Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Über die Erziehung von Pflegekindern: „Zu viele Regeln machen unfrei“

Von Pamela Premm

Pflegekinder kommen aus einer völlig anderen Welt und müssen sich in einer fremden Familie mit fremden Tagesabläufen zurechtfinden. Da ist Verständnis gefragt. Buchautorin und Pflegemutter Monika Schilling hat vier Pflegekindern ein Zuhause geschenkt. Und weiß, dass in der Erziehung von Pflegekindern Gespräche wichtiger sind als Regeln.

Zu viele Regeln machen unfrei

Bevor Monika Schilling eine Regel aufstellt, überlegt sie sich genau, welche Konsequenzen diese für ihr eigenes Wohlbefinden und für das gesamte Familienleben hat. „Ich will mich nicht meiner eigenen Freiheit berauben, indem ich eine unnötige Regel aufstelle“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin und Kinderbuchautorin. In ihrer Pflegefamilie gibt es nur einige grundsätzliche Versorgungsregeln wie Zähne putzen, zur Schule gehen oder freundlich miteinander sein. „Pflegekinder müssen so unglaublich viel leisten. Da braucht es nicht noch zusätzliche Regeln“, sagt die Pflegemutter.

Gleiches gilt für Strafen: „Was nützt es mir, wenn ich den Kindern eine Woche Fernsehverbot erteile, ihnen dann aber eine interessante TV-Dokumentation zeigen möchte? Auf diese Weise mache ich mich und uns zum Sklaven meiner Strafe und am Ende ärgere ich mich über mich selbst.“

Monika Schilling

Was ist Grundmotiv von Fehlverhalten?

Erziehung von Pflegekindern

Anstatt die Kinder zu maßregeln, sollten Pflegeeltern das Grundmotiv hinterfragen, welches hinter einem Fehlverhalten steckt. Kein Kind will seinen Pflegeeltern vorsätzlich Schaden zufügen oder sie gar verletzen. Daher sollten sich Pflegeeltern auch nicht persönlich angegriffen fühlen. „Die Kinder sind nicht per se böse. Sie hatten in den Ursprungsfamilien einfach keine Chance, moralische Werte zu verinnerlichen. Sie handeln aus dem Impuls mangelnder Bedürfniskontrolle heraus. Es liegt an mir, ihnen einen besseren Weg aufzuzeigen.“ Monika Schilling geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich versuche Situationen zu vermeiden, die zu einem bestimmten Verhalten führen. Das erfordert Disziplin trägt aber zum Familienfrieden bei. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass so viel einfacher bdie Erziehung von Pflegekindern gelingt.“

Werte vorleben statt strafen

Doch wie wahrt man den Familienfrieden in einer Pflegefamilie mit vier Pflegekindern? Indem man Werte vorlebt und respektvoll miteinander umgeht. Das ist nach Monika Schilling das ganze Geheimnis. „In der Erziehung von Pflegekindern ist vor allem Geduld gefragt. Ich versuche meinen Pflegekindern ein gewisses Grundverständnis entgegen zu bringen und in Konfliktsituationen ruhig zu bleiben. Auch wenn eines meiner Pflegekinder mal völlig ausflippt, schaffen wir es immer wieder, dass es sich fängt und auf Normallevel herunterfährt. Letztendlich behandle ich meine Pflegekinder so, wie ich auch gerne behandelt werden möchte. Und wenn eines der Kinder mal tobt, dann darf es die Emotionen herauslassen. Das ist kein Grund für mich, mit Strafen zu drohen oder selbst laut zu werden. Ich mag schließlich auch nicht angeschrien werden.“

Verhalten neu verinnerlichen

Was sich so einfach und plausibel anhört, ist ein stetiger Prozess. Bis ein Pflegekind bestimmte Verhaltensmuster verinnerlicht hat, kann es lange dauern. Aber Geduld und Zuversicht lohnen sich, auch wenn immer nur kleine Erfolge sichtbar werden. „Man muss sich das so vorstellen: Pflegekinder sind hungrig nach allen Seiten, wie ein Fass ohne Boden“, erklärt Schilling. „Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Fass zu füllen. Ein tägliches Abendritual hilft uns dabei.“

