Das Pflegekind zieht ein…

Das Pflegekind zieht ein…

Interview – Teil 2: Das Pflegekind zieht ein

„Für Pflegekinder ist die neue Familie wie eine andere Welt – Lichtjahre von der eigenen entfernt.“

Mit dem Einzug des Pflegekindes beginnt für die Familie eine aufregende Zeit. Die Kernfamilie wird ordentlich auf den Kopf gestellt und neu sortiert. Wie können sich Pflegeeltern vorbereiten? Wie halten sie die Balance aus Bindung und Abgrenzung? Welche Schwierigkeiten sind vorprogrammiert? Im zweiten Teil unseres Interviews spricht die Autorin Pamela Premm (PP) mit Bertram Kasper (BK) vom St. Elisabeth-Verein in Marburg über das Zusammenleben mit Pflegekindern. Das Pflegekind zieht ein und das Abenteuer kann beginnen.

PP: Der Einzug des Pflegekinds wird mit großer Freude erwartet. Wie kann man sich vorbereiten?

BK: In gemeinsamen Abstimmungen zwischen Eltern, Jugendamt, Fachberatung und Pflegeeltern wird genau überlegt, welche Anbahnung zwischen dem Kind und der Pflegefamilie sinnvoll ist und wie am besten vorgegangen wird. Unser beratender Fachdienst steht den Familien dabei zur Seite. Es geht wirklich darum für das Kind einen guten Prozess zu gestalten, der sensible die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt.

Das Pflegekind zieht ein: Es geht darum für die Kinder ein Nest zu bauen. Es sollte ein eigenes Zimmer bekommen, dass zwar fürsorglich eingerichtet ist, aber dennoch Platz für persönliche Gegenstände lässt. Das können Bilder von der Herkunftsfamilie, Spielzeug und andere Erinnerungsstücke sein.

Das Pflegekind ziet ein

giraffe breaks the ceiling in the living room. Photography combination concept

  „Pflegeeltern haben ein Gespür dafür, was sie dem Pflegekind zumuten können.“

PP: Gerade am Anfang will man alles richtig machen. Wie gestaltet man die ersten Tage?

BK: In den ersten Tagen ist es besonders wichtig, dass die Hauptbezugsperson präsent ist und das Kind in den Alltag begleitet. Jeder Kontakt zu Verwandten und Freunden sollte erst mal dosiert erfolgen. Für Pflegekinder ist die neue Familie wie eine andere Welt – Lichtjahre von der eigenen entfernt. Sie sollten in Ruhe ankommen dürfen. An erster Stelle steht ein behutsames Kennenlernen und das auf möglichst natürliche Weise. Geschwisterkinder können dabei eine starke Unterstützung sein. Sie leben den Alltag vor und binden die Pflegekinder instinktiv mit ein.  Durch einen reduzierten, reizarmen Rahmen können Kinder ihre Eindrücke besser verarbeiten. Die meisten Kinder kennen keinen geregelten Alltag und keine Grenzen. Diese zu beachten, müssen sie erst lernen. Pflegeeltern haben, das ist unsere Erfahrung, ein sehr genaues Gespür dafür, was sie dem Pflegekind zumuten können. In jedem Fall ist es wichtig, erst einmal Tempo rauszunehmen und dem Kind Zeit zu lassen, sich zu orientieren und anzukommen. Das Pflegekind zieht ein…ein behutsamer Weg.

PP: Das Wechselspiel von Nähe und Distanz ist auch so ein Thema. Wie geht man damit um?

BK: Auch hier gilt es für die Pflegeeltern den Kontakt erst einmal langsam aufzubauen und genau zu beobachten, was das Pflegekind zulässt und wodurch es sich überfordert fühlt. Oft dauert es etwas, bis das Pflegekind Vertrauen und Zuversicht schöpft. Das Pflegekind zieht ein: Geduld ist gefragt.

PP: Pflegekinder bringen ihren Rucksack mit teilweise traumatischen Erfahrungen mit. Wie wirkt sich das aus?

BK: Wir erleben immer wieder, dass sich Pflegekinder zunächst sehr angepasst verhalten. Sobald sie ihren neuen Bezugspersonen vertrauen, beginnen sie zunehmend mehr von sich zu zeigen. In der Familie angekommen, legen sie vielleicht ein völlig verändertes Verhalten an den Tag und reagieren in manchen Situationen scheinbar absolut unangemessen. Solche Überreaktionen können erstmal ein echter Schock für die Pflegeeltern sein.

PP: Was können Pflegeeltern in einer solchen Situation tun?

BK: Pflegeeltern können sich bei ihrem Fachberater Unterstützung holen. Gerade in der Anfangszeit stehen sie in engem Kontakt zueinander. Man sollte ehrliches Verständnis für das Kind aufbringen und sich nicht angegriffen fühlen, auch wenn das erstmal schwerfällt müssen die Erfahrung machen dürfen sich neuen Bezugspersonen anzuvertrauen zu können. Das bedarf Zeit.

PP: Die Trennung ist auch für die leiblichen Eltern schwer zu verarbeiten. Wie werden Besuchszeiten geregelt?

Grundsätzlich ist es so, dass jedes Kind das Recht auf Umgang mit seinen Eltern hat. Das ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Es geht darum persönliche Kontakte zu den  leiblichen Eltern zu pflegen, auch wenn es in einer Pflegefamilie aufwächst. Ganz praktisch können die Kinder und Jugendlichen auch mit den Eltern telefonieren, Briefe oder E-Mails schreiben. Wichtig ist für die einzelnen Pflegekinder in der Ausgestaltung der Umgangskontakte genau zu differenzieren. In § 1626 Abs.3 BGB steht geschrieben:

„Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für dem Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhalten für seine Entwicklung förderlich ist.“

Deshalb ist gerade im Pflegekinderbereich in der Gestaltung der Besuchskontakte die Beziehungssituation des Kindes, seine Sicherheit (Kinderschutz) im Fall von Umgang und die Kontaktfähigkeit der Eltern miteinzubeziehen.

Wir unterstützen unsere Pflegefamilien durch unsere Fachberatung bei diesen vielfältigen und umfangreichen Aspekten zum Umgangsrecht. Zudem bilden wir unsere Pflegefamilien zum Thema Herkunftseltern fort.

„Das Pflegekind sollte wie jedes andere Kind aufwachsen.“

PP: Sobald das Pflegekind eingezogen ist, gibt es einiges zu organisieren und zu entscheiden. Welche Rechte haben die Pflegeeltern?

BK: Die beiden folgenden Grafiken (siehe unten) geben einen guten Überblich und beleuchten auch den Bereich, der mit den Sorgeberechtigten abgesprochen wird. Das Pflegekind zieht ein: der rechtliche Rahmen.

PP: Wie sieht es aus mit grundsätzlichen Fragen wie Impfung oder religiöser Gesinnung?

Dies ist sind juristisches Thema mit einigen Fallstricken. Zu beiden Themen gibt es gute Ausführungen von auf das Pflegekinderwesen spezialisierten Rechtsanwälten. Zur Impfung sagt Rechtswalt Matthias Westerhold folgendes:

„Pflegeeltern, bei denen die Kinder als Dauerpflegekind leben, haben die sogenannte Alltagssorge nach § 1688 BGB. Dazu brauchen sie keine Vollmacht, die haben sie kraft Gesetz.Das Pflegekind zieht ein

Das ist der Teil der elterlichen Sorge, der das alltägliche Miteinander betrifft. Wann das Kind ins Bett geht, mit wem es spielt, welchen Film im Kino es sehen darf, welchen Sport es treibt oder wie lange es abends noch Fernsehen schauen darf.

Impfen gehört zu den Angelegenheiten, die für das Kind von erheblicher Bedeutung sind:

Die Entscheidung darüber, ob und in welchem Umfang ein Kind geimpft werden soll, betrifft keine Angelegenheit des täglichen Lebens i. S. d. § 1687 Abs. 1 S. 2 BGB, sondern eine Angelegenheit, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist (§ 1628 BGB), weil sie mit der Gefahr von Risiken und Komplikationen verbunden ist.

