Leben mit Pflegekindern

Leben mit Pflegekindern

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 2: Von Vorbehalten und Bedenken über ein Leben mit Pflegekindern

 Von Pamela Premm

Wenn man Caroline und Thomas Wagner heute mit den drei Pflegemädchen Carlotta (8), Miriam (7) und Melina (3) beobachtet, kann man kaum glauben, dass es Zeiten der Zweifel gab. Nachdem der langersehente Kinderwunsch unerfüllt blieb, entschloss sich das Paar den Weg als Pflegefamilie zu gehen. Und hatte mit einigen Bedenken und Vorbehalten zu kämpfen.

 „Ich wusste durch meine Arbeit im Heim, dass die Menschen durchaus Vorurteile gegenüber Pflege- und Heimkindern hegen, die als zu oft von der Gesellschaft als verhaltensauffällig und verwahrlost abgestempelt werden“, sagt die gelernte Erzieherin. Dabei sollte man gerade diesen Kindern eine Chance geben. „Kinder, die in Obhut gegeben werden, haben erstmal schlechtere Grundvoraussetzungen. Wenn man ihnen aber die Möglichkeit gibt, sich im eigenen Tempo zu entwickeln und eigene Potenziale zu entfalten, erkennt man schnell, dass es ganz zauberhafte Wesen sind wie alle Menschenkinder. Für mich war klar, dass wir einem solchen Kind die Möglichkeit geben sollten, geborgen zu wachsen.“

Ein Leben mit Pflegekindern kann sich Pflegevater Thomas erstmal nicht vorstellen

Leben mit Pflegekindern

Positiv denken

Der selbstverständliche Wunsch seiner Frau, Pflegekinder aufzunehmen, war für Pflegevater Thomas erstmal schwer nachzuvollziehen. „Ein Leben mit Pflegekindern konnte ich mir erstmal nicht vorstellen.“ Gerade zu Beginn überwiegten die Zweifel, sagt das Paar heute zurückblickend. „Wir kauten immer wieder auf diese eine Frage herum: Was wäre, wenn…“, räumt Caroline ein. Was passiert, wenn man sich an das Kind gewöhnt hat und es zur leiblichen Familie zurückgeführt wird? Wie fühlt sich das an, wenn noch eine andere Familie im Hintergrund mitmischt? Welche Päckchen bringen die Kinder mit? Für ihren Mann, der sich bis dato kaum mit diesem Thema beschäftigte, kam ein bedeutender Aspekt hinzu: die Institution Jugendamt. Eng mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten, war für ihn schier unvorstellbar. „Für mich waren Jugendämter Institute der Obrigkeit, mit denen man besser nicht in Kontakt kommt.“

Ein langer Prozess bis zu einer Entscheidung

Erst später lernte der heute 38-jährige, dass man mit Jugendämtern auch kooperativ auf Augenhöhe zusammenarbeiten kann. „Im Laufe der Zeit ist das Jugendamt und unsere Sachbearbeiterin eine wichtige Anlaufstelle für uns geworden, die uns unterstützt und bei der wir uns Rat einholen können.“ Die Entscheidung Pflegekinder aufzunehmen, hat das Paar nicht leichtfertig getroffen. Damit einher ging ein jahrelanger Prozess. Schließlich gewannen das Herz und der Mut, sich auf unkalkulierbares Terrain zu begeben. „Man kann sowieso nicht von vorneherein alles Unvorhersehbare ausschließen. Auch bei leiblichen Kindern lässt sich nicht absehen, welche Charakterzüge und Verhaltensweisen sie mitbringen, ob sie gesund oder mit Handicap auf die Welt kommen. Alle Eltern sollten ihre Kinder daher so annehmen, wie sie sind. Wir bringen unseren Pflegkindern bedingungslose Wertschätzung und Liebe entgegen“, resümiert die Pflegemutter.

