Pflegefamilien gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilien gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilie gesucht – Basisstation werden

Pflegefamilie sein: Filmreif!

In diesem Jahr begeht der Geschäftsbereich „Pflegefamilien“ des St. Elisabeth-Verein e. V. sein 25-jähriges Jubiläum. Viele Kinder und junge Menschen sind in dieser Zeit in den Pflegefamilien, die von uns beraten und begleitet werden, erwachsen geworden. Es gab unzählige Glücksmomente, aber auch oft genug „dicke Luft“, die alle Beteiligten herausforderte.

„Langer Atem“ gehört wohl zur Grundausstattung all jener Menschen, die sich der Aufgabe öffnen, ein zunächst fremdes Kind in ihrer Familie aufzunehmen. „Langer Atem“ und Mut gehören auch für die Kinder und Jugendlichen dazu, wenn sie sich auf den Weg machen, in einer unbekannten (Familien-)Welt Fuß zu fassen. Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen. Es braucht: „Langen Atem“- immer wieder. Und „dicke Luft“ macht für gewöhnlich das Atmen für alle in der Familie nicht leichter …

Geschafft haben es trotzdem so viele! Wechselseitige Geduld haben sie bewiesen, Erwachsene und Kinder sind miteinander, aneinander gewachsen. Sie haben tragfähige, innige Beziehungen entwickelt, die häufig über die gemeinsam gelebte Familienzeit hinausreichen.

Finden Sie nicht auch, dass das „filmreif“ ist?

Basisstation gesucht. „Play!“

Wir sind eindeutig aufgeregt, als wir „Play“ drücken dürfen: zum ersten Mal am 06.08.2018. Der Rohschnitt unseres Films „Basisstation gesucht“ ist fertig. Es ist ein besonderer Moment – ein unsicherer und hoffnungsvoller Moment gleichzeitig. Der Film beginnt. Läuft. Endet.

Wir sind …!

Moment, das geht jetzt zu schnell.

Realität am Dienstagmorgen: Pflegefamilien gesucht!

Pflegefamilien gesuchtAn einem jeden Dienstag tagt das Aufnahmeteam unseres Geschäftsbereichs. Unzählige Anfragen von Jugendämtern zur Unterbringung von Kindern in Familien liegen vor und werden besprochen. Wenn Sie nun denken, das ist ein lediglich „formaler Akt“ für uns, dann täuschen Sie sich. Hinter jeder Anfrage verbirgt sich die Biographie eines Kindes oder Jugendlichen. Es sind ergreifende Biographien, die, so unterschiedlich sie im Einzelnen vielleicht sein mögen, eines gemeinsam haben: Die Kinder und Jugendlichen können oder wollen nicht – oder derzeit nicht – in ihren leiblichen Familien leben. Hinter jeder „formalen“ Anfrage versteckt sich folglich auch der stumme Wunsch eines (manchmal sehr) jungen Menschen: Basisstation gesucht!

Es liegt nahe, dass wir (als Fachteam) uns Menschen wünschen, die (Pflege-)Eltern für diese Kinder sein wollen. Aber, wie sage ich gerne: „Wunsch geteilt durch Wirklichkeit minus 20 % ergibt: Realität.“

Und Realität – in unserem Falle – bedeutet:

Es gibt Basisstationen nicht wie Sterne am Himmel…

Angesichts dieser Realität beginnt dann auch für unseren Geschäftsbereich die Auseinandersetzung mit einem Prozess, der in anderen Berufsfeldern „Akquise“ genannt wird: Wie kann es uns gelingen, Menschen für die Aufgabe „Pflegefamilie sein“ zu begeistern? Wie finden wir jene Menschen, die Kinder in schwierigen Lebenslagen unterstützen und tragen wollen und bisher noch nicht an die Möglichkeit „Pflegefamilie werden“ gedacht haben? …

Wie es gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr genau (vielleicht haben uns die letzten 25 Jahre Mut gemacht?) aber irgendwann sind wir uns sicher: Wir wollen einen Film drehen (lassen)! Nicht irgendeinen seltsamen (Werbe-)Film, darüber sind wir uns schnell einig. Wir wollen einen Film, der „echt“ ist: Einen Film, der seinen Ausgangspunkt bei den Menschen und ihren Erfahrungen hat. Einen Film, der eine Geschichte erzählt, die nur erzählt werden kann, weil die Geschichten hinter der Geschichte Bedeutung erhalten und weil die Menschen hinter den Geschichten uns ihre Bilder für die Geschichte schenken. Klingt kompliziert? Man kann sich leichtere Ziele setzen … auch das merken wir schnell. Wir machen uns trotzdem auf den Weg – zusammen mit Menschen, die wissen wovon sie sprechen: Mit ehemaligen Pflegekindern, mit Pflegefamilien und mit einem Kameramann, der plötzlich so viel mehr sein wird, als ein Kameramann.

Geschichten für die Geschichte: Ehemalige Pflegekinder erzählen

Wie packen wir eine ganze Welt in zwei Minuten? All die Erfahrungen, Gefühle, Stimmungen? Mir ist seltsam. Wir haben heute unseren ersten Termin mit Herrn Schuchardt von kamermann24.

Wir berichten von unserer Idee, einen „besonderen“ Film drehen lassen zu wollen, einen Film, der die Geschichten ehemaliger Pflegekinder aufnimmt, ihre Erfahrungen in der Pflegefamilie sichtbar werden lässt und: der Mut macht. Ein Film mit intensiven Bildern soll entstehen – denn wir haben es mit intensiven Biographien zu tun, mit intensiven Leben und mit der intensiven Aufgabe „Pflegefamilie sein“. Wir skizzieren Hintergründe unserer Arbeit, erzählen von unserem (Leit-)Bild „Basisstation gesucht“ und zeigen natürlich auch die Postkarte … Wir haben Ideen im Kopf, aber wir haben noch nie eine Idee filmisch umgesetzt. Wir sind Anfänger – Herr Schuchardt nicht. Er ist dafür Anfänger bezüglich der Themen „Pflegefamilien“, „Pflegekinder“. Kann spannend werden, denke ich.

