Weihnachtszeit mit Pflegekindern

Weihnachtszeit mit Pflegekindern

Nach Weihnachten ist bekanntlich vor Weihnachten. Deshalb möchten wir heute gerne etwas über eine Idee, die uns Frau Julia Seibert, eine Pflegemutter bei Pflegefamilien Hessen aufgeschrieben und geschickt hat. Sie hilft die Weihnachtszeit mit Pflegekindern vielleicht einmal anders zu gestallten. So haben Sie genug Zeit, diese Anregung für die nächste Weihnachtzeit umzusetzen.

Warme Dusche im Advent

Es ist der 30. November 2019. Ich bin in den letzten Zügen meiner Vorbereitungen für die Adventskalender meiner drei Töchter.

Dieses Jahr stand schon früh fest, dass es kein materieller Kalender sein würde, sondern ein „Warme Dusche“ – Kalender.

Inspiriert wurde ich dabei durch die Klassenlehrerin meiner ältesten Tochter. In regelmäßigen Abständen bekommen die Kinder in der Schule eine „warme Dusche“. Die Klasse setzt sich hierfür in einen Stuhlkreis. Ein Kind darf in die Mitte. Reihum sagt dann jedes Kind einen netten Satz zu dem Kind in der Mitte, macht ihm ein Kompliment. Meine Tochter liebt diese Momente!

Mir hat der Gedanke gut gefallen, dies in Form eines Adventskalenders für unsere Familie umzuwandeln. Mit Stift und Block bewaffnet bin ich von Familienmitglied zu Familienmitglied gegangen und habe notiert, was jedem so an schönen und wohltuenden Worten für die Schwestern, den Papa, die Mama, die Töchter alles eingefallen ist. Jeden Tag im Dezember wird nun ein Kompliment für jeden auf dem Frühstücksteller liegen.

Ich war berührt, wieviel dabei zusammen gekommen ist, toll!

Es hat mich sehr berührt, wieviel dabei zusammen gekommen ist und wie bewusst jeder seine Worte für den Anderen formuliert hat.

Nun sitze ich hier und habe mir alles noch einmal durchgelesen und durch meine eigenen wertschätzenden Gedanken für meine Töchter ergänzt.

Und wie ich das alles hier so vor Augen habe kommt mir folgendes in den Sinn: Erst letzten Monat wurde ich beim Erstgespräch für die Ergotherapie einer meiner Töchter gebeten die Stärken meines Kindes zu benennen.

Ich habe einiges aufgezählt und die Therapeutin war ganz begeistert. Sie meinte zu mir:

„Es kommt häufig vor, dass Eltern hier sitzen und lange nachdenken müssen bis ihnen etwas einfällt und manche sagen direkt, dass ihnen dazu nichts einfallen würde“.

Es macht mich sehr betroffen! Ich frage mich, was diese Kinder wohl für ein Bild von sich selbst haben werden.

Ich denke wieder an die Lehrerin meiner Tochter. Wie wunderbar, dass es solche Menschen gibt. Es gelingt ihr in jedem etwas Kostbares und Gutes zu entdecken und die anderen zu sensibilisieren, ebenfalls genau hin zuschauen. 

Dann reiht sich fast wie von selbst ein warmer Strahl an den anderen!

Und wenn man erst einmal mit der warmen Dusche angefangen hat, dann reiht sich oft ein warmer Strahl an den anderen.

„Was hast Du schöne Augen!“ „Wow, kannst Du toll singen!“ „Du rennst so schnell wie eine Rakete!“ „Deine Bilder sind so kreativ und die Farben die du ausgesucht hast machen mich richtig fröhlich!“ „Danke, für Deine Umarmung. Die hat mir sehr gut getan!“

Es ist ein wahres Vergnügen zu erleben wie sich ein Leuchten auf dem Gesicht des Gegenübers ausbreitet!

Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen dass ich selbst zu Leuchten beginne wenn plötzlich der Wasserstrahl auf mich selbst gerichtet wird. „Mama, du duftest so gut wie eine Blume!“ 

Für uns war die Adventszeit eine echte Warme Duschen Zeit und hat uns sehr bereichert. Vielleicht bekommt der eine oder andere ja Lust die warme Dusche auch in seiner Familie auf seine Art umzusetzen. A

Herzlichen Dank an Julia Seibert vom Team Pflegefamilien Hessen.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir haben im März 2019 einen Förderverein zur Unterstützung für Pflegekinder Deutschland e.V. gegründet. Wenn auch Sie Fördermitglied werden wollen, dann finden Sie weitere Informationen unter Förderverein Pflegekinder Deutschland.

Ich selbst war als Pflegemutter auch Gründungsmitglied, weil wir immer häufiger erleben, das Pflegekinder neben der öffentlichen Unterstützung auch weitere Hilfen, vor allem auch in finanzieller Weise benötigen.

