Pflegekinder in Regenbogenfamilien

Pflegekinder in Regenbogenfamilien

von Jana Bamberger, Master Studierende im Bereich „Soziologie und Sozialforschung“ an der Universität Marburg

Pflegekinder in Regenbogenfamilien ist nach wie vor noch ein kontroverses Thema. Der folgende Beitrag von Jana Bamberger will dazu beitragen Vorurteile zu relativieren und beschreibt vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung die Chancen für Regenbogenfamilien und Pflegekinder in anschaulicher und differenzierter Weise. Herzlichen Dank dafür.

„Lesben und Schwule müssen bei der Vermittlung von Pflegekindern gleich behandelt werden, denn sie können genau so gute Eltern sein wie heterosexuelle Menschen. Leider zeigt die Erfahrung vieler Homosexueller, dass ‚klassische‘ Familienverhältnisse oft für stabiler gehalten werden als die lesbischer oder schwuler Paare. Das ist haltlos und diskriminierend.“ (Mielchen 2016)

„‚Ehe für alle‘ heißt nicht ‚Elternschaft für alle‘“

Trotz zahlreicher Reformen und Maßnahmen zur Gleichberechtigung von homosexuellen Personen haben gleichgeschlechtliche Paare noch immer mit zahlreichen Hindernissen im Bereich der Familienplanung und dem Familienalltag zu kämpfen. Denn obwohl die allgemeine Toleranz gegenüber schwulen Männern und lesbischen Frauen in den letzten Jahrzehnten spürbar gestiegen ist, wird der gleichgeschlechtlichen Elternschaft weiterhin eher kritisch und ablehnend gegenübergestanden.

Das Konzept der gleichgeschlechtlichen Elternschaft scheint für viele heterosexuelle Personen nur schwer mit bestehenden traditionellen Vorstellungen von Familie vereinbar zu sein. Darüber hinaus sehen sich homosexuelle Paare oftmals mit zahlreichen Vorurteilen und Klischees gegenüber ihrer Familienform konfrontiert, welche ihnen u.a. eine angemessene Erziehungsfähigkeit absprechen. So war bei einer Umfrage im Jahr 2017 beispielsweise jede/r fünfte Befragte der Überzeugung, dass homosexuelle Paare Kinder schlechter erziehen als heterosexuelle Paare.

Doch nicht nur seitens der Gesellschaft lassen sich Stigmatisierungen und Diskriminierungen homosexueller Personen feststellen, auch im Rahmen der deutschen Rechtsgrundlage bestehen trotz zahlreicher Reformen noch immer Ungleichbehandlungen homosexueller gegenüber heterosexuellen Paaren.

Was ist überhaupt eine Regenbogenfamilie?

In der heutigen Gesellschaft wird das traditionelle Familienbild „Mutter, Vater, Kind“ von immer mehr unkonventionellen Modellen abgelöst. Neben mittlerweile weit verbreiteten Modellen wie Stieffamilien, Patchworkfamilien, und Alleinerziehenden existieren sogenannte „Regenbogenfamilien“, welche ebenfalls eine eigene Familienform darstellen.

Hierbei gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten in einer derartigen Familienform zusammenzuleben, wodurch auch unterschiedliche Definitionen des Begriffes existieren. Grundsätzlich wird unter einer Regenbogenfamilie eine Familie verstanden, welche sich aus zwei gleichgeschlechtlichen Elternteilen zusammensetzt, die mit mindestens einem Kind zusammenleben und dieses gemeinsam großziehen.

Regenbogenfamilien können hierbei die Form einer Adoptiv- oder Pflegefamilie annehmen oder eine Familie sein, bei welcher Kinder aus einer vorangegangen heterosexuellen Partnerschaft oder einer Leihmutterschaft stammen oder mittels einer künstlichen Befruchtung in eine aktuelle lesbische Beziehung hineingeboren wurden.

In Debatten um gleichgeschlechtliche Elternschaft wird sich hierbei, sowohl politisch als auch medial, sehr oft ausschließlich auf Adoptionen fokussiert, während Pflegekinderverhältnisse außer Acht gelassen werden. An dieser Lücke gilt es dringend anzuknüpfen.

Pflegekinder in Regenbogenfamilien

Adoptivkind oder Pflegekind?

Sowohl bei lesbischen, als auch bei schwulen Paaren, die über Kinder verfügen, stammen die meisten dieser Kinder aus vorhergehenden heterosexuellen Beziehungen oder wurden direkt in die gleichgeschlechtliche Familie hineingeboren. Nur etwa 6% der Kinder aus Regenbogenfamilien wurden als Pflegekind übernommen und lediglich knapp 2% kamen durch eine Adoption – zumeist eine Auslandsadoption – in ihre Familie. Daran wird deutlich, dass die Übernahme von Pflege- und Adoptivkindern für homosexuelle Paare noch immer mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist.

Der wesentliche Unterschied zwischen Pflegekindern und Adoptivkindern besteht darin, dass ein Adoptivkind formal und gesetzlich alleiniges Kind der neuen Eltern wird, während ein Pflegekind formal und gesetzlich das alleinige Kind der leiblichen Eltern bleibt. Zudem haben Pflegekinder in ihren Herkunftsfamilien oftmals belastende und teilweise sogar traumatisierende Erfahrungen gemacht, bei deren Bewältigung die Pflegeeltern Unterstützung bieten müssen.

Die Herkunft des Kindes hat meist einen festen Platz in dessen Leben, wodurch der Kontakt zu leiblichen Eltern oder anderen Mitgliedern der Herkunftsfamilie aufrechterhalten wird und das Kind lernt mit zwei Familien aufzuwachsen – seiner Ursprungs- und seiner Pflegefamilie. Das Pflegeverhältnis kann hierbei zeitlich begrenzt sein, wenn eine Rückkehr des Kindes in seine Ursprungsfamilie sinnvoll erscheint. Insgesamt stellen Dauerpflegen, d.h. Pflegschaften bis zur Verselbstständigung mit 18 Jahren und meist darüber hinaus, jedoch eine weit verbreitet Praxis dar, wodurch viele Pflegekinder letztendlich bei ihren Pflegeeltern groß werden können.

Diese nehmen das Kind gemeinsam auf, wodurch keine biologischen und rechtlichen Ungleichgewichtungen auftreten und die Pflegschaft zum emotionalen Projekt beider wird. Des Weiteren werden Pflegeeltern durch den Pflegekinderdienst betreut und unterstützt und erhalten darüber hinaus auch finanzielle Unterstützungsleistungen in Form von Pflegegeld.

