Podcast Pflegefamilien Deutschland

Podcast Pflegefamilien Deutschland

Im folgenden Beitrag können Sie etwas darüber erfahren, wie der Fachbereich Pflegefamilien Hessen vom St. Elisabeth-Verein e.V. in Marburg zur der Idee gekommen ist, einen Podcast Pflegefamilien Deutschland zu veröffentlichen.

Bertram Kasper (Geschäftsbereichsleiter Pflegefamilien Hessen) – als der Initiator des Podcastes – würde wohl folgendes dazu erzählen:

Podcast interessieren mich schon seit zehn Jahren. So lange höre ich ein paar ausgewählte, manchmal auch von den Inhalten wechselnde Podcasts. Und vor dem Hintergrund, dass viele Radiosender diese Format by the way anbieten und ich mir so mein eigenes Radioprogramm sozusagen selbst zusammenstellen kann, sind Podcast sehr attraktiv. Einer meiner Lieblingspodcasts ist z.B. „Das philosophische Radio“ auf WDR 5. Und dann gibt es seit ein paar Jahren den Trend, dass es immer mehr Menschen gibt, die Freude daran haben hochwertigen Inhalte zu Verfügung zu stellen. So ist eine richtige Podcasterszene entstanden mit allen Folgewirkungen, die damit verbunden sind: Vielfältige Podcasts, Buchveröffentlichungen zum Podcasten, unzählige Blogs etc.

Eigener Podcast „Zeitmanagement“

Meine ersten eigenen Produktionserfahrungen mit einem Podcast habe ich ebenfalls vor 10 Jahren bei einem Skiurlaub mit meiner Familien in Damüls gemacht. Damals konnte ich aufgrund einer Verletzung kein Skifahren und hatte dann tagsüber viel Zeit mich mit dem Thema zu beschäftigen. Einzige Aufgabe war es um die Mittagszeit meinen Lieben eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu zaubern.

Ich hatte zwei Bücher über Podcasten dabei, ein einfaches Aufnahmegerät, meinen Laptop mit audacity (ein opensource Schneideprogramm) und einige Ideen für Themen. Zeitmanagement ist es dann geworden, war ich doch zu dieser Zeit Geschäftsführer der GISA, einer gemeinnützigen Weiterbildungs-GmbH und Tochterunternehmen vom St. Elisabeth-Verein. Von dieser Zeit an wollte ich immer einen eigenen echten Podcast produzieren.

Podcast „Lernen macht Spass“ Thema „Zeitmanagement„

Woher kam dieser innere Antrieb?

Würde mich jemand dazu fragen, was denn mein Antrieb dafür ist, hätte ich eine ganz einfache Erklärung. Schon immer wollte ich irgendwie Spuren hinterlassen. Als Pubertierender fing es mit Gedichte schreiben an, später war es dann das Schreiben überhaupt, als Krönung ein Schreibseminar bei Bodo Kirchhoff (Träger des Deutschen Buchpreises) verbunden mit dem Wunsch selbst einen Roman zu schreiben. Heute schreibe ich an 3 Blogs regelmäßig und zwischendurch je nach Inspiration Gedichte oder immer noch an meinem Roman.

Durch Beziehung wirksam sein

Und als Dipl. Supervisor bin ich auch Entwicklungsbegleiter oder neudeutsch change agent von Menschen, die sich in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln wollen. Und auch für Pflegefamilien ist es mir eine Herzensangelegenheit Kontextbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen Entwicklungen auszulösen, die wirklich eine Verbesserung, eine Veränderung begünstigen. Und aus meiner Erfahrung stellt dabei die erlebte Beziehung zwischen den Menschen einen entscheidenen Faktor für das Gelingen dar. Dies ist auch wissenschaftlich durch verschiedene Studien im Bereich der Psychotherapie belegt.

Und das lässt sich nachvollziehbar auf das „Pflegefamilien sein“ übertragen. Setze ich mich als Pflegemutter oder Pflegevater in einen echte Beziehung zu dem Pflegekind, werde ich Spuren hinterlassen, manchmal gleich und manchmal erst Jahre später sichtbar. Doch ich bin ein wenig abgekommen. Es ging doch eigentlich um Podcasten und richtig um Spuren hinterlassen, also Spuren hinterlassen durch Beziehung. Und so schwenke ich jetzt ein wenig um auf die berufliche Ebene.

Mix aus Stärkung für Pflegefamilien und Pflegekindern

Der Podcast Pflegefamilien Deutschland gehört zu einer Gesamtstrategie für die Unterstützung von Pflegekindern und Pflegefamilien.

Wir wollen also echte Lobbyarbeit für diese wertvolle Lebensperspektive für jungen Menschen in Familien auf den Weg bringen. Dazu haben wir zusammen mit Pflegeeltern im März 2019 den „Förderverein zur Unterstützung von Pflegekindern Deutschland e.V.“ gegründet, der Spenden für Pflegekinder und deren nicht durch die öffentliche Hand finanzierten Bedarfe akquiriert.

Podcast Pflegefamilien Deutschland
Logo „Förderverein zur Unterstützung von Pflegekindern Deutschland e.V.

Und wir haben eine Akademie für Pflegefamilien und deren Pflegekinder auf den Weg gebracht, die ab Januar 2020 bundesweit Fortbildungen und Qualifizierungen anbietet.

Podcast – das richtige Format

Und wir wollten ein leicht zu realisierendes und gerade gefragtes Format realisieren, um über das Leben in Pflegefamilien zu berichten. Also sozusagen einen „Radiosender“ von Pflegefamilien für Pflegefamilien. Fachliches, berührendes und spannendes soll dort einen Hörraum haben. Also ein echter Podcast Pflegefamilien Deutschland.

