Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein

Anlässlich des diesjährigen Muttertages nehme ich mir Zeit und sinniere über das Muttersein. Was ist das besondere daran mit Kindern zu leben, was können wir von unseren Kindern als Mütter und Pflegemütter lernen, was ist der Zauber, aber auch die Anstrengung mit Kindern zusammenzuleben?

Dabei geht es um acht Dinge, die wir von unseren Kindern und Pflegekindern täglich lernen.

Sie dürfen gespannt sein!

Von Pamela Premm. Es ist ein sonniger Tag in Bremen. Ich flaniere mit meiner Tochter an der Weserpromenade entlang, die entspannt im Buggy sitzt. Plötzlich hat sie eine Idee. Sie möchte, dass ich ihr die Regenhülle um ihr Gefährt spanne. „Aber es regnet doch gar nicht“, versuche ich zu argumentieren. Fehlanzeige. Diskussionen mit meiner Dreijährigen sind meistens zwecklos. Also laufen wir bei strahlendem Sonnenschein mit Regenschutz-Buggy durch die Fußgängerzone. Fragende Blicke sind uns gewiss. Willkommen in meiner Mami-Welt.

Für Pflegemütter – Gedankem zum Muttersein und was das mit dem Muttertag auf sich hat…

Gerade zu Muttertag wird man an seine Rolle als Mama erinnert. Spätestens, wenn es klebrige Küsse und schief geschnittene Herzen aus Pappe regnet, weiß man, dass es wieder so weit ist. Der Muttertag wird seit etwa 100 Jahren gefeiert. Er hat seine Wurzeln in den USA und geht auf die Frauenrechtlerin Anna Jarvis zurück, die bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts einen Gedenktag zu Ehren ihrer Mutter und später auch aller Mütter initiierte. 1914 wurde der Muttertag in den USA zum nationalen Feiertag erklärt. Bis heute hat er sich als fester Ehrentag im Jahreskalender etabliert. Viele halten ihn für überholt, da er nicht mehr dem modernen Frauen- und Mutterbild entspreche. Doch was bedeutet es heutzutage überhaupt, Mutter zu sein?

Ich habe lange darüber nachgedacht und bin zu folgendem Schluss gekommen: Für mich ist Muttersein eine Reaktion auf das, was leibliche und Pflegekinder brauchen, um zu gesunden, verantwortungsvollen, selbstbewussten und herzlichen Menschen heranzuwachsen. Dabei beschleicht mich das Gefühl, dass ich von ihnen mindestens genauso viel lerne wie sie von mir. Sie haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Sie haben mir eine neue Welt eröffnet, die mir zuvor verschlossen war. Eine Welt gefüllt mit echtem Leben.

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein und acht Dinge, die ich durch meine Kinder gelernt habe:

Sie haben mich gelehrt, unvollkommen sein zu dürfen:

Mein Leben musste seit jeher perfekt sein. Die Wohnung perfekt sauber, die Aufgaben perfekt erledigt, die Frisur perfekt sitzend. Ungenaues, Fehlerhaftes, Missglücktes konnte mich ins Gefühlschaos stürzen. Für Pflegemütter - Gedanken zum MutterseinErst die Kinder stellten mich immer wieder derart auf die Probe, dass ich mich vom Perfektionismus verabschieden musste: Sie trotzen in aller Öffentlichkeit, sabbern mir aufs Abendkleid und nehmen kein Blatt vor den Mund. Irgendwann habe ich die Vorstellung vom perfekten Leben aufgegeben. Ein herrlich befreiendes Gefühl!

Sie haben mich gelehrt, geduldig zu sein

Mit einem Kleinkind können 300 Meter zum Bäcker eine ganze Welt sein. Jede Feuerwanze wird beäugt, jede Pfütze durchwatet und am Ende braucht man für Hin- und Rückweg eine halbe Stunde. Kinder verlangsamen die eigene Lebenszeit und sind fokussiert auf die Dinge, die gerade passieren. Wenn man geduldig das Kind auf der Schaukel anschiebt, ist kein Platz für andere Dinge. Wir verweilen gemeinsam im Moment. Es gibt nur das Hier und Jetzt. Wohltuend reizarm gestaltet sich das Leben mit Kindern. Wenn man sich darauf einlässt und die Zeit einfach so verstreichen darf, während das Kind unzählige Versuche benötigt, um seine Schuhe anzuziehen.

Sie haben mich gelehrt, authentisch zu sein

Es wäre falsch zu sagen, alles ist immer rosarot. Es gibt wohl keine Eltern, die nicht auch Mal genervt, erschöpft oder ungerecht zu ihren Kindern sind. Die aber im nächsten Moment wieder alles auffangen, Liebe und Geborgenheit schenken. Menschsein ist mit so vielen Widersprüchlichkeiten verknüpft. Kinder leben uns das täglich vor, indem sie einfach so sind, wie sie sind. Mal laut, mal leise, mal traurig, mal fröhlich. Und sie nehmen uns so an, wie wir sind – mit all unseren Schwächen und Stärken. Sie vertrauen und lieben uns und zeigen uns, wie es ist, Mensch zu sein. Noch nie zuvor war ich so sehr bei mir wie jetzt gerade.