Vorurteile und Diskriminierungen

Gegner von Regenbogenfamilien argumentieren jedoch oft, dass homosexuelle Paare keine Kinder großziehen sollten, da diesen das gegengeschlechtliche Elternteil fehle. Dies wirke sich negativ auf verschiedene Entwicklungsprozesse, wie die allgemeine Identitätsbildung oder die zu entwickelnde Geschlechtsidentität aus. So wird u.a. behauptet, dass Kindern, welche bei zwei Vätern aufwachsen, die Fürsorge, Sicherheit und Pflege fehle, welche nur eine Mutter bereitstellen könne. Zudem wird angenommen, dass Töchter, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, aufgrund ‚falscher‘ oder fehlender Rollenmodelle zu männlich und Söhne zu weiblich werden. Es wird argumentiert, dass Jungen einen Vater bräuchten, um eine angemessene männliche Identität zu entwickeln und ein Vater auch für Mädchen unabdingbar sei, damit diese eine „heterosexuelle Feminität entwickeln und heteronormative Erwartungen an zukünftige Paarbeziehungen zu Männern bilden könnten.“ (Scholz 2017: 22)

Ein weiteres Vorurteil gegenüber Regenbogenfamilien besteht darin, dass die Kinder von schwulen und lesbischen Paaren selbst homosexuell werden würden. Zudem wird angenommen, dass Kinder aus Regenbogenfamilien verstärkt diskriminiert werden, da die Gesellschaft noch nicht reif für derartige Familienformen sei. Aus diesem Grund würden sich Kinder von homosexuellen Eltern häufig von Gleichaltrigen zurückziehen und sich sozial isolieren. Verstärkte Diskriminierungserfahrungen und Hänseleien zögen wiederum eine Beeinträchtigung in der Entwicklung der Kinder mit sich.

Sind homosexuelle Paare Eltern zweiter Klasse?

Stimmen diese Vorurteile tatsächlich und lassen sich homosexuelle Paare als Eltern zweiter Klasse abstempeln und sind Pflegekinder in Regenbogenfamilien ausgeschlossen?

Nein. Zahlreiche Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Lesben und Schwule Kinder ebenso „gut“ erziehen können wie heterosexuelle Mütter und Väter. Ein Großteil der Untersuchungen ergab, dass schwule Väter und lesbische Mütter über eine angemessene Erziehungsfähigkeit verfügen und ihre Kinder eine gelungene emotionale, soziale und sexuelle Entwicklung vollziehen. Zwar unterscheiden sich homosexuelle Eltern in einigen Aspekten des Erziehungsverhaltens durchaus von heterosexuellen, die Unterschiede scheinen dem Wohlbefinden der Kinder jedoch in keiner Weise zu schaden. Es konnte ermittelt werden, dass die Prozesse innerhalb einer Familie, wie beispielsweise die Qualität der Beziehungen, einen deutlich größeren Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben als die Struktur der Familie.

Ein wesentlicher Unterschied im Familienalltag zeigt sich lediglich darin, dass anfallende Erziehungs- und Versorgungsaufgaben in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oftmals egalitärer und flexibler geteilt werden als in heterosexuellen Beziehungen. Durch eine egalitäre Verteilung von Aufgaben steigt zumeist auch die Partnerschaftszufriedenheit, was sich wiederum positiv auf die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Kinder auswirkt.

Zudem konnte festgestellt werden, dass sowohl lesbische, als auch schwule Paare grundsätzlich einen großen Wert darauf legen, dass ihre Kinder regelmäßigen Kontakt zu Personen des anderen Geschlechts haben. Dies erscheint insofern wichtig, da Kinder zum Aufbau eines adäquaten geschlechtstypischen Rollenverhaltes Modelle beider Geschlechter in ihrem Lebensumfeld benötigen – dies müssen aber nicht zwingend Mutter und Vater sein.

Bezüglich der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder existieren unterschiedliche Ergebnisse. Manche Studien konnten keinerlei Unterschiede zwischen Kindern homosexueller Paare und Kindern heterosexueller Paare feststellen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder aus homosexuellen Familienkonstellationen genauso gut sozial integriert sind wie Kinder heterosexueller Eltern und einen ebenso hohen Selbstwert aufweisen. Hierbei konnte festgestellt werden, dass Kinder umso weniger diskriminiert werden, je offener sie, ihre Eltern, Freund/innen und andere Familienmitglieder mit der Lebensform ihrer Familie umgehen.

Obwohl zahlreiche Studien zu dem Ergebnis kommen, dass sich Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern ebenso „gut“ entwickeln wie Kinder aus Familien mit gegengeschlechtlichen Eltern, existieren noch immer einige Bedenken und Einwände bezüglich homosexueller Elternschaft, welche es dringend zu überwinden gilt. Wir wollen als Fachbereich Pflegefamilien weiterhin mit dazubeitragen, dass Pflegekinder in Regenbogenfamilien auch einen Lebensort finden können.

Warum Pflegekinder in Regenbogenfamilien besonders gut aufgehoben sind?

Insgesamt gibt es einige Argumente, die für die Aufnahme von Pflegekindern in Regenbogenfamilien sprechen. So weisen gleichgeschlechtliche Elternpaare grundsätzlich eine besonders hohe Motivation und große Entschiedenheit für ein Leben mit Kindern auf. Denn viel wichtiger als die Frage der Leiblichkeit, ist ihnen Elternschaft und Familie gemeinsam leben zu können. Sie entscheiden sich ganz bewusst für Pflegekinder, wodurch diese keine Kinder „zweiter Wahl“ sind.

Darüber hinaus verfügen homosexuelle Personen über eine große Erfahrung in der Bewältigung ungewöhnlicher Lebenssituationen und sind dadurch in besonderem Maße dazu fähig, sich in ein Kind einzufühlen, das anders leben muss als andere Kinder. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen können sie mit Abweichungen besonders sensibel umgehen.

Pflegefamilien in Regenbogenfamilien

In der Abweichung von „normalen“ Familienmodellen können Pflegekinder in Regenbogenfamilien zudem ein Vorbild sehen, ihr eigenes Leben selbstbestimmt und zufrieden zu gestalten – trotz ungewöhnlicher Familienbiographie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass besondere Familien besondere Chancen und Ressourcen bieten. Indem unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Familienmodellen angeworben werden, können die Chancen auf mögliche Passungen für Pflegekinder erhöht werden, wodurch die Pflegekinderhilfe von der Hinzunahme unkonventioneller Familienmodelle profitieren kann. Wir denken es ist deutlich geworden, dass Pflegekinder in Regenbogenfamilien einen wertvollen Ort für ihre Entwicklung finden können.