Pflegefamilien gesucht – Pflegekinder gefunden …

Pflegefamilien gesucht„Erste Hilfe“ für uns kommt von zwei Menschen, denen wir nicht genug danken können: Nadine und Thomas. Nadine und Thomas sind erwachsen. Und ehemalige Pflegekinder. Und großartig.

Beide erklären sich bereit, sich von uns, in der Vorbereitung des Films, interviewen zu lassen. Wir verabreden uns zu zwei getrennten Interviewterminen, bei denen wir nicht nur Fragen im Gepäck haben, sondern Herr Schuchhardt auch noch die Kamera aufbaut …

Es sind intensive Gespräche, die wir mit Nadine und Thomas führen. Wir sprechen über die Zeit in ihren leiblichen Familien, über schöne Momente und schlimme. Nadine und Thomas teilen mit uns ihre Erfahrungen. Erfahrungen, die ihnen als noch jungen Kindern schmerzlich eindeutig klar machen: Hier geht es im Moment nicht weiter. Miteinander geht es im Moment nicht weiter.

Wir werden mitgenommen auf ihre (langen) Wege hin zu den Pflegefamilien, bei denen sie schließlich erwachsen geworden sind. Nadine und Thomas lassen uns ihre Geschichten hören; sie erzählen uns wie es war, in einer „fremden“ Familie zu leben, Vertrauen zu fassen, zu lieben und zu streiten.

Wir haben einen Kloß im Hals, Tränen in den Augen, Gänsehaut … das, was Nadine und Thomas zu sagen haben ist ebenso schmerzlich wie ermutigend.

Herr Schuchardt ist jetzt kein Anfänger mehr bei den Themen Pflegekinder/Pflegefamilien.

Pflegefamilie werden: Ehemalige Pflegekinder machen Mut

„Ich wünsche mir, dass Menschen sich zutrauen, Pflegefamilie zu sein und Kindern zu helfen“, sagt Thomas. „Ich habe mir so sehr gewünscht in einer Familie zu leben, nicht länger im Heim.“

„Meine Pflegeeltern haben mir zugehört, mit mir gesprochen, Geduld gehabt und mich unterstützt. Sie wollten mich verstehen. Sie waren da, auch wenn es schwierig wurde. Und sie sind es immer noch“, sagt er auf die Frage, wodurch/womit ihm seine Pflegeeltern besonders geholfen haben.

„Zeit haben meine Pflegeeltern mir geschenkt und Halt – viel Halt. Sie haben an meiner Seite und mir zur Seite gestanden. Ich konnte mich auf sie verlassen. Und im Rückblick ist das, was damals genervt hat, so wertvoll. Hier in meiner Pflegefamilie bin ich zu einer selbständigen jungen Frau geworden“ sagt Nadine und schließt an: „Ich als Elternteil würde sein wollen wie meine Pflegeeltern.“

Pflegefamilien in Farbe: Wie aus Geschichten ein Drehbuch und ein Film wurde

Nadine und Thomas. Erinnerungen. Geschichten. Bilder.

Wir sind unbeschreiblich dankbar, dass ihr so offen mit uns gesprochen habt. Dass ihr unser Filmprojekt unterstützt. Dass ihr Menschen ermutigen wollt, Pflegeeltern zu werden. Und wir haben gehörigen Respekt. Vor euch, vor euren Erfahrungen. Wir wollen einen Film drehen, der euch und euren Lebensgeschichten gerecht wird. Ich weiß zwischendurch nicht recht, ob ich Angst vor meiner eigenen Courage bekommen soll.Wir schreiben ganze Whiteboards voll, entwickeln Bilder, verständigen uns über Stimmungen und Botschaften, die in eurem/unserem Film Platz haben sollen.

Pflegefamilien gesuchtHerr Schuchardt ist Experte für die Möglichkeiten der filmischen Umsetzung. Wir sind immer noch Anfänger und deshalb ein wenig anstrengend. Und doch liegt am Ende die Idee für ein Drehbuch vor uns. Ein Drehbuch, das sich allerdings nur umsetzen lässt, wenn Menschen uns unterstützen, die wissen, wovon sie sprechen. Nadine und ihre Pflegeeltern werden sich erneut mit Herrn Schuchardt treffen. Alle drei werden „in Farbe“ in unserem Film „Basistation gesucht!“ zu sehen sein. Wie die drei es fanden, mit Teilen ihrer Geschichte vor der Kamera zu stehen, erzählen sie uns vielleicht bei der Uraufführung von „Basistation gesucht“. An jenem Tag, an dem wir die Menschen feiern werden, denen es gelungen ist, miteinander einen „langen Atem“ zu haben. 25 Jahre Geschäftsbereich „Erziehungsstellen“ sind mehr als 25 Jahre vergangene Zeit. Es sind 25 Jahre voller Glück, „dicker Luft“ und „langem Atem“. 25 Jahre voller Geschichten echter Menschen.

25 Jahre Pflegefamilien in Hessen: Wir drücken gemeinsam „Play“

Der Film „Basisstation gesucht“ ist wirklich fertig. Heute habe ich zu einem unserer Geschäftsbereichsleiter, zu Herrn Kasper, gesagt: „Jetzt muss er alleine laufen.“ Es fühlt sich seltsam an. Vielleicht, weil es so ein langer Weg hin zu diesem Film war. Dieser Film hat Nadine, Thomas und ihre Familien so sehr gebraucht: sie waren inspirierende, mutige, aufgeschlossene und engagierte „Geburtshelfer“. Erst mit ihnen hatten wir Geschichten, um eine Geschichte erzählen zu können. „Basisstation gesucht“ hat Herrn Schuchardt Fachkompetenz als Kameramann gebraucht und sein unbedingtes Engagement für die Geschichten hinter der Geschichte des Films. Herr Schuchardt war viel mehr als ein Kameramann! Und das Engagement seiner Familie war das Geschenk, das er uns – quasi im Vorübergehen – gemacht hat. Ein kleines Mädchen und ihre Familie haben den Film möglich gemacht – wer würde in unserem Film die Basisstation suchen, wenn diese Menschen nicht den Willen und die Ausdauer gehabt hätten, das Filmprojekt zu unterstützen.