Sie haben mich gelehrt, loszulassen

Kinder bedeuten Kontrollverlust und das im positiven Sinne. Klar muss man sich gut organisieren, wenn man Beruf, Kinder, Partner und Haushalt unter einen Hut bringen möchte. Doch ich habe es aufgegeben eine ganze Woche akribisch durchzuplanen, da es bei zwei Kindern zu viele Unwägbarkeiten gibt. Durch sie habe ich gelernt loszulassen und eben nicht stur an meinen Zielen festzuhalten. Ihre Bedürfnisse strukturieren meinen Tagesablauf. Auf diese Weise kann ich mich wunderbar treiben lassen ohne mir allzu viele Gedanken über das zu machen, was kommen müsste.

Sie haben mich gelehrt, alberne Dinge zu tun

Ende Februar ist es meist so weit, dass ich mich mit Teufelshörnern auf dem Kopf dem örtlichen Kinderfasching widme. Im Freizeitpark fahren wir auf Mini-Eisenbahnen durch das Peppa Pig Land. Im Winter sausen wir mit dicken Gummiringen den Schneeberg hinunter, auch wenn ich hinterher das Gefühl habe, ich müsste alle Knochen neu ordnen. Wir tanzen durch die Küche, machen lustige Grimassen im Restaurant und singen Lieder beim Spazierengehen. Kinder und Pflegekinder geben einem die Chance, das innere Kind aufleben zu lassen, welches all die Jahre irgendwo tief in uns geschlummert hat.

Sie haben mich gelehrt, dass ich mich um mich selbst kümmern muss

Für Pflegemütter - Gedanken zum MutterseinIch verbringe gerne Zeit mit meinen Kindern und meinem Partner, genauso arbeite ich engagiert an meinen Projekten. Aber da gibt es noch einen dritten Part meines Lebens: Qualitätszeit nur für mich. Etwa zwei Stunden pro Woche schaufle ich mir dafür frei. Dann gehe ich schwimmen, durch den Park spazieren oder radeln. Zwei Stunden Detox von äußeren Einflüssen – mit Ausnahme dem Wetter. Sich erden, in sich hineinhören, auf seine Bedürfnisse achten: Focusing und Selbstfürsorge sind wichtige Bausteine, speziell im Zusammenleben mit Pflegekindern, um dann wieder mit voller Kraft weiterzumachen – auch das habe ich durch meine Kinder gelernt.

Sie haben mich gelehrt, Grenzen zu setzen

Bis hierin und nicht weiter: Es gibt immer wieder Grenzen. Einmal in der Beziehung zwischen mir und meinen Kindern und zum anderen in den Dingen, die sie ausprobieren. Diese sind ganz unterschiedlich gesetzt. Mein Sohn braucht eher wenige Grenzen, da er per se darauf bedacht ist, Regeln einzuhalten und über ein großes Gerechtigkeitsgefühl verfügt. Er wägt genau ab, was er sich zutrauen kann und was nicht. Meine Tochter fordert mehr, probiert mehr aus und überprüft immer wieder, ob sich etwas an der Grenze geändert hat. Das frustriert sie, gibt ihr aber auch einen sicheren Rahmen, in dem sie sich ausprobieren und entfalten kann. Für mich sind diese Grenzen auch wichtig. Meine Kinder lernen auf diese Weise, dass ich ebenfalls Werte habe, für die ich einstehe. Durch eine wertschätzende, klare Abgrenzung können sie sich zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln.

Sie haben mir gezeigt, was echte Sorgen sind

Spätestens wenn man das Kind zum ersten Mal aus den Augen verliert, weil es sich im Möbelhaus hinter einer Kommode versteckt hat, weiß man, was Sorgen sind. Oder denken wir an den kurzen Moment der Unachtsamkeit zurück, der untrennbar mit dem Laufradunfall verbunden ist. Wenn Kinder krank sind, leidet man stärker mit, als man es je für möglich gehalten hätte. Während sich zuvor die Sorgen eher an der Oberfläche bewegten, gehen sie jetzt in die Seele und ins Mark. Das bringt aber auch Gutes mit sich. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir uns viel weniger über Unbedeutendes aufregen.

Kurzum: Kinder sind das Leben

Für Pflegemütter - Gedanken zum MutterseinMit emotionaler Wucht ändern sie das ganze Leben. Sie schütteln bestehende Strukturen kräftig durcheinander und stellen uns auf die Probe. Sie brauchen Grenzen und Liebe und wecken tiefe Emotionen in uns. Sie holen das längst vergessene Kind in einem zurück. Sie spiegeln uns in unseren Werten und Verhaltensweisen. Bisher dachte ich immer, dass Kinder aus unserem Wunsch heraus entstehen, ein Stück von uns selbst weitergeben zu können. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es ist die Chance, neue großartige Erfahrungen zu machen. Und ein bisschen stärker zu sich selbst zu finden. Dafür bin ich sehr dankbar. Und für selbstgebastelten Herzchen an Muttertag.

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein…

Auch wenn ich jetzt als Vater (Bertram Kasper) spreche und mir das vielleicht am Muttertag gar nicht zusteht, möchte ich sagen, das ich selten so einen treffenden Text über das Muttersein gelesen habe, der die ganze Tiefe des Glücks, doch auch der Sorgen ausdrückt, die das Muttersein tatsächlich ausmachen.