Möchten Sie als Regenbogenfamilie mit Pflegekindern leben?

Dann nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns auf Sie? Hier der Link!

Quellen

Berger, Walter/ Reisbeck, Günter/ Schwer, Petra (2000): Lesben – Schwule – Kinder. Eine Analyse zum Forschungsstand. Düsseldorf: Allbro.

Carapacchio, Ina (2008): Kinder in Regenbogenfamilien. Eine Studie zur Diskriminierung von Kindern Homosexueller und zum Vergleich von Regenbogenfamilien mit heterosexuellen Familien. Diss. München 2009. München: o.V.

Copur, Eylem (2008): Gleichgeschlechtliche Partnerschaft und Kindeswohl. Bern: Stämpfli.

Fthenakis, Wassilios E. (2000): Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und kindliche Entwicklung. In: Jürgen Basedow/ Klaus J. Hopt/ Hein Kötz/ Peter Dopffel (Hg.): Die Rechtsstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Tübingen: Mohr Siebeck, S. 351-390.

Jansen, Elke/ Steffens, Melanie Caroline (2006): Lesbische Mütter, schwule Väter und ihre Kinder im Spiegel psychosozialer Forschung. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis 38, H. 3, S. 642-653.

LSVD (Hg.) (2014): Regenbogenfamilien – alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogene Fachkräfte. 2. Auflage. Köln.

Scholz, Katrin (2017): Vorurteil und soziale Identität. Einstellungen zu homosexueller Partner-  und Elternschaft. Diss. Köln 2018. Köln: o.V.

Internetquellen

Greib, Angela (2019): Die Vermittlung von Pflegekindern an gleichgeschlechtliche Paare. URL: https://www.lsvd.de/en/lebensformen/lsvd-familienseiten/vortraege-und-veranstaltungen/5-lsvd-familienseminar-2007/9-ein-leben-mit-kindern-der-weg-zum-pflegekind-c1.html, Abruf am 16.09.2019.

Inhoffen, Lisa (2017): Homo-Ehe. Mehrheit der Deutschen für gleichgeschlechtliche Heirat. URL: https://yougov.de/news/2017/06/23/homo-ehe-mehrheit-der-deutschen-fur-gleichgeschlec/, Abruf am 16.09.2019.

MDR (2018): „Ehe für alle“ heißt nicht „Elternschaft für alle“. URL: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/bgh-urteil-adoption-verheiratete-homosexuelle-100.html, Abruf am 16.09.2019.

Mielchen, Stefan (2016): Aufruf zum CSD. Hamburg sucht gezielt schwule und lesbische Pflegeeltern. URL: https://www.queer.de/detail.php?article_id=26749, Abruf am 16.09.2019.

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Von Pamela Premm

Pflegekinder kommen aus einer völlig anderen Welt und müssen sich in einer fremden Familie mit fremden Tagesabläufen zurechtfinden. Da ist Verständnis gefragt. Buchautorin und Pflegemutter Monika Schilling hat vier Pflegekindern ein Zuhause geschenkt. Und weiß, dass in der Erziehung von Pflegekindern Gespräche wichtiger sind als Regeln.

Zu viele Regeln machen unfrei

Bevor Monika Schilling eine Regel aufstellt, überlegt sie sich genau, welche Konsequenzen diese für ihr eigenes Wohlbefinden und für das gesamte Familienleben hat. „Ich will mich nicht meiner eigenen Freiheit berauben, indem ich eine unnötige Regel aufstelle“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. In ihrer Pflegefamilie gibt es nur einige grundsätzliche Versorgungsregeln wie Zähne putzen, zur Schule gehen oder freundlich miteinander sein. „Pflegekinder müssen so unglaublich viel leisten. Da braucht es nicht noch zusätzliche Regeln“, sagt die Pflegemutter.

Gleiches gilt für Strafen: „Was nützt es mir, wenn ich den Kindern eine Woche Fernsehverbot erteile, ihnen dann aber eine interessante TV-Dokumentation zeigen möchte? Auf diese Weise mache ich mich und uns zum Sklaven meiner Strafe und am Ende ärgere ich mich über mich selbst.“

Monika Schilling

Was ist Grundmotiv von Fehlverhalten?

Erziehung von Pflegekindern

Anstatt die Kinder zu maßregeln, sollten Pflegeeltern das Grundmotiv hinterfragen, welches hinter einem Fehlverhalten steckt. Kein Kind will seinen Pflegeeltern vorsätzlich Schaden zufügen oder sie gar verletzen. Daher sollten sich Pflegeeltern auch nicht persönlich angegriffen fühlen. „Die Kinder sind nicht per se böse. Sie hatten in den Ursprungsfamilien einfach keine Chance, moralische Werte zu verinnerlichen. Sie handeln aus dem Impuls mangelnder Bedürfniskontrolle heraus. Es liegt an mir, ihnen einen besseren Weg aufzuzeigen.“ Monika Schilling geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich versuche Situationen zu vermeiden, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das erfordert Disziplin trägt aber zum Familienfrieden bei. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass so viel einfacher bdie Erziehung von Pflegekindern gelingt.“

Werte vorleben statt strafen

Doch wie wahrt man den Familienfrieden in einer Pflegefamilie mit vier Pflegekindern? Indem man Werte vorlebt und respektvoll miteinander umgeht. Das ist nach Monika Schilling das ganze Geheimnis. „In der Erziehung von Pflegekindern ist vor allem Geduld gefragt. Ich versuche meinen Pflegekindern ein gewisses Grundverständnis entgegen zu bringen und in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben. Auch wenn eines meiner Pflegekinder mal völlig ausflippt, schaffen wir es immer wieder, dass es sich fängt und auf Normallevel herunterfährt. Letztendlich behandle ich meine Pflegekinder so, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. Und wenn eines der Kinder mal tobt, dann darf es die Emotionen herauslassen. Das ist kein Grund für mich, mit Strafen zu drohen oder selbst laut zu werden. Ich mag schließlich auch nicht angeschrien werden.“

Verhalten neu verinnerlichen

Was sich so einfach und plausibel anhört, ist ein stetiger Prozess. Bis ein Pflegekind bestimmte Verhaltensmuster verinnerlicht hat, kann es lange dauern. Aber Geduld und Zuversicht lohnen sich, auch wenn immer nur kleine Erfolge sichtbar werden. „Man muss sich das so vorstellen: Pflegekinder sind hungrig nach allen Seiten, wie ein Fass ohne Boden“, erklärt Schilling. „Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Fass zu füllen. Ein tägliches Abendritual hilft uns dabei.“