Als Familie eng zusammengewachsen

Mittlerweile ist die Familie eng zusammengewachsen. Die Mädchen entwickeln sich gut, spielen zusammen, sind in der Schule und im Kindergarten integriert. In bestimmten Situationen reagieren sie über, manchmal verhalten sie sich distanzlos gegenüber anderen Menschen. Das sei aber auch in anderen Familien nicht unbedingt ungewöhnlich. „Überall gibt es solche und solche Kinder. Leben mit PflegekindernWenn ich andere Kinder auf dem Spielplatz sehe und Familien im Freundeskreis beobachte, weiß ich, dass sich das Leben mit Pflegekindern gar nicht so stark von dem mit leiblichen Kindern unterscheidet,“ sagt die dreifache Pflegemutter. „Es sind die typischen Alltagskonflikte, die es in jeder Familie gibt. Vielleicht brauchen unsere Kinder mehr Begleitung und Unterstützung. Aber das kann man auch bei leiblichen Kindern im Vorfeld nicht abschätzen.“

„Wir werden immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert“

Auch wenn das Familienglück für die Wagners nahezu perfekt scheint, hat die Familie heute noch mit Vorbehalten von außen zu kämpfen. „Wir werden immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert“, sagt Pflegevater Thomas. Selbst die eigene Familie schließt sich da nicht aus. Gratulationen zum Geburtstag oder ein Geschenk zu Weihnachten für die Mädchen von nahen Verwandten – Fehlanzeige. Das macht das Paar schon traurig. „Unsere Pflegekinder gehören zu uns und genauso wertschätzend sollten sie auch behandelt werden,“ ergänzt Caroline. Fast ähnlich befremdlich empfindet sie übermäßiges Lob für ihr gesellschaftliches Engagement. „Wir sind eine ganz normale Familie. Ich koche, wasche, kümmere mich um die Kinder und gehe mit ihnen auf den Spielplatz. Wie Millionen andere Familien in Deutschland auch. Und genauso möchten wir behandelt werden.“ Abschließend möchte sie allen kinderlosen Paaren Mut zusprechen, Bedenken und Zweifel abzulegen und den Weg als Pflegefamilie zu gehen. „Wir können Paare nur bestärken, sich zu informieren und sich frohen Mutes auf ein Leben mit Pflegekindern einzulassen.

Sie möchten Pflegekindern ein Zuhause schenken? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Und hier der Link zu unserem Film „Basisstation gesucht“, der Sie motivieren soll das Abenteuer Pflegefamilie zu wagen. Herzlichen Dank an Christoph Schuchardt von kameramann 24.

(Namen wurden von der Redaktion geändert)

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente…

In diesem Beitrag lesen Sie welche Aspekte im von der großen Koalition beschlossenen Rentenpaket 2019 für Pflegefamilien vor allem im Zusammenhang mit der Mütterrente relevant sein können.

Die Rente insgesamt ein Thema für alle Menschen. Seit Jahren wissen wir, dass die Gefahr eines Kollaps bezogen auf unsere Renten größer und größer wird. Die Begründungen dazu sind hinglänglich bekannt. Wir alle werden aufgefordert privat vorzusorgen, damit wir nicht in eine Altersarmutsfalle tappen.

Aus meiner Sicht wird der Leistung von Müttern und Familien unabhängig davon, ob sie sich um eigene oder angenomme Kinder kümmern, immer noch nicht angemessen Rechnung getragen. Interessenverbände wie z.B. PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. versuchen auf die Politik Einfluss zu nehmen, und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das Rentenpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist noch weit entfernt, den gesellschaftlichen Beitrag wirklich zu würdigen.

Die große Koalition hat jetzt die neue Mütterrente ab 2019 auf den Weg gebracht. Was gilt es für Pflegefamilien zu beachten!

Was ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erkennt der Staat die Erziehungsleistungen von Eltern an, diese Zeiten werden grundsätzlich auf die Rente angerechnet. Des Weiteren sollen Mütter – seltener Väterm – die aufgrund von Kindererziehung ihren Beruf ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt werden, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was wurde im Rentenpaket entschieden?

Ab 2019 bekommen alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche. Jedoch gibt es statt einem Rentenpunkt nur einen halben Rentenpunkt. So sieht es der Rentenkompromiss vor. Diese Mütterrente erhalten alle Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Vollzeit betreut wurden oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommenobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze für Rentenbeiträge orientiert. Liegen Mütter oder Väter darüber bekommen sie ihre Erziehungsleistung nicht auf die Rente angerechnet. Eltern, die ihre Kinder zusammen großgezogen haben, können wählen, wer die Erziehungszeiten erhalten soll. Gleiches gilt für Pflegefamilien und Mütterrente.Pflegefamilien und Mütterrente

Wichtig: Antrag für die Mütterrente stellen!