Natürlich verbinden wir damit auch den Wunsch Familien neugierig auf diese ganz besondere und sinnstiftende Lebensform machen. Ist es doch gerade für kleine Kinder besonders wichtig einen familiären Lebensort mit echten Beziehungen anzubieten. Wollen Sie einmal in einen unserer aktuelle Podcasts reinhören, in ein Interview mit zwei Pflegemüttern, die über ihr Leben in der jetzigen Coronakrisenzeit erzählen, dann klicken Sie auf diesen Link.

Unseren Podcast Pflegefamilien Deutschland

wird sich auch durch Ihre Anregungen weiterentwickeln. Wir freuen uns über Rückmeldungen, Themenvorschläge und wenn Sie uns helfen unseren Podcast weiter populär zu machen, sind wir Ihnen sehr dankbar.

Die ersten Rückmeldungen stimmen uns positiv und ermutigen uns. In der ersten Woche nach dem Start unseres Podcast Pflegefamilien Deutschland wurde er über 300 Mal angehört. Dieses tolle Ergebnis hätten wir nicht erwartet. Also…

Wollen Sie auch Pflegefamilie werden, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Und jetzt hätten wir fast das Wichtigste vergessen: Unseren Podcast Pflegefamilien Deutschland finden Sie unter folgendem Link: Pflegefamilien Akademie Podcast

Die Big Five für Pflegeeltern

Die Big Five für Pflegeeltern

Wie Menschen aktuell mit der Corona Krise umgehen, hat auch etwas mit Ihrer Persönlichkeit zu tun. Die Reaktionen werden stark von dem Erlernten und den „vererbten“ Anlagen geprägt. Bin ich vielleicht besonders gewissenhaft, werde ich mir sehr strinkt an die Vorschriften im Umgang mit dem Virus halten bzw. vielleicht sogar nach weiterführende Maßnahmen ergreifen. Doch was ist Persönlichkeit eigentlich genau?

Definition Persönlichkeit

Als Persönlichkeit werden nach der allgemein verbindlichen Definition alle prägenden Eigenschaften eines Menschen bezeichnet.

Quelle: Fernstudium Psychologie

Oder anders ausgedrückt sind mein Erleben, Fühlen und Verhalten maßgeblich von der Gesamtheit aller Merkmale meiner Persönlichkeit geprägt. Dazu gehören meine Charaktereigenschaften, meine Motive und meine Kompetenzen.

LINC Personality Profiler

Das LINC Institute in Lüneburg hat auch als Reaktion auf die Corona Krise für ihr Zertifizierungsseminar ein Onlineformat entwickelt, um weiter Personlity Profiler qualifizieren zu können. Bertram Kasper konnte vom am 15. + 16.04. 2020 daran teilnehmen. Schon ein wenig vorweggenommen: Für uns war es ein fachlich fundiertes Seminar, in dem wir viel über das Big Five Modell in Verbindung mit der Anwendung des Personality Profilers gelernt haben, auch für die Persönlichkeitsentwicklung von Pflegefamilien.

Was ist das Big Five Modell genau?

Ab ca. der 1930 er Jahre wurde das Big Five Modell kontinuierlich weiterentwickelt. Inzwischen gibt es seit ca. 20 Jahre eine wissenschaftliche Anerkennung und weit über 3000 Forschungen weltweit, auch über Länder- und Kulturgrenzen hinweg. Wir sprechen also von einem Persönlichkeitsmodell, das international als Grundlage der Persönlichkeitsforschung dient. Im Ursprungsmodell wurden für Faktoren der Persönlichkeit aus weit über 17000 Persönlichkeitsbeschreibungen abgeleitet. Die Grundbezeichnungen des Big Five für Pflegeeltern waren wie folgt:

  • Offenheit für Erfahrungen (Aufgeschlossenheit)
  • Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
  • Extraversion (Geselligkeit)
  • Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)
  • Neurotizismus (emotionale Labilität und Verletzlichkeit)

Das LINC Institut hat mit der Leuphana Universität Lüneburg das Verfahren zur Persönlichkeitsanalyse „Personality Profiler“ auf Grundlage der Big Five ausdifferenziert, erweitert und praktikabler für die Anwender gestaltet. So ist es auch gut für Pflegeeltern nachvollziehbar und mit dem ca. 30- seitigen Report fast selbsterklärend.

Die Dimensionen bidimensional weiterentwickelt

Zertifizierung Personality Profiler
(C) LINC Institute

Die Grafik zeigt die Dimensionen der Persönlichkeit in ihrer Bidimensionalität. Dabei wurde vor allem wert darauf gelegt das Wortwahl positiv zu gestalten. In der Zertifzierung Personality Profiler werden die Pole der Dimensionen mit jeweils 6 Facetten intensiv analysiert bzw. beschrieben. Für einen Überblick beschreibe ich die einzelnen Dimensionen nur kurz.

1. Dimension: Extraversion versus Introversion

Bin ich als Person eher nach außen orientiert, dann habe ich ein starkes Kontaktbedürfnis verbunden mit einem intensiven Aktivitätsniveau. Gerne gestalte ich soziale Situationen und wünsche mir eine positive Wahrnehmung durch meine Umgebung.

Als eher introvertierter Mensch strebe ich nach innerer Ruhe und Zufrieden. Ich sinniere über mein Leben, reflektiere meine Gefühle und schätze intensiven Austausch mit Einzelnen oder in kleinen Gruppen. Mich zeichnen Unabhängigkeit von der Bewertung anderer aus.