Erziehung von Pflegekindern – die Abendrunde als Ritual

Erziehung von Pflegekindern
Bei einer Pflegefamilie entdeckt

Für viele Familien erscheint ein Abendritual mühsam, dabei hilft es, Emotionen zu reflektieren und Geschehenes zu verarbeiten. Familie Schilling trifft sich nach dem Abendessen. „Während unserer Abendrunde besprechen wir den Tag. Jeder darf berichten, was ihn besonders gefreut oder genervt hat. In dieser Zeit hören wir uns aufmerksam zu, schmieden Pläne und begeben uns auf Phantasiereise.“ Für die Pflegekinder ist es wichtig, einen geschützten Ort zu haben, an dem sie über Gefühle und Erfahrungen sprechen können. Manchmal denkt sich die Familie Geschichten aus, die in Kinderbüchern verarbeitet werden. „Am Anfang habe ich das Erlebte in Wochenberichten zusammengefasst und den Kindern vorgelesen,“ so Schilling. „Schnell merkte ich, dass die Geschichten etwas bei den Kindern bewirken. Sie fühlen sich wahrgenommen.“

Gemeinsam Kinderbücher entwickeln

Mittlerweile entwickelt die Familie gemeinsam Kinderbücher mit fiktiven Charakteren, die spannende Abenteuer erleben. Die Pflegekinder beteiligen sich an der kreativen Gestaltung und erkennen sie sich in den Figuren wieder. „Über die Geschichten kommen wir als Pflegeeltern mit unseren Kindern ins Gespräch. Und ganz nebenbei überbrücken wir die große Altersspanne, die zwischen den 9- und 14-jährigen Kindern liegt.“ Im Gespräch zu bleiben, ist in der Erziehung von Pflegekindern besonders wichtig, da es im Alltag immer wieder Konflikte gibt.

Pflegeeltern als Anwalt der Kinder

Bis ein Kind in der Pflegefamilie ankommt, vergehen Monate, weiß Monika Schilling. Erst nach der Honeymoon-Zeit zeigen sich die gesamten Ausmaße der traumatischen Erlebnisse. Doch auch nach dem Übergang in die Pflegefamilien sind schmerzhafte Erfahrungen täglicher Begleiter. „Pflegekinder werden alltäglich mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da reicht ein Baby-Bild aus, dass sie in die Schule mitbringen sollen, um Wunden wieder aufzureißen.“ Es gibt immer wieder diese Situationen, in denen Pflegekinder ausgegrenzt werden oder Verletzungen erfahren, die sie nur schwer aushalten können. Den meisten Außenstehenden fällt es schwer, sich in die Situation von Pflegekindern hineinzuversetzen. „Wir verstehen uns als Anwalt unserer Kinder und machen auf Begebenheiten aufmerksam. Es sind gerade die existenziellen Fragen, die für Pflegekinder unbeantwortet bleiben und starke Emotionen auslösen.“ Familie Schilling unterscheidet bei Konflikten ganz klar zwischen Öffentlichkeit und Zuhause: „Konfrontationen aus dem Umfeld dürfen nicht zum Konfliktthema zuhause werden. Wir sprechen über das, was passiert ist, aber wir versuchen immer, den Ärger vor der Tür zu lassen. Hier sollen unsere Pflegekinder einfach nur ein geborgenes Nest haben, ganz ohne Verhaltensdruck.“ Und wenn der Haussegen doch mal schiefhängt? „Dann haken wir den Tag einfach ab. Jeder Tag ist neu und genau so wollen wir ihn begehen.“

Wollen auch Sie in die Erziehung von Pflegekindern einsteigen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Leben mit Pflegekindern

Leben mit Pflegekindern

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 2: Von Vorbehalten und Bedenken über ein Leben mit Pflegekindern

 Von Pamela Premm

Wenn man Caroline und Thomas Wagner heute mit den drei Pflegemädchen Carlotta (8), Miriam (7) und Melina (3) beobachtet, kann man kaum glauben, dass es Zeiten der Zweifel gab. Nachdem der langersehente Kinderwunsch unerfüllt blieb, entschloss sich das Paar den Weg als Pflegefamilie zu gehen. Und hatte mit einigen Bedenken und Vorbehalten zu kämpfen.

 „Ich wusste durch meine Arbeit im Heim, dass die Menschen durchaus Vorurteile gegenüber Pflege- und Heimkindern hegen, die als zu oft von der Gesellschaft als verhaltensauffällig und verwahrlost abgestempelt werden“, sagt die gelernte Erzieherin. Dabei sollte man gerade diesen Kindern eine Chance geben. „Kinder, die in Obhut gegeben werden, haben erstmal schlechtere Grundvoraussetzungen. Wenn man ihnen aber die Möglichkeit gibt, sich im eigenen Tempo zu entwickeln und eigene Potenziale zu entfalten, erkennt man schnell, dass es ganz zauberhafte Wesen sind wie alle Menschenkinder. Für mich war klar, dass wir einem solchen Kind die Möglichkeit geben sollten, geborgen zu wachsen.“

Ein Leben mit Pflegekindern kann sich Pflegevater Thomas erstmal nicht vorstellen

Leben mit Pflegekindern

Positiv denken

Der selbstverständliche Wunsch seiner Frau, Pflegekinder aufzunehmen, war für Pflegevater Thomas erstmal schwer nachzuvollziehen. „Ein Leben mit Pflegekindern konnte ich mir erstmal nicht vorstellen.“ Gerade zu Beginn überwiegten die Zweifel, sagt das Paar heute zurückblickend. „Wir kauten immer wieder auf diese eine Frage herum: Was wäre, wenn…“, räumt Caroline ein. Was passiert, wenn man sich an das Kind gewöhnt hat und es zur leiblichen Familie zurückgeführt wird? Wie fühlt sich das an, wenn noch eine andere Familie im Hintergrund mitmischt? Welche Päckchen bringen die Kinder mit? Für ihren Mann, der sich bis dato kaum mit diesem Thema beschäftigte, kam ein bedeutender Aspekt hinzu: die Institution Jugendamt. Eng mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten, war für ihn schier unvorstellbar. „Für mich waren Jugendämter Institute der Obrigkeit, mit denen man besser nicht in Kontakt kommt.“