Und sind wir ehrlich: Der Film „Basisstation gesucht“ hat 25 Jahre Geschäftsbereich „Erziehungsstellen“ gebraucht. All die Menschen, ihr Engagement, ihren Mut und ihre Geschichten. 25 Jahre Pflegefamilien im St. Elisabeth- Verein e. V. Wir sagen: DANKE! Und: „Play!“

Den Film können Sie auf dieser Seite ab Montag, den 24.09.2018 sehen. Wir freuen uns über Rückmeldungen.

Pflegefamilien gesucht … Wir laden Sie ein, mit uns Kontakt aufzunehmen. Hier ist der Link.

Autorin: Esther Schmitt

Sommerpause bei Pflegefamilien Hessen

Sommerpause bei Pflegefamilien Hessen

Pflegefamilien Hessen – Unser Blog in Sommerpause

Unsere Autoren, Esther Schmitt, Pamela Premm und Bertram Kasper sind im Urlaub. Sommerpause bei Pflegefamilien Hessen.Wir schreiben jetzt seit fast einem Jahr rund um das Thema Pflegefamilie, Pflegeeltern und Pflegekinder. Da ist einiges zusammengekommen und wir bekommen ein positive Resonanz. Das freut uns sehr.

Bisher können wir ja von einem Jahrhundert Sommer sprechen, wobei die Trockenheit der Preis ist. Die Bauer klagen und wir werden es an den Kostensteigerungen spürgen. Das Wetter kann es halt nicht allen Recht machen.

Pflegefamilien Hessen wünscht allen Pflegefamilien einen tollen Sommer…

Wir hoffen sehr, dass alle Pflegefamilien mit ihren Pflegekindern eine spannenden und erlebnisreichen Sommer vor sich oder vielleicht schon hinter sich haben. Frau Pamela Premm hat auf jeden Fall einen schönen Beitrag nach einem Interview mit einer Pflegefamilie dazu geschrieben. Den Link finden Sie hier. Wir wünschen Erholung, tolle neue Erfahrungen und Momente des Innehaltens mit der Familie. Genießen Sie die gemeinsame Zeit.

Pflegefamilien Hessen ist ab 08.08.2018 wieder mit online.

Wenn Sie sich für die Aufgabe als Pflegefamilie interessieren, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Hier geht’s zum Kontakformular.

Urlaub mit Pflegekindern

Urlaub mit Pflegekindern

Urlaub mit Pflegekindern – wie es stressfrei gelingt

Mit dem Start der Sommerferien steigen auch die Erwartungen an die geplante Reise. Wie der Urlaub mit Pflegekindern entspannt verläuft, dazu haben wir uns bei Pflegefamilie Peters* aus Marburg umgehört.

Der Pool glitzert in der Abendsonne. Die Familie sitzt gemeinsam auf der Terrasse und lässt einen wunderschönen Urlaubstag beim Brettspiel ausklingen. Ferien wie aus dem Bilderbuch sehen in der Realität meist ganz anders aus: Schlafmangel, quengelnde Kinder und gestresste Eltern statt Friede, Freude, Urlaubsstimmung. Dabei können Familienreisen durchaus gelingen. Vorausgesetzt es darf auch mal chaotisch zugehen und man schraubt seine eigenen Erwartungen drastisch zurück. So wie Familie Peters aus Mittelhessen. Wenn die Pflegefamilie den Van vollpackt, ist es mit der Idylle schnell vorbei. Utensilien, Bekleidung und Proviant für sechs Personen müssen verstaut werden. Ob es an die niederländische Nordseeküste, nach Südfrankreich oder Istrien geht: Jedes Kofferpacken gleicht einem Umzug. Die Pflegefamilie aus Hessen reist gerne und viel. Und das im Großformat mit zwei leiblichen Söhnen und zwei neun und elf Jahre alten Pflegetöchtern. Wie der Urlaub mit Pflegekind stressfrei funktionieren kann, verrät Vater Jörg.

Urlaub mit Pflegekind ist wie eine Reise zum Mars

Urlaub mit PflegekindernDer Alltag von Familie Peters ist klar strukturiert. Außerhalb der Ferien gehen die Pflegetöchter pünktlich um 20.00 Uhr ins Bett. Die Mutter kümmert sich um den Haushalt und die Familie. Der immergleiche Alltag hilft den Mädchen dabei, sich zu orientieren. Beim Reisen werden genau diese festen Abläufe aufgebrochen. „In den Ferien sehen wir das gelassener, da dürfen die Kinder auch schon mal länger aufbleiben“, sagt Pflegevater Jörg. Was für jede andere Familie ganz normal klingt, kann für Familie Peters schon sehr herausfordernd sein. „Wenn unsere Pflegekinder den Alltag nicht mehr haben, bringt sie das ziemlich durcheinander“, so der Sozialpädagoge. „Wenn nur eine Kleinigkeit anders ist, ist es für sie wie auf dem Mars – eine andere Welt.“ Dann werden Regeln vergessen, getroffene Vereinbarungen umgangen und heftige Trotzanfälle ausgelebt. „Da hilft es nur, locker zu bleiben und mit dem umzugehen, was gerade passiert“, sagt der Pflegevater.