Förderverein für Pflegekinder
Pflegekinder werden zur Kasse gebeten

Pflegekinder werden zur Kasse gebeten

von Jana Bamberger, Master Studierende im Bereich „Soziologie und Sozialforschung“ an der Universität Marburg

Jeden Tag zur Arbeit gehen und trotzdem nichts in der Tasche haben – für zahlreiche Pflege- und Heimkinder ist dies bittere Realität. Während andere Jugendliche jobben gehen, um sich Geld für den Führerschein, Kinobesuche oder ein neues Handy zusammenzusparen, müssen sie 75% ihres Einkommens an das Jugendamt abgeben. Oftmals bleibt dann nur ein umgerechneter Stundenlohn von 2,75 € übrig.

„Ich sehe auf dem Konto die ganze Zeit null, null, null“

Grund für die Abgaben ist, dass Pflegeeltern, welche Pflegekinder in ihre Familie aufnehmen, finanzielle Unterstützung in Form von Pflegegeld durch das Jugendamt erhalten. Je nach Alter des Pflegekindes liegt dieser Betrag zwischen 508,00 € und 676,00 € monatlich. Hinzu kommt ein Erziehungsbeitrag von weiteren 237,00 € pro Monat. Bei Pflegekindern, die Geld verdienen, möchte sich der Staat dieses Geld zurückholen und langt ordentlich zu. So müssen nahezu alle Kinder, die in Deutschland in einer Pflegeeinrichtung oder Pflegefamilie leben, 75% ihres Einkommens abgeben – unabhängig davon, ob sie arbeiten, einen Nebenjob haben, eine Ausbildung machen oder einen Bundesfreiwilligendienst oder ein FSJ absolvieren.

Gesetzliche Grundlage ist gegeben

Im achten Sozialgesetzbuch in Paragraf 94 wird hierzu geregelt, „dass junge Menschen und Leistungsberechtigte bei ‚vollstationären Leistungen‘ insgesamt ‚75% ihres Einkommens als Kostenbeitrag einzusetzen‘ haben.“ (Ustorf 2018) Von dieser Regelung sind in Deutschland derzeit etwa 142.000 Heimkinder und 90.000 Pflegekinder betroffen.

Wenn diese jugendlichen Pflegekinder also in einem Café jobben, Zeitungen austragen oder im Supermarkt Konserven in Regale räumen, um ihr Taschengeld aufzubessern oder für den Führerschein zu sparen, gehen drei Viertel ihres Einkommens direkt an das Jugendamt. Auch bei einer Ausbildung müssen sie 75% ihres Gehaltes abgeben, wenn sie noch bei ihren Pflegeeltern wohnen. Pflegekinder werden zur Kasse gebeten.

„Ja, was haben wir denn getan, dass wir 75 Prozent abgeben müssen? Ich verstehe es nicht. Ich sehe einfach auf dem Konto die ganze Zeit null, null, null. Klar, bisschen kommt ja, ich will nicht sagen, dass da nichts kommt, aber dann geht die Motivation weg.“

(Serkan in Grüter 2019)

„Was kann ich denn dafür, dass ich ein Pflegekind bin?“

Die 75%-Klausel wird von den Kindern und Jugendlichen als ungerecht empfunden und kann darüber hinaus das Gefühl „nicht-richtig-zur-Familie- dazuzugehören“ enorm verstärken. Zudem bremst die Regelung Jugendliche in ihrem Weg in die Selbstständigkeit aus und erschwert die Vermittlung, dass sich harte Arbeit lohnt. Pflegekinder werden zur Kasse gebeten, wer soll ihnen diese Praxis erklären?

Die folgenden Zitate drücken das ganze Unverständnis der Betroffenen aus

„Alle meine Freunde jobben, um sich was dazuzuverdienen. Keiner von ihnen muss seinen Eltern etwas abgeben. Aber ich soll jetzt beim Amt für meine eigenen Kosten aufkommen. Was kann ich denn dafür, dass ich ein Pflegekind bin?“

(Felix Warnke in Ustorf 2018)

„Es ist doch ein Zeichen von Reife und Verantwortungsbewusstsein, wenn sich ein Kind einen Job sucht, um eigene Bedürfnisse selbst erfüllen zu können. Stattdessen muss Felix nun dafür haften, dass seine leiblichen Eltern nicht in der Lage sind, sich um ihn zu kümmern. Damit ist er doppelt benachteiligt, auch gegenüber seinen Geschwisterkindern.“

(Andrea Wagner (Felix Pflegemutter) in Ustorf 2018)

Viele Pflegekinder können auf diese Weise kaum Motivation aufbringen eine Arbeit zu suchen oder brechen ihren Job wieder ab, wenn sie erfahren: Pflegekinder werden zur Kasse gebeten und das gleich mit 75%.

„Man gibt den jungen Menschen das Gefühl, dass es sich nicht lohnt zu arbeiten. So erzieht man weitere Sozialhilfeempfänger.“

(Kirsten Willruth in Seitler 2018)

Einige Kinder gehen sogar in ihre Herkunftsfamilien zurück, nur um ihr Gehalt vollständig behalten zu können.