Eine Differenzierung zwischen der Zustimmung zur Impfung als Angelegenheit des täglichen Lebens und ihrer Verweigerung als Angelegenheit von erheblicher Bedeutung kommt nicht in Betracht.

Bei fehlender Einigung der Eltern kann das Familiengericht gemäß § 1628 BGB zur Herbeiführung der notwendigen Entscheidung einem Elternteil die Entscheidungskompetenz übertragen. Maßgeblich für die Entscheidung ist die gemäß § 1697a BGB die Frage, welcher Elternteil am ehesten geeignet ist, eine am Kindeswohl ausgerichtete Entscheidung zu treffen.“Das Pflegekind zieht ein

Auch zum Thema Religiosität gibt es Ausführungen  von Rechtsanwalt Steffen Siebert. Er hat den Aspekt der Taufe in einem Artikel sehr gut beschrieben. Hier der Link! http://www.pflegeelternrecht.de/pf/vormundschaft.php?detail=31

PP: Die berufliche Situation der Pflegefamilie verändert sich und ein Umzug steht bevor. Was passiert mit dem Pflegekind?

BK: Pflegeeltern haben gewisse Mitteilungspflichten gegenüber den leiblichen Eltern bzw. dem Sorgeberechtigten, dem Jugendamt und uns als Träger. Dazu gehört auch das Pflegeeltern sich zu einem geplanten Umzug abstimmen müssen. Grundsätzlich kann der Personensorgeberechtigte den Aufenthaltsort des Kindes bestimmen. Ohne diese Zustimmung darf ein Pflegekind nicht an einen anderen Ort umziehen.

„Mit der Betreuung von Pflegekindern wird man nicht reich“

PP: Einige Pflegeeltern wurden bereits mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie sich mit dem Pflegekind eine goldene Nase verdienen. Wie geht man damit um?

BK: Mit der Aufnahme eines Pflegekindes erhält man finanzielle Unterstützung. Dazu gehören neben dem Pflegegeld eine Mehrbedarfspauschale und einen erhöhten Erziehungsbeitrag, wenn das Kind eine besondere Förderung bedarf. Die Betreuung eines Pflegekindes ist ein 24-Stunden-Job.  Die Zahlungen tragen zum Familieneinkommen bei, allerdings wird man davon nicht reich.

PP: Was passiert, wenn das Pflegekind stärker beeinträchtigt ist, als vor der Vermittlung vermutet?

BK: Die meisten Pflegekinder sind aufgrund ihrer Lebensbedingungen in den Herkunftsfamilien entwicklungsverzögert. Sie wurden emotional vernachlässigt. Mit der nötigen Förderung und viel Zuwendung haben sie eine Chance, versäumte Entwicklungsschritte nachzuholen holen sie allerdings schnell auf. Schwieriger ist es, wenn sich eine schwere geistige Behinderung herausstellt. Die Pflegefamilien sollten sich in dieser Situation ehrlich hinterfragen, ob sie sich das zutrauen. Es gibt Eltern, die sich ganz bewusst für die Aufnahme behinderter Kinder entscheiden, ihnen eine Chance geben. Aber wir wollen das nicht voraussetzen.

 „Eltern dürfen eine Pflegschaft auch abbrechen.“

PP: Es kommt vor, dass Eltern mit ihrem Pflegekind gar nicht zurechtkommen. Was raten sie diesen?

BK: Es gibt Pflegekinder, die äußerst verhaltensauffällig sind. Schwierig wird es immer dann, wenn die Pflegekinder übergriffig werden und sich so verhalten, dass ein Familienleben kaum möglich ist. Dann schauen wir sehr genau, ob eine weitere Betreuung sinnvoll ist. Wir sagen den Pflegeeltern, dass sie eine Pflegschaft auch abbrechen dürfen, wenn sie nicht mehr können. Wenn es nicht funktioniert, ist es für das Kind und die Familie nicht gut, einfach weiterzumachen. Manchmal sind andere Betreuungsformen wie eine Wohngruppe für das Pflegekind besser geeignet. Wir wissen, dass es Familien unheimlich schwerfällt, sich gegen das Pflegekind zu entscheiden. Wir versuchen sie dabei bestmöglich zu unterstützen und setzen sie nicht unter Druck.

PP: Die Betreuung eines Pflegekinds ist sehr zeitintensiv. Ist es sinnvoll, wenn ein Elternteil komplett zuhause bleibt, um sich um die Familie zu kümmern?

Das Pflegekind zieht einBK: Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Bei unseren Pflegefamilien sind alle Modelle vertreten: Mütter oder Väter, die ganz zuhause bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern. Frauen, die nur halbtags oder in Teilzeit arbeiten. Alleinerziehende, die selbstständig im Homeoffice tätig sind. Einige Paare steigen wieder Vollzeit in den Beruf ein, sobald die Pflegekinder aus dem Gröbsten heraus sind. Darin unterscheiden sich Pflegefamilien nicht von anderen Familien. Bedenken sollte man aber, dass Pflegekinder häufiger einen größeren Förderbedarf haben, der viel Zeit beansprucht.

PP: Ein Pflegekind bei sich aufzunehmen ist ein Balanceakt zwischen Nähe, emotionaler Bindung und eine nötige Distanz. Wie geht man damit um?

BK: Ein gesundes Bindungsmaß zu finden, ist gerade in der Bereitschaftspflege schwierig. Es gibt Pflegeeltern, die sich damit arrangiert haben, andere benötigen eine intensivere Begleitung. Viele Kinder bleiben auch dauerhaft, wenn klar wird, dass sie in der Pflegefamilie gut aufgehoben sind. Um sich gesund entwickeln zu können, brauchen Pflegekinder ein echtes Bindungsangebot und einen sicheren Ort, an dem sie sich geborgen fühlen.

PP: Mit Volljährigkeit endet die Pflegschaft. Müssen die Pflegekinder dann ausziehen?

BK: Nein. Das Pflegekind kann beim Jugendamt beantragen, dass die Pflegschaft weiterhin erhalten bleibt. In der Regel wird eine weitere Pflegschaft bis im Alter von 21 Jahren gewährt. Viele Pflegeeltern sind eng mit ihren Pflegekindern verbunden, sodass auch nach einem Auszug ein regelmäßiger Kontakt besteht. Ganz so als wären es die leiblichen Kinder.

Das Pflegekind zieht ein…Möchten Sie sich auch dieser Aufgabe stellen, dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

Nelson Müller – mach Dein Ding…

Nelson Müller – erfrischend anders, seine dunkle Hautfarbe, seine Geschichte als Pflegekind mit ghanaischen Wurzeln, sein Erfolg als Sternekoch, Fernsehstar und seine zweite Karriere als Musiker. Seinen Pflegeeltern hat er ein eigenes Lied gewidmet: Euer Lied. Heute ist er für viele eine Identifikationsfigur, kulturell und sozial.

Wie kann Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder und Pflegeeltern sein?

Pflegekinder haben zwei Familien. Manchmal kommt – wie bei Nelson Müller – noch ein kulturell origineller Hintergrund dazu, der die Identitätsfindung nicht leichter macht und von einem jungen Menschen, der mit 4 Jahren nach Deutschland gekommen ist, einiges abverlangt. Für eine gelingende Identitätsentwicklung sind drei Aspekte besonders unterstützend:

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

  • eine stabile Pflegefamilie mit klaren Werten, Einstellungen und einem vernetzten sozialen Umfeld
  • die Bereitschaft der Pflegefamilie, die Herkunftsfamilie des Pflegekindes als wichtigen Faktor in der Geschichte des Kindes anzuerkennen
  • und die Fähigkeiten des Pflegekindes, selbst die beiden persönlichen Wurzeln miteinander sinnvoll zu verbinden
  • Nelson Müller scheint dies mit Unterstützung seiner Pflegeeltern gelungen zu sein.