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein sind diese Zeilen für mich auch die Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Entscheidung, auch eben gerade nicht eigenen Kindern ein Zuhause zu bieten. Dazu braucht es Mut, Liebe und die Offenheit jeden Tag auf die im Text beschriebenen Aspekte zu achten und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Wir wünschen allen Pflegemütter, dass ihnen dies möglichst oft gelingt und wir danken allen Pflegemüttern für ihren Einsatz, für ihre Geduld und für ihr Engagement, jeden Stunde, jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr. Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein.

Frau Pamela Premm danke ich für diesen tollen Text.

Sie haben noch Platz in Ihrem Herzen für ein Pflegekind? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

 

 

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter oder:

Vom Abenteuer des achtsamen Sich – Selbst – Begegnens

von Esther Schmitt (Projektleitung Fort- und Weiterbildung)

23:30 Uhr. Erschöpft. Entmutigt. Kein Tag, der nach Wiederholung schreit. Leer gekämpft bin ich und leer gefühlt. Es ist der Abend, an dem ich Focusing „entdecke“: „Wenn Du Dich nicht an Deinem Leben freust, wer sonst?“[1] Dieser kleine Satz oder besser gesagt diese kleine Frage, markiert den Ausganspunkt einer persönlichen Reise ebenso wie den Beginn einer Entwicklung, deren Schritte sich seit 2017 in Fortbildungsangeboten für Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins widerspiegeln. Daraus ist auch das Angebot Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter entstanden.

11 Gründe, weiterzulesen: Was Focusing bewirken kann[2]

 Focusing kann Sie unterstützen …

  • innere Stimmigkeit zu erreichen: sich selbst zuhören und bei sich bleiben
  • zu entdecken, was Sie Tag für Tag brauchen und was Ihnen gut tut, damit sich Ihre Lebendigkeit entfalten kann.
  • im „Mich-Selbst-Annehmen“: sich selbst mehr und mehr verstehen und liebevoll annehmen
  • Theorie und Praxis des Veränderungswissens zu erwerben
  • angesichts herausfordernder zwischenmenschlicher Situationen die Fassung zu wahren und den Boden unter den Füßen zu behalten
  • zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden: lebendig mit sich selbst und der Umwelt verbunden sein
  • über achtsames Wahrnehmen körperlichen Erlebens persönlich stimmige Lösungsschritte zu entfalten: Denk- und Heilungsschritte zugleich
  • Techniken der inneren Distanzierung, Beruhigung und Begleitung zu erlernen: die eigene Basisstation sein
  • schwierige und konfliktreiche zwischenmenschliche Situationen frischer, versöhnlicher und für beide Seiten zufriedenstellender zu gestalten
  • liebevoll mit „gefühltem Scheitern“ umzugehen und lebensbejahend zu bleiben
  • sich ohne großen Aufwand entspannter und ermutigter zu fühlen

Diese Aspekte verdeutlichen wie wichtig Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter sein kann. Doch was ist Focusing eigentlich genau?

Was ist Focusing? – Der „Entdecker“:

Prof. Eugene Gendlin, geboren 1926 in Wien und seines Zeichens Philosoph, Psychologe und Psychotherapeut, war fasziniert von dem Sich-Einlassen auf das, was schon gespürt, aber noch nicht gewusst wird. Mit seinen Eltern floh er 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA, studierte in Chicago Philosophie und wurde im Verlauf seiner Karriere zum Professor für Philosophie und Verhaltenswissenschaften der Universität Chicago berufen.

Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Psychotherapie erhielt er höchste Auszeichnungen. Sein erstes Buch FOCUSING (auf das weitere rund 500 Veröffentlichungen folgen sollten) erschien 1978 und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. In seiner Arbeit verbinden sich empirische Psychotherapieforschung, psychotherapeutische Praxis und Philosophie zu einem Ganzen. Er ist der Entdecker des „Felt Sense“, einer Erlebniskategorie, die heute das Herzstück des Focusing bildet.[3]

Die Praxis:

Focusing, das ist die gute Nachricht, die wir von Frau Dipl. Psychologin Charlotte Rutz (Referentin) erhalten, ist „für Jederfrau und Jedermann erlernbar“. Focusing für Pflegemütter und PflegeväterFrau/Mann kann sich Focusing als eine Art Werkzeugkoffer voller vieler kleiner, leichter, intuitiver Techniken, Konzepte, Landkarten und Übungsanleitungen vorstellen, die die/den Focusing-Praktiker/in grundsätzlich dabei unterstützen, sich in einer freundschaftlichen und annehmenden Beziehung zu sich selbst zu beheimaten.