„Neulich ist ein junger Mann zurück zu seiner alkoholkranken Mutter gezogen, damit er sein Ausbildungsgehalt vollständig behalten darf.“

(Carmen Regglin in Ustorf 2018)

Eine große Problematik der 75%-Klausel ist zudem, dass Careleaver für ihre ersten eigenen vier Wände nur selten finanzielle Rücklagen bilden können, wodurch ihnen der Übergang in das Erwachsenenalter stark erschwert wird. Damit wird auch das Engagement der Pflegefamilien indirekt in Frage gestellt. Pflegekinder werden zu Kasse gebeten, es macht einfach keinen wirklichen Sinn.

Antrag auf Befreiung der Kostenheranziehung

Eine Möglichkeit, um sich von der Kostenheranziehung teilweise oder sogar ganz befreien zu lassen, besteht darin einen Antrag beim Jugendamt einzureichen, in welchem ein ausführlich begründeter Widerspruch eingelegt wird. Ein derartiger Antrag kann erfolgreich sein, wenn die Tätigkeit dem Ziel der persönlichen Weiterentwicklung und somit dem „Zweck der Jugendhilfe“ (Ustorf 2018) dient.

Hierunter fällt beispielsweise das Sparen für einen Führerschein. Darüber hinaus kann eine Befreiung erfolgen, wenn bei der ausgeübten Tätigkeit  das soziale oder kulturelle Engagement im Vordergrund steht, wie beispielsweise bei einem FSJ oder dem Bundesfreiwilligendienst.

Beratung suchen

Grundsätzlich ist es jedoch die Entscheidung der zuständigen Jugendamtsfachkraft, ob und inwieweit auf die Anrechnung des Einkommens verzichtet wird. Es empfiehlt sich daher die Pflegefamilienberatung zur Hilfe heranzuziehen, da sich diese mit Einzelheiten der gesetzlichen Bestimmung auskennt und bei der inhaltlichen Begründung des Antrags helfen kann. Ebenfalls gibt es in einigen Bundesländern Ombudsstellen.

Obwohl ein derartiger Antrag das gute Recht jedes Pflegekindes ist, müssen viele Pflegekinder dazu ermutigt werden, einen Antrag zu stellen, da ihr Selbstwertgefühl oftmals angeschlagen und die Angst vor einer Zurückweisung groß ist. Zudem ist die Möglichkeit eine Befreiung/Reduzierung der Kostenheranziehung zu beantragen, vielen Jugendlichen und auch einigen pädagogischen Fachkräften oftmals gar nicht bekannt.

Visionen

Seit Jahren wird im deutschen Bundestag über eine Verbesserung der Gesetzeslage debattiert. Während sich einige Parteien für eine komplette Abschaffung der Kostenbeteiligung einsetzen, halten andere an der Kostenheranziehung fest.

Im Jahr 2017 erließ der Bundestag im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz eine Regelung, laut welcher Pflegekinder nur noch maximal die Hälfte ihres Einkommens abgeben müssen. Diese Regelung erfuhr vom Bundesrat bisher jedoch keine Zustimmung und wird vermutlich auch in naher Zukunft nicht durchgesetzt werden.

Für die Zukunft besteht demnach noch ein großer Handlungsbedarf im Bereich der Rechtslage. Es müssen Maßnahmen erschaffen werden, die der enormen Einkommensabgabe von Pflegekindern entgegenwirken, da diese ein Zugehörigkeitsgefühl  nahezu unmöglich macht. Durch Abgaben von 75% des Verdienstes wird die Motivation von Pflegekindern in höchstem Maße gehemmt und eine positive Entwicklung der Kinder und Jugendlichen eher beeinträchtigt statt gefördert.

Quellen

Grüter, Susanne (2019): Heim- und Pflegekinder. Ein Euro für mich, drei fürs Jugendamt. URL: https://www.deutschlandfunk.de/heim-und-pflegekinder-ein-euro-fuer-mich-drei-fuers.724.de.html?dram:article_id=455499, Abruf am 19.09.2019.

Land Hessen (2019): Pflegekinder und Pflegeeltern. URL: http://www.familienatlas.de/eltern-erziehung/pflegschaft-adoption/pflegekinder-und-pflegeeltern, Abruf am 19.09.2019.

Schnieder, Milan (2018): Pflegekinder müssen zahlen. Eigenes Einkommen wird angerechnet. URL: https://www.zdf.de/politik/frontal-21/pflegekinder-muessen-zahlen-100.html, Abruf am 11.09.2019.

Seitler, Pia (2018): Der Staat langt zu. Einkommen von Pflegekindern. URL: https://www.spiegel.de/panorama/pflegekinder-muessen-75-prozent-ihres-einkommens-dem-jugendamt-zurueckgeben-a-1232584.html, Abruf am 11.09.2019.

Ustorf, Anne-Ev (2018): 2,75€ Stundenlohn – und der Rest fürs Jugendamt. URL: https://www.sueddeutsche.de/karriere/pflegekinder-gehalt-steuern-1.4241789, Abruf am 11.09.2019.

Werner, Christine (2014): Pflege- und Heimkinder müssen zahlen. URL: https://www.swr.de/swraktuell/jugendamt-pflege-und-heimkinder-muessen-zahlen/-/id=396/did=13661362/nid=396/1xbqfbw/index.html, Abruf am 19.09.2019.