Nelson Müller – erkenne Deine Möglichkeiten…

Was ist das Geheimnis von Nelson Müller?  Was sind die Faktoren in seiner Biographie, die ihn dabei unterstützten, seinen Weg zu gehen?

Ulrike Frenkel von der Stuttgarter Zeitung gibt in ihrem Artikel vom 13.11.2011 einige spannende Hinweise, die auch für Pflegefamilien und Pflegekinder interessant sein können. Auch in dem schon oben erwähnte Lied für seine Pflegefamilie finden sich einige Anhaltspunkte.

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

So textet Nelson Müller in seinem Song: „In Euch fand ich Familie und durch Euch fand ich Phantasie“ und ein paar Zeilen später „Ihr habt mich mit Liebe angesehen“. Dieses Gefühl des ‚Angenommen Werdens‘ scheint für Nelson Müller ganz zentral und prägend für seinen weiteren Lebensweg zu sein. Daraus schöpft er Kraft und Klarheit, wie er es im Interview mit Ulrike Frenkel nennt.

Die kleinen positiven Dinge im Alltag des Lebens…

und der herzliche leichte Blick darauf sind für Kinder mit zwei Familien ganz besonders elementar – eine wichtige Quelle für die Wahrnehmung der Schönheit der Welt. Dadurch wird zudem das Gefühl gestärkt: es ist gut auf der Welt zu sein.

Dazu kommt die Klarheit der vermittelten Werte. Wofür stehen wir als Familie, was sind die Leitplanken des Lebens, für die wir einstehen? Nelson Müller nennt Durchhaltevermögen und Verantwortungsbewusstsein. Zielorientiert etwas verfolgen und dabei dennoch offen zu sein für die vielfältigen Inspirationen, die das Leben bietet. Da ist die Kochkunst und die Musik ein ideales Feld, um sich auszutoben, um kreativ zu sein. Nelson Müller scheint seine Berufung gefunden zu haben.

Klarheit im Leben und Kreativität im Sein

Sicher auch deshalb engagiert sich Nelson Müller als Schirmherr für die sozialen Projekte ‚Menschenmögliches‘ und ‚FLIZmobil‘. Etwas weiter geben von dem erfahrenen Geschenk in einer behüteten und stabilen Umgebung aufgewachsen zu sein und dennoch genug Freiraum für die eigene Entwicklung gespürt zu haben.

Unsere Hinweise für Sie:

  • Pflegefamilie zu sein ist eine wundervolle Aufgabe und Sie leisten mit Ihrem Engagement einen generationsübergreifenden Beitrag
  • Viele Pflegekinder profitieren von dem liebevollen und stabilen Rahmen in einer Pflegefamilie
  • Der Blick auf die kleinen positiven Dinge im Leben ist elementar Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder
  • Die Klarheit in den vermittelten Werten verbunden mit genug Freiraum für die eigene Entwicklung ist für Pflegekinder eine tolle Kombination

Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme für ein unverbindliches Informationsgespräch, um Pflegefamilie zu werden!!!

Wer mehr über die Biographie von Nelson Müller erfahren will…Vielleicht finden Sie noch weitere Hinweise, wieso Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder sein kann.

Eines seiner aktuellen Kochbücher finden Sie unter…

Die ausgewählten Fotos wurden uns dankenwerter Weise von Mario Andreya zur Verfügung gestellt

Pflegeväter auf dem Weg…

Pflegeväter auf dem Weg…

Mit Pflegevätern auf dem Weg sein

Es ist seit vielen Jahren Tradition, dass wir unsere Pflegevätern zu einem Wochenende unter Männern einladen. Dabei geht es sowohl um ein Dankeschön für die geleistete Arbeit, als auch um den Austausch unter Männern, die als Pflegeväter mit ihren Partnerinnen einmal „JA“ zu einer besonderen Form des Familienlebens gesagt haben. (Ein Mütterwochenende für unsere Pflegemütter gibt es übrigens auch)

Und dieses Jahr treffen wir uns in der Nähe des Edersees unter dem Motto: „Pflegeväter auf dem Weg“. Allen gemein ist es, dass sie sich irgendwann mit ihrer Familie auf den Weg zur Pflegefamilie gemacht haben.

Sie haben gespürt, dass es noch emotionalen und räumlichen „Platz“ bei ihnen gibt. Ihnen war bewusst, dass mit Kindern zu leben und sich mit Kindern auf den Weg in das Leben zu begeben ein Geschenk ist. Ein Wunder des Wachstums und der Entwicklung, gespeist von dem tieferen Sinn eines Beitrags für Generationen. Sie haben jedoch auch gewusst, dass es eine echte Herausforderung, eine anspruchsvolle und anstrengede Aufgabe ist. Höhen und Tiefen inbegriffen.

Pflegeväter auf den Weg – der Anfang

Wir haben die Pflegeväter gefragt, wie der Anfang war, wie die Idee entstanden ist, Pflegefamilie zu werden. Die Anworten zu den unterschiedlichen Geschichten waren so vielfältig wie die Modelle von Lebensentwürfen, ebenso bunt wie das Leben. Lassen wir sie zu Wort kommen...

Klaus in den 60zigern schon, immer noch mit Leib und Seele dabei. Sonorige Stimme, Schnauzer, die Haare inzwischen grau, spitzbübig sein Mund und ganz lebendig seine Blicke, wenn er anfängt Geschichten aus seinem Leben und von den Pflegekinder zu erzählen.

„Es fing an, das ist bald vierzig Jahre her, da waren wir Notpflegestelle für das Jugendamt und wir hatten im ersten Jahr nacheinander 4 Kinder bei uns. Alle mit ihrer ganz persönlichen Leidensgeschichte. Und eines Abends saßen meine Frau und ich zusammen. Und wie als ob wir uns verabredet hätten, sprachen wir darüber ob wir richtige Dauerpflegestelle werden wollen. Ich kann mit erinnern wie heute, das „Ja“ war noch nicht ausgesprochen, da verrieten unsere Blicke, das die Entscheidung dafür schon gefallen war. Inzwischen waren über 50 Kinder- und Jugendliche bei uns.“

Pflegeväter auf dem Weg – nach Mexiko

Heinz Jürgen, kurzhosig, Trekkingsandalen, denen man schon etliche Touren ansieht an nackten Füßen, immer vorne dabei, die Haare leicht zurückgekämmt, merkt mit fester, verspielter Stimme und schnellen staccatoähnlichen Sätze an:

„Bei mir fing es schon mit 20 Jahren an. Mein bester Freund, knapp 10 Jahre älter als ich, hatte damals schon 2 Pflegesöhne. Überhaupt bewunderte ich sein soziales Engagement. Heute lebt er in Mexiko und setzt sich immer noch für die Schwächsten. Das hat mir richtig imponiert und mir war klar so etwas wollte ich auch unbedingt machen. Als unser Kinder dann aus der Pubertät waren, setzten sich unsere Familie zusammen. Pflegeväter auf dem WegDie Kinder, meine Frau, sogar meine Eltern- und Schwiegereltern, alle waren von unserer Idee begeistert, Kinder den Weg in ihr Leben zu ebenen. Und bei jedem Pflegekind haben wir sinnbildlich nach und nach den Rucksack ausgepackt. Mit den schönen und mit den schwierigen Momenten aus ihrer Biographie.  So ist er leichter geworden über all die Jahre und neue Geschichten und Erfahrungen aus unserer Familie sind dazugekommen. Einfach schön…“

 

Pflegeväter auf dem Weg – Kinderwunschgeschichten

Und dann melden sich immer mehr Pflegeväter zu Wort, die Geschichte bahnen sich den Weg durch die eigenen Erinnerungen, auch wenn es schon viele Jahre her ist und scheinbar verblast. Kai ist neu in der Runde, er wählt jedes Wort mit bedacht, unaufgeregt spricht er ruhig über den Wunsch von ihm und seiner Frau viele Kinder zu haben. Dabei zeigt sich bei ihm ein weinendes und ein lachendes Auge. Das Weinende steht für die schwierige Geburt ihres eigenen Kindes. Seine Frau wäre damals beinahe gestorben und dann wollten sie für weitere eigene Kinder auf keinen Fall ein Risiko eingehen.