Das freundliche Verstehen von sich selbst…

Dieses „freundliche Verstehen“, das uns häufig in Kontakt mit dem befreundeten oder geliebten Gegenüber selbstverständlich ist, sollte von wesentlicher Bedeutung sein auch für die innere Kommunikation mit uns selbst: „Genau wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung eröffnet nur die Haltung des liebevollen, akzeptierenden Annehmens und Belassens, wie es gerade ist, den Raum für Veränderung, Wandlung und innere Kreativität. Nur so heilen innere Verwundungen und entsteht in uns überraschend Neues.“, sagt Klaus Renn, approbierter Psychotherapeut und einer der beiden Leiter des Deutschen Ausbildungsinstituts für Focusing und Focusing-Therapie (DAF).[4]

Den Kontakt mit sich selbst nicht zu verlieren, gerade in heiklen Situationen mit lieben Mitmenschen, ist die Voraussetzung dafür, dass auch schwierige Situationen für beide Seiten befriedigender und versöhnlicher gestaltet werden können.

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter einfach selbst ausprobieren…

„Es ist schwer“, so Frau Dipl. Psychologin Charlotte Rutz, „über Focusing zu schreiben. Ausprobieren ist die Devise!“ Zum Ausprobieren haben die Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins zum zweiten Mal in diesem Jahr Gelegenheit:

Der zweite „Focusing-Schnuppertag“ findet am Samstag, 21.04.2018 in unseren Seminarräumen in Marburg statt. Begleitet werden die Teilnehmenden auch an diesem Tag von Frau Charlotte Rutz, die in den vergangenen Jahren vielfache Erfahrungen mit Focusing gesammelt hat: Sie selbst hat bei Klaus Renn am DAF als Teilnehmende verschiedene Ausbildungsabschnitte, bis hin zur Focusing-Therapeutin, absolviert. Heute arbeitet sie regelmäßig mit Focusing-Elementen und engagiert sich in der Focusing-Ausbildung.[5]

Basisstation für sich und andere: Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Die Frage, die sich stellt…

Wie kann das gehen und welche enormen emotionalen Aufwendungen werden wohl betrieben, um als Pflegemütter und -väter auf oft „ schwerer See“ Tag für Tag Familie leben zu können?

Nach jedem persönlichen Gespräch, nach jeder Fortbildungsveranstaltung, jeder Regionalgruppe wird diese Frage in mir lauter … Die Konstellationen sind besonders – in vielerlei Hinsicht. Pflegekinder sind Kinder, die per definitionem, in schwierigem Gelände zurechtzukommen aufgefordert sind:

Zu allen altersgemäßen Entwicklungsanforderungen, die jedes Kind zu bewältigen hat, kommt – in jedem Fall- die eine ganz spezielle Anforderung hinzu: Als Kind nicht bei den leiblichen Eltern oder zumindest einem leiblichen Elternteil zu leben. Warum auch immer. Etwas ist geschehen. Was auch immer.

Spuren, die sich Bahn brechen…

Was geschehen ist, hinterlässt Spuren. Spuren, die sich in der „neuen“, der „anderen“ Familie Bahn brechen. Verbunden oft mit großen Anstrengungen aller jener, die diese Familie sind.

Wie umgehen, mit verzweifelten, aggressiven Wutanfällen der Kinder, mit ihren manchmal sehr originellen Gewohnheiten, mit Angstzuständen, emotionalem Rückzug, (teils) extremen, nicht eindeutig einzuordnenden Reaktionen auf Kontakte mit leiblichen Eltern, und, und, und … ??

Wie mit all dem umgehen und trotzdem in Beziehung bleiben, versöhnlich sein, Nähe anbieten, gelassen reagieren…? Pflegeeltern sind also auf enorme Weise gefordert: Tag für Tag. Es bleibt deshalb nicht aus und kann auch nicht ausbleiben, dass Kraftreserven geringer werden, negative Gefühle entstehen – dem Kind und sich selbst gegenüber, innere Not erlebt wird, Frau/Mann manchmal einfach nur aufgeben will, weil die Situation ausweglos erscheint.

Gute Rahmenbedingungen für Pflegefamilien…Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Pflegefamilien brauchen deshalb Rahmenbedingungen, die sie in ihrer Aufgabe bestmöglich unterstützen. Neben regelmäßiger persönlicher Beratung sowie zusätzlicher Supervision, sind dies beim St. Elisabeth-Verein kostenfreie Fortbildungsangebote, die auf Pflegefamilien zugeschnitten sind. Auch Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter kann da eine Antwort geben.

 

„Im Spielerischen liegt eine andere Möglichkeit des Lebendig – Seins:
eine Bereitschaft, sich auf die schwierigen Probleme mit einem Appetit auf
Leben, einer Fähigkeit, sich an gute Zeiten zu erinnern und einer Freude am
Leben einzulassen.“ Prof. Eugene Gendlin

Selbstfürsorge unterstützen: Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter des St. Elisabeth-Vereins e.V. im Fortbildungsangebot 2018

Der Geschäftsbereich bietet in diesem Jahr erneut an, Focusing kennenzulernen und einzuüben: „Focusing-Schnuppertage“ (23.02.2018 oder 21.04.2018) und ab Herbst zusätzlich ein mehrtägiges Focusing-Seminar (Start am 26.10.2018) können hierzu genutzt werden. Mehr zu den Fortbildungen für unsere Pflegemütter und Pflegeväter finden Sie unter „Fortbildungen“.