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Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Von Pamela Premm

Pflegekinder kommen aus einer völlig anderen Welt und müssen sich in einer fremden Familie mit fremden Tagesabläufen zurechtfinden. Da ist Verständnis gefragt. Buchautorin und Pflegemutter Monika Schilling hat vier Pflegekindern ein Zuhause geschenkt. Und weiß, dass in der Erziehung von Pflegekindern Gespräche wichtiger sind als Regeln.

Zu viele Regeln machen unfrei

Bevor Monika Schilling eine Regel aufstellt, überlegt sie sich genau, welche Konsequenzen diese für ihr eigenes Wohlbefinden und für das gesamte Familienleben hat. „Ich will mich nicht meiner eigenen Freiheit berauben, indem ich eine unnötige Regel aufstelle“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. In ihrer Pflegefamilie gibt es nur einige grundsätzliche Versorgungsregeln wie Zähne putzen, zur Schule gehen oder freundlich miteinander sein. „Pflegekinder müssen so unglaublich viel leisten. Da braucht es nicht noch zusätzliche Regeln“, sagt die Pflegemutter.

Gleiches gilt für Strafen: „Was nützt es mir, wenn ich den Kindern eine Woche Fernsehverbot erteile, ihnen dann aber eine interessante TV-Dokumentation zeigen möchte? Auf diese Weise mache ich mich und uns zum Sklaven meiner Strafe und am Ende ärgere ich mich über mich selbst.“

Monika Schilling

Was ist Grundmotiv von Fehlverhalten?

Erziehung von Pflegekindern

Anstatt die Kinder zu maßregeln, sollten Pflegeeltern das Grundmotiv hinterfragen, welches hinter einem Fehlverhalten steckt. Kein Kind will seinen Pflegeeltern vorsätzlich Schaden zufügen oder sie gar verletzen. Daher sollten sich Pflegeeltern auch nicht persönlich angegriffen fühlen. „Die Kinder sind nicht per se böse. Sie hatten in den Ursprungsfamilien einfach keine Chance, moralische Werte zu verinnerlichen. Sie handeln aus dem Impuls mangelnder Bedürfniskontrolle heraus. Es liegt an mir, ihnen einen besseren Weg aufzuzeigen.“ Monika Schilling geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich versuche Situationen zu vermeiden, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das erfordert Disziplin trägt aber zum Familienfrieden bei. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass so viel einfacher bdie Erziehung von Pflegekindern gelingt.“

Werte vorleben statt strafen

Doch wie wahrt man den Familienfrieden in einer Pflegefamilie mit vier Pflegekindern? Indem man Werte vorlebt und respektvoll miteinander umgeht. Das ist nach Monika Schilling das ganze Geheimnis. „In der Erziehung von Pflegekindern ist vor allem Geduld gefragt. Ich versuche meinen Pflegekindern ein gewisses Grundverständnis entgegen zu bringen und in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben. Auch wenn eines meiner Pflegekinder mal völlig ausflippt, schaffen wir es immer wieder, dass es sich fängt und auf Normallevel herunterfährt. Letztendlich behandle ich meine Pflegekinder so, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. Und wenn eines der Kinder mal tobt, dann darf es die Emotionen herauslassen. Das ist kein Grund für mich, mit Strafen zu drohen oder selbst laut zu werden. Ich mag schließlich auch nicht angeschrien werden.“

Verhalten neu verinnerlichen

Was sich so einfach und plausibel anhört, ist ein stetiger Prozess. Bis ein Pflegekind bestimmte Verhaltensmuster verinnerlicht hat, kann es lange dauern. Aber Geduld und Zuversicht lohnen sich, auch wenn immer nur kleine Erfolge sichtbar werden. „Man muss sich das so vorstellen: Pflegekinder sind hungrig nach allen Seiten, wie ein Fass ohne Boden“, erklärt Schilling. „Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Fass zu füllen. Ein tägliches Abendritual hilft uns dabei.“

Erziehung von Pflegekindern – die Abendrunde als Ritual

Erziehung von Pflegekindern
Bei einer Pflegefamilie entdeckt

Für viele Familien erscheint ein Abendritual mühsam, dabei hilft es, Emotionen zu reflektieren und Geschehenes zu verarbeiten. Familie Schilling trifft sich nach dem Abendessen. „Während unserer Abendrunde besprechen wir den Tag. Jeder darf berichten, was ihn besonders gefreut oder genervt hat. In dieser Zeit hören wir uns aufmerksam zu, schmieden Pläne und begeben uns auf Phantasiereise.“ Für die Pflegekinder ist es wichtig, einen geschützten Ort zu haben, an dem sie über Gefühle und Erfahrungen sprechen können. Manchmal denkt sich die Familie Geschichten aus, die in Kinderbüchern verarbeitet werden. „Am Anfang habe ich das Erlebte in Wochenberichten zusammengefasst und den Kindern vorgelesen,“ so Schilling. „Schnell merkte ich, dass die Geschichten etwas bei den Kindern bewirken. Sie fühlen sich wahrgenommen.“

Gemeinsam Kinderbücher entwickeln

Mittlerweile entwickelt die Familie gemeinsam Kinderbücher mit fiktiven Charakteren, die spannende Abenteuer erleben. Die Pflegekinder beteiligen sich an der kreativen Gestaltung und erkennen sie sich in den Figuren wieder. „Über die Geschichten kommen wir als Pflegeeltern mit unseren Kindern ins Gespräch. Und ganz nebenbei überbrücken wir die große Altersspanne, die zwischen den 9- und 14-jährigen Kindern liegt.“ Im Gespräch zu bleiben, ist in der Erziehung von Pflegekindern besonders wichtig, da es im Alltag immer wieder Konflikte gibt.