„Mit etwas Abstand wurde uns klar, wir wollten noch weitere Kinder. Wir dachten an ein Adoptivkind, doch das Jugendamt riet uns ab und erzählte uns von der Möglichkeit Pflegefamilie zu werden. Durch die Vorbereitungsseminar haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, ob wir wirklich uns wirklich der Aufgabe Pflegekinder mit „Anhang“ sozusagen stellen wollen“

Und da ist das lachende Auge…

Wir haben alles richtig gemacht und uns den Wunsch nach einer großen Familie mit Kindern erfüllt. Auch wenn es mit dem „Anhang“ manchmal richtig schwer ist, würden wir alles genauso wieder machen.

Pflegeväter auf dem Weg – von der Patenschaft zur Pflegefamilie

Bei Manfred – Ende Fünfzig immer akkurat gekleidet, heute mit hellem Hemd und weißer Hose, die Haare fast noch so lang wie Anfang der 70er Jahre, den Kamm passend lässig in der Gesäßtasche platziert – war es wieder ganz anders. Bei ihm gab es in der Nachbarschaft Pflegefamilien. Zu einer hatten er und seiner Frau mehr Kontakt und so ergab es sich, dass sie eine Patenschaft für ein Pflegekind dieser Familie übernahmen. Pflegeväter auf dem WegErst nur Nachmittags, dann auch mal am Wochenende und schließlich auch in den Ferien. Seine Frau fand gefallen an dieser Arbeit und dachte sie könnten sich doch auch bewerben. So lag es nahe sich auch an den St. Elisabeth-Verein zu wenden. Heute ist ihre Pflegetocher schon über 6 Jahre bei ihnen.

Pflegeväter auf dem Weg – der Wunsch nach einen Kinderlachen

Juzo, ein Lebenskünstler, groß gewachsen, Motorrad vernarrt, wie seine Pflegesöhne rundet dann diesen Teil des Austausches mit seinem trockenen Humor ab und sagt:

„Bei ihm uns seiner Frau war es ganz einfach der Wunsch nach einem Kinderlachen“

Viel zustimmendes Nicken in der Runde!

Pflegeväter auf dem Weg – steinig und schön…

Und wir haben gefragt,welche schönen oder eher steinigere Wege denn in der Zwischenzeit  als Pflegefamilie zurückgelegt wurden…

Auch dabei fällt Klaus sofort seine jetzt älteste Pflegetochter ein und er beginnt fast ein wenig zu schwärmen. Seine Frau hat sich nicht abbringen lassen nach Stuttgart in ein Spezialzentrum zu fahren, um endlich Sicherheit zu haben. Sie wollte abklären, ob ihre Pflegetochter pränatal Alkoholismus geschädigt wurde. Und tatsächlich über 70% Schädigung. Viele Jahre wollte das niemand glauben und auch angesprochene Ärzte wollten davon nichts wissen. Heute hätte sie endlich Gewissheit und könnten einordnen, wieso sie all die Jahre solche Schwierigkeiten gehabt hatten. Und Klaus variiert einen Satz in vielfältigen Facetten:

„Die Aufgabe als Pflegefamilie ist wirklich lohnenswert, auch wenn die Schwierigkeiten auf der Straße liegen“.

Heute würde ihre Pflegetochter ein Ausbildung als Hauswirtschafterin machen und hätte schon einen Freund.

Und besonders freut sich Klaus darüber, dass ihm seine leiblichen Kinder und seine Enkel sagen, wie gut diese Zeit war, wieviel sie selbst in dieser Zeit gelernt haben. Und dann fällt ihm sein jüngstes Enkelkind ein, dass sich neulich für eine dunkelhäutige Klassenkameradin eingesetzt hat, als sie wegen ihrer Hautfarbe angemacht wurde. Und dann lacht er wieder so ganz zufrieden in sich hinein.

Pflegeväter auf dem Weg – die eigene Geschichte prägt

Detlef hat oft eine Überraschung für die Gruppe der Pflegeväter parat, manchmal sogar ein kleines Geschenk. Das kommt gut an in der Runde. Einer der so etwas für die Zusammengehörigkeit tut. Und dann erinnert er sich daran als er 18 Jahre alt war. Er und seine Clique Gleichaltriger haben einmal einen Grillnachmittag für Heimkinder ausgerichtet. Und sie waren erstaunt wie offen die Kinder- und Jugendlichen auf sie zugegangen sind, wie offen sie von ihren Schicksalen erzählt haben. Und Detlef hat sich entschieden, dieses Heim regelmäßig zu besuchen und das über 12 Jahre lang.

„Ich habe mir Zeit genommen und manchmal war ich tief betroffen, da die Kinder vergeblich auf ihre Eltern gewartet haben, obwohl sie doch ganz bestimmt kommen wollten. Diese Zeit hat mich bis heute geprägt.

Als ich dann meine jetztige Frau kennengelernt habe, musste ich nicht lange überlegen, obwohl sie alleinerziehend mit 6 Kinder lebte. 2 Eigene und 4 Pflegekinder. Ich habe sozusagen in eine Großfamilie geheiratet und ich wusste sofort ‚hier bin ich richtig, hier bin ich zuhause‘. Da war die Erinnerung von damals plötzlich wieder ganz nah.“

Pflegeväter auf dem Weg oder der Kreisverkehr ohne Abbiegespur

Und dann meldet sich nochmal Manfred und spricht von seiner Pflegetochter und wie hin- und hergerissen er ist. Er weiß nicht so genau was zu tun ist. Er spürt nur, dass es für sie jetzt gerade in der Pubertät zu viel ist. Er hat ausgerechnet, dass sie im Jahr 80 Termine hat. Hilfeplangespräche, Therapie, die Besuchkontakte Vater und Mutter getrennt, der Vormund kommt alle 4 Wochen vorbei, dann die Extraförderung in der Schule. Und sie sagt:

„Bei all dem wird immer über ich gesprochen, ich werde ausgefragt, was läuft gut, was läuft schlecht, immer soll ich sagen wie es mir geht, immer wollen die was von mir. Keiner fragt mich, ob ich das alles will. Ich will einfach nur meine Ruhe.“

Andere Pflegeväterstimmen mischen sich ein, sie kennen ähnliche Situationen. Einer spricht von Kindern und Jugendlichen im Kreisverkehr ohne Abbiegespur, keine Wege hinaus aus der Spriale. Dabei ist für viele die Pflegefamilie der zentrale und stabile Ort. Und dennoch mischen so viele andere Stellen mit.

Pflegeväter auf dem Weg – ganz praktisch und real…

Und wir haben an diesem Wochenende ausprobiert, wie es denn ganz praktisch ist in der Gemeinschaft auf dem Weg zu sein. Dazu haben wir eine 2, 5 stündigen Geocachingtour unternommen. Wir wurden eingeführt in eine Märchen-, Rätsel- und GPS Erkundungswelt, Spass und schönen Ausblicke inklusive. Dazwischen Zeit für viel Gespräch und Austausch, über allerlei Pflegefamilien- und Lebensthemen und die Frage, was es heißt auf dem Weg zu sein.