Das sagen Teilnehmende des ersten „Focusing-Schnupperstages“: 

„In einer ruhigen und gelassenen Atmosphäre konnte mit verschiedenen Übungen/Methoden experimentiert werden – eine ganz andere Art und Weise ein Seminar zu erleben.“

Es war ein wunderbarer Tag ohne Leistungs-oder zumindest Erkenntnisdruck. In ruhiger und ausgesprochen wertschätzender Atmosphäre ist zwischen manchen Teilnehmenden ein sehr persönlicher und vertrauensvoller Austausch möglich gewesen.Kurze Meditationen (stehend, sitzend oder liegend – ganz nach der eigenen Vorliebe) haben zu einer angenehmen Entschleunigung beigetragen.    Ich mache weiter!   Annette Wüst

Wie kann ich eine Situation, ein Gefühl, ein Erlebnis welches  unangenehm und bedrückend mein Leben belastet, anschauen – und annehmen ?In einer von Frau Rutz vorgeschlagenen Partnerübung konnte ich mich in mein inneres Erleben begeben. Es liegt in meiner Verantwortung mich dem unangenehmen Befinden zu nähern, es genauer anzuschauen und zu akzeptieren. Ich  bin der Gestalter. Damit ist noch keine Lösung bewirkt.Durch die vertrauliche Atmosphäre aus Eigenwahrnehmung und Zuhören ist ein Freiraum entstanden, bei dem die Bedrückung durch das unangenehme Befinden an Gewicht verloren hat. Schwierig zu erklären – Einlassen und Ausprobieren…

Interessieren Sie sich für die Arbeit als Pflegefamilie oder möchten Sie einmal in unsere Fortbildungen reinschnuppern, wenden Sie sich bitte über unser Kontaktformular an uns!

[1] Ausgesprochen von einem Zenmeister auf einer Focusing- Sommerschule

[2] Bücher, die die Wirkungsmöglichkeiten von Focusing darstellen sowie Übungsanleitungen enthalten: Klaus Renn: Dein Körper sagt Dir, wer Du werden kannst (2017); Ebd: Magische Momente der Veränderung (2016)

[3] Wenn Sie mehr über die Hintergründe, Haltungen und Axiome von Focusing sowie den Einsatz von Focusing in der Therapie erfahren wollen, dann empfiehlt sich ebenfalls das Buch von Klaus Renn: Magische Momente der Veränderung. (2016)

[4] Vgl. Klaus Renn: Dein Körper sagt dir, wer du werden kannst.(2017), S. 67f.

[5] Mehr über Focusing erfahren Sie auch auf der Internetseite des DAF

Pflegefamilien und Minimalismus

Pflegefamilien und Minimalismus

Minimalismus – eine Chance für mehr Leichtigkeit in Pflegefamilien

Sobald die Kinder einziehen, geht es los. Schon im Babyalter wird man mit einem Übermaß an Angeboten konfrontiert. Die multifunktionale Wippe, die von selbst schaukelt, während das Kind darin liegt. Das drehende, musikspielende Mobile für das Babybett. Wenn die Hochglanz-Prospekte ins Haus flattern, fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dabei kann es so guttun, erst einmal in sich hineinzuhorchen. Was braucht das Baby wirklich? Körpernähe, Nahrung, Liebe und ganz viel Zeit. Und wenn die Kinder älter werden? Muss es die angesagte Nerf oder die zehnte Monster High Barbie sein? Nicht unbedingt. Denn Verzicht hat viele Vorteile und kann die Bindung in der Familie fördern. Pflegefamilien und Minimalismus…was hat es damit auf sich?

Minimalismus gibt uns die Chance in Beziehung zueinander zu treten

Erinnern wir uns an die eigene Kindheit. Wie schön es war, mit den wenigen Dingen zu spielen, die bei den Großeltern zur Verfügung standen. Oder die unser eigenes Kinderzimmer bestückten. Es gab einfach auch noch nicht so viel Spielzeug. Ein einfaches Legobauset und die Kiste mit Bauklötzen konnten uns stundenlang fesseln. Damals gab es Zeit im Überfluss, die uns den Raum gab, nach draußen zu gehen und die Welt zu entdecken. Wir konnten uns kreativ und kognitiv entfalten und in Beziehung zueinander treten.

Geben wir unseren Kindern doch auch diese Chance. Viele Familien haben dem übermäßigen Konsum den Rücken gekehrt und verfolgen einen minimalistischen Ansatz. Für Pflegefamilien kann Minimalismus eine große Chance sein. Wenn es darum geht, den Pflegekindern eine sichere Familienstruktur zu bieten.

Doch was heißt Minimalismus?

Laut Wikipedia bezeichnet Minimalismus auch Downshifting genannt, einen „Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen.“ Siehe auch unter „Einfaches Leben“.

Ordnung bedeutet Klarheit und Sicherheit

Der Trend zum Minimalismus geht mit der Frage einher, wie viel ein Mensch wirklich braucht. Wenn wir ehrlich sind, ist das erstmal nicht viel. Ganz im Gegenteil. Ein Zuviel von allem beschwert uns, führt eher zu Unzufriedenheit. Viele Jugendliche und Erwachsene, aber auch schon ganz kleine Kinder fühlen sich depressiv verstimmt. Sie sind überfordert vom schulischen und außerschulischen Überangebot und der Vielzahl an Spiel- und digitalen Freizeitangeboten. Es ist an der Zeit, das Zuviel herunterzufahren und den entstehenden Platz mit Leben zu füllen.