Ein langer Prozess bis zu einer Entscheidung

Erst später lernte der heute 38-jährige, dass man mit Jugendämtern auch kooperativ auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann. „Im Laufe der Zeit ist das Jugendamt und unsere Sachbearbeiterin eine wichtige Anlaufstelle für uns geworden, die uns unterstützt und bei der wir uns Rat einholen können.“ Die Entscheidung Pflegekinder aufzunehmen, hat das Paar nicht leichtfertig getroffen. Damit einher ging ein jahrelanger Prozess. Schließlich gewannen das Herz und der Mut, sich auf unkalkulierbares Terrain zu begeben. „Man kann sowieso nicht von vorneherein alles Unvorhersehbare ausschließen. Auch bei leiblichen Kindern lässt sich nicht absehen, welche Charakterzüge und Verhaltensweisen sie mitbringen, ob sie gesund oder mit Handicap auf die Welt kommen. Alle Eltern sollten ihre Kinder daher so annehmen, wie sie sind. Wir bringen unseren Pflegkindern bedingungslose Wertschätzung und Liebe entgegen“, resümiert die Pflegemutter.

Als Familie eng zusammengewachsen

Mittlerweile ist die Familie eng zusammengewachsen. Die Mädchen entwickeln sich gut, spielen zusammen, sind in der Schule und im Kindergarten integriert. In bestimmten Situationen reagieren sie über, manchmal verhalten sie sich distanzlos gegenüber anderen Menschen. Das sei aber auch in anderen Familien nicht unbedingt ungewöhnlich. „Überall gibt es solche und solche Kinder. Leben mit PflegekindernWenn ich andere Kinder auf dem Spielplatz sehe und Familien im Freundeskreis beobachte, weiß ich, dass sich das Leben mit Pflegekindern gar nicht so stark von dem mit leiblichen Kindern unterscheidet,“ sagt die dreifache Pflegemutter. „Es sind die typischen Alltagskonflikte, die es in jeder Familie gibt. Vielleicht brauchen unsere Kinder mehr Begleitung und Unterstützung. Aber das kann man auch bei leiblichen Kindern im Vorfeld nicht abschätzen.“

„Wir werden immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert“

Auch wenn das Familienglück für die Wagners nahezu perfekt scheint, hat die Familie heute noch mit Vorbehalten von außen zu kämpfen. „Wir werden immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert“, sagt Pflegevater Thomas. Selbst die eigene Familie schließt sich da nicht aus. Gratulationen zum Geburtstag oder ein Geschenk zu Weihnachten für die Mädchen von nahen Verwandten – Fehlanzeige. Das macht das Paar schon traurig. „Unsere Pflegekinder gehören zu uns und genauso wertschätzend sollten sie auch behandelt werden,“ ergänzt Caroline. Fast ähnlich befremdlich empfindet sie übermäßiges Lob für ihr gesellschaftliches Engagement. „Wir sind eine ganz normale Familie. Ich koche, wasche, kümmere mich um die Kinder und gehe mit ihnen auf den Spielplatz. Wie Millionen andere Familien in Deutschland auch. Und genauso möchten wir behandelt werden.“ Abschließend möchte sie allen kinderlosen Paaren Mut zusprechen, Bedenken und Zweifel abzulegen und den Weg als Pflegefamilie zu gehen. „Wir können Paare nur bestärken, sich zu informieren und sich frohen Mutes auf ein Leben mit Pflegekindern einzulassen.

Sie möchten Pflegekindern ein Zuhause schenken? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Und hier der Link zu unserem Film „Basisstation gesucht“, der Sie motivieren soll das Abenteuer Pflegefamilie zu wagen. Herzlichen Dank an Christoph Schuchardt von kameramann 24.

(Namen wurden von der Redaktion geändert)

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 1: Pflegekinder statt Kinderwunschklinik: Ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch berichtet

Von Pamela Premm

Caroline Wagner aus Mittelhessen träumte schon immer von einer großen Familie wie aus dem Bilderbuch – mit einem Bauernhof und mindestens vier Kindern. Zwei davon sollten Pflegekinder sein. Das stand für die gelernte Erzieherin schnell fest. Ihr Mann Thomas war dagegen nicht so leicht zu überzeugen. In einer dreiteiligen Interview-Reihe haben wir das Pflegeeltern-Paar befragt, wie sie ihre Entscheidung getroffen haben, welche Bedenken sie hatten und wie sie mit Krisen umgehen.

Schon als kleines Mädchen träumte Caroline Wagner von ihrer eigenen Familie mit zwei leiblichen und zwei Pflegekindern. In ihrer Ausbildung als Erzieherin und bei ihrer Arbeit im Kinderheim kam Sie zum ersten Mal mit Kindern in Berührung, die nicht in ihren Familien bleiben konnten.

„Die einzelnen Schicksale der wunderbaren kleinen Wesen haben mich sehr berührt,“ erinnert sich die 35-jährige. Schnell war für Caroline klar, dass sie später in jedem Fall zwei Pflegekinder aufnehmen würde. Ihrem heutigen Mann Thomas setzte sie damals schon die Pistole auf die Brust.

Kinderwunsch gewinnt an Bedeutung

Für ihren Mann allerdings waren Kinder und vor allem Pflegekinder erstmal kein Thema. „Er hatte nicht wirklich Bezug dazu, für ihn stand die Karriere und unser Leben als Paar an erster Stelle.“ Mit der Hochzeit flackerte bei Caroline der Wunsch erneut auf, eine Familie zu gründen. „Ich wollte endlich mein Baby im Arm halten und habe mir immer vorgestellt, wie es sein wird, einem Kind das Leben zu schenken.“ Doch aus diesem Gefühl wurde nichts. „Wir haben es immer wieder versucht, Monat für Monat gebangt und gehofft, um schließlich doch wieder ein negatives Ergebnis in den Händen zu halten.“ Pflegekinder statt KinderwunschklinikÜber Jahre zog sich das Wechselbad der Gefühle, bis bei Caroline eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt wurde. Die Chance, ein Kind auf natürlichem Wege zu bekommen, rückte damit in weite Ferne. Für die junge Frau brach eine Welt zusammen. Es begann eine Zeit des Abschiedsnehmens, der Trauer und des Schmerzes. „Ich war am Boden zerstört. Dabei hatte ich das Gefühl, alle Frauen um mich herum, waren plötzlich schwanger. Ich fiel in ein tiefes Loch, fühlte mich depressiv. Alles, was ich mir je erträumt hatte, schien für immer verloren.“

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik? Ein Schlüsselerlebnis bringt Klarheit