Uwe, ein Schlacks knapp über 1,90 mit karierter Gangsterkappe, gegen die Sonne heute, Dreitagebart, kurzärmeliges Holzfällerhemd, spricht freudig über sein Vergnügen die Rätsel heute auf dem Weg lösen zu wollen. Gelassen spricht er aus: „Und das Wege gehen, auch oft wie Rätsel lösen ist. In einem Moment glaubst du, jetzt hast du es, um dann doch festzustellen, dass alles nochmal auf Anfang muss. Den Weg wieder zurück und den Umweg genommen, um dann doch zum Ziel zu kommen.“

Pflegeväter auf dem Weg und die Gebrüder Grimm

Heinz Jürgen kommt dazu und merkt mit fester, doch verspielter Stimme und schnellen staccatoähnlichen Sätze an: „Ihm haben vor allem die Märchenrätsel gefallen.“ Und sofort muss er an seinen Pflegesohn denken, der sich neulich als Prinz aus dem Märchen „Der Froschkönig“ verkleidet hat und immer wieder davon spricht, wie er der Frosch von der Prinzessin an die Wand geworfen wurde. Er ist mit seinen sechs Jahre auf dem Weg, immer mehr hinein in das Leben. Märchen waren für ihn unbekannt. Er kannte nur Dauerberieselung durch das Fernsehen. Und schnell zeigt sich in den leuchtenden Augen von Heinz Jürgen, dass er richtig ein wenig stolz ist, dass seine Kinder gefallen an Märchen finden. Für einen Marburger und einen Freund der Gebrüder Grimm eine besondere Freude.

Manfred erzählt: „Auf dem Weg sein bedeutet für ihn, etwas neues zu wagen, etwas zu erforschen, neugierig zu sein für das was kommt und dann seine Ziele daraus entsprechend zu entwickeln. Auch ist ihm wichtig, beim auf dem Weg sein, die eigene Balance zu behalten und auch entscheiden zu können, wann ich vielleicht Hilfe und Unterstützung brauche, um sich eben nicht zu überfordern.

Klaus meldet sich auch zu Wort, „dass hier in Oberorke mit allen diesen tollen Pflegevätern auf dem Weg sein für ihn bedeutet, Abstand von zu Hause zu bekommen, einfach mal frei von den eigenen 5 weiblichen „Mitbewohnern“ zu haben und die Zeit zu genießen. Und das auch und gerade wenn die eigene Frau vielleicht mahnend beim Abschied noch gesagt hat „Denk dran esse und trinke nicht soviel“. Und er würde auch unheimlich von den Geschichten der anderen Pflegeväter profitieren und immer eine Menge neuer Ideen mit nach Hause nehmen.

Pflegeväter auf dem Weg – mit Umwegen die Ortskenntnisse erhöhen

Ernst gehört zu den älteren Semestern hier. Er ist Pflegevater mit Laib und Seele. Er spricht ruhig und überlegt, schwankt manchmal in der Wahl zwischen zwei Worten. Auf dem Weg sein bedeutet für ihn, an das Innehalten zu denken. Einfach auf seinem Weg einmal stehen bleiben und wahrnehmen was gerade ist. Bei mir selbst. Wie geht es mir gerade mit meinem im Leben stehen? Was nehme ich um mich herum wahr? In welcher Resonanz stehe ich mit all dem um mich herum? Mit den Kindern? Mit meiner Frau? Und ein paar Minuten weiter spricht er von Umwegen, die zum auf dem Weg sein gehören. Und im fällt der Satz ein „Umwege erhöhen die Ortskenntnisse. Und genau, bei den Pflegekindern erhöhen die gemeinsamen Umwege auch das gemeinsame Verständnis für die Lebensgeschichte.

Ein Wochenende voller unterschiedlicher Weggeschichten rund um das Pflegefamilie sein. Berührende, stolze, humorvolle, schöne und schwierige, doch am Ende immer verbunden mit dem tiefen Wissen, dass es richtig, lohnend und wertvoll ist, sein Leben genauso als Pflegefamilie zu gestalten.

Wir freuen uns auf das Gespräch mit interessierten Familien. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

 

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Häufig hören wir die Frage…was sind die Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden?

Zuerst einmal können wir sagen, jede oder jeder kann „Pflegefamilie“ werden, wenn eine große Freude und Lust besteht mit Kindern Familie zu leben. Dabei wissen wir heute alle, dass sich das Bild von Familie gesellschaftlich gewandelt hat. Neben der traditionellen Familienform (Vater, Mutter, Kinder) gibt es heute viele andere Formen gemeinschaftlich zusammen zu leben. So müssen Pflegeeltern nicht verheiratet sein, es gibt sowohl heterosexuelle, als auch gleichgeschlechtliche Paare bei Pflegeeltern und wir haben auch alleinstehende Pflegemütter und Pflegeväter.

Gemeinsam wachsen…

Wir freuen uns über jede Anfrage, wenn Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden möchten und gehen mit Ihnen in einen offenen und ehrlichen Dialog.

Auch freuen wir uns über jeder Anfrage, wenn Sie noch gar nicht genau wissen, was eine Pflegefamilie ist, wie das Leben in einer Pflegefamilie aussieht und ob das überhaupt etwas für Sie ist.

Schon heute können Sie folgenden Aspekten auf sich wirken lassen, um für sich zu prüfen die genannten Voraussetzungen auf Sie zutreffen oder ob Sie die Bereitschaft haben in die sinnstiftende Aufgabe als Pflegefamilie hineinzuwachsen.

Konkret:Voraussetungen um Pflegefamilie zu werden – Der formaler Rahmen

Es beginnt mit ganz normalen Voraussetzungen, dass Sie wirtschaftlich durch ein Gehalt abgesichert sind und ihr Lebensunterhalt auch ohne ein Pflegekind finanziell gewährleistet ist. Pflegeeltern erhalten vom Jugendamt ein Pflegegeld als Aufwandsentschädigung, dies reicht jedoch für den eigenen Lebensunterhalt nicht aus.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenDann sollten Sie über ausreichend Wohnraum verfügen, also für ein Pflegekinder das eigene Zimmer zur Verfügung stellen können. Dabei ist es unerheblich, ob Sie zur Miete wohnen oder ein eigenes Haus haben. Wenn Sie von uns als Pflegefamilie angenommen sind, ist es erfordliche ein erweitertes polizeilisches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorzulegen.

Bezogen auf das Alter von Pflegefamilien ist es sinnvoll einen Familien – entsprechenden Altersabstand zu haben. So gehen wir davon aus, dass mit dem Rentenalter von unseren Pflegeeltern, das Pflegekind volljährig sein sollte. So ist es möglich zwischen 45 – 48 Jahren noch Säuglinge oder Kleinkinder bei sich in die Familie zu integrieren.

Auch ist es sinnvoll darauf zu achten, dass ein Pflegekind vom Altern nicht zu nah am Alter der eigenen Kindern ist. Dabei hat es sich bewährt, wenn das Pflegekind möglichst zwei Jahre jünger ist als Ihr jüngste eigene Kind.

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – sozialen und fachliche Rahmen:

Pflegekinder sind oft verhaltensoriginelle Kinder und bringen ihre eigenen überwiegend nicht einfachen Lebensgeschichten mit. Gründe für diese Biographien liegen i.d.R. bei den Eltern. Dies können finanzielle Not, fortschreitende Erziehungsunfähigkeit ausgelöst durch Drogen, körperliche oder psychische Krankheit oder andere schwierige Lebensumstände sein. Manchmal kann es vorkommen, dass ein Elternteil nicht bekannt ist.

Bei den Kindern können sich diese Lebenserfahrungen dann in verhaltensoriginellem Handeln und Auftreten äußern. Dazu gehören z.B. ein großes Nähe- oder umgekehrt Distanzverlangen, Entwicklungsverzögerungen, Aggressivität oder Passivität, Konzentrationsschwierigkeiten, eine geringe Toleranzgrenze und vielfältiges Hin- und Hergrissen sein. Auch spielt das oftmals ambivalente Spannungsfeld zu den Eltern eine zentrale Rolle.

Grund für diese Verhaltensweisen sind nicht selten körperliche und auch psychische Gewalt in der Herkunftsfamilie, Vernachlässigungen und andere Grenzüberschreitungen.