Erziehung von Pflegekindern – die Abendrunde als Ritual

Erziehung von Pflegekindern
Bei einer Pflegefamilie entdeckt

Für viele Familien erscheint ein Abendritual mühsam, dabei hilft es, Emotionen zu reflektieren und Geschehenes zu verarbeiten. Familie Schilling trifft sich nach dem Abendessen. „Während unserer Abendrunde besprechen wir den Tag. Jeder darf berichten, was ihn besonders gefreut oder genervt hat. In dieser Zeit hören wir uns aufmerksam zu, schmieden Pläne und begeben uns auf Phantasiereise.“ Für die Pflegekinder ist es wichtig, einen geschützten Ort zu haben, an dem sie über Gefühle und Erfahrungen sprechen können. Manchmal denkt sich die Familie Geschichten aus, die in Kinderbüchern verarbeitet werden. „Am Anfang habe ich das Erlebte in Wochenberichten zusammengefasst und den Kindern vorgelesen,“ so Schilling. „Schnell merkte ich, dass die Geschichten etwas bei den Kindern bewirken. Sie fühlen sich wahrgenommen.“

Gemeinsam Kinderbücher entwickeln

Mittlerweile entwickelt die Familie gemeinsam Kinderbücher mit fiktiven Charakteren, die spannende Abenteuer erleben. Die Pflegekinder beteiligen sich an der kreativen Gestaltung und erkennen sie sich in den Figuren wieder. „Über die Geschichten kommen wir als Pflegeeltern mit unseren Kindern ins Gespräch. Und ganz nebenbei überbrücken wir die große Altersspanne, die zwischen den 9- und 14-jährigen Kindern liegt.“ Im Gespräch zu bleiben, ist in der Erziehung von Pflegekindern besonders wichtig, da es im Alltag immer wieder Konflikte gibt.

Pflegeeltern als Anwalt der Kinder

Bis ein Kind in der Pflegefamilie ankommt, vergehen Monate, weiß Monika Schilling. Erst nach der Honeymoon-Zeit zeigen sich die gesamten Ausmaße der traumatischen Erlebnisse. Doch auch nach dem Übergang in die Pflegefamilien sind schmerzhafte Erfahrungen täglicher Begleiter. „Pflegekinder werden alltäglich mit ihrer Herkunft konfrontiert. Da reicht ein Baby-Bild aus, dass sie in die Schule mitbringen sollen, um Wunden wieder aufzureißen.“ Es gibt immer wieder diese Situationen, in denen Pflegekinder ausgegrenzt werden oder Verletzungen erfahren, die sie nur schwer aushalten können. Den meisten Außenstehenden fällt es schwer, sich in die Situation von Pflegekindern hineinzuversetzen. „Wir verstehen uns als Anwalt unserer Kinder und machen auf Begebenheiten aufmerksam. Es sind gerade die existenziellen Fragen, die für Pflegekinder unbeantwortet bleiben und starke Emotionen auslösen.“ Familie Schilling unterscheidet bei Konflikten ganz klar zwischen Öffentlichkeit und Zuhause: „Konfrontationen aus dem Umfeld dürfen nicht zum Konfliktthema zuhause werden. Wir sprechen über das, was passiert ist, aber wir versuchen immer, den Ärger vor der Tür zu lassen. Hier sollen unsere Pflegekinder einfach nur ein geborgenes Nest haben, ganz ohne Verhaltensdruck.“ Und wenn der Haussegen doch mal schiefhängt? „Dann haken wir den Tag einfach ab. Jeder Tag ist neu und genau so wollen wir ihn begehen.“

Wollen auch Sie in die Erziehung von Pflegekindern einsteigen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Das 14. Mütterwochenende – wie jedes Jahr auch in 2019 ein echtes Highlight für alle Pflegemütter

Ein Frauenwochenende um gemeinsam mit anderen Müttern / Frauen in den Austausch zu kommen und von gemeinsamen Gesprächen zu profitieren. Klingt es zunächst vielleicht etwas banal, steckt aber doch so unglaublich viel Wertvolles und Wichtiges hinter diesem „Auszeitwochenende“. Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass sich Frauen an einem Wochenende Ende Januar in einem schönen Hotel, seit nunmehr zwei Jahren in Bad Wildungen, zusammenfinden.  Diese Frauen/ Mütter haben  mindestens einen gemeinsamen Schwerpunkt in ihrem Leben, nämlich das Leben und den Alltag mit, und die Verantwortung für Pflegekinder.