Um sich die Erziehungszeiten anrechnen zu lassen, muss bei der Rentenversicherung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wurden schon vorher Erziehungszeiten berücksichtigt, muss dieser Antrag nicht gestellt werden. Es wird jedoch empfohlen das persönliche Rentenkonto danach zu überprüfen.

Zur Beachtung: Besonderheiten bei Pflegefamilien und Mütterrente

Adoptiv- und Pflegeeltern, die Mütterrente beanspruchen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Die ist besonders wichtig, da eine Berücksichtigung von Erziehungszeiten ausgeschlossen ist, wenn die Kindererziehungszeit bereits bei einem anderen Leistungsempfänger (leibliche Eltern von Pflegekindern) berücksichtigt wurde. Diese Praxis stellt aus unserer Sicht einen Affront gegenüber der Erziehungsleistung der Pflege- bzw. Adoptiveltern dar. Deshalb fordert der PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme den Passus mit dem Leistungsausschluss ersatzlos zu streichen.

Folgende Links klären weiter zum Thema Pflegefamilien und Mütterrente auf:

Aufruf an bereits verrentete Pflege- und Adoptiveltern

PFAD Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes 

Möchten Sie Pflegefamilie werden, dann können Sie hier direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Unser Film für Pflegeeltern von Pflegeeltern und Pflegekindern – Eine Erfolgsgeschichte

Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht

Wir sind überwältigt von der positiven Resonanz auf unseren Film um Pflegefamilien zu gewinnen.

7.956 Aufrufe auf Facebook, 98 mal geteilt und unzählige „Gefällt mir“ Klicks. Und sehr schöne Kommentare, an denen wir Sie gerne teilhaben lassen möchten:

Kommentare auf Facebook:

So schreibt z.B. Andrea…

„Der Film macht Mut und zeigt, dass es möglich ist, durch Engagement „Berge zu versetzen“ und Gutes zu bewirken.
Dass der Film nicht die ganze Problematik darstellen kann, ist klar. Ich finde aber schon, dass sie deutlich wird und jeder, der sich daraufhin ins Thema begibt, wird ja Näheres erfahren.

Mut ist doch was Entscheidendes und wie schön, wenn Hoffnungsvolles gezeigt wird.“

Und Madlen  findet folgende Worte:

„Ich finde es total wichtig, auch mal rein positives zu hören und zu sehen. Man liest viel mehr über Schwierigkeiten als über gelingende Pflegeverhältnisse und glückliche Pflegefamilien.
Wir sind nämlich auch so eine Familie, wo es (bisher jedenfalls) alles super und leicht läuft, die Kinder minimale bis keine Folgen ihrer Vergangenheit zeigen und wir eine gefühlt total normale fröhliche Familie sind (mit ein paar Besuchen zwischendurch, die nunmal dazugehören). Als mein Mann und ich uns damals informierten, suchte ich vergeblich nach Erfahrungsberichten, die Einblick geben, aber vor allem Lust machen auf Familie erweitern, Herz öffnen, Kindern Liebe und eine Zukunft geben. Gute Fachbücher gibt es viele. Aber das nicht.
Letztlich habe ich dann unsere Geschichte in einem Buch aufgeschrieben, um damit andere zu ermutigen, einen ähnlichen Weg zu gehen!
Ich wünsche mir mehr von dieser Sichtweise und der Natürlichkeit in dem Film. Von mir Daumen hoch – auch wenn mir klar ist, dass das nicht immer so geradlinig läuft!“

Hier der Hinweis auf das von Madlen angesprochene Buch Herzenwünsche – Wir werden Familie

Kürze Kommentare zu Pflegeeltern gesucht – Basisstation gesucht:

Auch die kürzeren Kommentare haben uns sehr gefreut…

Thomas schreibt: „Einfach ein toller, aussagekräftiger und sehr berührender Film!!!“
Carina kommentiert: „Was für ein emotionaler toller Eindruck.. wow.“
Christina sagt: „Naja sehr romantisch dargestellt …“
Tanja fast es mit einem Wort zusammen: „Gänsehaut
 Möchten auch Sie Pflegefamilie werden, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

 

Basisstation gesucht…Pflegefamilien gesucht!