Eine Kinderwunschklinik kam für das Paar nicht infrage. Die körperliche und seelische Belastung wäre einfach zu groß geworden. „Jeder gescheiterte Versuch in der Kinderwunschklinik hätte die Situation noch schlimmer für mich gemacht“, erzählt Caroline. Eine Adoption war ebenfalls kein Thema: Viel zu lang seien die Wartelisten für Adoptivkinder. Immer wieder bringt Caroline das Thema Pflegekinder zur Sprache. Pflegekinder statt Kinderwunschklinik? Ihr Mann Thomas hatte seine Zweifel, bis es zu einem Schlüsselerlebnis kommt. Das Paar trifft sich mit einer bekannten Pflegefamilie, stellt Fragen und sucht den Austausch. „Mir hat es sehr geholfen, an diesem Abend mit den Pflegeeltern über rechtliche Themen und den formellen Rahmen zu sprechen“, sagt Thomas heute. „Im Gegensatz zu meiner Frau, bin ich eher ein sachlicher Mensch. Ich treffe Entscheidungen weniger aus dem Bauch heraus. Daher war es gut, mehr über die Abläufe zu erfahren. Die Berichte aus erster Hand haben uns darin bestärkt, eine Pflegefamilie zu werden.“ Bis das Paar letztendlich die Entscheidung trifft, ein Pflegekind aufzunehmen, vergehen weitere Monate. „Irgendwann hat mein Mann unser Vorhaben abgenickt und ich durfte endlich den langersehnten Termin im Jugendamt vereinbaren.“

Die Freude war unglaublich…

Pflegekinder statt KinderwunschklinikIm April 2012 folgt das erste Gespräch mit der zuständigen Sachbearbeiterin. Im November besucht das Paar ein Pflegekinderseminar. Für Caroline kein einfacher Weg. „Es lag so viel Emotion in meinem Kinderwunsch, dass es für mich schwierig war, das Thema sachlich anzugehen. Mein Mann hat mich dabei immer unterstützt.“ Eine OP im Dezember gab der jungen Frau Zeit, Dinge für sich zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Kurz darauf folgte der erlösende Anruf. „Ich erinnere mich noch genau an den 27.12.2012. Wir saßen gerade beim Frühstück. Ein 13-monatiges Mädchen liege im Krankenhaus, könne nicht mehr zu den Eltern zurückkehren und benötige dringend eine Pflegestelle. „Wir hatten genau fünf Minuten Zeit, um uns zu entscheiden.“ Das Paar entschied sich für die kleine Miriam. „Wir mussten so viel organisieren, vom Babyfläschchen bis zum Kinderbett. Die Freude war unglaublich.“

Wenige Stunden später war sie da

Wenige Stunden später zog das Baby bei den Wagners ein. „Wir haben auf dem Balkon gestanden und auf sie erwartet. Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Auch bei ihrem Mann Thomas, war schnell klar, dass er dieses kleine Geschöpf sofort ins Herz geschlossen hatte. „Sie saß auf meinem Schoß, streichelte meinen Arm und sagte Ei, Ei. Da wussten wir, dass alles gut werden würde.“

Mittlerweile hat das Paar drei Pflegekinder im Alter von drei, sieben und acht Jahren, alles Mädchen.

„Wir sind einfach nur superglücklich als Familie“, betont Caroline. „Ich habe meine Herzensaufgabe gefunden und mich mit meinem Schicksal ausgesöhnt. Wir können nur allen kinderlosen Paaren Mut machen, sich mit dem Thema Pflegekinder zu befassen. Man bekommt so unglaublich viel zurück. Und keine der drei Pflegetöchter würde ich eintauschen für ein leibliches Kind.“

Sie sind kinderlos und möchten sich über Pflegekinder informieren? Dann sprechen Sie uns gerne an.

[Metadescription: Pflegekinder statt Kinderwunschklinik: Für ungewollt kinderlose Paare eine Option. Ein Paar erzählt von seinem Weg zur Pflegefamilie.]

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Unser Film für Pflegeeltern von Pflegeeltern und Pflegekindern – Eine Erfolgsgeschichte

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz auf unseren Film um Pflegefamilien zu gewinnen.

7.956 Aufrufe auf Facebook, 98 mal geteilt und unzählige „Gefällt mir“ Klicks. Und sehr schöne Kommentare, an denen wir Sie gerne teilhaben lassen möchten:

Kommentare auf Facebook:

So schreibt z.B. Andrea…

„Der Film macht Mut und zeigt, dass es möglich ist, durch Engagement „Berge zu versetzen“ und Gutes zu bewirken.
Dass der Film nicht die ganze Problematik darstellen kann, ist klar. Ich finde aber schon, dass sie deutlich wird und jeder, der sich daraufhin ins Thema begibt, wird ja Näheres erfahren.

Mut ist doch was Entscheidendes und wie schön, wenn Hoffnungsvolles gezeigt wird.“

Und Madlen  findet folgende Worte:

„Ich finde es total wichtig, auch mal rein positives zu hören und zu sehen. Man liest viel mehr über Schwierigkeiten als über gelingende Pflegeverhältnisse und glückliche Pflegefamilien.
Wir sind nämlich auch so eine Familie, wo es (bisher jedenfalls) alles super und leicht läuft, die Kinder minimale bis keine Folgen ihrer Vergangenheit zeigen und wir eine gefühlt total normale fröhliche Familie sind (mit ein paar Besuchen zwischendurch, die nunmal dazugehören). Als mein Mann und ich uns damals informierten, suchte ich vergeblich nach Erfahrungsberichten, die Einblick geben, aber vor allem Lust machen auf Familie erweitern, Herz öffnen, Kindern Liebe und eine Zukunft geben. Gute Fachbücher gibt es viele. Aber das nicht.
Letztlich habe ich dann unsere Geschichte in einem Buch aufgeschrieben, um damit andere zu ermutigen, einen ähnlichen Weg zu gehen!
Ich wünsche mir mehr von dieser Sichtweise und der Natürlichkeit in dem Film. Von mir Daumen hoch – auch wenn mir klar ist, dass das nicht immer so geradlinig läuft!“

Hier der Hinweis auf das von Madlen angesprochene Buch Herzenwünsche – Wir werden Familie

Kürze Kommentare zu Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht:

Auch die kürzeren Kommentare haben uns sehr gefreut…

Thomas schreibt: „Einfach ein toller, aussagekräftiger und sehr berührender Film!!!“
Carina kommentiert: „Was für ein emotionaler toller Eindruck.. wow.“
Christina sagt: „Naja sehr romantisch dargestellt …“
Tanja fast es mit einem Wort zusammen: „Gänsehaut
 Möchten auch Sie Pflegefamilie werden, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

 

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Pflegefamilien gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilie gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilie sein: Filmreif!