In diesem Jahr haben 30 Mütter dieses Angebot angenommen. Sie alle haben sich mit ihren Familien irgendwann einmal dazu entschieden, ein oder mehrere Kinder in ihrer Familie aufzunehmen um ihnen ein neues Zuhause und auch neue Chancen zu bieten. Das macht viel Freude und alle sind mit Herz und Engagement dabei. Aber es ist auch nicht selten anstrengend und kostet viel Kraft.Für Erholung und Ausgleich muss regelmäßig gesorgt werden und „gut auf sich achten“ wird im Fachbereich der Erziehungsstellen des Elisabeth Vereins auch im Rahmen der Selbstfürsorge groß geschrieben, damit die strapazierten, manchmal leeren Akkus auch wieder aufgeladen werden. Einmal im Jahr gibt es unter anderem deswegen ein Mütter-Wochenende, an dem sich die Frauen mal so richtig ausruhen dürfen (ein Väter-Wochenende für die Männer gibt es natürlich auch).

In diesem Jahr stand das Wochenende unter dem Motto: GegenPflegemütter ist kein Kraut gewachsen und ja, bei all der Frauenpower ist das sicher eine klare und wahre Aussage. Erziehungsstellen-Mütter lassen sich nicht so schnell  erschrecken, verunsichern oder verärgern. Wer das glaubt liegt falsch. Der Alltag mit den Kids trainiert  die Nerven und es kann einen sozusagen nichts so schnell „wegwehen“.

Kennenlernrunde am Freitagabend

Beginnend mit einer Kennenlernrunde am Freitagsabend, die auch immer wieder besonders wichtig für die neuen  Mütter in der Runde ist, denn so kommt man gut in Kontakt mit „alten Hasen“ – in diesem Fall „Häsinnen“, wurde zum Thema Kräuter und deren oftmals „unglaublichen“ Wirkungen das Wochenende eingeleitet. Das Team der Fachberaterinnen (dem übrigens zur großen Freude am Ende der Veranstaltung von einer Mutter sogar der Titel „Dreamteam“  ausgesprochen wurde:-)), hatte sich wie jedes Jahr ein kurzweiliges, unterhaltsames und auch lehrreiches Programm überlegt und begrüßte alle herzlich. Es wurde viel gelacht, gemeinsam gesungen und geplaudert.

Fortsetzung am Samstagmorgen

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Stone-painting: mit viel Liebe zum Detail wurde aus einem zuvor grauen Stein ein kleines Kunstwerk.

Der Samstag begann nach dem Frühstück mit einer Entspannungseinheit und es folgte ein Kreativangebot „Stone-painting“. Hier wurden Steine zu wahren Wunderwerken bemalt und die ursprünglich für zwei Stunden geplante Aktion kam so gut an, dass manche Frauen noch bis spät in den Abend hinein gemeinsam kreativ waren.Der Entspannungscharakter dieser kreativen Tätigkeit war für manche Frauen deutlich zu spüren und die Methode kann auch sehr gut zu Hause umgesetzt werden.

Am Samstagnachmittag fand eine Stadtführung zum Thema „Kräuter, Kump und Hexenwerk“ durch die Altstadt Bad Wildungens statt, wo es viel Spannendes zum Thema Kräuter und auch zum Thema Frauen im Mittelalter zu erfahren gab.Die Frauen begaben sich mit der Bad Wildunger „Kräuterhexe“, die in mittelalterlicher Gewandung zu geschichtsträchtigen Orten und Plätzen führte, auf eine interessante Reise in die Vergangenheit. Es gab viel Wissenswertes über Bad Wildungens malerische Altstadt, über so manches Kraut, seine Heilwirkung und seine Verwendung sowie auch über die dramatische Zeit der Hexenverfolgung zu erfahren. Es war kalt, aber spannend und toll, ein kleiner Kräutertrunk half kurzfristig den Wind besser zu ertragen. Am Ende war allen bewusst: Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen.

Manche Frauen hielten sich mit den Angeboten am Wochenende aber auch eher zurück und genossen die Ruhe im Hotel, das Schwimmbad, die Sauna oder vielleicht den Spaziergang und das Gespräch mit anderen Müttern.

Wie in jedem Jahr gab es abends ein Filmangebot. Beeindruckt sowie beschwingt von den darin vorkommenden Songs wurde der Restabend gemeinsam mit den anderen Müttern mit  lustigen Geschichten bei einem leckeren Getränk in der Bar fortgesetzt und irgendwann – bei der einen früher, bei der anderen etwas später – auch beendet.