Pflegekinder verhalten sich im Urlaub oft auffällig

Gerade im Urlaub können sich bestimmte Verhaltensmuster intensivieren. Viele Pflegekinder zeigen in einer ungewohnten Umgebung ein auffälliges Verhalten. Distanzlosigkeit zu anderen Menschen ist eines davon. „Unsere Mädchen gehen direkt auf wildfremde Menschen zu, suchen körperlichen Kontakt, der in der Situation völlig unangebracht ist. Da müssen wir schon sehr aufpassen“, sagt der 45-jährige. Zugrunde liegen meistens Bindungsstörungen. Zuverlässige Beziehungen haben viele Pflegekinder nie kennengelernt. Ganz im Gegenteil: Sie haben die Erfahrung machen müssen, dass man sich auf andere Menschen nicht verlassen kann. Der Drang nach Aufmerksamkeit und körperliche Nähe zu Fremden ist nur ein Anzeichen dafür, dass in der frühen Kindheit etwas gefehlt hat. Doch nicht nur das, erklärt der Familienvater: „Als unsere Pflegekinder noch jünger waren, durfte man sie nicht aus den Augen lassen. Blitzschnell waren sie abgelenkt und verschwunden. Das kann auch gefährlich werden.“

Ruhe und Wasser sind das A und O

Stressfrei in den Urlaub mit Pflegekindern? Da ist Planung gefragt. Damit die Familie trotz fremder Umgebung viel Ruhe und Privatsphäre genießen kann, bucht sie meistens ein Ferienhaus oder einen Campingurlaub. „Wichtig ist, dass wir uns auch mal zurückziehen können. Unsere Pflegetöchter brauchen gerade nachts viel Ruhe, damit sie überhaupt in den Schlaf finden.“ Eine ländliche Umgebung und ein abgeschlossenes Grundstück sind perfekte Voraussetzungen für einen erholsamen Urlaub mit der Großfamilie. „Und Wasser! Ohne Wasser geht nichts.“ Ob sich dies in einem Pool oder See befindet, sei indes egal. „Während die Kinder im Wasser unbeschwert toben oder sich auf der Luftmatratze treiben lassen, können wir auch als Eltern entspannen.“ Neben den entschleunigten Tagen gibt es immer mal wieder Unternehmungen. „Dann fahren wir in das nächste Hafenstädtchen, erkunden die Gassen und gehen mit der ganzen Familie essen“, so der Familienvater. „Auch unsere Pflegetöchter merken schnell, dass solch ein Restaurantbesuch etwas ganz Besonderes ist und genießen die gemeinsame Zeit.“

Erwartungen zurückschrauben und Fünfe gerade sein lassen

Urlaub mit PflegekindernJedes Pflegekind ist einzigartig, hat seine eigene Biografie. Was man ihnen im Einzelfall zumuten kann, hängt von jedem Kind individuell ab und von den Nerven der Eltern. „Die Eltern sollten sich einig sein, wenn sie eine Reise planen. Und auch mal Fünfe gerade sein lassen, damit es keinen Stress gibt“, bestätigt Jörg. „Außerdem sollte man nicht zu hohe Erwartungen haben.“ Die können schon mal nach hinten losgehen, wie der Familienvater aus eigener Erfahrung weiß. Eine Reise nach Venedig entpuppte sich vor einigen Jahren als Nervenprobe. „Als Kind war ich selbst oft in Norditalien und Venedig. Also entwickelte ich den ambitionierten Plan, meiner Familie die Lieblingsorte meiner Kindheit zu zeigen. Unsere kleine Pflegetochter wollte zu dieser Zeit allerdings nie an der Hand gehen. Sie am Ufer der Wasserstraßen allein spazieren zu lassen, war viel zu gefährlich. Also lief ich mit einem schreienden Kind auf dem Arm durch Venedig. An Sightseeing war nicht mehr zu denken.“

Urlaub mit Pflegekindern

Trotz solcher Erfahrungen möchte die Familie die gemeinsamen Urlaube nicht missen. Ob es nun Skifahren in Südtirol oder Ferienhausurlaub in Kroatien ist: „Es ist anstrengend als Großfamilie in einer Konstellation mit Pflegekindern zu reisen, aber es schweißt auch zusammen. Und wenn wir in alten Alben blättern, schwelgen alle in den liebenswerten Erinnerungen.“ Und noch ein Effekt hat der Urlaub für die Kinder: „Wir staunen immer wieder, wie positiv sich eine gemeinsame Reise auf die Entwicklung der Pflegekinder auswirkt. Nach jedem Urlaub sind sie körperlich und seelisch gewachsen.“

Urlaub mit Pflegekindern ist übrigens in den meisten Fällen problemlos möglich. Alle Reisen werden mit den leiblichen Eltern oder dem Vormund abgesprochen. Zusätzlich können sich Pflegeeltern eine Vollmacht ausstellen lassen. Nur selten gibt es Fälle, in denen etwas dagegenspricht. Für Pflegekinder ist es in jedem Fall ein großes Abenteuer. Und für die Eltern? Die müssen vielleicht das ein oder andere Mal tiefer durchatmen und darauf bauen, dass auch der schönste Urlaubsstress irgendwann zu Ende geht.

Möchten Sie auch einen Urlaub mit Pflegekindern verbringen, dann freuen wir uns darauf Sie als Familie kennenzulernen. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

*Namen der Redaktion geändert

Zu Fuss durchs Universum

Zu Fuss durchs Universum

Zu Fuss durchs Universum

Die folgende Rezensionsvorlage ist von socialnet.de, für die der Autor schon viele Rezensionen geschrieben hat.

AutorIn: Regina Groot Bramel, Zu Fuss durchs Universum, Patmos Verlag 2018

RezensentIn:Bertram Kasper, Dipl. Supervisor, www.pflegefamilien-hessen.de

Thema

In dem vorliegenden Buch findet der Lesende eine Sammlung von Briefen über die drei ersten Lebensjahre an ein Kind. Ein Logbuch für das Universum. Dabei lädt die Autorin Menschen dazu ein das Wunder des Lebens bewusster wahrzunehmen und die eigene Aufmerksamkeit auf die vielen kleinen Entwicklungs- und Wachstumsgeschichten zu lenken. Der Untertitel lautet: „Als Eltern unterwegs mit einem kleinen Menschenkind“.