Pflegefamilien und Minimalismus

Für Pflegekinder ist diese Rückkehr zu den natürlichen Wurzeln besonders wichtig, da sie meistens in chaotischen Verhältnissen zur Welt kamen und viel Ersatzbefriedigung durch Medienkonsum erfahren haben. Durch Ordnung und Routinen erfahren sie Sicherheit. Und auch ihre Gedankenwelt darf sich ordnen und den Platz für positive Erlebnisse freigeben. So wird aus Pflegefamilien und Minimalismus ein echter Zusammenhang.

Bewusste Lebenszeit statt digitale Reize

Bis zu einhundert Mal am Tag schaut jeder von uns im Schnitt auf sein Handy. Eltern, die auf Handys starren, statt den Kindern in die Augen zu blicken, ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Viele Jugendliche leiden jetzt schon an den Folgen eines übertriebenen Konsums der sozialen Medien. 100.000 sind bereits abhängig und weisen depressive Symptome auf. Zu einem minimalistischen Leben gehört auch dazu Vorbild zu sein. Wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir schon wieder auf das Handy schauen, um die letzte WhatsApp-Nachricht zu checken.

Warum sollte es unseren Kindern anders gehen. Erst wenn wir uns einschränken, können auch unsere Kinder und Jugendlichen einen entspannten Umgang mit den digitalen Medien erlernen. Digitaler Medienkonsum sollte nicht als Ersatzbefriedigung für echte soziale Beziehungen dienen. Viele Pflegekinder haben aber genau das nicht anders kennen gelernt. Gerade bei Familien in Schräglage steht der Medienkonsum häufig an erster Stelle. Umso wichtiger ist es für die Pflegekinder, wieder bewusst in ihren Bedürfnissen wahrgenommen zu werden.

Die Leichtigkeit des Urlaubs in den Alltag transportieren

Warum ist eigentlich so vieles einfacher, wenn wir reisen? Weil wir leichtes Gepäck dabeihaben und die Unterkunft sehr oft spartanisch ausgestattet ist. Auf 40 Quadratmetern rücken wir automatisch zusammen. Die Kinder haben nur ein kleines Spielzeug dabei. Pflegefamilien und MinimalismusAnstelle des Konsums tritt die gemeinsame Aktivität. Wir sprechen mehr miteinander und sind aufmerksamer für die Dinge, die uns unterwegs begegnen. Wir fühlen und spüren das Leben und sind dabei aufgeschlossen für Neues.

Wir sollten versuchen, diese Leichtigkeit auch in den Alltag zu transportieren und immer wieder genau jene Situationen herbeiführen, in denen wir uns im Urlaub am wohlsten führen. Das kann ein regelmäßiger Spaziergang durch den Wald sein oder Füße verbuddeln am Badesee-Strand.  Schaffen wir uns auch im Alltag kleine Glücksmomente und besinnen wir uns auf die Werte, die wirklich zählen: Zeit haben, bewusst leben, tief durchatmen.

Das Frühjahr ist die perfekte Jahreszeit, um sich Luft zu machen

Schaffen wir Platz für neues Leben, für die Leichtigkeit des Sommers, indem wir alten Ballast abwerfen. Dann werden die zu klein geratenen Kindersachen für den Flohmarkt zusammengepackt. Der Keller wird ausgemistet und der Sperrmüll gerufen. Und mit jedem Teil, was wir nicht mehr brauchen und welches verschwindet, fühlen wir uns leichter. Es tut eben gut, sich von Dingen, die uns belasten, zu befreien. Man braucht hierbei nicht rigoros einen Minimalismus-Ansatz verfolgen. Es reicht, mit kleinen Schritten zu beginnen und für sich das richtige Maß zu finden.

Zehn Tipps für ein reduzierteres, bewussteres und erfülltes Leben:

  1. Sich Platz schaffen für mehr Leichtigkeit: Es lohnt sich, erst einmal mit einer Schublade zu beginnen, dann kommt der Kleiderschrank, dann der Keller. Alles, was lang nicht getragen oder genutzt wurde, kommt in die Kiste und wird gespendet oder auf dem (Online-)Flohmarkt verkauft.
  2. Kaufentscheidungen abwägen: Kurz vor Ostern wird man wieder mit Konsumangeboten überrollt. Geschenkideen zu Ostern, Deko-Tipps, Rezepte für das opulente Festmahl. Mittlerweile gibt es viele Anlässe, an denen Anreize zum Kauf geschaffen werden: Halloween, Valentinstag oder Weltfrauentag. Denken wir einfach zweimal nach, bevor wir etwas anschaffen. Das schont den Geldbeutel und den Platz.
  3. Einmal pro Woche in den Biomarkt: Denn hier gibt es noch Pflegefamilien und MinimalismusObst ohne Plastikmüll und sonstigen Umverpackungen. Für Kinder ein super Lerneffekt, damit sie auch sehen, dass es anders geht. Wenn man sich den Müll gar nicht erst ins Haus holt, muss man ihn auch nicht entsorgen.
  4. Entschleunigen und genießen: Wenn wir regelmäßig gemeinsam kochen, Gemüse schnippeln und uns um den Familientisch versammeln, nehmen wir die Zeit bewusst war. Das entschleunigt unseren Alltag und füllt ihn mit sinnstiftenden Momenten.
  5. Gemeinsames Erleben statt Konsum von Dingen: Wie schön war doch gleich der gemeinsame Ausflug in den Wildpark, der sich über eine kleine Futterspende finanziert. Davon zehren wir und das ist so viel wichtiger als von unzähligen Besitztümern umgeben zu sein.
  6. Digitale Zeit beschränken: Kinder dürfen Computer spielen, allerdings nicht stundenlang. Eltern dürfen auch das Handy nutzen, allerdings muss es auch Zeiten geben, in denen es in der Tasche bleibt. Ein Geheimtipp: Das Handy häufiger auf „grau“ stellen. Forscher wollen festgestellt haben, dass die leuchtenden Farben der Apps besonders anziehend wirken und uns geradezu veranlassen, nach neuen Angeboten zu suchen. Ein Handy in Graustufen bietet viel weniger Anreiz. Abends ist medienfreie Zeit, die für Gespräche und zum Spielen genutzt wird.
  7. Kindern und Minimalismus? Das ist in der Tat schwierig. Aber man kann sie dafür sensibilisieren. Einmal im Jahr wird beispielsweise schon längst vergessenes Spielzeug gespendet. Wenn sich ein Kind für zwei Spielzeuge interessiert, soll es sich für eines entscheiden und vielleicht auch das Taschengeld investieren. Außerdem darf es ruhig mal auf einen bestimmten Anlass wie den Geburtstag warten.
  8. Regelmäßig aufräumen: und das nicht als Last empfinden, sondern eher als Chance, es sich wieder so richtig hübsch zu machen. Ganz bewusst, Dinge in die Hand zu nehmen und sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Nur so, wie sich alle in der Familie damit wohlfühlen.
  9. Jedes Ding hat seinen Platz: Und wenn es noch nicht so ist, sollten wir genau jetzt damit beginnen und überlegen, wo etwas hingehört. Denn wenn etwas seinen festen Platz hat und wir nicht immer neu überlegen müssen, dann sparen wir zukünftig Zeit und haben wieder den Kopf frei für Dinge, die uns wichtig sind.
  10. Literatur zum Thema lesen: Es gibt wunderbare Bücher, die sich mit dem Thema „Aufräumen“ beschäftigen. Zum Beispiel: Minimalismus wohnen: Besser aufräumen, freier leben von Fräulein Ordnung. Sie betreibt auch einen Blog zum Thema und ist eine wahre Ordnungsexpertin: Fräulein Ordnung

Wollen Sie mehr zum Thema Pflegefamilien und Pflegeeltern sein erfahren, dann machen Sie einen Termin mit uns aus. Gerne informieren wir Sie…

Pflegeeltern werden

Pflegeeltern werden

Pflegeeltern werden und sich qualitativ fortbilden und qualifizieren

Es ist wieder soweit. Unser neues Fortbildungsprogramm liegt vor. Die integrierte Informationsbroschüre wurde ebenfalls überarbeitet. Pflegeeltern finden wieder viele interessante Angebote, um sich für die spannende und sinnstiftende Aufgabe fachlich fit zu halten. Pflegeeltern werden und Kindern mit fachlichem Know how eine Perspektive geben.

Ausblick auf unsere Highlights für 2018…

Das Jubiläum

Das Jahr 2018 ist ein besonderes Jahr für unseren Fachbereich, denn wir feiern ein Jubiläum : 25 Jahre Pflegefamilien in Hessen beim St. Elisabeth-Verein e. V. Auf unserer Jahrestagung wollen wir diesen Anlass gemeinsam mit den Pflegeeltern gebührend feiern und – vor allem – das Engagement und die Arbeit unserer Pflegefamilie würdigen.

In Kooperation

Unter dem Motto „Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ hat der Fachbereich bereits im April 2017 das Ensemble „distrACT“ engagiert und dessen Inszenierung „Täter“ zur Aufführung gebracht. In diesem Zusammenhang begann die Kooperation mit Wildwasser e. V. Marburg, Logo: Eine hellorange Welle mit Schriftzug Wildwasser Marburg e.V.die sich in diesem Jahr mit vier Fortbildungsangeboten fortsetzt.

Die Fortbildungen richten sich an Eltern und Bezugspersonen, deren Kinder von sexualisierter Gewalt und  deren Folgen betroffen sind oder an jene, die sich Sorgen machen. Sie bieten den Teilnehmenden ein umfangreiches Fachwissen zum Umgang und Schutz bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Neben einem grundlegenden Verständnis für die komplexen Dynamiken sexualisierter Gewalt in verschiedenen familiären und außerfamiliären Lebenswelten, werden Anregungen sowie konkrete Handlungskompetenzen im Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen vermittelt.

Focusing

Focusing ist eine unaufdringliche, bewährte und gut erprobte psychologische Methode, sich selbst und anderen Menschen das Leben zu erleichtern. Durch leichte und intuitive Techniken ist Focusing für Jedermann und Jedefrau erlernbar. Das Wichtigste dabei ist eine neugierig-wohlwollende und akzeptierende Grundhaltung. Das Zweitwichtigste ist gutes Hinhören, und zwar zu gleichen Teilen zu sich selbst und zum Gegenüber. Es ist schwer, darüber zu schreiben – Ausprobieren ist die Devise! Am Ende des Tages werden die Pflegeeltern sich höchstwahrscheinlich entspannter und irgendwie ermutigt fühlen, ohne dafür hart arbeiten zu müssen.