Wie schnell der Sonntag kam…

Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen

Einladendes und wohlriechendes Kräuterbeet verschönert mit bunten, veredelten Steinen der Pflegemütter

Beim gemeinsamen Frühstück am Sonntagmorgen wurden Anekdoten berichtet. Wie seit einigen Jahren üblich, war auch in diesem Jahr die Geschäftsbereichsleitung, Bertram Kasper und Jens Rohe zu Besuch gekommen,  konnte sich von der allgemein guten Stimmung überzeugen und stand den Frauen zum Gespräch und für Fragen zur Verfügung. Begrüßt wurden die beiden von den Frauen mit einem wirklich leidenschaftlich, im vierstimmigen Kanon vorgetragenen  „Kräutersong“ und so wehte Ihnen der Flair des Mottos mit voller Wucht entgegen: Gegen Pflegemütter ist kein Kraut gewachsen.

Nach einer Abschlussrunde in der das Wochenende rückerinnert und reichlich Wert geschätzt wurde, folgte passend zum Leitthema: „Gegen uns ist kein Kraut gewachsen“ noch eine kurze und letzte Entspannungsreise: „Ins Kräuterbeet“.

Zur Stärkung gab es abschließend noch einen kleinen Mittagsimbiss und so ging es auch in diesem Jahr nach (nur) zweieinhalb wunderbaren, gemeinsamen Tagen zurück in Richtung Heimat, obwohl natürlich viele Frauen wie üblich den absolut nachvollziehbaren Wunsch äußerten, das Mütterwochenende sollte doch viel länger oder am liebsten dauernd so weitergehen. Aber das geht natürlich nicht und man freut sich ja doch auch auf zu Hause, auf die Kinder und die Familie und auch die Mütter wurden dort sicher sehnsüchtig erwartet.

Was bleibt ist der „reiche Schatz“ an gemeinsam Erlebtem – ja das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, die tiefen, guten Gespräche sowie die Erholung und vielleicht die ein oder andere wertvolle neue Bekanntschaft / Freundschaft, die entstanden ist und vielleicht auch über das Wochenende hinaus andauern wird.

Für das Vorbereitungsteam: (Steffi Fuchs, Martina von Keitz, Petra Plag Zimmermann, Bettina Simon Schönau). Autorin: Corina Rink

Möchten auch Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Hier der Link.

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 1: Pflegekinder statt Kinderwunschklinik: Ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch berichtet

Von Pamela Premm

Caroline Wagner aus Mittelhessen träumte schon immer von einer großen Familie wie aus dem Bilderbuch – mit einem Bauernhof und mindestens vier Kindern. Zwei davon sollten Pflegekinder sein. Das stand für die gelernte Erzieherin schnell fest. Ihr Mann Thomas war dagegen nicht so leicht zu überzeugen. In einer dreiteiligen Interview-Reihe haben wir das Pflegeeltern-Paar befragt, wie sie ihre Entscheidung getroffen haben, welche Bedenken sie hatten und wie sie mit Krisen umgehen.

Schon als kleines Mädchen träumte Caroline Wagner von ihrer eigenen Familie mit zwei leiblichen und zwei Pflegekindern. In ihrer Ausbildung als Erzieherin und bei ihrer Arbeit im Kinderheim kam Sie zum ersten Mal mit Kindern in Berührung, die nicht in ihren Familien bleiben konnten.

„Die einzelnen Schicksale der wunderbaren kleinen Wesen haben mich sehr berührt,“ erinnert sich die 35-jährige. Schnell war für Caroline klar, dass sie später in jedem Fall zwei Pflegekinder aufnehmen würde. Ihrem heutigen Mann Thomas setzte sie damals schon die Pistole auf die Brust.