Pflegeeltern als Anwalt der Kinder

Bis ein Kind in der Pflegefamilie ankommt, vergehen Monate, weiß Monika Schilling. Erst nach der Honeymoon-Zeit zeigen sich die gesamten Ausmaße der traumatischen Erlebnisse. Doch auch nach dem Übergang in die Pflegefamilien sind schmerzhafte Erfahrungen täglicher Begleiter. „Pflegekinder werden alltäglich mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da reicht ein Baby-Bild aus, dass sie in die Schule mitbringen sollen, um Wunden wieder aufzureißen.“ Es gibt immer wieder diese Situationen, in denen Pflegekinder ausgegrenzt werden oder Verletzungen erfahren, die sie nur schwer aushalten können. Den meisten Außenstehenden fällt es schwer, sich in die Situation von Pflegekindern hineinzuversetzen. „Wir verstehen uns als Anwalt unserer Kinder und machen auf Begebenheiten aufmerksam. Es sind gerade die existenziellen Fragen, die für Pflegekinder unbeantwortet bleiben und starke Emotionen auslösen.“ Familie Schilling unterscheidet bei Konflikten ganz klar zwischen Öffentlichkeit und Zuhause: „Konfrontationen aus dem Umfeld dürfen nicht zum Konfliktthema zuhause werden. Wir sprechen über das, was passiert ist, aber wir versuchen immer, den Ärger vor der Tür zu lassen. Hier sollen unsere Pflegekinder einfach nur ein geborgenes Nest haben, ganz ohne Verhaltensdruck.“ Und wenn der Haussegen doch mal schiefhängt? „Dann haken wir den Tag einfach ab. Jeder Tag ist neu und genau so wollen wir ihn begehen.“

Wollen auch Sie in die Erziehung von Pflegekindern einsteigen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Das 14. Mütterwochenende – wie jedes Jahr auch in 2019 ein echtes Highlight für alle Pflegemütter

Ein Frauenwochenende um gemeinsam mit anderen Müttern / Frauen in den Austausch zu kommen und von gemeinsamen Gesprächen zu profitieren. Klingt es zunächst vielleicht etwas banal, steckt aber doch so unglaublich viel Wertvolles und Wichtiges hinter diesem „Auszeitwochenende“. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass sich Frauen an einem Wochenende Ende Januar in einem schönen Hotel, seit nunmehr zwei Jahren in Bad Wildungen, zusammenfinden.  Diese Frauen/ Mütter haben  mindestens einen gemeinsamen Schwerpunkt in ihrem Leben, nämlich das Leben und den Alltag mit, und die Verantwortung für Pflegekinder.

In diesem Jahr haben 30 Mütter dieses Angebot angenommen. Sie alle haben sich mit ihren Familien irgendwann einmal dazu entschieden, ein oder mehrere Kinder in ihrer Familie aufzunehmen um ihnen ein neues Zuhause und auch neue Chancen zu bieten. Das macht viel Freude und alle sind mit Herz und Engagement dabei. Aber es ist auch nicht selten anstrengend und kostet viel Kraft.Für Erholung und Ausgleich muss regelmäßig gesorgt werden und „gut auf sich achten“ wird im Fachbereich der Erziehungsstellen des Elisabeth Vereins auch im Rahmen der Selbstfürsorge groß geschrieben, damit die strapazierten, manchmal leeren Akkus auch wieder aufgeladen werden. Einmal im Jahr gibt es unter anderem deswegen ein Mütter-Wochenende, an dem sich die Frauen mal so richtig ausruhen dürfen (ein Väter-Wochenende für die Männer gibt es natürlich auch).

In diesem Jahr stand das Wochenende unter dem Motto: GegenPflegemütter ist kein Kraut gewachsen und ja, bei all der Frauenpower ist das sicher eine klare und wahre Aussage. Erziehungsstellen-Mütter lassen sich nicht so schnell  erschrecken, verunsichern oder verärgern. Wer das glaubt liegt falsch. Der Alltag mit den Kids trainiert  die Nerven und es kann einen sozusagen nichts so schnell „wegwehen“.