AutorIn oder HerausgeberIn

Die Autorin ist nach den Angabe aus dem Buch, Mutter vieler Kinder und Pflegekinder, Sozialpädagogin, Religionslehrerin und Reittherapeutin. Sie lebt mit ihrer großen Familie und vielen Tieren in der ländlichen Idylle des hessischen Mittelgebirges. Dort verwirklicht sich ihr Kinderheitstraum von einem Haus, in dem ist Platz für Alt und Jung, Verwandte und Freunde.

Entstehungshintergrund

Die Autorin wollte ein Mutmach – Buch für Eltern und Pflegeeltern schreiben.

Aufbau

Das Buch gliedert sich insgesamt in 21 Kapitel und umfasst 193 Seiten. Die Kapitel orientieren sich an wichtigen und zentralen Ereignissen, aber auch täglichen Begebenheiten in den ersten Jahren.

Die Kapitel im Einzelnen:

Vorwort – Glück und Segen – Lächeln und Lachen – Essen und Trinken – Greifen und Erkunden – Sitzen – Worte sammeln – Laufen lernen – Spazierenstehen – Zeit empfingen – Danken und Bitten – Spielen und Lernen – Erzählen und Vorlesen – Geben und Nehmen – Reden und Handeln – Verlieren und Finden – Das Ich entdecken – Unterwegs und daheim – Fragen und Antworten – Visionen und Ziele – Kleine und große Geschenke – Auf ein Neues!

Inhalt

Zu Fuss durchs UniversumIch habe einmal nachgeschaut was Universum eigentlich bedeutet. Es ist abgeleitet aus dem lateinischen Wort universus, deutsch ‚gesamt‘, auch der Kosmos oder das Weltall genannt. Das Universum steht für die Gesamtheit von Raum, Zeit und aller Materie und Energie darin. Wenn ich das in Verbindung mit dem Titel des Buches bringe „Zu Fuss durchs Universum“, kann ich mir schon vorstellen, wie intensiv die Erzählungen von Regina Groot Bramel über die ersten drei Jahre im Leben eines Kinders sein werden.

Mundus ist noch ein anderes Wort für Universum und hat eher einen philosphischen Hintergrund. Mundus sensibilis steht für die sinnlich wahrnehmbare Welt. Universum im Zusammenhang mit Mundus sensibilis drückt das ganze Wunder von Babies und Kleinkindern mit all ihrer Energie und Sinnlichkeit in Raum und Zeit aus.

Und so ist es dann tatsächlich auch. Diese intensive Atmosphäre überträgt die Autorin mit einer trefflichen Sensibilität in die vielen kleinen wundersamen Erlebnisse, Geschichten und Erfahrungen.

Die Überschriften der einzelnen Kapitel verraten ganz praktisch worum es geht. Manchmal, so ging es mir beim Lesen, kommen einem die Erinnerungen an die eigenen Kinder oder an die eigenen Kindheit schon in den Sinn. Durch die lebendige und bildhafte Erzählweise, werden dadurch die eigenen Familienkindergeschichten wieder ganz präsent und gegenwärtig.

So lädt das Buch wahrscheinlich ganz unbeabsichtigt auch dazu ein, mit den heute vielleicht erwachsenen Kindern das eine oder andere Kapitel zu lesen und dadurch die eigenen Erlebnisse wieder ganz real zu aktivieren.

Die Autorin schreibt zwar ist es kein entwicklungspsychologische Buch, doch vielleicht ist es das Entwicklungspsychologiebuch überhaupt, da es sehr sinnlich die vielen kleinen Entwicklungsschritte des jungen Erdenbürgers beschreibt und für eine genaue Beobachtung sensibilisiert. Nebenbei und doch so feinfühlig wird die Magie der ersten drei Lebensjahre so präsent. Mit jedem weiteren Kapitel erschließt sich die tiefe Bedeutung für den Titel und die damit verbundene Unendlichkeit: Zu Fuss durchs Universum. So werden kontinuierlich die unterschiedlichen Blickwinkel auf die jeweiligen Entwicklungsschritte des jungen Weltenbummlers angereichert.

Zwischendurch streut Regina Groot Bramel zum jeweiligen Kapitel Redewendungen ein wie z.B. „Du sollst zwar fest im Sattel sitzen, jedoch nicht auf dem hohen Ross“. So gibt die Autorin z.B. dem Sitzen als Entwicklungsstufe nochmals eine andere Bedeutung, die auch Eltern wertvollen Hinweise sein können die Begleitung und Erziehung ihrer Kinder zu differenzieren.

Nicht nur in dem Kapitel „Greifen und Erkunden“ wird deutlich, wie wichtig diese Entwicklungsphase ist und wie sie in das Leben an sich wirkt. Die Autorin versucht die Auswirkungszusammenhänge zwischen den ersten Entwicklungsjahren und der zukünftigen Biographie an sich zu verdeutlichen.

Deshalb möchte ich dazu die Autorin sprechen lassen: “ Du greifst und begreifst die Welt jeden Tag ein Stückchen mehr. Das Greifen wird dein Leben lang nicht mehr aufhören. …Wir begreifen Sachverhalten und immer kompliziertere Zusammenhänge, bilden gedankliche Verknüpfungen. Wir greifen ein, wenn etwas Gefährliches sich ankündigt oder eine Ungerechtigkeit passiert. Wenn uns einer dumm kommt, fühlen wir uns angegriffen. Auch unsere Gesundheit bezeichnen wir als angegriffen, wenn miese kleine Erreger uns Husten und Schnupfen bescheren.“ (S.33 – 34)

Auch die so wichtige Interaktion zwischen Eltern und Kindern kommt ganz beiläufig in den Blick und gibt Hinweise für einen spielerischen und leichten Umgang.