Kinderwunsch gewinnt an Bedeutung

Für ihren Mann allerdings waren Kinder und vor allem Pflegekinder erstmal kein Thema. „Er hatte nicht wirklich Bezug dazu, für ihn stand die Karriere und unser Leben als Paar an erster Stelle.“ Mit der Hochzeit flackerte bei Caroline der Wunsch erneut auf, eine Familie zu gründen. „Ich wollte endlich mein Baby im Arm halten und habe mir immer vorgestellt, wie es sein wird, einem Kind das Leben zu schenken.“ Doch aus diesem Gefühl wurde nichts. „Wir haben es immer wieder versucht, Monat für Monat gebangt und gehofft, um schließlich doch wieder ein negatives Ergebnis in den Händen zu halten.“ Pflegekinder statt KinderwunschklinikÜber Jahre zog sich das Wechselbad der Gefühle, bis bei Caroline eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt wurde. Die Chance, ein Kind auf natürlichem Wege zu bekommen, rückte damit in weite Ferne. Für die junge Frau brach eine Welt zusammen. Es begann eine Zeit des Abschiedsnehmens, der Trauer und des Schmerzes. „Ich war am Boden zerstört. Dabei hatte ich das Gefühl, alle Frauen um mich herum, waren plötzlich schwanger. Ich fiel in ein tiefes Loch, fühlte mich depressiv. Alles, was ich mir je erträumt hatte, schien für immer verloren.“

Pflegekinder statt Kinderwunschklinik? Ein Schlüsselerlebnis bringt Klarheit

Eine Kinderwunschklinik kam für das Paar nicht infrage. Die körperliche und seelische Belastung wäre einfach zu groß geworden. „Jeder gescheiterte Versuch in der Kinderwunschklinik hätte die Situation noch schlimmer für mich gemacht“, erzählt Caroline. Eine Adoption war ebenfalls kein Thema: Viel zu lang seien die Wartelisten für Adoptivkinder. Immer wieder bringt Caroline das Thema Pflegekinder zur Sprache. Pflegekinder statt Kinderwunschklinik? Ihr Mann Thomas hatte seine Zweifel, bis es zu einem Schlüsselerlebnis kommt. Das Paar trifft sich mit einer bekannten Pflegefamilie, stellt Fragen und sucht den Austausch. „Mir hat es sehr geholfen, an diesem Abend mit den Pflegeeltern über rechtliche Themen und den formellen Rahmen zu sprechen“, sagt Thomas heute. „Im Gegensatz zu meiner Frau, bin ich eher ein sachlicher Mensch. Ich treffe Entscheidungen weniger aus dem Bauch heraus. Daher war es gut, mehr über die Abläufe zu erfahren. Die Berichte aus erster Hand haben uns darin bestärkt, eine Pflegefamilie zu werden.“ Bis das Paar letztendlich die Entscheidung trifft, ein Pflegekind aufzunehmen, vergehen weitere Monate. „Irgendwann hat mein Mann unser Vorhaben abgenickt und ich durfte endlich den langersehnten Termin im Jugendamt vereinbaren.“

Die Freude war unglaublich…

Pflegekinder statt KinderwunschklinikIm April 2012 folgt das erste Gespräch mit der zuständigen Sachbearbeiterin. Im November besucht das Paar ein Pflegekinderseminar. Für Caroline kein einfacher Weg. „Es lag so viel Emotion in meinem Kinderwunsch, dass es für mich schwierig war, das Thema sachlich anzugehen. Mein Mann hat mich dabei immer unterstützt.“ Eine OP im Dezember gab der jungen Frau Zeit, Dinge für sich zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Kurz darauf folgte der erlösende Anruf. „Ich erinnere mich noch genau an den 27.12.2012. Wir saßen gerade beim Frühstück. Ein 13-monatiges Mädchen liege im Krankenhaus, könne nicht mehr zu den Eltern zurückkehren und benötige dringend eine Pflegestelle. „Wir hatten genau fünf Minuten Zeit, um uns zu entscheiden.“ Das Paar entschied sich für die kleine Miriam. „Wir mussten so viel organisieren, vom Babyfläschchen bis zum Kinderbett. Die Freude war unglaublich.“

Wenige Stunden später war sie da

Wenige Stunden später zog das Baby bei den Wagners ein. „Wir haben auf dem Balkon gestanden und auf sie erwartet. Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Auch bei ihrem Mann Thomas, war schnell klar, dass er dieses kleine Geschöpf sofort ins Herz geschlossen hatte. „Sie saß auf meinem Schoß, streichelte meinen Arm und sagte Ei, Ei. Da wussten wir, dass alles gut werden würde.“

Mittlerweile hat das Paar drei Pflegekinder im Alter von drei, sieben und acht Jahren, alles Mädchen.