Basisstation gesucht…Pflegefamilien gesucht

Wir sind überglücklich. Unser Film „Basisstation gesucht“ ist fertig. Damit sprechen wir Familien an, die Lust auf ein Abenteuer haben und Herausforderungen lieben. Gestern auf unserer Jahrestagung zum 25-jährigen Jubiläum wurde er uraufgeführt und kam sehr gut an.

Pflegefamilien gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilien gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilie gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilie sein: Filmreif!

In diesem Jahr begeht der Geschäftsbereich „Pflegefamilien“ des St. Elisabeth-Verein e. V. sein 25-jähriges Jubiläum. Viele Kinder und junge Menschen sind in dieser Zeit in den Pflegefamilien, die von uns beraten und begleitet werden, erwachsen geworden. Es gab unzählige Glücksmomente, aber auch oft genug „dicke Luft“, die alle Beteiligten herausforderte.

„Langer Atem“ gehört wohl zur Grundausstattung all jener Menschen, die sich der Aufgabe öffnen, ein zunächst fremdes Kind in ihrer Familie aufzunehmen. „Langer Atem“ und Mut gehören auch für die Kinder und Jugendlichen dazu, wenn sie sich auf den Weg machen, in einer unbekannten (Familien-)Welt Fuß zu fassen. Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen. Es braucht: „Langen Atem“- immer wieder. Und „dicke Luft“ macht für gewöhnlich das Atmen für alle in der Familie nicht leichter …

Geschafft haben es trotzdem so viele! Wechselseitige Geduld haben sie bewiesen, Erwachsene und Kinder sind miteinander, aneinander gewachsen. Sie haben tragfähige, innige Beziehungen entwickelt, die häufig über die gemeinsam gelebte Familienzeit hinausreichen.

Finden Sie nicht auch, dass das „filmreif“ ist?

Basisstation gesucht. „Play!“

Wir sind eindeutig aufgeregt, als wir „Play“ drücken dürfen: zum ersten Mal am 06.08.2018. Der Rohschnitt unseres Films „Basisstation gesucht“ ist fertig. Es ist ein besonderer Moment – ein unsicherer und hoffnungsvoller Moment gleichzeitig. Der Film beginnt. Läuft. Endet.

Wir sind …!

Moment, das geht jetzt zu schnell.

Realität am Dienstagmorgen: Pflegefamilien gesucht!

Pflegefamilien gesuchtAn einem jeden Dienstag tagt das Aufnahmeteam unseres Geschäftsbereichs. Unzählige Anfragen von Jugendämtern zur Unterbringung von Kindern in Familien liegen vor und werden besprochen. Wenn Sie nun denken, das ist ein lediglich „formaler Akt“ für uns, dann täuschen Sie sich. Hinter jeder Anfrage verbirgt sich die Biographie eines Kindes oder Jugendlichen. Es sind ergreifende Biographien, die, so unterschiedlich sie im Einzelnen vielleicht sein mögen, eines gemeinsam haben: Die Kinder und Jugendlichen können oder wollen nicht – oder derzeit nicht – in ihren leiblichen Familien leben. Hinter jeder „formalen“ Anfrage versteckt sich folglich auch der stumme Wunsch eines (manchmal sehr) jungen Menschen: Basisstation gesucht!

Es liegt nahe, dass wir (als Fachteam) uns Menschen wünschen, die (Pflege-)Eltern für diese Kinder sein wollen. Aber, wie sage ich gerne: „Wunsch geteilt durch Wirklichkeit minus 20 % ergibt: Realität.“

Und Realität – in unserem Falle – bedeutet:

Es gibt Basisstationen nicht wie Sterne am Himmel…

Angesichts dieser Realität beginnt dann auch für unseren Geschäftsbereich die Auseinandersetzung mit einem Prozess, der in anderen Berufsfeldern „Akquise“ genannt wird: Wie kann es uns gelingen, Menschen für die Aufgabe „Pflegefamilie sein“ zu begeistern? Wie finden wir jene Menschen, die Kinder in schwierigen Lebenslagen unterstützen und tragen wollen und bisher noch nicht an die Möglichkeit „Pflegefamilie werden“ gedacht haben? …