Zu Fuss durchs Universum

© Konstantin Yuganov-mozZz – Fotolia.com

So könnte das Buch auch ein Vorlesebuch für Eltern sein, die es selbst nicht so leicht mit der Erziehung ihrer Kinder haben. Quasi als Impulsgeber, mal etwas anders zu probieren. Oder das ein oder andere Kapitel kann als Gesprächsaufhänger dienen, um mit Herkunftseltern der Pflegekinder in einen guten Austausch zu kommen.

Am Ende sind es die kleinen, oft ganz stillen Momente in den ersten Lebensjahren, die ganz beiläufig und unverhofft bedeutungsvoll werden. Nicht selten zaubern sie beim Lesen ein Lachen ins Gesicht. So ist es nicht verwunderlich, dass mein Lieblingskapitel „Lächeln und Lachen“ ist.

Und so ist es dieser Wunsch den ich zitieren möchte: „Ich wünsche mir, dass du an jedem Tag deines Lebens lächeln kannst und etwas zu lachen hast. Ich will nach meinen Möglichkeiten dazu beitragen und mich daran freuen. Und ich will es teilen, es ist ganz einfach und gehört zu den Dingen, die sich vermeher, wenn man sie verschenkt. Und – ein Lächeln ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen!“

Zu Fuss durchs Universum – Diskussion und Fazit

Ein leichtes, ein schönes Buch mit so köstlich sinnlichen Augenblicksbeschreibungen die mich als Leser verzückt haben. Ein echtes Wundersichtbarmachbuch für das Leben von Menschen. Ein Buch das Paaren wirklichen Mut macht, sich auf das Abenteuer Kinder einzulassen. Auch ein Buch, das Eltern geradezu einlädt selbst Tagebuch zu schreiben, um es später mit den eigenen Kindern zu lesen. 

Ein Buch für Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen und Krippen, die auf die Entwicklungspsychologie einen anderen Blick bekommen wollen. Und ein Buch, das die eigene Beobachtungsfähigkeit schärft, für Erzieherinnen und für Eltern.

„Wer noch nicht dem Zauber erlegen ist, den ein eigenes Kind verbreitet, kann es nicht verstehen. Es ist, als wäre da eine gläserne Wand zwischen dem Davor und Danach“, S. 57

Wollen auch Sie zu Fuss durchs Universum gehen…vielleicht mit einem Pflegekind, dann nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf!

 

Pflegemutter Barbara Schöneberger

Pflegemutter Barbara Schöneberger

Wenn ich wünschen könnte, wäre meine Pflegemutter Barbara Schöneberger

Gerade hat Barbara Schöneberger in der Dezemberausgabe des Magazins ‚Barbara‘ den Themenschwerpunkt Familie gewählt. Sie titelt „Natürlich ist bei uns alles super!“. Und abgebildet ist wie auf jeden Titelblatt natürlich Barbara Schöneberger.

Diesmal mit ihrer Pflegefamilie, einem adretten Mann mit grau melliertem Vollbart, einem vielleicht 9-jährigen Mädchen, erstaunt und fragend in die Welt schauend und ein etwa 6-jähriger Junge, grimmig sein Blick, mit trotzig verschränkten Armen. Beide mit blonden lockigen Haaren, wie die Pflegemutter Barbara Schöneberger selbst.

Glitzer, Glamour, Glücksmomente…

Pflegemutter Barabara Schöneberger eine ‚ Ich trau mich Mama‘ und eine ‚ Ich trau mich Frau‘, wie ich sie mir als Pflegekind wünschen würde. Mutig geht sie mit ihrem Andersein um, mit ihrem eben nicht in den Mainstream passend, und kreiert daraus ihre ganz eigene Identität. Da kann ich doch hoffen, dass sie sich so richtig und ganz für mich einsetzt.

Und dazu strahlt Barbara Schöneberger für mich diese wohlige Wärme aus, die mit ein wenig Fülle und einer Brust zum Anlehnen einhergeht. Eine echte Mama eben. Und dazu ist sie noch „schrill wie eine Sirene“ wie neulich Rainer Wälde in seinem Magazin schrieb.

Pflegemutter Barbara Schöneberger

bringt also ideale Voraussetzungen für eine Pflegemama mit, die verhaltensorginellen Kindern einen Lebensort geben möchte. Und sie schreibt im Editorial: „Im Ernst, ich finde Familie zu haben wirklich toll ! Und zwar das Gesamtpaket . Den Spaß. Den Stress. Das Gewusel. Apropos Gewusel : Mir kann es nie voll und wild genug sein. Mein Tisch zu Hause ist riesig.“

Da sagt sie etwas Wahres…

Pflegemutter Barbara Schöneberger

Den Spaß, den Stress, das Gewusel…genauso ist Pflegefamilie sein. Ich selbst kenne eine Pflegefamilie, die auf ihrem großen runden Tisch eine Eisenbahn im Kreis fahren lässt, damit alle gut an die Butter, die Marmelade, den Käse und die Wurst kommen. Da ist Spaß und Gewusel garantiert.

Etwas später im Heft wird die Geschichte eines schwulen Mannes erzählt, der das Vater sein für 4 Tage ausprobiert, mit einer täuschend echten Baby Care Puppe. Diese ist für junge Paare gedacht, die einmal ausprobieren wollen, wie das Eltern sein ist. Ein echtes Simulationsexperiment.

Bei unseren Pflegeeltern ist alles ganz real, in Echtzeit sozusagen. Das Lachen, das Weinen, gemeinsame Glückmomente erleben und die Gute Nacht Geschichte, abends vor dem Schlafengehen am Bett.

Abenteuer garantiert…!