Im Zusammenleben mit Pflegekindern kann Focusing z. B. dabei helfen, besser zwischen Ihren eigenen Gefühlen und den Gefühlen des Kindes zu unterscheiden. Es kann Ihnen helfen, in schwierigen Situationen gelassener zu bleiben und Ihr intuitives Verständnis für das Kind zu verbessern.

„Doppelte Pubertät“ – Besonderheiten bei Pflegekindern in der Jugendzeit

Die Pubertät stellt unsere Heranwachsenden vor große Aufgaben. Sie bringt das Potenzial für kleine und große Krisen mit sich: Vielerlei körperliche und seelische Umbauprozesse finden statt. Am Ende wird kaum noch etwas sein, wie es war. Die Jugendlichen erkennen sich manchmal selbst nicht wieder – ganz zu schweigen von uns Erwachsenen … gemeinsam betreten wir fremdes Land, und die Orientierung fällt oft schwer. Alte Sicherheiten tragen nicht mehr, neue sind noch nicht in Sicht.

Pflegekinder haben zu alldem noch eine weitere, besondere Aufgabe: Sie müssen ihre Entwicklung als Fortsetzung ihrer unterbrochenen – und manchmal äußerst belasteten – Lebensgeschichte gestalten und bewältigen. Sie müssen sich mit zwei höchst unterschiedlichen Familiensystemen auseinander setzen und ihre Positionen darin finden, damit sich schließlich ihre eigene Identität entfalten kann.

Für ihre Bezugspersonen ist es oft äußerst herausfordernd, sie darin zu begleiten. Nicht selten kommt es zu Konflikten oder besorgniserregenden Krisen, in denen auch die wohlmeinensten Erwachsenen an ihre Grenzen geraten. In diesem Seminar finden die Pflegeeltern vom St. Elisabeth-Verein sicher einige Antworten.

Unser abgestimmtes Qualifizierungsskonzept für Pflegeeltern…Fachberatung, Supervision, Fortbildung, Regionalgruppen, Jahrestagung…

Pflegeeltern werden

Alle Pflegeeltern werden durch unsere Fachberatungen regelmäßig begleitet und beraten. Wir unterstützten bei Hilfeplangesprächen ebenso wie bei den Kontakten mit den Herkunftseltern.

Supervision

Supervision dient der Reflektion und Bearbeitung der Lebenssituation und der durch die Aufnahme eine Pflegekindes entstehenden Veränderungen als Pflegefamilie. Als Pflegefamilie besprechen Sie in einem geschützten und vertraulichen Rahmen z.B. Themen wie:

  • Reflektion der durch die Aufnahme eines Kindes entstandenen Veränderungen in der Familie
  • Auseinandersetzung mit der sich verändernden Elternrolle/ggf. Geschwisterrolle
  • Bearbeitung von Themen, die durch die Aufnahme eines Kindes auf der individuellen sowie Paar- und/oder Familienebene entstehen können
  • Förderung der Integration des Kindes/der Kinder in die Familie.

Eine regional sortierte Liste anerkannter Supervisor/innen finden Sie unter www.dgsv.de

Regionalgruppen

Regionalgruppen sind für Pflegeeltern dauerhaft angelegte kollegiale Beratungsgruppen, die von Fachberatungen des Geschäftsbereichs Pflegefamilien moderiert und inhaltlich begleitet werden. Sie finden in der Regen fünfmal im Jahr statt. Mit dem Angebot der Regionalgruppen verbindet der Geschäftsbereich:

  • Austausch/Kollegiale Beratung
  • Bildung von regionalen NetzwerkenPflegeeltern werden
  • Informationsweitergabe an die und unter den Familien

Fortbildung

Wir qualifizieren Sie regelmäßig für Ihre Aufgabe und stellen Ihnen fortlaufend ein Jahresfortbildungsprogramm zur Verfügung. Dabei wählen wir fachkundige Referenten aus. Die Fortbildungen finden in unserem Seminar- und Besucherzentrum statt. Kinderbetreuung stellen wir gegen einen geringen Kostenbeitrag zur Verfügung, so dass Sie sich ganz  enspannt Ihre Qualifizierungsinhalten widmen können. In der Programmplanung berücksichtigen wir die Anliegen unsere Familien

Jahrestagung

Einmal pro Jahr organisiert der Fachbereich Pflegefamilien für alle Pflegefamilien die traditionelle Jahrestagung. Das Programm wird jährlich neu zusammengestellt und bietet Ihnen sowohl Fachvorträge, Fachseminare, vielfältige Anregungen und Informationen, als auch Zeit für Austausch und Gespräche mit Gleichgesinnten. Die Jahrestagung stellt auch ein Herzliches Dankeschon an Ihre Arbeit als Pflegefamilie dar.

Hier der Link zum Download des Fortbildungsprogramm!  E_Verein_Erziehungsstellen_2018_V6