Wie es gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr genau (vielleicht haben uns die letzten 25 Jahre Mut gemacht?) aber irgendwann sind wir uns sicher: Wir wollen einen Film drehen (lassen)! Nicht irgendeinen seltsamen (Werbe-)Film, darüber sind wir uns schnell einig. Wir wollen einen Film, der „echt“ ist: Einen Film, der seinen Ausgangspunkt bei den Menschen und ihren Erfahrungen hat. Einen Film, der eine Geschichte erzählt, die nur erzählt werden kann, weil die Geschichten hinter der Geschichte Bedeutung erhalten und weil die Menschen hinter den Geschichten uns ihre Bilder für die Geschichte schenken. Klingt kompliziert? Man kann sich leichtere Ziele setzen … auch das merken wir schnell. Wir machen uns trotzdem auf den Weg – zusammen mit Menschen, die wissen wovon sie sprechen: Mit ehemaligen Pflegekindern, mit Pflegefamilien und mit einem Kameramann, der plötzlich so viel mehr sein wird, als ein Kameramann.

Geschichten für die Geschichte: Ehemalige Pflegekinder erzählen

Wie packen wir eine ganze Welt in zwei Minuten? All die Erfahrungen, Gefühle, Stimmungen? Mir ist seltsam. Wir haben heute unseren ersten Termin mit Herrn Schuchardt von kamermann24.

Wir berichten von unserer Idee, einen „besonderen“ Film drehen lassen zu wollen, einen Film, der die Geschichten ehemaliger Pflegekinder aufnimmt, ihre Erfahrungen in der Pflegefamilie sichtbar werden lässt und: der Mut macht. Ein Film mit intensiven Bildern soll entstehen – denn wir haben es mit intensiven Biographien zu tun, mit intensiven Leben und mit der intensiven Aufgabe „Pflegefamilie sein“. Wir skizzieren Hintergründe unserer Arbeit, erzählen von unserem (Leit-)Bild „Basisstation gesucht“ und zeigen natürlich auch die Postkarte … Wir haben Ideen im Kopf, aber wir haben noch nie eine Idee filmisch umgesetzt. Wir sind Anfänger – Herr Schuchardt nicht. Er ist dafür Anfänger bezüglich der Themen „Pflegefamilien“, „Pflegekinder“. Kann spannend werden, denke ich.

Pflegefamilien gesucht – Pflegekinder gefunden …

Pflegefamilien gesucht„Erste Hilfe“ für uns kommt von zwei Menschen, denen wir nicht genug danken können: Nadine und Thomas. Nadine und Thomas sind erwachsen. Und ehemalige Pflegekinder. Und großartig.

Beide erklären sich bereit, sich von uns, in der Vorbereitung des Films, interviewen zu lassen. Wir verabreden uns zu zwei getrennten Interviewterminen, bei denen wir nicht nur Fragen im Gepäck haben, sondern Herr Schuchhardt auch noch die Kamera aufbaut …

Es sind intensive Gespräche, die wir mit Nadine und Thomas führen. Wir sprechen über die Zeit in ihren leiblichen Familien, über schöne Momente und schlimme. Nadine und Thomas teilen mit uns ihre Erfahrungen. Erfahrungen, die ihnen als noch jungen Kindern schmerzlich eindeutig klar machen: Hier geht es im Moment nicht weiter. Miteinander geht es im Moment nicht weiter.

Wir werden mitgenommen auf ihre (langen) Wege hin zu den Pflegefamilien, bei denen sie schließlich erwachsen geworden sind. Nadine und Thomas lassen uns ihre Geschichten hören; sie erzählen uns wie es war, in einer „fremden“ Familie zu leben, Vertrauen zu fassen, zu lieben und zu streiten.

Wir haben einen Kloß im Hals, Tränen in den Augen, Gänsehaut … das, was Nadine und Thomas zu sagen haben ist ebenso schmerzlich wie ermutigend.

Herr Schuchardt ist jetzt kein Anfänger mehr bei den Themen Pflegekinder/Pflegefamilien.

Pflegefamilie werden: Ehemalige Pflegekinder machen Mut

„Ich wünsche mir, dass Menschen sich zutrauen, Pflegefamilie zu sein und Kindern zu helfen“, sagt Thomas. „Ich habe mir so sehr gewünscht in einer Familie zu leben, nicht länger im Heim.“

„Meine Pflegeeltern haben mir zugehört, mit mir gesprochen, Geduld gehabt und mich unterstützt. Sie wollten mich verstehen. Sie waren da, auch wenn es schwierig wurde. Und sie sind es immer noch“, sagt er auf die Frage, wodurch/womit ihm seine Pflegeeltern besonders geholfen haben.