Auch homosexuelle Paare und Alleinerziehende sind bei uns willkommen. Spiegeln sich doch bei Pflegeeltern auch die

Pflegemutter Barbara Schöneberger

unzählige Modelle von Familie- und Elternsein in unserer Gesellschaft wieder.

Also werden Sie auch zur ‚Ich trau mich Frau‘ und zum ‚Ich trau mich Mann‘ und werden Sie Pflegefamilie. Barabra Schöneberger hat gleich eine ganze Familie bei sich aufgenommen.

Wir freuen uns auf ein unverbindliches Vorgespräch mit Ihnen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf…

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein

Anlässlich des diesjährigen Muttertages nehme ich mir Zeit und sinniere über das Muttersein. Was ist das besondere daran mit Kindern zu leben, was können wir von unseren Kindern als Mütter und Pflegemütter lernen, was ist der Zauber, aber auch die Anstrengung mit Kindern zusammenzuleben?

Dabei geht es um acht Dinge, die wir von unseren Kindern und Pflegekindern täglich lernen.

Sie dürfen gespannt sein!

Von Pamela Premm. Es ist ein sonniger Tag in Bremen. Ich flaniere mit meiner Tochter an der Weserpromenade entlang, die entspannt im Buggy sitzt. Plötzlich hat sie eine Idee. Sie möchte, dass ich ihr die Regenhülle um ihr Gefährt spanne. „Aber es regnet doch gar nicht“, versuche ich zu argumentieren. Fehlanzeige. Diskussionen mit meiner Dreijährigen sind meistens zwecklos. Also laufen wir bei strahlendem Sonnenschein mit Regenschutz-Buggy durch die Fußgängerzone. Fragende Blicke sind uns gewiss. Willkommen in meiner Mami-Welt.

Für Pflegemütter – Gedankem zum Muttersein und was das mit dem Muttertag auf sich hat…

Gerade zu Muttertag wird man an seine Rolle als Mama erinnert. Spätestens, wenn es klebrige Küsse und schief geschnittene Herzen aus Pappe regnet, weiß man, dass es wieder so weit ist. Der Muttertag wird seit etwa 100 Jahren gefeiert. Er hat seine Wurzeln in den USA und geht auf die Frauenrechtlerin Anna Jarvis zurück, die bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts einen Gedenktag zu Ehren ihrer Mutter und später auch aller Mütter initiierte. 1914 wurde der Muttertag in den USA zum nationalen Feiertag erklärt. Bis heute hat er sich als fester Ehrentag im Jahreskalender etabliert. Viele halten ihn für überholt, da er nicht mehr dem modernen Frauen- und Mutterbild entspreche. Doch was bedeutet es heutzutage überhaupt, Mutter zu sein?

Ich habe lange darüber nachgedacht und bin zu folgendem Schluss gekommen: Für mich ist Muttersein eine Reaktion auf das, was leibliche und Pflegekinder brauchen, um zu gesunden, verantwortungsvollen, selbstbewussten und herzlichen Menschen heranzuwachsen. Dabei beschleicht mich das Gefühl, dass ich von ihnen mindestens genauso viel lerne wie sie von mir. Sie haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Sie haben mir eine neue Welt eröffnet, die mir zuvor verschlossen war. Eine Welt gefüllt mit echtem Leben.

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein und acht Dinge, die ich durch meine Kinder gelernt habe:

Sie haben mich gelehrt, unvollkommen sein zu dürfen:

Mein Leben musste seit jeher perfekt sein. Die Wohnung perfekt sauber, die Aufgaben perfekt erledigt, die Frisur perfekt sitzend. Ungenaues, Fehlerhaftes, Missglücktes konnte mich ins Gefühlschaos stürzen. Für Pflegemütter - Gedanken zum MutterseinErst die Kinder stellten mich immer wieder derart auf die Probe, dass ich mich vom Perfektionismus verabschieden musste: Sie trotzen in aller Öffentlichkeit, sabbern mir aufs Abendkleid und nehmen kein Blatt vor den Mund. Irgendwann habe ich die Vorstellung vom perfekten Leben aufgegeben. Ein herrlich befreiendes Gefühl!

Sie haben mich gelehrt, geduldig zu sein

Mit einem Kleinkind können 300 Meter zum Bäcker eine ganze Welt sein. Jede Feuerwanze wird beäugt, jede Pfütze durchwatet und am Ende braucht man für Hin- und Rückweg eine halbe Stunde. Kinder verlangsamen die eigene Lebenszeit und sind fokussiert auf die Dinge, die gerade passieren. Wenn man geduldig das Kind auf der Schaukel anschiebt, ist kein Platz für andere Dinge. Wir verweilen gemeinsam im Moment. Es gibt nur das Hier und Jetzt. Wohltuend reizarm gestaltet sich das Leben mit Kindern. Wenn man sich darauf einlässt und die Zeit einfach so verstreichen darf, während das Kind unzählige Versuche benötigt, um seine Schuhe anzuziehen.

Sie haben mich gelehrt, authentisch zu sein

Es wäre falsch zu sagen, alles ist immer rosarot. Es gibt wohl keine Eltern, die nicht auch Mal genervt, erschöpft oder ungerecht zu ihren Kindern sind. Die aber im nächsten Moment wieder alles auffangen, Liebe und Geborgenheit schenken. Menschsein ist mit so vielen Widersprüchlichkeiten verknüpft. Kinder leben uns das täglich vor, indem sie einfach so sind, wie sie sind. Mal laut, mal leise, mal traurig, mal fröhlich. Und sie nehmen uns so an, wie wir sind – mit all unseren Schwächen und Stärken. Sie vertrauen und lieben uns und zeigen uns, wie es ist, Mensch zu sein. Noch nie zuvor war ich so sehr bei mir wie jetzt gerade.