2. Dimension: Gewissenhaftigkeit versus Flexibilität

Ich gehe als gewissenhafter Person eher diszipliniert, geplant und strukturiert vor. Entscheidungen trefe ich wohlüberlegt. Ich strebe nach Leistung und Kompetenz. Mein Umfeld richte ich geordnet aus.

Bin ich eher flexibel und treffe spontane gefühlsbetonte Entscheidungen. Improvisationstalent ist mein zweiter Vorname und mein Leben versuche ich eher entspannt ohne viel Ambitionen anzugehen. Gerne arbeite ich an vielen Projekten gleichzeitig.

3. Dimension: Offenheit versus Beständigkeit

Kreativität und Phantasie bestimmen mein Handeln, wenn ich zum Pol der Offenheit tendiere. Gerne probiere ich Neues und jongliere mit großem Interesse unterschiedliche Themen im meinem Leben. Es gehört zu mir den Status quo zu hinterfragen.

Ist mein Charakter auf Beständigkeit ausgerichtet, orientiere ich mich gerne an Daten, Fakten und der Realität. Ich verfüge über ausgeprägte Werte, die verinnerlicht habe. Bewährtes behalte ich bei. Strukturen und Autoritäten geben mir Orientierung.

4. Dimension: Kooperationorientierung versus Wettbewerbsorientierung

Ich verhalte mich eher zurückhaltend, wenn es um Selbstdarstellung geht. Suche den Kompromiss und bin hilfsbereit. Meine Kommunikation ist offen und vertrauensvoll. Ich sehe eher das Gute in den Menschen.

Bin ich mehr wettbewerbsorientiert, stelle ich mich gerne positiv dar. Konflikte trage ich offen aus und habe eine skeptische Grundeinstellung gegenüber Menschen. Ich bin geübt meine Kommunikation der Situation anzupassen. Gerne halte ich mich aus den Problemen anderer raus.

5. Dimension: Sensibilität versus Emotionale Stabilität

Als sensibler Mensch verfüge ich über einen guten Zugang zu meinen Gefühlen. Durch meine Empfindsamkeit kann ich mich gegen äußere Einflüsse schwieriger abgrenzen. Dies macht mich auch anfälliger gegenüber Stress.

Ich fühle mich grundsätzlich eher entspannt und gelassen. Stress kann mir i.d.R. nicht viel anhaben. Sicherheit in sozialen Situationen zeichnet mich aus. Nach außen kann ich kontrolliert wirken und auf andere Menschen eher unsensibel erscheinen.

Von diesen 5 Dimensionen ist der Name Big Five abgeleitet. Ins Spiel brachte diese Bezeichnung erstmals 1949 Donald Fiske. Also die Big Five für Pflegeeltern.

Die Big Five für Pflegeeltern berücksichtigen auch die Motive und Kompetenzen in der Auswertung

Motive oder was treibt mich an?

Das Ergebnis des Personality Profilers leitet aus dem Ergebnis der Big Five auch die Motive des Anwenders ab. Das LINC Institute orientiert sich dabei am Motiv-Modell von David McClelland. Zwischen dem Ergebnis aus den Big Five und den Motiven gibt es eine signifikante Wechselwirkung. In einem weiteren Magazinbeitrag werde ich näher auf die Motive mit ihren jeweiligen Ausprägungen eingehen.

Kompetenzen oder was liegt mir gut?

Das Profil des Personality Profilers leitet Kompetenzen aus den Charaktereigenschaften der Big Five ab. Insgesamt werden 26 Kompetenzen dargestellt. Dabei wird einmal die Perspektive der Selbsteinschätzung eingenommen und dann gezeigt, wie die Kompetenzen einer Person mit identischer Persönlichkeitsstruktur überwiegend stark oder schwach ausgeprägt sind.

Im Report werden folgende Motive gemessen: Einfluss, Unabhängigkeit, Sicherheit (Kontrollmotive), Beziehung, Werte und Sinn, Lebensstil (Beziehungs- und Lebensführungsmotive), Leistung, Wachstum und Kreativität (Leistungs- und Erfolgsmotive).

Die Big Five für Pflegeeltern und jetzt?

Jetzt freuen wir uns auf die Arbeit mit dem erweiterten Big Five Modell. Wir werden es unter anderem in der Anerkennung und Beratung von Pflegefamilien einsetzen und für Paarkonstellationen.

LINC Institute bietet einen professionellen Rahmen

Das LINC Institute als Entwicklungsschmiede des Tools bieten im Rahmen der Zertifizierung Personality Profiler verschiedene Unterstützungsformate an. Dazu gehören nicht nur Literatur und gut aufbereitete Materialien (wie z.B. Kartenspiele), sondern auch ein Netzwerk über XING und Übungsgruppen mit zertifizierte Partner und Begleitung durch LINC.

Möchten Sie selbst Pflegefamilie werden oder haben Sie Interesse an einem Profiling mit den Big Five, dann nutzten Sie einfach unter Kontaktformular!

Literatur: Der Blogartikel orientiert sich an den Workshopunterlagen vom LINC Institute

Entspannte Pflegefamilien durch Phantasiereisen für Kinder

Entspannte Pflegefamilien durch Phantasiereisen für Kinder

Von Pamela Premm

Eintauchen in eine Welt voller Zuckerwatte, gemütlich durch die Luft schweben oder gleich bis zum Mond fliegen – Phantasiereisen für Kinder sorgen für Entspannung. Pflegekinder, die im Spagat zwischen der Herkunfts- und Pflegefamilie leben, können durch Phantasiereisen ihr inneres Gleichgewicht zurückfinden und gezielt Stress abbauen. Über Imaginationen können sich Pflegefamilien auch bewusst mit Alltagsthemen auseinandersetzen. Das ermöglicht Pflegeeltern mit ihren Pflegekindern ins Gespräch zu kommen. Pflegefamilien-Hessen gibt Tipps, worauf Familie bei Phantasiereisen für Kinder achten sollten.