„Wir sind einfach nur superglücklich als Familie“, betont Caroline. „Ich habe meine Herzensaufgabe gefunden und mich mit meinem Schicksal ausgesöhnt. Wir können nur allen kinderlosen Paaren Mut machen, sich mit dem Thema Pflegekinder zu befassen. Man bekommt so unglaublich viel zurück. Und keine der drei Pflegetöchter würde ich eintauschen für ein leibliches Kind.“

Sie sind kinderlos und möchten sich über Pflegekinder informieren? Dann sprechen Sie uns gerne an.

[Metadescription: Pflegekinder statt Kinderwunschklinik: Für ungewollt kinderlose Paare eine Option. Ein Paar erzählt von seinem Weg zur Pflegefamilie.]

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente…

In diesem Beitrag lesen Sie welche Aspekte im von der großen Koalition beschlossenen Rentenpaket 2019 für Pflegefamilien vor allem im Zusammenhang mit der Mütterrente relevant sein können.

Die Rente insgesamt ein Thema für alle Menschen. Seit Jahren wissen wir, dass die Gefahr eines Kollaps bezogen auf unsere Renten größer und größer wird. Die Begründungen dazu sind hinglänglich bekannt. Wir alle werden aufgefordert privat vorzusorgen, damit wir nicht in eine Altersarmutsfalle tappen.

Aus meiner Sicht wird der Leistung von Müttern und Familien unabhängig davon, ob sie sich um eigene oder angenomme Kinder kümmern, immer noch nicht angemessen Rechnung getragen. Interessenverbände wie z.B. PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. versuchen auf die Politik Einfluss zu nehmen, und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das Rentenpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist noch weit entfernt, den gesellschaftlichen Beitrag wirklich zu würdigen.

Die große Koalition hat jetzt die neue Mütterrente ab 2019 auf den Weg gebracht. Was gilt es für Pflegefamilien zu beachten!

Was ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erkennt der Staat die Erziehungsleistungen von Eltern an, diese Zeiten werden grundsätzlich auf die Rente angerechnet. Des Weiteren sollen Mütter – seltener Väterm – die aufgrund von Kindererziehung ihren Beruf ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt werden, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was wurde im Rentenpaket entschieden?

Ab 2019 bekommen alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche. Jedoch gibt es statt einem Rentenpunkt nur einen halben Rentenpunkt. So sieht es der Rentenkompromiss vor. Diese Mütterrente erhalten alle Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Vollzeit betreut wurden oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommenobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze für Rentenbeiträge orientiert. Liegen Mütter oder Väter darüber bekommen sie ihre Erziehungsleistung nicht auf die Rente angerechnet. Eltern, die ihre Kinder zusammen großgezogen haben, können wählen, wer die Erziehungszeiten erhalten soll. Gleiches gilt für Pflegefamilien und Mütterrente.Pflegefamilien und Mütterrente

Wichtig: Antrag für die Mütterrente stellen!

Um sich die Erziehungszeiten anrechnen zu lassen, muss bei der Rentenversicherung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wurden schon vorher Erziehungszeiten berücksichtigt, muss dieser Antrag nicht gestellt werden. Es wird jedoch empfohlen das persönliche Rentenkonto danach zu überprüfen.

Zur Beachtung: Besonderheiten bei Pflegefamilien und Mütterrente

Adoptiv- und Pflegeeltern, die Mütterrente beanspruchen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Die ist besonders wichtig, da eine Berücksichtigung von Erziehungszeiten ausgeschlossen ist, wenn die Kindererziehungszeit bereits bei einem anderen Leistungsempfänger (leibliche Eltern von Pflegekindern) berücksichtigt wurde. Diese Praxis stellt aus unserer Sicht einen Affront gegenüber der Erziehungsleistung der Pflege- bzw. Adoptiveltern dar. Deshalb fordert der PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme den Passus mit dem Leistungsausschluss ersatzlos zu streichen.

Folgende Links klären weiter zum Thema Pflegefamilien und Mütterrente auf:

Aufruf an bereits verrentete Pflege- und Adoptiveltern

PFAD Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes 

Möchten Sie Pflegefamilie werden, dann können Sie hier direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

Gedicht über ein Pflegekind

Gedicht über ein Pflegekind

Pflegevater Uwe Wüst verfasst ein Gedicht über seine Pflegetochter

Anlässlich unseres Film „Basisstation gesucht“ verfasste Uwe Wüst ein Gedicht über ein Pflegekind mit dem Titel „13 Jahre“.