Kennenlernrunde am Freitagabend

Beginnend mit einer Kennenlernrunde am Freitagsabend, die auch immer wieder besonders wichtig für die neuen  Mütter in der Runde ist, denn so kommt man gut in Kontakt mit „alten Hasen“ – in diesem Fall „Häsinnen“, wurde zum Thema Kräuter und deren oftmals „unglaublichen“ Wirkungen das Wochenende eingeleitet. Das Team der Fachberaterinnen (dem übrigens zur großen Freude am Ende der Veranstaltung von einer Mutter sogar der Titel „Dreamteam“  ausgesprochen wurde:-)), hatte sich wie jedes Jahr ein kurzweiliges, unterhaltsames und auch lehrreiches Programm überlegt und begrüßte alle herzlich. Es wurde viel gelacht, gemeinsam gesungen und geplaudert.

Fortsetzung am Samstagmorgen

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Stone-painting: mit viel Liebe zum Detail wurde aus einem zuvor grauen Stein ein kleines Kunstwerk.

Der Samstag begann nach dem Frühstück mit einer Entspannungseinheit und es folgte ein Kreativangebot „Stone-painting“. Hier wurden Steine zu wahren Wunderwerken bemalt und die ursprünglich für zwei Stunden geplante Aktion kam so gut an, dass manche Frauen noch bis spät in den Abend hinein gemeinsam kreativ waren.Der Entspannungscharakter dieser kreativen Tätigkeit war für manche Frauen deutlich zu spüren und die Methode kann auch sehr gut zu Hause umgesetzt werden.

Am Samstagnachmittag fand eine Stadtführung zum Thema „Kräuter, Kump und Hexenwerk“ durch die Altstadt Bad Wildungens statt, wo es viel Spannendes zum Thema Kräuter und auch zum Thema Frauen im Mittelalter zu erfahren gab.Die Frauen begaben sich mit der Bad Wildunger „Kräuterhexe“, die in mittelalterlicher Gewandung zu geschichtsträchtigen Orten und Plätzen führte, auf eine interessante Reise in die Vergangenheit. Es gab viel Wissenswertes über Bad Wildungens malerische Altstadt, über so manches Kraut, seine Heilwirkung und seine Verwendung sowie auch über die dramatische Zeit der Hexenverfolgung zu erfahren. Es war kalt, aber spannend und toll, ein kleiner Kräutertrunk half kurzfristig den Wind besser zu ertragen. Am Ende war allen bewusst: Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen.

Manche Frauen hielten sich mit den Angeboten am Wochenende aber auch eher zurück und genossen die Ruhe im Hotel, das Schwimmbad, die Sauna oder vielleicht den Spaziergang und das Gespräch mit anderen Müttern.

Wie in jedem Jahr gab es abends ein Filmangebot. Beeindruckt sowie beschwingt von den darin vorkommenden Songs wurde der Restabend gemeinsam mit den anderen Müttern mit  lustigen Geschichten bei einem leckeren Getränk in der Bar fortgesetzt und irgendwann – bei der einen früher, bei der anderen etwas später – auch beendet.

Wie schnell der Sonntag kam…

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Einladendes und wohlriechendes Kräuterbeet verschönert mit bunten, veredelten Steinen der Pflegemütter

Beim gemeinsamen Frühstück am Sonntagmorgen wurden Anekdoten berichtet. Wie seit einigen Jahren üblich, war auch in diesem Jahr die Geschäftsbereichsleitung, Bertram Kasper und Jens Rohe zu Besuch gekommen,  konnte sich von der allgemein guten Stimmung überzeugen und stand den Frauen zum Gespräch und für Fragen zur Verfügung. Begrüßt wurden die beiden von den Frauen mit einem wirklich leidenschaftlich, im vierstimmigen Kanon vorgetragenen  „Kräutersong“ und so wehte Ihnen der Flair des Mottos mit voller Wucht entgegen: Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen.

Nach einer Abschlussrunde in der das Wochenende rückerinnert und reichlich Wert geschätzt wurde, folgte passend zum Leitthema: „Gegen uns ist kein Kraut gewachsen“ noch eine kurze und letzte Entspannungsreise: „Ins Kräuterbeet“.

Zur Stärkung gab es abschließend noch einen kleinen Mittagsimbiss und so ging es auch in diesem Jahr nach (nur) zweieinhalb wunderbaren, gemeinsamen Tagen zurück in Richtung Heimat, obwohl natürlich viele Frauen wie üblich den absolut nachvollziehbaren Wunsch äußerten, das Mütterwochenende sollte doch viel länger oder am liebsten dauernd so weitergehen. Aber das geht natürlich nicht und man freut sich ja doch auch auf zu Hause, auf die Kinder und die Familie und auch die Mütter wurden dort sicher sehnsüchtig erwartet.

Was bleibt ist der „reiche Schatz“ an gemeinsam Erlebtem – ja das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, die tiefen, guten Gespräche sowie die Erholung und vielleicht die ein oder andere wertvolle neue Bekanntschaft / Freundschaft, die entstanden ist und vielleicht auch über das Wochenende hinaus andauern wird.

Für das Vorbereitungsteam: (Steffi Fuchs, Martina von Keitz, Petra Plag Zimmermann, Bettina Simon Schönau). Autorin: Corina Rink

Möchten auch Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Hier der Link.