Phantasiereisen mit Kindern aktiv gestalten

Monika Schilling ist Pflegemutter von vier Pflegekindern und berichtet gern von den Gedankenausflügen mit ihren Kindern. Für sie und ihre Kinder sind Phantasiereisen ein vertrautes, liebgewonnenes Ritual, das den gegenseitigen Austausch und den Familienzusammenhalt fördert. „Wir stellen uns z. B. vor, wie der nächste gemeinsame Urlaub aussehen könnte. Dabei lassen wir unsere Gedanken frei. Jeder darf seinen Urlaub so beschreiben, wie er ihn gerne hätte – egal, ob die Reise ans Meer, an den See oder auf den Camping-Platz führt. Meistens mischen sich vergangene Urlaubserlebnisse mit neuen Ideen“, erklärt die diplomierte Sozialpädagogin.

„Wenn wir all unsere Vorstellungen gesammelt haben, entwickeln wir daraus einen Aktionsplan, den wir dann in die Realität umsetzen.“

Für die Kinderbuchautorin war es wichtig, mit ihren Pflegekindern regelmäßig in den Austausch zu treten, die Sprachentwicklung und die Beziehungsebene zu fördern. „Über Phantasiereisen setzen wir uns mit Alltags- und Gesellschaftsthemen auseinander. Wir arbeiten auch kritische Themen auf und versuchen uns dabei, in die Lage und Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen. Das hilft den Pflegekindern, die eigene Situation besser zu verstehen.“ In den täglichen Abendrunden werden unter anderem Gewaltthemen besprochen. „Gewaltvorstellungen gehören zum Päckchen, das Pflegekinder mit sich tragen. Phantasiereisen helfen uns dabei, diese traumatischen Erfahrungen aufzuarbeiten.“ Themen bearbeiten, Geschichten besprechen, sich etwas vorstellen: Familie Schilling setzt Phantasiereisen gezielt ein, um den Familienalltag aktiv zu gestalten. Sie können aber auch passiver Natur sein.

Phantasiereisen für entspannte Pflegefamilien

Während Familie Schilling Phantasiereisen nutzt, um Empathie, Sprache und Kreativität zu fördern, können sie auch als Entspannungstechnik eingesetzt werden. Als Basis dient eine beruhigende Geschichte, die Eltern ihren Kindern vorlesen. Bei einer Phantasiereise tauchen die Kinder meist in eine ruhige Phantasiewelt ab, in der sich enge Regeln und Grenzen auflösen. Die Geschichte arbeitet mit anschaulichen Bildern und Visualisierungen und nimmt die Kinder mit auf eine Reise in eine andere Welt. Wer sich auf Phantasiereisen begibt, folgt den Bildern, die vor dem geistigen Auge entstehen. Die Geschichten sind so aufgebaut, dass sie alle Sinne ansprechen: Die Kinder können das Beschriebene hören, fühlen, schmecken, riechen und sehen. Auf diese Weise können selbst aufgedrehte Pflegekinder leichter entspannen, loslassen, Stress und Ängste abbauen sowie die eigene Konzentrationsfähigkeit stärken.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern
© Konstantin Yuganov-mozZz – Fotolia.com

Tipps für Phantasiereisen mit Pflegekindern

Phantasiereisen sollten immer gleich ablaufen, damit sich Pflegekinder darauf einstellen können, dass jetzt eine Phase der Entspannung beginnt. Dabei lassen sich Phantasiereisen für Kinder in drei Phasen einteilen.

1) Die Vorbereitungsphase: eine angenehme Atmosphäre schaffen

Der Alltag ist häufig stressig, laut und hektisch. Um sich entspannt auf Phantasiereise begeben zu können, sollten Pflegeeltern eine ruhige Atmosphäre schaffen. Die Konzentration gehört ganz der Geschichte, die erzählt wird. Handys, Fernseher und andere Geräuschquellen werden solang abgestellt. Pflegeeltern sollten Gegenstände, die ablenken und die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen, in dieser Zeit wegräumen. Vor Beginn der Phantasiereisen kommen alle Beteiligten zur Ruhe. Eltern sollten ihre Kinder dazu animieren, ruhig zu atmen, sich bequem hinzulegen und die Augen zu schließen.

2) Die Entspannungsphase: der Geschichte lauschen

Während der Phantasiereisen mit Kindern bleibt der Alltag draußen. Die Pflegeeltern sollten sich ganz bewusst der Geschichte widmen und sich für die gemeinsame Traumreise Zeit nehmen. Alle anderen Aufgaben müssen und dürfen in dieser Zeit liegen bleiben. Wenn Eltern die Traumgeschichte selbst vorlesen, sollten sie dabei langsam und ruhig vorgehen. Wenn sie langsam vorlesen und die Visualisierungen betonen, können Kinder mit ihren Gedanken besser an den Ort der Geschichte reisen, Gefühle spüren und Bilder entwickeln.