„Zeit haben meine Pflegeeltern mir geschenkt und Halt – viel Halt. Sie haben an meiner Seite und mir zur Seite gestanden. Ich konnte mich auf sie verlassen. Und im Rückblick ist das, was damals genervt hat, so wertvoll. Hier in meiner Pflegefamilie bin ich zu einer selbständigen jungen Frau geworden“ sagt Nadine und schließt an: „Ich als Elternteil würde sein wollen wie meine Pflegeeltern.“

Pflegefamilien in Farbe: Wie aus Geschichten ein Drehbuch und ein Film wurde

Nadine und Thomas. Erinnerungen. Geschichten. Bilder.

Wir sind unbeschreiblich dankbar, dass ihr so offen mit uns gesprochen habt. Dass ihr unser Filmprojekt unterstützt. Dass ihr Menschen ermutigen wollt, Pflegeeltern zu werden. Und wir haben gehörigen Respekt. Vor euch, vor euren Erfahrungen. Wir wollen einen Film drehen, der euch und euren Lebensgeschichten gerecht wird. Ich weiß zwischendurch nicht recht, ob ich Angst vor meiner eigenen Courage bekommen soll.Wir schreiben ganze Whiteboards voll, entwickeln Bilder, verständigen uns über Stimmungen und Botschaften, die in eurem/unserem Film Platz haben sollen.

Pflegefamilien gesuchtHerr Schuchardt ist Experte für die Möglichkeiten der filmischen Umsetzung. Wir sind immer noch Anfänger und deshalb ein wenig anstrengend. Und doch liegt am Ende die Idee für ein Drehbuch vor uns. Ein Drehbuch, das sich allerdings nur umsetzen lässt, wenn Menschen uns unterstützen, die wissen, wovon sie sprechen. Nadine und ihre Pflegeeltern werden sich erneut mit Herrn Schuchardt treffen. Alle drei werden „in Farbe“ in unserem Film „Basistation gesucht!“ zu sehen sein. Wie die drei es fanden, mit Teilen ihrer Geschichte vor der Kamera zu stehen, erzählen sie uns vielleicht bei der Uraufführung von „Basistation gesucht“. An jenem Tag, an dem wir die Menschen feiern werden, denen es gelungen ist, miteinander einen „langen Atem“ zu haben. 25 Jahre Geschäftsbereich „Erziehungsstellen“ sind mehr als 25 Jahre vergangene Zeit. Es sind 25 Jahre voller Glück, „dicker Luft“ und „langem Atem“. 25 Jahre voller Geschichten echter Menschen.

25 Jahre Pflegefamilien in Hessen: Wir drücken gemeinsam „Play“

Der Film „Basisstation gesucht“ ist wirklich fertig. Heute habe ich zu einem unserer Geschäftsbereichsleiter, zu Herrn Kasper, gesagt: „Jetzt muss er alleine laufen.“ Es fühlt sich seltsam an. Vielleicht, weil es so ein langer Weg hin zu diesem Film war. Dieser Film hat Nadine, Thomas und ihre Familien so sehr gebraucht: sie waren inspirierende, mutige, aufgeschlossene und engagierte „Geburtshelfer“. Erst mit ihnen hatten wir Geschichten, um eine Geschichte erzählen zu können. „Basisstation gesucht“ hat Herrn Schuchardt Fachkompetenz als Kameramann gebraucht und sein unbedingtes Engagement für die Geschichten hinter der Geschichte des Films. Herr Schuchardt war viel mehr als ein Kameramann! Und das Engagement seiner Familie war das Geschenk, das er uns – quasi im Vorübergehen – gemacht hat. Ein kleines Mädchen und ihre Familie haben den Film möglich gemacht – wer würde in unserem Film die Basisstation suchen, wenn diese Menschen nicht den Willen und die Ausdauer gehabt hätten, das Filmprojekt zu unterstützen.

Und sind wir ehrlich: Der Film „Basisstation gesucht“ hat 25 Jahre Geschäftsbereich „Erziehungsstellen“ gebraucht. All die Menschen, ihr Engagement, ihren Mut und ihre Geschichten. 25 Jahre Pflegefamilien im St. Elisabeth- Verein e. V. Wir sagen: DANKE! Und: „Play!“

Den Film können Sie auf dieser Seite ab Montag, den 24.09.2018 sehen. Wir freuen uns über Rückmeldungen.

