich für  das Leben und für den Weg in das Leben hinein ist. Und dass diese Erkenntnis in allen Menschen von Beginn an verankert  ist,  auch wenn sie manchmal durch schwierige   Lebensereignisse überlagert  oder  zurückgedrängt  wird. Gerade dann gewinnt die Vergegenwärtigung der eigenen  Stärken,  des  Wertvollseins, an Bedeutung. Dazu trägt eben auch unmittelbar die Gewissheit bei, zugehörig und in eine Gemeinschaft eingebettet zu sein. 

Für  diese  beschriebene  Haltung  stehen wir  als  St. Elisabeth-Verein entsprechend unserer christlichen-diakonischen Tradition und eben diese Grundanschauung hat  uns  zu  einer  starken, selbstwertfördernden   Gemeinschaft gemacht. Wie drückte es der bekannte Theologieprofessor Helmut Thielicke aus:

Wir sind wertvoll, weil Gott uns liebt.

„Denn im Leib darf es keine Uneinigkeit geben, sondern alle Teile sollen einträchtig füreinander sorgen. Wenn ein Teil leidet, leiden alle anderen Teile mit. Und wenn ein Teil geehrt wird, freuen sich alle anderen Teile mit. Ihr seid der Leib von Christus! Jeder Einzelne von euch ist ein Teil davon. Und Gott hat jedem (…) seine Aufgabe zugewiesen.“(1. Korinther 12,25-27)

Unser Tipp für ein kleines Experiment…

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern

Gehen  Sie  in  Gedanken  in  sieben  Jahresschritten  zurück  und  überlegen  Sie  sich,  zu  welchen  Menschen  sind  Sie  gerne  gegangen  oder  gehen  Sie  gerne?  Was  haben  diese  Personen  genau gemacht, wie sind Sie Ihnen begegnet?  Welche  Verhaltensweisen haben konkret dazu beigetragen,  dass  die  Begegnungen für Sie gut waren? Wie gehen wir für die Gemeinschaft mit unseren Fähigkeiten Talenten und Gaben um? Wie entwickeln wir sie, wie bringen wir sie ein?

Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein finden bei uns eine starkte Gemeinschaft. Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein finden bei uns ein gutes und fachlich fundiertes Unterstützungssystem mit Fachberachtung, Fortbildung, Supervision und einer Jahrestagung.

Möchten Sie auch zu dieser Gemeinschaft gehören und Pflegeeltern beim St. Elisabeth-Verein werden, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf…

[i] Der Song von Fatima…wurde in dem Kinder- und Jugendlichen Workshop „Song Factory“ musikalisch umgesetzt und aufgenommen.

Hier erfahren Sie mehr über den St. Elisabeth-Verein

Pflegeeltern werden

Pflegeeltern werden

Pflegeeltern werden und sich qualitativ fortbilden und qualifizieren

Es ist wieder soweit. Unser neues Fortbildungsprogramm liegt vor. Die integrierte Informationsbroschüre wurde ebenfalls überarbeitet. Pflegeeltern finden wieder viele interessante Angebote, um sich für die spannende und sinnstiftende Aufgabe fachlich fit zu halten. Pflegeeltern werden und Kindern mit fachlichem Know how eine Perspektive geben.

Ausblick auf unsere Highlights für 2018…

Das Jubiläum

Das Jahr 2018 ist ein besonderes Jahr für unseren Fachbereich, denn wir feiern ein Jubiläum : 25 Jahre Pflegefamilien in Hessen beim St. Elisabeth-Verein e. V. Auf unserer Jahrestagung wollen wir diesen Anlass gemeinsam mit den Pflegeeltern gebührend feiern und – vor allem – das Engagement und die Arbeit unserer Pflegefamilie würdigen.

In Kooperation

Unter dem Motto „Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ hat der Fachbereich bereits im April 2017 das Ensemble „distrACT“ engagiert und dessen Inszenierung „Täter“ zur Aufführung gebracht. In diesem Zusammenhang begann die Kooperation mit Wildwasser e. V. Marburg, Logo: Eine hellorange Welle mit Schriftzug Wildwasser Marburg e.V.die sich in diesem Jahr mit vier Fortbildungsangeboten fortsetzt.

Die Fortbildungen richten sich an Eltern und Bezugspersonen, deren Kinder von sexualisierter Gewalt und  deren Folgen betroffen sind oder an jene, die sich Sorgen machen. Sie bieten den Teilnehmenden ein umfangreiches Fachwissen zum Umgang und Schutz bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Neben einem grundlegenden Verständnis für die komplexen Dynamiken sexualisierter Gewalt in verschiedenen familiären und außerfamiliären Lebenswelten, werden Anregungen sowie konkrete Handlungskompetenzen im Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen vermittelt.

Focusing

Focusing ist eine unaufdringliche, bewährte und gut erprobte psychologische Methode, sich selbst und anderen Menschen das Leben zu erleichtern. Durch leichte und intuitive Techniken ist Focusing für Jedermann und Jedefrau erlernbar. Das Wichtigste dabei ist eine neugierig-wohlwollende und akzeptierende Grundhaltung. Das Zweitwichtigste ist gutes Hinhören, und zwar zu gleichen Teilen zu sich selbst und zum Gegenüber. Es ist schwer, darüber zu schreiben – Ausprobieren ist die Devise! Am Ende des Tages werden die Pflegeeltern sich höchstwahrscheinlich entspannter und irgendwie ermutigt fühlen, ohne dafür hart arbeiten zu müssen.