3) Die Rückkehrphase: den Gefühlen auf der Spur

Nach der Phantasiereise müssen Kinder wieder in die Realität zurückgeholt werden – körperlich und geistig. Sie dürfen sich räkeln und strecken und die Energie zurückkehren lassen. Anstelle des Abenteuers in die bunte Phantasiewelt tritt fester Boden. Dabei eignen sich Phantasiereisen als Ausgangspunkt, um mit den Kindern anschließend über Gefühle und Erlebnisse zu sprechen. Durch kreative Arbeit wie Kneten oder Malen können sich Kinder kreativ mit den gefühlten Emotionen auseinandersetzen.

Mehr Empathie durch Phantasiereisen

Übrigens: Im Pflegekind-Bereich werden Phantasiereisen noch zu einem ganz anderen Zweck eingesetzt. So kann es sein, dass sich zukünftige Pflegeeltern selbst auf Phantasiereise begeben, um sich vorzustellen, aus welcher Situation heraus, sie ihre Kinder in Obhut geben würden. Was müsste passieren, dass sie für ihre Kinder nicht mehr Sorgen könnten? Was würden sie von der zukünftigen Pflegefamilie erwarten? Wie stellen sie sich den Kontakt zur Pflegefamilie vor? Dadurch, dass sich zukünftige Pflegeeltern in die Notlage der leiblichen Eltern hineinversetzen, können sie leichter Verständnis für die Reaktionen der Herkunftsfamilie aufbringen.

Drei Empfehlungen für kindgerechte Phantasie- und Traumreisen

Phantasiereisen für Kinder gibt es zum Vorlesen oder als Hörspiel. Hier finden Sie einige Empfehlungen:

Babuba und die Mondlinge – Phantasiereisen zum Entspannen und Einschlafen

Fantasiereisen für Frühling, Sommer, Herbst und Winter von Anne Katrin Müller – für Kinder von 4 bis 7 Jahren

Fantasiereisen für Kinder. Entspannung für Tag und Nacht

Wollen Sie Pflegefamilie werden, dann genügt die Kontaktaufnahme unter folgendem Link:http://www.pflegefamilien-hessen.de/kontakt


Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Von Pamela Premm

Pflegekinder kommen aus einer völlig anderen Welt und müssen sich in einer fremden Familie mit fremden Tagesabläufen zurechtfinden. Da ist Verständnis gefragt. Buchautorin und Pflegemutter Monika Schilling hat vier Pflegekindern ein Zuhause geschenkt. Und weiß, dass in der Erziehung von Pflegekindern Gespräche wichtiger sind als Regeln.

Zu viele Regeln machen unfrei

Bevor Monika Schilling eine Regel aufstellt, überlegt sie sich genau, welche Konsequenzen diese für ihr eigenes Wohlbefinden und für das gesamte Familienleben hat. „Ich will mich nicht meiner eigenen Freiheit berauben, indem ich eine unnötige Regel aufstelle“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. In ihrer Pflegefamilie gibt es nur einige grundsätzliche Versorgungsregeln wie Zähne putzen, zur Schule gehen oder freundlich miteinander sein. „Pflegekinder müssen so unglaublich viel leisten. Da braucht es nicht noch zusätzliche Regeln“, sagt die Pflegemutter.

Gleiches gilt für Strafen: „Was nützt es mir, wenn ich den Kindern eine Woche Fernsehverbot erteile, ihnen dann aber eine interessante TV-Dokumentation zeigen möchte? Auf diese Weise mache ich mich und uns zum Sklaven meiner Strafe und am Ende ärgere ich mich über mich selbst.“

Monika Schilling

Was ist Grundmotiv von Fehlverhalten?

Erziehung von Pflegekindern

Anstatt die Kinder zu maßregeln, sollten Pflegeeltern das Grundmotiv hinterfragen, welches hinter einem Fehlverhalten steckt. Kein Kind will seinen Pflegeeltern vorsätzlich Schaden zufügen oder sie gar verletzen. Daher sollten sich Pflegeeltern auch nicht persönlich angegriffen fühlen. „Die Kinder sind nicht per se böse. Sie hatten in den Ursprungsfamilien einfach keine Chance, moralische Werte zu verinnerlichen. Sie handeln aus dem Impuls mangelnder Bedürfniskontrolle heraus. Es liegt an mir, ihnen einen besseren Weg aufzuzeigen.“ Monika Schilling geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich versuche Situationen zu vermeiden, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das erfordert Disziplin trägt aber zum Familienfrieden bei. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass so viel einfacher bdie Erziehung von Pflegekindern gelingt.“

Werte vorleben statt strafen

Doch wie wahrt man den Familienfrieden in einer Pflegefamilie mit vier Pflegekindern? Indem man Werte vorlebt und respektvoll miteinander umgeht. Das ist nach Monika Schilling das ganze Geheimnis. „In der Erziehung von Pflegekindern ist vor allem Geduld gefragt. Ich versuche meinen Pflegekindern ein gewisses Grundverständnis entgegen zu bringen und in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben. Auch wenn eines meiner Pflegekinder mal völlig ausflippt, schaffen wir es immer wieder, dass es sich fängt und auf Normallevel herunterfährt. Letztendlich behandle ich meine Pflegekinder so, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. Und wenn eines der Kinder mal tobt, dann darf es die Emotionen herauslassen. Das ist kein Grund für mich, mit Strafen zu drohen oder selbst laut zu werden. Ich mag schließlich auch nicht angeschrien werden.“