In diesem Jahr begeht der Geschäftsbereich „Pflegefamilien“ des St. Elisabeth-Verein e. V. sein 25-jähriges Jubiläum. Viele Kinder und junge Menschen sind in dieser Zeit in den Pflegefamilien, die von uns beraten und begleitet werden, erwachsen geworden. Es gab unzählige Glücksmomente, aber auch oft genug „dicke Luft“, die alle Beteiligten herausforderte.

„Langer Atem“ gehört wohl zur Grundausstattung all jener Menschen, die sich der Aufgabe öffnen, ein zunächst fremdes Kind in ihrer Familie aufzunehmen. „Langer Atem“ und Mut gehören auch für die Kinder und Jugendlichen dazu, wenn sie sich auf den Weg machen, in einer unbekannten (Familien-)Welt Fuß zu fassen. Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen. Es braucht: „Langen Atem“- immer wieder. Und „dicke Luft“ macht für gewöhnlich das Atmen für alle in der Familie nicht leichter …

Geschafft haben es trotzdem so viele! Wechselseitige Geduld haben sie bewiesen, Erwachsene und Kinder sind miteinander, aneinander gewachsen. Sie haben tragfähige, innige Beziehungen entwickelt, die häufig über die gemeinsam gelebte Familienzeit hinausreichen.

Finden Sie nicht auch, dass das „filmreif“ ist?

Basisstation gesucht. „Play!“

Wir sind eindeutig aufgeregt, als wir „Play“ drücken dürfen: zum ersten Mal am 06.08.2018. Der Rohschnitt unseres Films „Basisstation gesucht“ ist fertig. Es ist ein besonderer Moment – ein unsicherer und hoffnungsvoller Moment gleichzeitig. Der Film beginnt. Läuft. Endet.

Wir sind …!

Moment, das geht jetzt zu schnell.

Realität am Dienstagmorgen: Pflegefamilien gesucht!

Pflegefamilien gesuchtAn einem jeden Dienstag tagt das Aufnahmeteam unseres Geschäftsbereichs. Unzählige Anfragen von Jugendämtern zur Unterbringung von Kindern in Familien liegen vor und werden besprochen. Wenn Sie nun denken, das ist ein lediglich „formaler Akt“ für uns, dann täuschen Sie sich. Hinter jeder Anfrage verbirgt sich die Biographie eines Kindes oder Jugendlichen. Es sind ergreifende Biographien, die, so unterschiedlich sie im Einzelnen vielleicht sein mögen, eines gemeinsam haben: Die Kinder und Jugendlichen können oder wollen nicht – oder derzeit nicht – in ihren leiblichen Familien leben. Hinter jeder „formalen“ Anfrage versteckt sich folglich auch der stumme Wunsch eines (manchmal sehr) jungen Menschen: Basisstation gesucht!

Es liegt nahe, dass wir (als Fachteam) uns Menschen wünschen, die (Pflege-)Eltern für diese Kinder sein wollen. Aber, wie sage ich gerne: „Wunsch geteilt durch Wirklichkeit minus 20 % ergibt: Realität.“

Und Realität – in unserem Falle – bedeutet:

Es gibt Basisstationen nicht wie Sterne am Himmel…

Angesichts dieser Realität beginnt dann auch für unseren Geschäftsbereich die Auseinandersetzung mit einem Prozess, der in anderen Berufsfeldern „Akquise“ genannt wird: Wie kann es uns gelingen, Menschen für die Aufgabe „Pflegefamilie sein“ zu begeistern? Wie finden wir jene Menschen, die Kinder in schwierigen Lebenslagen unterstützen und tragen wollen und bisher noch nicht an die Möglichkeit „Pflegefamilie werden“ gedacht haben? …

Wie es gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr genau (vielleicht haben uns die letzten 25 Jahre Mut gemacht?) aber irgendwann sind wir uns sicher: Wir wollen einen Film drehen (lassen)! Nicht irgendeinen seltsamen (Werbe-)Film, darüber sind wir uns schnell einig. Wir wollen einen Film, der „echt“ ist: Einen Film, der seinen Ausgangspunkt bei den Menschen und ihren Erfahrungen hat. Einen Film, der eine Geschichte erzählt, die nur erzählt werden kann, weil die Geschichten hinter der Geschichte Bedeutung erhalten und weil die Menschen hinter den Geschichten uns ihre Bilder für die Geschichte schenken. Klingt kompliziert? Man kann sich leichtere Ziele setzen … auch das merken wir schnell. Wir machen uns trotzdem auf den Weg – zusammen mit Menschen, die wissen wovon sie sprechen: Mit ehemaligen Pflegekindern, mit Pflegefamilien und mit einem Kameramann, der plötzlich so viel mehr sein wird, als ein Kameramann.

Geschichten für die Geschichte: Ehemalige Pflegekinder erzählen

Wie packen wir eine ganze Welt in zwei Minuten? All die Erfahrungen, Gefühle, Stimmungen? Mir ist seltsam. Wir haben heute unseren ersten Termin mit Herrn Schuchardt von kamermann24.

Wir berichten von unserer Idee, einen „besonderen“ Film drehen lassen zu wollen, einen Film, der die Geschichten ehemaliger Pflegekinder aufnimmt, ihre Erfahrungen in der Pflegefamilie sichtbar werden lässt und: der Mut macht. Ein Film mit intensiven Bildern soll entstehen – denn wir haben es mit intensiven Biographien zu tun, mit intensiven Leben und mit der intensiven Aufgabe „Pflegefamilie sein“. Wir skizzieren Hintergründe unserer Arbeit, erzählen von unserem (Leit-)Bild „Basisstation gesucht“ und zeigen natürlich auch die Postkarte … Wir haben Ideen im Kopf, aber wir haben noch nie eine Idee filmisch umgesetzt. Wir sind Anfänger – Herr Schuchardt nicht. Er ist dafür Anfänger bezüglich der Themen „Pflegefamilien“, „Pflegekinder“. Kann spannend werden, denke ich.

Pflegefamilien gesucht – Pflegekinder gefunden …

Pflegefamilien gesucht„Erste Hilfe“ für uns kommt von zwei Menschen, denen wir nicht genug danken können: Nadine und Thomas. Nadine und Thomas sind erwachsen. Und ehemalige Pflegekinder. Und großartig.