Pflegefamilien gesucht … Wir laden Sie ein, mit uns Kontakt aufzunehmen. Hier ist der Link.

Autorin: Esther Schmitt

Fachberatungen für Pflegefamilien

Fachberatungen für Pflegefamilien

Betriebsausflug der Fachberatungen für Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein in Marburg…

Am 14.08.2018 wandern die Fachberatungen für Pflegefamilien die Schächerbachtour bei Homberg/Ohm im schönen Hessen. Mit dabei waren alle Mitarbeitenden aus dem Fachbereichsbüro, von Hauswirtschaft und Hausmeisterei. Das ganze Team des Fachbereichs für Pflegefamilien, 25 Personen.

Sich gemeinsam auf den Weg machen, wandern, fröhlich sein, gemeinsam essen. Unser Betriebsauflug – jedes Jahr ein guter Tag für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Gemeinsam wandern fördert den Austausch untereinander

Wandern eignet sich dafür besonders gut, da es möglich ist, den Weg in wechselnden Konstellationen zu gehen. So entstehen manchmal unverhofft Gespräche, die sonst vielleicht nicht möglich wären. Mal steht einfach der Weg und die schöne Landschaft im Mittelpunkt des Austausches, dann wieder sind es vielleicht die letzten Erlebnisse aus Beratungsgesprächen mit Pflegefamilien, etwas Privates von den eigenen Kindern oder die Ideen für den nächsten Urlaub.

Was ist das Schöne an meiner Arbeit, was macht mir besonders Freude?

Fachberatungen für Pflegefamilien

Diese Frage spielte auch auf den 9 km der Schächerbachtour eine Rolle. Bertram Kasper bat einige Kolleginnen und Kollegen um ihre Beiträge dazu. Vorzuschicken ist in diesem Kontext, dass wir alle viel Freude und Sinnhaftigkeit in unserer Arbeit erleben. Doch wie ist der vielleicht auch durch seine Aktualität geprägte Blick gerade jetzt. Die Technik machte es möglich einige Orginalstimmen einzufangen.

Erstes Statement:

So sagte z.B. Ulla Brehm, die schon seit vielen Jahren als Fachberatung dabei ist und die selbst viele Jahre Pflegemutter war:

„Pflegeeltern bieten sich Pflegekindern als ihre sozialen Eltern an. Wir haben Euch nicht geboren, doch wir wollen eure sozialen Eltern sein. Und „Elternschaft“ endet eben nicht. Und Jugendhilfe macht sich dazu wenig bis gar keine Gedanken. Wie lange hat es gedauert bis „Care Leaver“ auch in der Forschung in den Fokus gerückt sind. Und wir wissen heute, dass es für viele Pflegeeltern nach der Jugendhilfe erst richtig los geht. Wenn der Übergang ins eigene Leben, in die Berufstätigkeit und vielleicht in die eigene Familiengründung ansteht. Und wie geht das: Auf Du und Du mit den Pflegekindern sein, ohne dafür noch eine Aufwandsentschädigung zu bekommen.“ Elternschaft, auch wenn es eine Soziale ist hört für mein Verständnis nicht auf. Und mir macht es Freude mit Pflegeeltern und Pflegekindern zu überlegen, wie dieser Weg gut gelingen kann. Dabei unterstütze ich gerne. Und wir sprechen dabei viel über die Art der Ausgestaltung, von Möglichkeiten, von Nähe und Distanz und von tatsächlich Machbarem.

Und Steffen Henkel steigt mit in das Gespräch ein und sagt:

„Welche große Bereitschaft er bei den Pflegeeltern erlebt, die auch lange nach dem Pflegeverhältnis wie selbstverständlich für „ihre sozialen Kinder“ da sind. Ich habe eine echte Hochachtung davor.“

Zweites Statement:

Ein paar Schritte in Stille und ein paar Gedanken weiter beschreibt Steffen Henkel was er so toll an der Arbeit als Fachberatung für Pflegefamilien findet und nimmt das Thema der Herkunftseltern in den Blick:

„Es ist für mich bemerkenswert zu sehen, wo häufig am Anfang Misstrauen und Vorsicht ist, wie dann durch die Regelmäßigkeit der Besuchskontakte zwischen Pflegekind, leiblichen Eltern und Pflegefamilie nach und nach Vetrauen wächst, wechselseitige Öffnung und Akzeptanz entsteht. Und besonders schön finde ich, dann zu erleben, wie positiv dies auf die Pflegekinder wirkt. Einfach toll und von allen Beteiligten eine echte Leistung und ein wertvoller Einsatz.“