Verhalten neu verinnerlichen

Was sich so einfach und plausibel anhört, ist ein stetiger Prozess. Bis ein Pflegekind bestimmte Verhaltensmuster verinnerlicht hat, kann es lange dauern. Aber Geduld und Zuversicht lohnen sich, auch wenn immer nur kleine Erfolge sichtbar werden. „Man muss sich das so vorstellen: Pflegekinder sind hungrig nach allen Seiten, wie ein Fass ohne Boden“, erklärt Schilling. „Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Fass zu füllen. Ein tägliches Abendritual hilft uns dabei.“

Erziehung von Pflegekindern – die Abendrunde als Ritual

Erziehung von Pflegekindern
Bei einer Pflegefamilie entdeckt

Für viele Familien erscheint ein Abendritual mühsam, dabei hilft es, Emotionen zu reflektieren und Geschehenes zu verarbeiten. Familie Schilling trifft sich nach dem Abendessen. „Während unserer Abendrunde besprechen wir den Tag. Jeder darf berichten, was ihn besonders gefreut oder genervt hat. In dieser Zeit hören wir uns aufmerksam zu, schmieden Pläne und begeben uns auf Phantasiereise.“ Für die Pflegekinder ist es wichtig, einen geschützten Ort zu haben, an dem sie über Gefühle und Erfahrungen sprechen können. Manchmal denkt sich die Familie Geschichten aus, die in Kinderbüchern verarbeitet werden. „Am Anfang habe ich das Erlebte in Wochenberichten zusammengefasst und den Kindern vorgelesen,“ so Schilling. „Schnell merkte ich, dass die Geschichten etwas bei den Kindern bewirken. Sie fühlen sich wahrgenommen.“

Gemeinsam Kinderbücher entwickeln

Mittlerweile entwickelt die Familie gemeinsam Kinderbücher mit fiktiven Charakteren, die spannende Abenteuer erleben. Die Pflegekinder beteiligen sich an der kreativen Gestaltung und erkennen sie sich in den Figuren wieder. „Über die Geschichten kommen wir als Pflegeeltern mit unseren Kindern ins Gespräch. Und ganz nebenbei überbrücken wir die große Altersspanne, die zwischen den 9- und 14-jährigen Kindern liegt.“ Im Gespräch zu bleiben, ist in der Erziehung von Pflegekindern besonders wichtig, da es im Alltag immer wieder Konflikte gibt.

Pflegeeltern als Anwalt der Kinder

Bis ein Kind in der Pflegefamilie ankommt, vergehen Monate, weiß Monika Schilling. Erst nach der Honeymoon-Zeit zeigen sich die gesamten Ausmaße der traumatischen Erlebnisse. Doch auch nach dem Übergang in die Pflegefamilien sind schmerzhafte Erfahrungen täglicher Begleiter. „Pflegekinder werden alltäglich mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da reicht ein Baby-Bild aus, dass sie in die Schule mitbringen sollen, um Wunden wieder aufzureißen.“ Es gibt immer wieder diese Situationen, in denen Pflegekinder ausgegrenzt werden oder Verletzungen erfahren, die sie nur schwer aushalten können. Den meisten Außenstehenden fällt es schwer, sich in die Situation von Pflegekindern hineinzuversetzen. „Wir verstehen uns als Anwalt unserer Kinder und machen auf Begebenheiten aufmerksam. Es sind gerade die existenziellen Fragen, die für Pflegekinder unbeantwortet bleiben und starke Emotionen auslösen.“ Familie Schilling unterscheidet bei Konflikten ganz klar zwischen Öffentlichkeit und Zuhause: „Konfrontationen aus dem Umfeld dürfen nicht zum Konfliktthema zuhause werden. Wir sprechen über das, was passiert ist, aber wir versuchen immer, den Ärger vor der Tür zu lassen. Hier sollen unsere Pflegekinder einfach nur ein geborgenes Nest haben, ganz ohne Verhaltensdruck.“ Und wenn der Haussegen doch mal schiefhängt? „Dann haken wir den Tag einfach ab. Jeder Tag ist neu und genau so wollen wir ihn begehen.“

Wollen auch Sie in die Erziehung von Pflegekindern einsteigen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 3: Zwischen den Familien – Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Von Pamela Premm

Wer sich für ein Pflegekind entscheidet, nimmt unweigerlich eine Zwischenposition ein. Da sind die leiblichen Eltern auf der einen Seite, das Jugendamt und der Vormund auf der anderen. Und dazwischen die Pflegefamilie, die sich 24 Stunden am Tag um das Wohl des Pflegekindes kümmert und ihm ein geborgenes Umfeld schenkt. Um diesen Spagat zu meistern, bedarf es eine große Portion Vertrauen und starken Zusammenhalt. Was das bedeutet, wissen auch Caroline und Thomas Wagner mit ihren drei Pflegetöchtern.

Pflegestellen werden in Hessen und deutschlandweit dringend gesucht

Psychische Erkrankungen machen es den leiblichen Eltern oft unmöglich, sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Diese haben zumeist viel Leid erfahren: Trennungsängste, Beziehungsabbrüche bis hin zur körperlichen Misshandlung. Die Vorgeschichte nehmen sie mit in die neue Familie. „Da braucht es zu Beginn eine Menge Zuspruch“, sagt Caroline. „Erstmal geht es darum, eine Bindung und Vertrauen aufzubauen.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

© Konstantin Yuganov-mozZz – Fotolia.com

Dazu gehört auch, eine sinnvolle Besuchsregelung mit den leiblichen Eltern zu vereinbaren.“ In dieser Hinsicht wünscht sich die dreifache Pflegemutter mehr Rechte für Pflegefamilien. Gerade am Anfang müssen die Besuchskontakte behutsam erfolgen. „Ich halte es für wichtig, dass unsere Pflegekinder regelmäßigen Kontakt zu den leiblichen Eltern halten. Sie sollen auch ihre Wurzeln kennen lernen und erfahren dürfen, dass sie ihren Eltern etwas bedeuten. Allerdings sollte immer auf das Wohl der Kinder geachtet werden.“