Das wünschen wir uns von Pflegefamilien…

Deshalb wünschen wir uns Pflegefamilie mit guten Nerven und viel Kraft und Energie, also ist es gut eine gewisse Belastungs- und Widerstandsfähigkeit mitzubringen. Sicher wissen Sie auch aus der Erziehung Ihrer eigenen Kinder, dass immer wieder auch krisenhafte Ereignisse und Situationen bewältigt werden müssen.

Aus vielfältiger Forschung wissen wir auch, dass die Erziehung von Kinder besonders dann gut gelingt, wenn Eltern folgende Fähigkeiten abrufen können:

Fürsorglichkeit oder Liebe:

Hier können Sie wahrscheinlich, sowohl vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen als Kind, als auch bezogen auf Ihre Erfahrungen als Eltern aus vollem Herzen ja sagen. Liebe und Fürsorglichkeit ein ganz zentrale Voraussetzung um Pflegefamilie zu sein, bzw. natürlich auch um Eltern zu sein. Nicht umsonst kennen Sie alle das sogenannte „Kindchenschma“. „Dadurch ist gewährleistet, dass die Eltern für ihre Jungen bzw. Kinder sorgen, sie Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdensäugen bzw. stillen, füttern, ihnen Mahlzeiten zubereiten, sie beschützen und großziehen.“ (zitiert aus Wikipedia). Pflegekinder haben bei der Liebe und Fürsorglichkeit oft Mangelerlebnisse hinter sich. 

Responsivität (Ansprechbarkeit und Sensitivität für die Bedürfnisse der Kinder:

Die Resonanz zwischen Kindern und Eltern ist ganz zentral. Wie gehen Sie mit Kindern um, wie reagieren Sie auf sie, wie nehmen Sie die Bedürfnisse Ihrer Kinder situationsangemessen dar. Bei Pflegekindern besteht dazu die Herausforderung, oft nicht genau erkennen zu können, wieso sich gerade jetzt orginell verhalten und welches Bedürfnis dahinter steht. So braucht es ebenfalls eine besondere Empathiefähigkeit, ein Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse der Kindern, jedoch auch die Bereitschaft sich selbst als Elternteil mit seinen Gefühlen mitteilen zu wollen.

Struktur und Vorhersehbarkeit, weitere Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden:

Ein Großteil der Pflegekinder ist eher in einer Umgebung von Strukturlosigkeit großgeworden. Das heißt, dass der Alltag der Kinder hat sich eher zufällig oder nur durch äußere Strukturen wie Kindergarten oder Schule organisiert. Erlebnisse wie gemeinsame Unternehmungen oder gemeinsames Essen verknüpft mit Familienritualen sind eher selten. Die Ebenen zwischen Kindern und Eltern wurden verschoben. Für die Kinder bedeutet das auch geraden in Familien mit Suchtproblematiken, dass sie Verantwortung übernehmen müssen, die sie eher überfordert, da sie selbst noch bedürftig sind. Deshalb ist es wichtig, dass Pflegefamilien Pflegekinder Sicherheit, Verlässlichkeit und auch eine gewisse Vorhersehbarkeit im Alltag und im Zusammenleben geben.,

Kinder großziehen ist ein echtes Abenteuer und braucht immer noch einen gewissen Idealismus. Dafür aber ist es ebenfalls eine, vielleicht sogar die sinnstiftendste Aufgabe überhaupt und trägt aktiv zur gesellschaftlichen Sicherung und Entwicklung bei. Gerade können wir erleben, wie die Geburtenraten wieder steigen, also Menschen wieder mehr den Wunsch nach einem Beitrag für das „Große Ganze“ haben.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – Der öffentliche Rahmem:

Pflegefamilie sein bedeutet auch sich auf das Feld der sogenannten „Öffentlichen Erziehung“ oder „der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Achten Sozialgesetzbuch“ einzulassen. Das bedeutet, dass Sie als Pflegefamilie mit noch anderen Personen zu tun haben und sich mit ihnen auseinandersetzung müssen. Dazu gehören in aller Regel die leiblichen Eltern des Kinders, ein möglicher Vormund, Mitarbeitenden vom Jugendamt (Allgemeiner Sozialer Dienst oder Pflegekinderwesen), Therapeuten oder Psychologen und die Kolleginnen von unserer Fachdienst Fachberatung. Insofern können Sie auch nicht alle Entscheidungen alleine treffen, sondern sollten sich mit den unterschiedliche Beteiligten in der Hilfeform Pflegekinderwesen abstimmen. Insofern ist es hilfreich, wenn sie über eine gewisse Kooperationsfähigkeit verfügen.

Wir unterstüten Sie aktiv durch:

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenIn die Aufgabe als Pflegefamilie wächst man nach unseren Erfahrungen hinein. D.h. sich wachsen zusammen mit dem Pflegekind, können immer besser verstehen, wieso es sich so oder so verhält und finden immer leichter gute Antworten auf die Anforderungen des Alltags. Wir unterstützen Sie durch einen Qualifizierungskurs, durch regelmäßige 4 – 6 wöchige Fachberatung, durch Supervision, durch regelmäßige und fortlaufende Fortbildung, durch Regionlagruppen, durch unsere Jahrestagung und durch Ferienfreizeiten für Pflegekinder.

Über unsere Unterstütungsangebote und weitere Hintergründe können Sie hier mehr lesen…https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegeeltern-werden/ und unter… https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegefamilie-sein-heisst-sinnstifter-sein/

Eins ist sicher…ein Pflegekind wird Ihren Familienalltag bereichern und lebendig machen. Also wenden Sie sich gerne für ein Informationsgespräch an uns.

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter oder:

Vom Abenteuer des achtsamen Sich – Selbst – Begegnens

von Esther Schmitt (Projektleitung Fort- und Weiterbildung)

23:30 Uhr. Erschöpft. Entmutigt. Kein Tag, der nach Wiederholung schreit. Leer gekämpft bin ich und leer gefühlt. Es ist der Abend, an dem ich Focusing „entdecke“: „Wenn Du Dich nicht an Deinem Leben freust, wer sonst?“[1] Dieser kleine Satz oder besser gesagt diese kleine Frage, markiert den Ausganspunkt einer persönlichen Reise ebenso wie den Beginn einer Entwicklung, deren Schritte sich seit 2017 in Fortbildungsangeboten für Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins widerspiegeln. Daraus ist auch das Angebot Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter entstanden.

11 Gründe, weiterzulesen: Was Focusing bewirken kann[2]

 Focusing kann Sie unterstützen …

  • innere Stimmigkeit zu erreichen: sich selbst zuhören und bei sich bleiben
  • zu entdecken, was Sie Tag für Tag brauchen und was Ihnen gut tut, damit sich Ihre Lebendigkeit entfalten kann.
  • im „Mich-Selbst-Annehmen“: sich selbst mehr und mehr verstehen und liebevoll annehmen
  • Theorie und Praxis des Veränderungswissens zu erwerben
  • angesichts herausfordernder zwischenmenschlicher Situationen die Fassung zu wahren und den Boden unter den Füßen zu behalten
  • zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden: lebendig mit sich selbst und der Umwelt verbunden sein
  • über achtsames Wahrnehmen körperlichen Erlebens persönlich stimmige Lösungsschritte zu entfalten: Denk- und Heilungsschritte zugleich
  • Techniken der inneren Distanzierung, Beruhigung und Begleitung zu erlernen: die eigene Basisstation sein
  • schwierige und konfliktreiche zwischenmenschliche Situationen frischer, versöhnlicher und für beide Seiten zufriedenstellender zu gestalten
  • liebevoll mit „gefühltem Scheitern“ umzugehen und lebensbejahend zu bleiben
  • sich ohne großen Aufwand entspannter und ermutigter zu fühlen

Diese Aspekte verdeutlichen wie wichtig Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter sein kann. Doch was ist Focusing eigentlich genau?

Was ist Focusing? – Der „Entdecker“:

Prof. Eugene Gendlin, geboren 1926 in Wien und seines Zeichens Philosoph, Psychologe und Psychotherapeut, war fasziniert von dem Sich-Einlassen auf das, was schon gespürt, aber noch nicht gewusst wird. Mit seinen Eltern floh er 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA, studierte in Chicago Philosophie und wurde im Verlauf seiner Karriere zum Professor für Philosophie und Verhaltenswissenschaften der Universität Chicago berufen.

Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Psychotherapie erhielt er höchste Auszeichnungen. Sein erstes Buch FOCUSING (auf das weitere rund 500 Veröffentlichungen folgen sollten) erschien 1978 und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. In seiner Arbeit verbinden sich empirische Psychotherapieforschung, psychotherapeutische Praxis und Philosophie zu einem Ganzen. Er ist der Entdecker des „Felt Sense“, einer Erlebniskategorie, die heute das Herzstück des Focusing bildet.[3]

Die Praxis:

Focusing, das ist die gute Nachricht, die wir von Frau Dipl. Psychologin Charlotte Rutz (Referentin) erhalten, ist „für Jederfrau und Jedermann erlernbar“. Focusing für Pflegemütter und PflegeväterFrau/Mann kann sich Focusing als eine Art Werkzeugkoffer voller vieler kleiner, leichter, intuitiver Techniken, Konzepte, Landkarten und Übungsanleitungen vorstellen, die die/den Focusing-Praktiker/in grundsätzlich dabei unterstützen, sich in einer freundschaftlichen und annehmenden Beziehung zu sich selbst zu beheimaten.

Das freundliche Verstehen von sich selbst…

Dieses „freundliche Verstehen“, das uns häufig in Kontakt mit dem befreundeten oder geliebten Gegenüber selbstverständlich ist, sollte von wesentlicher Bedeutung sein auch für die innere Kommunikation mit uns selbst: „Genau wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung eröffnet nur die Haltung des liebevollen, akzeptierenden Annehmens und Belassens, wie es gerade ist, den Raum für Veränderung, Wandlung und innere Kreativität. Nur so heilen innere Verwundungen und entsteht in uns überraschend Neues.“, sagt Klaus Renn, approbierter Psychotherapeut und einer der beiden Leiter des Deutschen Ausbildungsinstituts für Focusing und Focusing-Therapie (DAF).[4]

Den Kontakt mit sich selbst nicht zu verlieren, gerade in heiklen Situationen mit lieben Mitmenschen, ist die Voraussetzung dafür, dass auch schwierige Situationen für beide Seiten befriedigender und versöhnlicher gestaltet werden können.

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter einfach selbst ausprobieren…

„Es ist schwer“, so Frau Dipl. Psychologin Charlotte Rutz, „über Focusing zu schreiben. Ausprobieren ist die Devise!“ Zum Ausprobieren haben die Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins zum zweiten Mal in diesem Jahr Gelegenheit:

Der zweite „Focusing-Schnuppertag“ findet am Samstag, 21.04.2018 in unseren Seminarräumen in Marburg statt. Begleitet werden die Teilnehmenden auch an diesem Tag von Frau Charlotte Rutz, die in den vergangenen Jahren vielfache Erfahrungen mit Focusing gesammelt hat: Sie selbst hat bei Klaus Renn am DAF als Teilnehmende verschiedene Ausbildungsabschnitte, bis hin zur Focusing-Therapeutin, absolviert. Heute arbeitet sie regelmäßig mit Focusing-Elementen und engagiert sich in der Focusing-Ausbildung.[5]

Basisstation für sich und andere: Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Die Frage, die sich stellt…

Wie kann das gehen und welche enormen emotionalen Aufwendungen werden wohl betrieben, um als Pflegemütter und -väter auf oft „ schwerer See“ Tag für Tag Familie leben zu können?

Nach jedem persönlichen Gespräch, nach jeder Fortbildungsveranstaltung, jeder Regionalgruppe wird diese Frage in mir lauter … Die Konstellationen sind besonders – in vielerlei Hinsicht. Pflegekinder sind Kinder, die per definitionem, in schwierigem Gelände zurechtzukommen aufgefordert sind:

Zu allen altersgemäßen Entwicklungsanforderungen, die jedes Kind zu bewältigen hat, kommt – in jedem Fall- die eine ganz spezielle Anforderung hinzu: Als Kind nicht bei den leiblichen Eltern oder zumindest einem leiblichen Elternteil zu leben. Warum auch immer. Etwas ist geschehen. Was auch immer.

Spuren, die sich Bahn brechen…

Was geschehen ist, hinterlässt Spuren. Spuren, die sich in der „neuen“, der „anderen“ Familie Bahn brechen. Verbunden oft mit großen Anstrengungen aller jener, die diese Familie sind.

Wie umgehen, mit verzweifelten, aggressiven Wutanfällen der Kinder, mit ihren manchmal sehr originellen Gewohnheiten, mit Angstzuständen, emotionalem Rückzug, (teils) extremen, nicht eindeutig einzuordnenden Reaktionen auf Kontakte mit leiblichen Eltern, und, und, und … ??

Wie mit all dem umgehen und trotzdem in Beziehung bleiben, versöhnlich sein, Nähe anbieten, gelassen reagieren…? Pflegeeltern sind also auf enorme Weise gefordert: Tag für Tag. Es bleibt deshalb nicht aus und kann auch nicht ausbleiben, dass Kraftreserven geringer werden, negative Gefühle entstehen – dem Kind und sich selbst gegenüber, innere Not erlebt wird, Frau/Mann manchmal einfach nur aufgeben will, weil die Situation ausweglos erscheint.

Gute Rahmenbedingungen für Pflegefamilien…Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Pflegefamilien brauchen deshalb Rahmenbedingungen, die sie in ihrer Aufgabe bestmöglich unterstützen. Neben regelmäßiger persönlicher Beratung sowie zusätzlicher Supervision, sind dies beim St. Elisabeth-Verein kostenfreie Fortbildungsangebote, die auf Pflegefamilien zugeschnitten sind. Auch Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter kann da eine Antwort geben.

 

„Im Spielerischen liegt eine andere Möglichkeit des Lebendig – Seins:
eine Bereitschaft, sich auf die schwierigen Probleme mit einem Appetit auf
Leben, einer Fähigkeit, sich an gute Zeiten zu erinnern und einer Freude am
Leben einzulassen.“ Prof. Eugene Gendlin

Selbstfürsorge unterstützen: Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter des St. Elisabeth-Vereins e.V. im Fortbildungsangebot 2018

Der Geschäftsbereich bietet in diesem Jahr erneut an, Focusing kennenzulernen und einzuüben: „Focusing-Schnuppertage“ (23.02.2018 oder 21.04.2018) und ab Herbst zusätzlich ein mehrtägiges Focusing-Seminar (Start am 26.10.2018) können hierzu genutzt werden. Mehr zu den Fortbildungen für unsere Pflegemütter und Pflegeväter finden Sie unter „Fortbildungen“.

Das sagen Teilnehmende des ersten „Focusing-Schnupperstages“: 

„In einer ruhigen und gelassenen Atmosphäre konnte mit verschiedenen Übungen/Methoden experimentiert werden – eine ganz andere Art und Weise ein Seminar zu erleben.“

Es war ein wunderbarer Tag ohne Leistungs-oder zumindest Erkenntnisdruck. In ruhiger und ausgesprochen wertschätzender Atmosphäre ist zwischen manchen Teilnehmenden ein sehr persönlicher und vertrauensvoller Austausch möglich gewesen.Kurze Meditationen (stehend, sitzend oder liegend – ganz nach der eigenen Vorliebe) haben zu einer angenehmen Entschleunigung beigetragen.    Ich mache weiter!   Annette Wüst

Wie kann ich eine Situation, ein Gefühl, ein Erlebnis welches  unangenehm und bedrückend mein Leben belastet, anschauen – und annehmen ?In einer von Frau Rutz vorgeschlagenen Partnerübung konnte ich mich in mein inneres Erleben begeben. Es liegt in meiner Verantwortung mich dem unangenehmen Befinden zu nähern, es genauer anzuschauen und zu akzeptieren. Ich  bin der Gestalter. Damit ist noch keine Lösung bewirkt.Durch die vertrauliche Atmosphäre aus Eigenwahrnehmung und Zuhören ist ein Freiraum entstanden, bei dem die Bedrückung durch das unangenehme Befinden an Gewicht verloren hat. Schwierig zu erklären – Einlassen und Ausprobieren…

Interessieren Sie sich für die Arbeit als Pflegefamilie oder möchten Sie einmal in unsere Fortbildungen reinschnuppern, wenden Sie sich bitte über unser Kontaktformular an uns!