Beide erklären sich bereit, sich von uns, in der Vorbereitung des Films, interviewen zu lassen. Wir verabreden uns zu zwei getrennten Interviewterminen, bei denen wir nicht nur Fragen im Gepäck haben, sondern Herr Schuchhardt auch noch die Kamera aufbaut …

Es sind intensive Gespräche, die wir mit Nadine und Thomas führen. Wir sprechen über die Zeit in ihren leiblichen Familien, über schöne Momente und schlimme. Nadine und Thomas teilen mit uns ihre Erfahrungen. Erfahrungen, die ihnen als noch jungen Kindern schmerzlich eindeutig klar machen: Hier geht es im Moment nicht weiter. Miteinander geht es im Moment nicht weiter.

Wir werden mitgenommen auf ihre (langen) Wege hin zu den Pflegefamilien, bei denen sie schließlich erwachsen geworden sind. Nadine und Thomas lassen uns ihre Geschichten hören; sie erzählen uns wie es war, in einer „fremden“ Familie zu leben, Vertrauen zu fassen, zu lieben und zu streiten.

Wir haben einen Kloß im Hals, Tränen in den Augen, Gänsehaut … das, was Nadine und Thomas zu sagen haben ist ebenso schmerzlich wie ermutigend.

Herr Schuchardt ist jetzt kein Anfänger mehr bei den Themen Pflegekinder/Pflegefamilien.

Pflegefamilie werden: Ehemalige Pflegekinder machen Mut

„Ich wünsche mir, dass Menschen sich zutrauen, Pflegefamilie zu sein und Kindern zu helfen“, sagt Thomas. „Ich habe mir so sehr gewünscht in einer Familie zu leben, nicht länger im Heim.“

„Meine Pflegeeltern haben mir zugehört, mit mir gesprochen, Geduld gehabt und mich unterstützt. Sie wollten mich verstehen. Sie waren da, auch wenn es schwierig wurde. Und sie sind es immer noch“, sagt er auf die Frage, wodurch/womit ihm seine Pflegeeltern besonders geholfen haben.

„Zeit haben meine Pflegeeltern mir geschenkt und Halt – viel Halt. Sie haben an meiner Seite und mir zur Seite gestanden. Ich konnte mich auf sie verlassen. Und im Rückblick ist das, was damals genervt hat, so wertvoll. Hier in meiner Pflegefamilie bin ich zu einer selbständigen jungen Frau geworden“ sagt Nadine und schließt an: „Ich als Elternteil würde sein wollen wie meine Pflegeeltern.“

Pflegefamilien in Farbe: Wie aus Geschichten ein Drehbuch und ein Film wurde

Nadine und Thomas. Erinnerungen. Geschichten. Bilder.

Wir sind unbeschreiblich dankbar, dass ihr so offen mit uns gesprochen habt. Dass ihr unser Filmprojekt unterstützt. Dass ihr Menschen ermutigen wollt, Pflegeeltern zu werden. Und wir haben gehörigen Respekt. Vor euch, vor euren Erfahrungen. Wir wollen einen Film drehen, der euch und euren Lebensgeschichten gerecht wird. Ich weiß zwischendurch nicht recht, ob ich Angst vor meiner eigenen Courage bekommen soll.Wir schreiben ganze Whiteboards voll, entwickeln Bilder, verständigen uns über Stimmungen und Botschaften, die in eurem/unserem Film Platz haben sollen.

Pflegefamilien gesuchtHerr Schuchardt ist Experte für die Möglichkeiten der filmischen Umsetzung. Wir sind immer noch Anfänger und deshalb ein wenig anstrengend. Und doch liegt am Ende die Idee für ein Drehbuch vor uns. Ein Drehbuch, das sich allerdings nur umsetzen lässt, wenn Menschen uns unterstützen, die wissen, wovon sie sprechen. Nadine und ihre Pflegeeltern werden sich erneut mit Herrn Schuchardt treffen. Alle drei werden „in Farbe“ in unserem Film „Basistation gesucht!“ zu sehen sein. Wie die drei es fanden, mit Teilen ihrer Geschichte vor der Kamera zu stehen, erzählen sie uns vielleicht bei der Uraufführung von „Basistation gesucht“. An jenem Tag, an dem wir die Menschen feiern werden, denen es gelungen ist, miteinander einen „langen Atem“ zu haben. 25 Jahre Geschäftsbereich „Erziehungsstellen“ sind mehr als 25 Jahre vergangene Zeit. Es sind 25 Jahre voller Glück, „dicker Luft“ und „langem Atem“. 25 Jahre voller Geschichten echter Menschen.

25 Jahre Pflegefamilien in Hessen: Wir drücken gemeinsam „Play“

Der Film „Basisstation gesucht“ ist wirklich fertig. Heute habe ich zu einem unserer Geschäftsbereichsleiter, zu Herrn Kasper, gesagt: „Jetzt muss er alleine laufen.“ Es fühlt sich seltsam an. Vielleicht, weil es so ein langer Weg hin zu diesem Film war. Dieser Film hat Nadine, Thomas und ihre Familien so sehr gebraucht: sie waren inspirierende, mutige, aufgeschlossene und engagierte „Geburtshelfer“. Erst mit ihnen hatten wir Geschichten, um eine Geschichte erzählen zu können. „Basisstation gesucht“ hat Herrn Schuchardt Fachkompetenz als Kameramann gebraucht und sein unbedingtes Engagement für die Geschichten hinter der Geschichte des Films. Herr Schuchardt war viel mehr als ein Kameramann! Und das Engagement seiner Familie war das Geschenk, das er uns – quasi im Vorübergehen – gemacht hat. Ein kleines Mädchen und ihre Familie haben den Film möglich gemacht – wer würde in unserem Film die Basisstation suchen, wenn diese Menschen nicht den Willen und die Ausdauer gehabt hätten, das Filmprojekt zu unterstützen.

Und sind wir ehrlich: Der Film „Basisstation gesucht“ hat 25 Jahre Geschäftsbereich „Erziehungsstellen“ gebraucht. All die Menschen, ihr Engagement, ihren Mut und ihre Geschichten. 25 Jahre Pflegefamilien im St. Elisabeth- Verein e. V. Wir sagen: DANKE! Und: „Play!“

Den Film können Sie auf dieser Seite ab Montag, den 24.09.2018 sehen. Wir freuen uns über Rückmeldungen.

Pflegefamilien gesucht … Wir laden Sie ein, mit uns Kontakt aufzunehmen. Hier ist der Link.

Autorin: Esther Schmitt