Wie kam er dazu?

Seine Pflegetochter ist die Hauptdarstellerin in unserem Film („Basisstation gesucht“) zur Gewinnung neuer Pflegefamilien. Er wurde wie schon in einem Blogbeitrag beschrieben, auf unserer Jubiläumstagung zum 25-jährigen Bestehen uraufgeführt. Uwe Wüst dachte sich, da könnte ein Gedicht die Uraufführung abrunden. So war es auch. Sowohl vom vorgetragenen Gedicht, als auch vom Film waren die über 150 Gäste begeistert.

Lesen Sie hier das Gedicht:

 

13 Jahre

Verrate mir doch jemand dies

was hatte mich geritten

Ein Pflegekind ich zu uns ließ

sie saß in unserer Mitten

 

Sie brachte Durcheinander mit

und Angst und viele Fragen

und forderte auf Schritt und Tritt

das Leben neu zu wagen

 

Sie kämpfte hart, sie widersprach

ich hatt‘ manchmal kein Wohlgefühl

was würde werden wenn

hernach die Maßnahme ins Wasser fiel?

 

Verrate mir doch jemand dies

was hatte mich geritten

so schlecht zu denken von dem Kind

sie steht in unserer Mitten

Uwe Wüst im September 2018, „13 Jahre“ – Gedicht über ein Pflegekind

 

Hier können Sie den Film anschauen!

Möchten auch Sie Pflegefamilie werden, dann nehmen Sie hier Kontakt mit uns auf ! Wir freuen uns auf Sie.

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Unser Film für Pflegeeltern von Pflegeeltern und Pflegekindern – Eine Erfolgsgeschichte

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz auf unseren Film um Pflegefamilien zu gewinnen.

7.956 Aufrufe auf Facebook, 98 mal geteilt und unzählige „Gefällt mir“ Klicks. Und sehr schöne Kommentare, an denen wir Sie gerne teilhaben lassen möchten:

Kommentare auf Facebook:

So schreibt z.B. Andrea…

„Der Film macht Mut und zeigt, dass es möglich ist, durch Engagement „Berge zu versetzen“ und Gutes zu bewirken.
Dass der Film nicht die ganze Problematik darstellen kann, ist klar. Ich finde aber schon, dass sie deutlich wird und jeder, der sich daraufhin ins Thema begibt, wird ja Näheres erfahren.

Mut ist doch was Entscheidendes und wie schön, wenn Hoffnungsvolles gezeigt wird.“

Und Madlen  findet folgende Worte:

„Ich finde es total wichtig, auch mal rein positives zu hören und zu sehen. Man liest viel mehr über Schwierigkeiten als über gelingende Pflegeverhältnisse und glückliche Pflegefamilien.
Wir sind nämlich auch so eine Familie, wo es (bisher jedenfalls) alles super und leicht läuft, die Kinder minimale bis keine Folgen ihrer Vergangenheit zeigen und wir eine gefühlt total normale fröhliche Familie sind (mit ein paar Besuchen zwischendurch, die nunmal dazugehören). Als mein Mann und ich uns damals informierten, suchte ich vergeblich nach Erfahrungsberichten, die Einblick geben, aber vor allem Lust machen auf Familie erweitern, Herz öffnen, Kindern Liebe und eine Zukunft geben. Gute Fachbücher gibt es viele. Aber das nicht.
Letztlich habe ich dann unsere Geschichte in einem Buch aufgeschrieben, um damit andere zu ermutigen, einen ähnlichen Weg zu gehen!
Ich wünsche mir mehr von dieser Sichtweise und der Natürlichkeit in dem Film. Von mir Daumen hoch – auch wenn mir klar ist, dass das nicht immer so geradlinig läuft!“

Hier der Hinweis auf das von Madlen angesprochene Buch Herzenwünsche – Wir werden Familie

Kürze Kommentare zu Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht:

Auch die kürzeren Kommentare haben uns sehr gefreut…

Thomas schreibt: „Einfach ein toller, aussagekräftiger und sehr berührender Film!!!“
Carina kommentiert: „Was für ein emotionaler toller Eindruck.. wow.“
Christina sagt: „Naja sehr romantisch dargestellt …“
Tanja fast es mit einem Wort zusammen: „Gänsehaut
 Möchten auch Sie Pflegefamilie werden, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!