Es wird viel Unruhe von außen reingetragen

Dass da die angesetzten Besuchskontakte bei Pflegekindern auch zu früh erfolgen können, musste die Pflegemutter schmerzlich erfahren. „Unsere große Tochter hatte in der Anfangsphase starke Schwierigkeiten, die Besuche bei den leiblichen Eltern zu verarbeiten. Die Kontakte waren zu häufig, ich durfte als Rückhalt nicht dabei sein. Das hat uns jedes Mal wieder zurückgeworfen. Sie war damals noch ein Kleinkind. Unsere Pflegetochter und auch wir fühlten uns in der Situation allein gelassen.“ Ähnlich verlief der Kontakt bei Melina, die schon als Baby zu den Wagners kam. Es gab monatelang keinen oder nur sporadischen Kontakt zur Mutter. Jeder Kontakt überforderte das Kind, dennoch wurde trotz einer psychischen Erkrankung der Mutter irgendwann eine Rückführung angedacht. Die Sorge um das Kind und die monatelange Unsicherheit war für das Paar sehr belastend. „Es wird so viel Unruhe von außen reingetragen. Ich wünschte mir, dass wir mehr Rechte hätten, auf Entscheidungen zum Wohle des Kindes einzuwirken“, so der Pflegevater Thomas. Bei der 3-jährigen hat sich das Jugendamt mittlerweile für einen dauerhaften Verbleib in der Pflegefamilie ausgesprochen. Bei den großen Pflegetöchtern ist der Umgang mit den leiblichen Eltern inzwischen adäquat geregelt. Das Paar rät jedem, sich frühzeitig Hilfe und Rat zu holen, auch was eine mögliche Rückführung angeht.

Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren

Gerichtstermine, Gutachten, schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern – auch das gehört unter Umständen zu einem Leben als Pflegefamilie. Auch bei Familie Wagner versuchen die leiblichen Eltern immer wieder die Pflegekinder zurückzuholen. Teilweise unter inakzeptablen Bedingungen. „Eine Rückführung hätte in allen drei Fällen dem Kindeswohl geschadet. Es waren teilweise zermürbende Termine bis hin zum Oberlandesgericht, die viel Kraft gekostet haben.“ Der Pflegevater hat sich mittlerweile selbst schlau gemacht, Gesetze studiert und immer wieder Beistand gesucht. Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern„Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig informiert, immer wieder nachfragt und auf sein Recht besteht. Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat uns dabei großartig unterstützt.“ Gespräche mit dem zuständigen Supervisor helfen beim Verarbeiten der schwierigen Momente und bei Sachfragen. „Wir mussten schon einige Krisen überstehen“, sagt auch Caroline. „Aber wir sind auch daran gewachsen, sodass uns so schnell nichts mehr aus der Bahn wirft.“ Und mit jeder positiven Rückmeldung wächst auch das Vertrauen in die eigene Kraft.

Die nötige Distanz und der Glaube haben dem Paar geholfen

Und welche Strategie verfolgt das Paar, um die Herausforderungen zu bewältigen? „Ich betrachte den Sachverhalt mit einer gewissen Distanz. Mir ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und mich zu informieren“, sagt der Pflegevater. Die Mutter tickt da anders: „Mir hat mein Glaube sehr geholfen. Mein Schicksal in Gottes Hände zu legen, nimmt mir die Last auf meinen Schultern.“ Einen Groll gegen die Eltern hegt sie nicht.  „Man darf nicht vergessen, dass auch die leiblichen Eltern in einer schwierigen Lage sind. Sie haben diesen wunderbaren kleinen Menschenkindern das Leben geschenkt und können sie nun nicht begleiten. Das ist schon schwer.“ Allerdings wünscht sich das Paar auch klarere Strukturen für alle Beteiligten zum Wohle des Kindes. „Mit Pflegekindern sollte nicht experimentiert werden, insbesondere wenn sie schon als Säuglinge aus der Familie herausgenommen wurden. Sie kennen doch teilweise gar nichts anderes als ihre Bezugspersonen in den Pflegefamilien.“ Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen ElternBei der Frage, ob sie es manchmal bereuen, sich auf das Abenteuer Pflegekind eingelassen zu haben, schütteln beide den Kopf: „Mögliche Rückführungen und schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern, sind sicherlich belastend, aber am Ende überwiegt die Freude an den Kindern. Pflegefamilien werden händeringend gesucht, also warum nicht etwas Gutes tun? Unsere Kinder brauchten ein Zuhause und wir wollten unbedingt Kindern ein Zuhause schenken. Und wenn abends die Kleine im Bett liegt und sagt, dass sie uns liebhat, lösen sich alle Bedenken in Luft auf.“

Sie möchten Pflegekindern ein sicheres, geborgenes Umfeld schenken? Dann melden Sie sich gerne bei uns. 

Und hier der Link zu unserem Film „Basisstation gesucht“, der Sie motivieren soll das Abenteuer Pflegefamilie zu wagen. Herzlichen Dank an Christoph Schuchardt von kameramann 24.