Im Zusammenleben mit Pflegekindern kann Focusing z. B. dabei helfen, besser zwischen Ihren eigenen Gefühlen und den Gefühlen des Kindes zu unterscheiden. Es kann Ihnen helfen, in schwierigen Situationen gelassener zu bleiben und Ihr intuitives Verständnis für das Kind zu verbessern.

„Doppelte Pubertät“ – Besonderheiten bei Pflegekindern in der Jugendzeit

Die Pubertät stellt unsere Heranwachsenden vor große Aufgaben. Sie bringt das Potenzial für kleine und große Krisen mit sich: Vielerlei körperliche und seelische Umbauprozesse finden statt. Am Ende wird kaum noch etwas sein, wie es war. Die Jugendlichen erkennen sich manchmal selbst nicht wieder – ganz zu schweigen von uns Erwachsenen … gemeinsam betreten wir fremdes Land, und die Orientierung fällt oft schwer. Alte Sicherheiten tragen nicht mehr, neue sind noch nicht in Sicht.

Pflegekinder haben zu alldem noch eine weitere, besondere Aufgabe: Sie müssen ihre Entwicklung als Fortsetzung ihrer unterbrochenen – und manchmal äußerst belasteten – Lebensgeschichte gestalten und bewältigen. Sie müssen sich mit zwei höchst unterschiedlichen Familiensystemen auseinander setzen und ihre Positionen darin finden, damit sich schließlich ihre eigene Identität entfalten kann.

Für ihre Bezugspersonen ist es oft äußerst herausfordernd, sie darin zu begleiten. Nicht selten kommt es zu Konflikten oder besorgniserregenden Krisen, in denen auch die wohlmeinensten Erwachsenen an ihre Grenzen geraten. In diesem Seminar finden die Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein sicher einige Antworten.

Unser abgestimmtes Qualifizierungsskonzept für Pflegeeltern…Fachberatung, Supervision, Fortbildung, Regionalgruppen, Jahrestagung…

Pflegeeltern werden

Alle Pflegeeltern werden durch unsere Fachberatungen regelmäßig begleitet und beraten. Wir unterstützten bei Hilfeplangesprächen ebenso wie bei den Kontakten mit den Herkunftseltern.

Supervision

Supervision dient der Reflektion und Bearbeitung der Lebenssituation und der durch die Aufnahme eine Pflegekindes entstehenden Veränderungen als Pflegefamilie. Als Pflegefamilie besprechen Sie in einem geschützten und vertraulichen Rahmen z.B. Themen wie:

  • Reflektion der durch die Aufnahme eines Kindes entstandenen Veränderungen in der Familie
  • Auseinandersetzung mit der sich verändernden Elternrolle/ggf. Geschwisterrolle
  • Bearbeitung von Themen, die durch die Aufnahme eines Kindes auf der individuellen sowie Paar- und/oder Familienebene entstehen können
  • Förderung der Integration des Kindes/der Kinder in die Familie.

Eine regional sortierte Liste anerkannter Supervisor/innen finden Sie unter www.dgsv.de

Regionalgruppen

Regionalgruppen sind für Pflegeeltern dauerhaft angelegte kollegiale Beratungsgruppen, die von Fachberatungen des Geschäftsbereichs Pflegefamilien moderiert und inhaltlich begleitet werden. Sie finden in der Regen fünfmal im Jahr statt. Mit dem Angebot der Regionalgruppen verbindet der Geschäftsbereich:

  • Austausch/Kollegiale Beratung
  • Bildung von regionalen NetzwerkenPflegeeltern werden
  • Informationsweitergabe an die und unter den Familien

Fortbildung

Wir qualifizieren Sie regelmäßig für Ihre Aufgabe und stellen Ihnen fortlaufend ein Jahresfortbildungsprogramm zur Verfügung. Dabei wählen wir fachkundige Referenten aus. Die Fortbildungen finden in unserem Seminar- und Besucherzentrum statt. Kinderbetreuung stellen wir gegen einen geringen Kostenbeitrag zur Verfügung, so dass Sie sich ganz  enspannt Ihre Qualifizierungsinhalten widmen können. In der Programmplanung berücksichtigen wir die Anliegen unsere Familien

Jahrestagung

Einmal pro Jahr organisiert der Fachbereich Pflegefamilien für alle Pflegefamilien die traditionelle Jahrestagung. Das Programm wird jährlich neu zusammengestellt und bietet Ihnen sowohl Fachvorträge, Fachseminare, vielfältige Anregungen und Informationen, als auch Zeit für Austausch und Gespräche mit Gleichgesinnten. Die Jahrestagung stellt auch ein Herzliches Dankeschon an Ihre Arbeit als Pflegefamilie dar.

Hier der Link zum Download des Fortbildungsprogramm!  E_Verein_Erziehungsstellen_2018_V6