Sie haben mich gelehrt, loszulassen

Kinder bedeuten Kontrollverlust und das im positiven Sinne. Klar muss man sich gut organisieren, wenn man Beruf, Kinder, Partner und Haushalt unter einen Hut bringen möchte. Doch ich habe es aufgegeben eine ganze Woche akribisch durchzuplanen, da es bei zwei Kindern zu viele Unwägbarkeiten gibt. Durch sie habe ich gelernt loszulassen und eben nicht stur an meinen Zielen festzuhalten. Ihre Bedürfnisse strukturieren meinen Tagesablauf. Auf diese Weise kann ich mich wunderbar treiben lassen ohne mir allzu viele Gedanken über das zu machen, was kommen müsste.

Sie haben mich gelehrt, alberne Dinge zu tun

Ende Februar ist es meist so weit, dass ich mich mit Teufelshörnern auf dem Kopf dem örtlichen Kinderfasching widme. Im Freizeitpark fahren wir auf Mini-Eisenbahnen durch das Peppa Pig Land. Im Winter sausen wir mit dicken Gummiringen den Schneeberg hinunter, auch wenn ich hinterher das Gefühl habe, ich müsste alle Knochen neu ordnen. Wir tanzen durch die Küche, machen lustige Grimassen im Restaurant und singen Lieder beim Spazierengehen. Kinder und Pflegekinder geben einem die Chance, das innere Kind aufleben zu lassen, welches all die Jahre irgendwo tief in uns geschlummert hat.

Sie haben mich gelehrt, dass ich mich um mich selbst kümmern muss

Für Pflegemütter - Gedanken zum MutterseinIch verbringe gerne Zeit mit meinen Kindern und meinem Partner, genauso arbeite ich engagiert an meinen Projekten. Aber da gibt es noch einen dritten Part meines Lebens: Qualitätszeit nur für mich. Etwa zwei Stunden pro Woche schaufle ich mir dafür frei. Dann gehe ich schwimmen, durch den Park spazieren oder radeln. Zwei Stunden Detox von äußeren Einflüssen – mit Ausnahme dem Wetter. Sich erden, in sich hineinhören, auf seine Bedürfnisse achten: Focusing und Selbstfürsorge sind wichtige Bausteine, speziell im Zusammenleben mit Pflegekindern, um dann wieder mit voller Kraft weiterzumachen – auch das habe ich durch meine Kinder gelernt.

Sie haben mich gelehrt, Grenzen zu setzen

Bis hierin und nicht weiter: Es gibt immer wieder Grenzen. Einmal in der Beziehung zwischen mir und meinen Kindern und zum anderen in den Dingen, die sie ausprobieren. Diese sind ganz unterschiedlich gesetzt. Mein Sohn braucht eher wenige Grenzen, da er per se darauf bedacht ist, Regeln einzuhalten und über ein großes Gerechtigkeitsgefühl verfügt. Er wägt genau ab, was er sich zutrauen kann und was nicht. Meine Tochter fordert mehr, probiert mehr aus und überprüft immer wieder, ob sich etwas an der Grenze geändert hat. Das frustriert sie, gibt ihr aber auch einen sicheren Rahmen, in dem sie sich ausprobieren und entfalten kann. Für mich sind diese Grenzen auch wichtig. Meine Kinder lernen auf diese Weise, dass ich ebenfalls Werte habe, für die ich einstehe. Durch eine wertschätzende, klare Abgrenzung können sie sich zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln.

Sie haben mir gezeigt, was echte Sorgen sind

Spätestens wenn man das Kind zum ersten Mal aus den Augen verliert, weil es sich im Möbelhaus hinter einer Kommode versteckt hat, weiß man, was Sorgen sind. Oder denken wir an den kurzen Moment der Unachtsamkeit zurück, der untrennbar mit dem Laufradunfall verbunden ist. Wenn Kinder krank sind, leidet man stärker mit, als man es je für möglich gehalten hätte. Während sich zuvor die Sorgen eher an der Oberfläche bewegten, gehen sie jetzt in die Seele und ins Mark. Das bringt aber auch Gutes mit sich. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir uns viel weniger über Unbedeutendes aufregen.

Kurzum: Kinder sind das Leben

Für Pflegemütter - Gedanken zum MutterseinMit emotionaler Wucht ändern sie das ganze Leben. Sie schütteln bestehende Strukturen kräftig durcheinander und stellen uns auf die Probe. Sie brauchen Grenzen und Liebe und wecken tiefe Emotionen in uns. Sie holen das längst vergessene Kind in einem zurück. Sie spiegeln uns in unseren Werten und Verhaltensweisen. Bisher dachte ich immer, dass Kinder aus unserem Wunsch heraus entstehen, ein Stück von uns selbst weitergeben zu können. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es ist die Chance, neue großartige Erfahrungen zu machen. Und ein bisschen stärker zu sich selbst zu finden. Dafür bin ich sehr dankbar. Und für selbstgebastelten Herzchen an Muttertag.

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein…

Auch wenn ich jetzt als Vater (Bertram Kasper) spreche und mir das vielleicht am Muttertag gar nicht zusteht, möchte ich sagen, das ich selten so einen treffenden Text über das Muttersein gelesen habe, der die ganze Tiefe des Glücks, doch auch der Sorgen ausdrückt, die das Muttersein tatsächlich ausmachen.

Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein sind diese Zeilen für mich auch die Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Entscheidung, auch eben gerade nicht eigenen Kindern ein Zuhause zu bieten. Dazu braucht es Mut, Liebe und die Offenheit jeden Tag auf die im Text beschriebenen Aspekte zu achten und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Wir wünschen allen Pflegemütter, dass ihnen dies möglichst oft gelingt und wir danken allen Pflegemüttern für ihren Einsatz, für ihre Geduld und für ihr Engagement, jeden Stunde, jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr. Für Pflegemütter – Gedanken zum Muttersein.

Frau Pamela Premm danke ich für diesen tollen Text.

Sie haben noch Platz in Ihrem Herzen für ein Pflegekind? Dann melden Sie sich gerne bei uns.