(Namen wurden von der Redaktion geändert)

Geschwister in Pflegefamilien – eine Beziehung zwischen Nähe und Distanz

Geschwister in Pflegefamilien – eine Beziehung zwischen Nähe und Distanz

Geschwister in Pflegefamilien – Pflegefamilien Hessen unterstützt Forschungsarbeit / Teilnehmer für Online-Umfrage gesucht

von Pamela Premm: Lisa Baethke lebt ihre Berufung. Sie war schon immer sozial engagiert und hilfsbereit. Jetzt setzt sie sich für Pflegefamilien ein. Seit rund einem Jahr arbeitet die studierte Sozialpädagogin im allgemeinen Sozialdienst des Jugendamts, ist zuständig für die Planung und Einleitung von Hilfen in Pflegefamilien. Neben ihrer Arbeit kümmert sich die junge Frau um ihre Masterthesis an der Universität Siegen. In ihrer Abschlussarbeit widmet sie sich einem Thema, das ihr besonders am Herzen liegt: „Geschwisterbeziehungen von sozialen Geschwistern in Pflegefamilien.“ Ihre Forschungsstudie will neue Erkenntnisse gewinnen: darüber wie Geschwister in Pflegefamilien zueinanderstehen, ob sie intensivere Beziehungen pflegen und ob sie dabei besonders innig oder besonders distanziert miteinander umgehen.

Der Rolle von Pflegegeschwistern wird oft zu wenig Bedeutung beigemessen

„Mir ist immer wieder aufgefallen, dass es bei der Arbeit mit Pflegefamilien in erster Linie darum geht, die Bindung zwischen Pflegekindern und Eltern zu stärken. Dabei wird die Beziehung von Pflegekindern und leiblichen Geschwisterkindern allzu oft vernachlässigt, obwohl sie im Familiensystem eine ebenso wichtige Rolle spielt“, sagt Baethke. „Kontakte von Pflegekindern könnten kaum intensiver sein als jene zu ihren gleichaltrigen, sozialen Geschwistern, mit denen sie zusammenleben und einen Großteil ihrer Zeit verbringen.“ In Hilfeplangesprächen werden Geschwisterkinder allerdings kaum einbezogen, obwohl sie oftmals neue Perspektiven einbringen können. „Erst kürzlich habe ich ein Hilfeplangespräch geführt, an dem zufällig auch die Pflegeschwester teilgenommen hat. Dort hat sich gezeigt, dass viele Aspekte, die Pflegeeltern als Besorgnis erlebt haben, aus der Perspektive der Schwester als viel weniger kritisch wahrgenommen wurden. Darauf möchte ich aufmerksam machen: ‚Hey, es gibt eben nicht nur Pflegeeltern und Pflegekinder – zu einer Pflegefamilie gehören alle, Geschwister eingeschlossen‘.“ Die Beziehungen zu den Geschwistern seien schließlich auch jene, die natürlicherweise oftmals länger andauern als die zu den Eltern.

Teilnehmer für Geschwisterstudie noch dringend gesucht

Pflegefamilien-Hessen unterstützt die Forschungsarbeit der Masterstudentin. „Geschwisterkinder sind für uns ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Arbeit mit Pflegefamilien. Gerade am Anfang sind Geschwister in Pflegefamilien eine wichtige Orientierungsquelle für Pflegekinder. Sie leben quasi den Familienalltag mit all seinen Besonderheiten und Regeln vor. Das kann Pflegekindern unheimlich helfen, sich zurechtzufinden“, sagt Bertram Kasper von Pflegefamilien Hessen. Dabei ist die Beziehung zwischen Pflegegeschwistern oftmals besonderen Belastungen ausgesetzt. Baethke ergänzt: „Pflegegeschwister werden beispielsweise oft mit Vorurteilen konfrontiert („Ihr seid ja gar nicht wirklich verwandt.“), die zusätzlich zur Belastungsprobe werden können. Außerdem besteht latent die Möglichkeit, dass das Pflegekind aus der Familie wieder herausgenommen wird. Mich interessiert es besonders, wie sich solche Belastungen auf die Geschwisterbeziehungen auswirken. Kommt es zu einer verstärkten Distanz zwischen den Geschwistern oder schweißen die Herausforderungen noch stärker zusammen? Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Kinder, die als Pflegegeschwister groß werden, sozialer und toleranter sind, weil sie gelernt haben, mit Vorurteilen umzugehen und für die Familie einzustehen. Wie Pflegekinder ihre Beziehung zu ihren Pflegegeschwistern erlebt haben, darüber können hoffentlich die Ergebnisse Aufschluss geben.“

Der Fragebogen richtet sich an Pflegekinder und ehemalige Pflegekinder, die mindestens 16 Jahre alt sind und mit Pflegegeschwistern (sozialen Geschwistern) in einer Pflegefamilie leb(t)en. Teilnahmeschluss ist der 30.11.2018. Vielen Dank vorab an alle Unterstützer!

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Über die Teilnahme

Die Antworten werden anonymisiert verwertet und lassen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zu. Wer an der Verlosung von drei Amazon-Gutscheinen à 20 Euro teilnehmen möchte, hinterlässt seine Kontaktdaten am Ende des Fragebogens im Rahmen der Gewinnspielabfrage. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist freiwillig. Wer keine Kontaktdaten hinterlassen möchte, kann die Angabe der Daten auf der letzten Seite einfach überspringen. Der zeitliche Aufwand für die Beantwortung der Fragen beträgt ungefähr zehn Minuten.

Sie haben noch Platz für ein Pflegekind in Ihrer Familie? Dann kontaktieren Sie uns gerne. Wir stehen Ihnen gerne Rede und Antwort zu diesem spannenden Lebensabschnitt.

Geschwister in Pflegefamilien eine wichtige Orientierungsquelle für Pflegekinder