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 1: Pflegekinder statt Kinderwunschklinik: Ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch berichtet

Von Pamela Premm

Caroline Wagner aus Mittelhessen träumte schon immer von einer großen Familie wie aus dem Bilderbuch – mit einem Bauernhof und mindestens vier Kindern. Zwei davon sollten Pflegekinder sein. Das stand für die gelernte Erzieherin schnell fest. Ihr Mann Thomas war dagegen nicht so leicht zu überzeugen. In einer dreiteiligen Interview-Reihe haben wir das Pflegeeltern-Paar befragt, wie sie ihre Entscheidung getroffen haben, welche Bedenken sie hatten und wie sie mit Krisen umgehen.

Schon als kleines Mädchen träumte Caroline Wagner von ihrer eigenen Familie mit zwei leiblichen und zwei Pflegekindern. In ihrer Ausbildung als Erzieherin und bei ihrer Arbeit im Kinderheim kam Sie zum ersten Mal mit Kindern in Berührung, die nicht in ihren Familien bleiben konnten.

„Die einzelnen Schicksale der wunderbaren kleinen Wesen haben mich sehr berührt,“ erinnert sich die 35-jährige. Schnell war für Caroline klar, dass sie später in jedem Fall zwei Pflegekinder aufnehmen würde. Ihrem heutigen Mann Thomas setzte sie damals schon die Pistole auf die Brust.

Kinderwunsch gewinnt an Bedeutung

Für ihren Mann allerdings waren Kinder und vor allem Pflegekinder erstmal kein Thema. „Er hatte nicht wirklich Bezug dazu, für ihn stand die Karriere und unser Leben als Paar an erster Stelle.“ Mit der Hochzeit flackerte bei Caroline der Wunsch erneut auf, eine Familie zu gründen. „Ich wollte endlich mein Baby im Arm halten und habe mir immer vorgestellt, wie es sein wird, einem Kind das Leben zu schenken.“ Doch aus diesem Gefühl wurde nichts. „Wir haben es immer wieder versucht, Monat für Monat gebangt und gehofft, um schließlich doch wieder ein negatives Ergebnis in den Händen zu halten.“ Pflegekinder statt KinderwunschklinikÜber Jahre zog sich das Wechselbad der Gefühle, bis bei Caroline eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt wurde. Die Chance, ein Kind auf natürlichem Wege zu bekommen, rückte damit in weite Ferne. Für die junge Frau brach eine Welt zusammen. Es begann eine Zeit des Abschiedsnehmens, der Trauer und des Schmerzes. „Ich war am Boden zerstört. Dabei hatte ich das Gefühl, alle Frauen um mich herum, waren plötzlich schwanger. Ich fiel in ein tiefes Loch, fühlte mich depressiv. Alles, was ich mir je erträumt hatte, schien für immer verloren.“

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik? Ein Schlüsselerlebnis bringt Klarheit

Eine Kinderwunschklinik kam für das Paar nicht infrage. Die körperliche und seelische Belastung wäre einfach zu groß geworden. „Jeder gescheiterte Versuch in der Kinderwunschklinik hätte die Situation noch schlimmer für mich gemacht“, erzählt Caroline. Eine Adoption war ebenfalls kein Thema: Viel zu lang seien die Wartelisten für Adoptivkinder. Immer wieder bringt Caroline das Thema Pflegekinder zur Sprache. Pflegekinder statt Kinderwunschklinik? Ihr Mann Thomas hatte seine Zweifel, bis es zu einem Schlüsselerlebnis kommt. Das Paar trifft sich mit einer bekannten Pflegefamilie, stellt Fragen und sucht den Austausch. „Mir hat es sehr geholfen, an diesem Abend mit den Pflegeeltern über rechtliche Themen und den formellen Rahmen zu sprechen“, sagt Thomas heute. „Im Gegensatz zu meiner Frau, bin ich eher ein sachlicher Mensch. Ich treffe Entscheidungen weniger aus dem Bauch heraus. Daher war es gut, mehr über die Abläufe zu erfahren. Die Berichte aus erster Hand haben uns darin bestärkt, eine Pflegefamilie zu werden.“ Bis das Paar letztendlich die Entscheidung trifft, ein Pflegekind aufzunehmen, vergehen weitere Monate. „Irgendwann hat mein Mann unser Vorhaben abgenickt und ich durfte endlich den langersehnten Termin im Jugendamt vereinbaren.“

Die Freude war unglaublich…

Pflegekinder statt KinderwunschklinikIm April 2012 folgt das erste Gespräch mit der zuständigen Sachbearbeiterin. Im November besucht das Paar ein Pflegekinderseminar. Für Caroline kein einfacher Weg. „Es lag so viel Emotion in meinem Kinderwunsch, dass es für mich schwierig war, das Thema sachlich anzugehen. Mein Mann hat mich dabei immer unterstützt.“ Eine OP im Dezember gab der jungen Frau Zeit, Dinge für sich zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Kurz darauf folgte der erlösende Anruf. „Ich erinnere mich noch genau an den 27.12.2012. Wir saßen gerade beim Frühstück. Ein 13-monatiges Mädchen liege im Krankenhaus, könne nicht mehr zu den Eltern zurückkehren und benötige dringend eine Pflegestelle. „Wir hatten genau fünf Minuten Zeit, um uns zu entscheiden.“ Das Paar entschied sich für die kleine Miriam. „Wir mussten so viel organisieren, vom Babyfläschchen bis zum Kinderbett. Die Freude war unglaublich.“