[1] Ausgesprochen von einem Zenmeister auf einer Focusing- Sommerschule

[2] Bücher, die die Wirkungsmöglichkeiten von Focusing darstellen sowie Übungsanleitungen enthalten: Klaus Renn: Dein Körper sagt Dir, wer Du werden kannst (2017); Ebd: Magische Momente der Veränderung (2016)

[3] Wenn Sie mehr über die Hintergründe, Haltungen und Axiome von Focusing sowie den Einsatz von Focusing in der Therapie erfahren wollen, dann empfiehlt sich ebenfalls das Buch von Klaus Renn: Magische Momente der Veränderung. (2016)

[4] Vgl. Klaus Renn: Dein Körper sagt dir, wer du werden kannst.(2017), S. 67f.

[5] Mehr über Focusing erfahren Sie auch auf der Internetseite des DAF

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…

Wie heißt es im Volksmund „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Darin drückt sich auch aus, dass die Hoffnung in einer schier aussichtslosen Situation noch einen Weg weisen kann. Und damit kann die Hoffnung ein mächtiger Motor des Lebens, ja sogar für das Leben sein. Beginnt nicht jeder Morgen mit einer Hoffnung…ganz profan auf schönes Wetter oder tief hoffnungsvoll auf einen schönen Tag mit der Familie. Die kleinen und großen Hoffnungen des Alltags.

Auch Pflegeeltern sind hoffnungsvoll oder haben in all den Turbulenzen des Alltags gelernt, wie es geht hoffnungsvoll zu sein. So war es naheliegend einen Magazinbeitrag über „Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…“ zu schreiben.

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat...Öffnen wir einmal die Tür und treten ein bei Familie „Vollderhoffnung“. Die älteste leibliche Tochter Marie ist schon aus dem Haus und studiert in Amsterdam Internationales Management. Die Zwillinge Mike und Justin sind kurz vor dem Abitur und wollen danach erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Die Idee dazu haben sie von ihrer Mutter, sie ist Sozialpädagogin und arbeitet halbtags in einer Kindertageseinricutung. Marie kommt eher nach Ihrem Vater. Er ist Pilot, doch arbeitet heute im Management von Lufthansa. Alle miteinander haben vor 3 Jahren beschlossen ihr gutes Leben mit einem Pflegekind zu teilen.

Dann kam Max, der Pflegejunge…

Und so lebt seit 3 Jahren Max bei ihnen, 8 Jahre alt, ein Pflegejunge, ein Wirbelwind der geschwind und lebendig durch das Haus saust.

Er hat bis zum 2. Lebenjahr bei seinen Eltern gelebt. Max kam also mit 16 Monaten in eine Pflegefamilien. Sein Vater sitzt seit vielen Jahren wegen verschiedener Gewaltdelikte im Gefängnis und seine Mutter befindet sich aktuell wieder in einer Entzugsklinik, da sie unter einem erheblichen Alkoholmissbrauch leidet.

Frau Vollderhoffnung kennt Max aus der Kindertageseinrichtung und hat seine Geschichte hautnah mitbekommen. Max musste seine erste Pflegefamilie aufgrund einer schweren Erkrankung der Pflegemutter verlassen. Und so war sich Familie Vollderhoffnung schnell einig, Max bei sich eine Perspektive zu geben. Sie wussten, dass Max eine schwierige Kindheit hatte und dass der Übergang aus der Pflegefamilie in ihre Familie für Max auch nicht leicht sein würde.

Wenn es schwieriger wird…

Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit tauchen die ersten Schwierigkeiten auf, besonders beim Übergang in die Grundschule. Max wird zunehmend aggressiver, wacht nachts auf und schläft nicht mehr ein. In der Schule schlägt er unvermittelt Kinder, so dass sich die Anrufe der Schule häufen. Auch auf der Straße gibt es immer wieder Konflikte mit Nachbarskindern. Dabei kommt es hin und wieder auf beiden Seiten zu kleineren Blesuren. Schon öfter waren die Nachbarn da, um mit den Pflegeeltern von Max zu sprechen.

Die Pflegeeltern Vollderhoffnung lassen sich jedoch nicht so schnell unterkriegen. Sie hoffen jeden Morgen neu. Hoffentlich geht in der Schule alles gut geht, hoffentlich klingelt nicht plötzlich das Telefon, weil es wieder einen Streit gab. Es wird wohl alles gut gehen, wenn wir Max jetzt draußen spielen lassen.

Und sie blicken auch zuversichtlich auf den nächsten Besuchkontakt mit der Mutter von Max und denken nicht daran, dass es beim letzten Mal aus dem Ruder lief. Unverzagt glauben sie daran, dass doch noch der Knoten Platz und Max sich stablisiert.Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…

Pflegefamilien und Pflegeeltern sind Hoffnungsträger für das Leben, für die Entwicklung von Kindern, den eigenen und den angenommenen. Sie glauben daran, dass sich Wege finden lassen, dass es Lösungen für schwierige Situationen gibt.

Doch für viele Pflegemütter und Pflegeväter macht die Hoffnung noch mehr aus. Sie entfaltet sozusagen ihre ganze Kraft erst, wenn ich mich in meiner Hoffnung eben nicht nur von einem guten oder weniger guten Ausgang einer Situation leiten lasse, sondern von dem Wissen um einem tieferen Sinn von Ereignissen und Entwicklungen.

Und diesen Aspekt drückt der teschechische Menschenrechtler Vaclav Havel in seinem Zitat zur Hoffnung wie folgt aus:

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Sie ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

Und Giovanni Maio (deutscher Mediziner und Philosoph) ergänzt den Gedanken von Havel wie folgt:

„Ihrem Wesen nach sei Hoffnung nicht auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, sie sei ein Offensein für das, was kommen wird, und ein Vertrauen darauf, es bewältigen zu können. Wer hoffe, vertraue auf die eigene innere Stärke un darauf, am Unverhersehbaren nicht zu zerbrechen. In einem tieferen Sinn hofft man nicht auf etwas, sondern auf sich selbst.“

Und darin wird deutlich, dass es im Zusammenhang mit der Hoffnung so zentral bedeutsam ist, sich selbst zu vertrauen, sich selbst anzunehmen, sich selbst etwas zuzutrauen, auch wenn es um das Unvorhersehbare geht.

Frau Vollderhoffnung hatte eine Ahnung, wie es mit Max werden könnten, doch genau wusste sie es nicht. Und dennoch ist sie voller Hoffnung auf die Situation zu gegangen, hat auf sich selbst und die Stärken von ihrem Mann und ihren Kindern vertraut. Und tatsächlich hat sich das Leben mit Max positiv gestaltet, obwohl es noch einige Hürden zu meistern gab.

Allen die vielleicht noch tiefer in das Thema einsteigen möchten sei der folgender Videotipp an das Herz gelegt.

Therapieziel Dankbarkeit „Über die heilende Kraft der Annahme seiner selbst“,  ein interessantes Video zu einem Vortrag von Giovanni Maio.

Und wie steht es mit Ihrer Hoffnung, mit Ihrem Blick auf die Hoffnung? Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…Wir laden Sie ein mit uns ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist Pflegefamilien werden und sein für Sie auch ein Weg. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

Inspiriert für diesen Beitrag wurde ich durch das „Die Zeit“ Leitthema „Wie mächtig ist die Hoffnung“, von Christian Heinrich und Allessandro Gottardo. Vielen Dank dafür.