Drittes Statement:

Fachberatungen für Pflegefamilien

Esther Schmitt ist im Team der Fachberatungen für Pflegefamilien intensiv mit der Fortbildung, der Qualifizierung und der Projektentwicklung betraut. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wieso sie in dieses Arbeitsfeld gewechselt ist, und was ihre Motivation und ihre Freude im Pflegekinderbereich bis noch heute darstellt:

„Ich fand und finde heute immer noch, dass Pflegekinder ein Lobby brauchen und ich habe einen großen Respekt und ein große Anerkennung vor den Familien, die Pflegekindern einen Ort schenken, an dem gedeihlichen Leben und ein gute Entwicklung möglich ist.

Und dabei trägt mich die Gewissheit, dass jeder Mensch ein Recht hat ein gutes Leben zu leben. Es gilt Bedingungen zu schaffen, durch die genau das möglich wird. Ohne Pflegefamilien wäre genau das für Pflegekinder nicht möglich.

Und das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich jeden Tag wenn ich aufstehe die Chance habe, den Pflegeeltern ganz konkret dabei den Rücken zu särken für die Pflegekinder ein guter Lebensort zu sein.“

Viertes Statement:

Neben den Fachberatungen tragen ebenfalls die Kolleginnen aus dem Fachbereichsbüro, unsere Kollegin aus der Hauswirtschaft und der Hausmeister viel zum Gelingen eines reibungslosen Ablaufes bei. Auch sie haben erzählt, was ihnen besonders Freude bei der Arbeit macht.

Frau Wendy Bald, als Leiterin des Büros findet besonders wichtig:

„Ich war schon immer ein Mensch, der gerne indirekt und im Hintergrund das Große und Ganze unterstützt hat und mit Rat und Tat versucht die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit zu unterstützen. Ich möchte das Ganze im Blick behalten.“

Fünftes Statement:

Und Heike Weiß, als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft erzählt:

„Ich versuche alles immer so einzurichten, dass sich alle wohlfühlen und gut versorgt sind. Dabei geht es mir auch darum, dass sich nicht nur die Kolleginnen aus dem Fachberatungsdienst wohlfühlen, sondern im besonderen die Pflegekinder, ihre leiblichen Eltern und natürlich unsere Pflegefamilien. Und es freut mich, dass alle meinen Beitrag für das Ganze sehen und ich dafür Zuspruch bekommen. Eine schöne Aufgabe.“

Sechstes Statement:

Dirk Griesche (Fachberatung Pflegefamilien) findet es klasse:

Fachberatungen für Pflegefamilien

„Richtig Spaß an der Arbeit als Fachberatung macht mir, dass ich Familien langfristig begleiten darf. Die Pflegefamilien lernen mich kennen und ich lerne die Pflegefamilien kennen. Irgendwann macht es Klick und dann kommt wechselseitig das Vertrauen ins Spiel. Und das mit den Familien gemeinsam erleben zu dürfen ist wirklich eine schöne Erfahrung. Es macht Spaß bei diesem wechselseitigen Prozeß dabei sein zu können. Und gemeinsam durchstandene schwierige Situationen helfen dabei.“

Fachberatungen für Pflegefamilien sind auch KrisenbegleiterInnen…

Zum Schluss kommt nocheinmal Ulla Brehm und bringt etwas auf den Punkt, was wohl allen Fachberatungen wirklich eine große Freude bereitet:

„Besonders Freude macht es mir, wenn große Krisen und Irritationen sich auflösen lassen und alle Beteiligten einen neuen und gemeinsamen Weg finden und dabei wirklich keiner verloren gegangen ist.“

Auch bei einem Betriebsausflug lässt sich ein positiver und guter Blick auf die Arbeit werfen. Das ganze Team im Fachbereich Pflegefamilien trägt mit zu einem gelingenden Prozeß für Pflegekinder, leibliche Eltern und die Pflegefamilien bei. Eine sinnstiftende Arbeit die Freude bereitet und immer wieder neue Herausforderungen bietet.

Wollen Sie Pflegefamilie werden und von einer guten Begleitung profitieren, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahmen. Hier ist der LINK!