Wenige Stunden später war sie da

Wenige Stunden später zog das Baby bei den Wagners ein. „Wir haben auf dem Balkon gestanden und auf sie erwartet. Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Auch bei ihrem Mann Thomas, war schnell klar, dass er dieses kleine Geschöpf sofort ins Herz geschlossen hatte. „Sie saß auf meinem Schoß, streichelte meinen Arm und sagte Ei, Ei. Da wussten wir, dass alles gut werden würde.“

Mittlerweile hat das Paar drei Pflegekinder im Alter von drei, sieben und acht Jahren, alles Mädchen.

„Wir sind einfach nur superglücklich als Familie“, betont Caroline. „Ich habe meine Herzensaufgabe gefunden und mich mit meinem Schicksal ausgesöhnt. Wir können nur allen kinderlosen Paaren Mut machen, sich mit dem Thema Pflegekinder zu befassen. Man bekommt so unglaublich viel zurück. Und keine der drei Pflegetöchter würde ich eintauschen für ein leibliches Kind.“

Sie sind kinderlos und möchten sich über Pflegekinder informieren? Dann sprechen Sie uns gerne an.

[Metadescription: Pflegekinder statt Kinderwunschklinik: Für ungewollt kinderlose Paare eine Option. Ein Paar erzählt von seinem Weg zur Pflegefamilie.]

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente…

In diesem Beitrag lesen Sie welche Aspekte im von der großen Koalition beschlossenen Rentenpaket 2019 für Pflegefamilien vor allem im Zusammenhang mit der Mütterrente relevant sein können.

Die Rente insgesamt ein Thema für alle Menschen. Seit Jahren wissen wir, dass die Gefahr eines Kollaps bezogen auf unsere Renten größer und größer wird. Die Begründungen dazu sind hinglänglich bekannt. Wir alle werden aufgefordert privat vorzusorgen, damit wir nicht in eine Altersarmutsfalle tappen.

Aus meiner Sicht wird der Leistung von Müttern und Familien unabhängig davon, ob sie sich um eigene oder angenomme Kinder kümmern, immer noch nicht angemessen Rechnung getragen. Interessenverbände wie z.B. PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. versuchen auf die Politik Einfluss zu nehmen, und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das Rentenpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist noch weit entfernt, den gesellschaftlichen Beitrag wirklich zu würdigen.

Die große Koalition hat jetzt die neue Mütterrente ab 2019 auf den Weg gebracht. Was gilt es für Pflegefamilien zu beachten!

Was ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erkennt der Staat die Erziehungsleistungen von Eltern an, diese Zeiten werden grundsätzlich auf die Rente angerechnet. Des Weiteren sollen Mütter – seltener Väterm – die aufgrund von Kindererziehung ihren Beruf ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt werden, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was wurde im Rentenpaket entschieden?

Ab 2019 bekommen alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche. Jedoch gibt es statt einem Rentenpunkt nur einen halben Rentenpunkt. So sieht es der Rentenkompromiss vor. Diese Mütterrente erhalten alle Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Vollzeit betreut wurden oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommenobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze für Rentenbeiträge orientiert. Liegen Mütter oder Väter darüber bekommen sie ihre Erziehungsleistung nicht auf die Rente angerechnet. Eltern, die ihre Kinder zusammen großgezogen haben, können wählen, wer die Erziehungszeiten erhalten soll. Gleiches gilt für Pflegefamilien und Mütterrente.Pflegefamilien und Mütterrente

Wichtig: Antrag für die Mütterrente stellen!

Um sich die Erziehungszeiten anrechnen zu lassen, muss bei der Rentenversicherung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wurden schon vorher Erziehungszeiten berücksichtigt, muss dieser Antrag nicht gestellt werden. Es wird jedoch empfohlen das persönliche Rentenkonto danach zu überprüfen.

Zur Beachtung: Besonderheiten bei Pflegefamilien und Mütterrente

Adoptiv- und Pflegeeltern, die Mütterrente beanspruchen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Die ist besonders wichtig, da eine Berücksichtigung von Erziehungszeiten ausgeschlossen ist, wenn die Kindererziehungszeit bereits bei einem anderen Leistungsempfänger (leibliche Eltern von Pflegekindern) berücksichtigt wurde. Diese Praxis stellt aus unserer Sicht einen Affront gegenüber der Erziehungsleistung der Pflege- bzw. Adoptiveltern dar. Deshalb fordert der PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme den Passus mit dem Leistungsausschluss ersatzlos zu streichen.

Folgende Links klären weiter zum Thema Pflegefamilien und Mütterrente auf:

Aufruf an bereits verrentete Pflege- und Adoptiveltern

PFAD Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes 

Möchten Sie Pflegefamilie werden, dann können Sie hier direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

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