Was der Sport für Pflegekinder tun kann

Was der Sport für Pflegekinder tun kann

Sport für Pflegekinder – eine Erfolgsgeschichte! 

Pflegekind Jonas lebt für seinen Traum, ein Fußball-Profi zu werden und seine Pflegefamilie unterstützt ihn dabei

Am 14. Juni startet die Fußball-WM in Russland. Millionen Menschen werden mitfiebern und den deutschen Nationalspielern die Daumen drücken. Einer von ihnen ist Jonas*, selbst Torwart und Ausnahmetalent. Er spielt in der Hessenliga, U17, obwohl er mit gerade mal 14 Jahren zu den Jüngsten gehört. „Wenn er auf dem Fußballplatz steht, konzentriert er sich auf das Spiel und seine Mannschaftskameraden“, sagt sein Pflegevater Michael*. Vergessen sind die Sorgen und Nöte.

Mit fünf kam der Junge in seine Pflegefamilie, im Gepäck ein schweres Schicksal, wie es so viele Pflegekinder mit sich tragen. Die Pflegefamilie gibt ihm Halt und fördert seinen Wunsch, ein erfolgreicher Fußballer zu werden. Sport für Pflegekinder ist Kraftquelle und Lebenselixier. Da sind sich die Pflegeeltern einig. Beim Fußball kann Jonas Druck abbauen und sein persönliches Ziel verfolgen – ein Torwart-Profi zu werden!

Sport bringt Pflegekinder zurück ins Gleichgewicht

Schon bei den Bambinis hatte Jonas eine große Affinität zum Fußball. „Auf dem Rasen ist er ein anderer Mensch“, sagt sein Pflegevater. Während er in der Schule bei Lehrern und Klassenkameraden aneckt, findet er im Sport den Ausgleich und die Anerkennung, die er dringend benötigt. „Sein Sozialverhalten ist beim Fußball ein völlig anderes“, bestätigt er. Dann ist Jonas Freund und Kamerad, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt, auch mal extra Schichten trainiert, während es andere Jugendliche wieder an die Playstation zieht. Die Pflegefamilie ist sich sicher, dass Sport für Pflegekinder ausschließlich Vorteile mit sich bringt.

Anerkennung durch Trainer und Umfeld

Beim Fußball zählen nur die Leistung und das Engagement, unabhängig von der Herkunft. „Wir sind immer ganz offen damit umgegangen, dass Jonas ein Pflegekind ist. Sport und PflegekinderIm Fußball-Verein hat das nie jemanden gestört,“ so der Pflegevater. Beim Fußball haben alle eine Chance, die mit Herz und Seele dabei sind. Ein weiterer positiver Aspekt, den der Sport für Pflegekinder hat. „Der Trainer eiert nicht herum. Hier gibt es klare, präzise Ansagen. Genau, die Form der Ansprache, die unserem Sohn Sicherheit gibt.“ Dabei begegnen sich der Trainerstab und die Jugendlichen auf Augenhöhe. Absprachen werden inzwischen ohne die Eltern getroffen. Jeder übernimmt Verantwortung. Für Jonas ein gutes Gefühl, ernst genommen zu werden. Prestigeträchtige Sportarten, wie der Fußball, bringen zudem Lob und gesellschaftliche Akzeptanz. Etwas, was Pflegekinder von den leiblichen Eltern per se erstmal kaum erfahren. Über den Erfolg im Sport können Pflegekinder emotionale oder kognitive Defizite kompensieren, ihre Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenzen herausstellen. 

Gemeinsamer Familienurlaub ist schwierig

Die Familie investiert viel für den Lebenstraum ihres Pflegekindes. Drei bis vier Mal die Woche stehen Trainings an. Weite Fahrtstrecken zu den Auswärtsspielen und das teure Equipment zehren am Geldbeutel. Die Tochter beschwert sich manchmal, wenn die Jungs in der Familie wieder einmal unterwegs sind und erst spät am Abend heimkehren. „Einen gemeinsamen Familienurlaub zu planen, ist fast unmöglich“, sagt Michael. In den Sommerferien gibt es meistens nur eine zweiwöchige Trainingspause. Dass beide Eltern in dieser Zeit gleichzeitig Urlaub haben, ist äußerst selten. Also beschränkt sich der Sommerurlaub oft nur auf Kurzausflüge. Doch der Vater eines Pflege- und eines leiblichen Kindes will sich nicht beschweren. „Wir bekommen dafür auch ganz viel zurück und sind wahnsinnig stolz auf unseren Sohn.“Sport für Pflegekinder

Mit der Pubertät beginnt die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Der Wechsel in eine Pflegefamilie ist für die Kinder ein herber Einschnitt. In der Pubertät werden sie häufig von der Vergangenheit eingeholt. Alte Ängste werden wieder hervorgespült. Der Sport wirkt ausgleichend, wenn dunkle Wolken am Horizont aufziehen. „Das regelmäßige Training tut Jonas gut, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen und um Stress und Adrenalin abzubauen“, so der Pflegevater. Jonas achtet sehr auf sich und seine Gesundheit, ist körperlich austrainiert. Damit grenzt er sich auch von den vielen schmerzhaften Erfahrungen ab, die er als Kleinkind schon machen musste. Das stärkt ihn für andere Alltagsaufgaben.

Jonas will bei seiner Pflegefamilie bleiben

Jonas‘ Talent bleibt nicht unentdeckt. Er bekommt Angebote von Vereinen und Leistungszentren, könnte in ein Sportinternat umziehen. Doch vorerst hat er sich dafür entschieden in der Pflegefamilie zu bleiben. Dort wo er seine Unterstützer hat. Die Menschen, die ihn bedingungslos akzeptieren und lieben. Sein Ziel verliert er dabei nicht aus den Augen. Spätestens wenn die Spiele in der Hessenliga beginnen, wird er wieder fokussiert im Tor stehen. Er will Torwart-Profi werden, wie seine Idole Manuel Neuer und Roman Bürki. Dafür lässt er auch mal das ein oder andere Deutschland-Spiel bei der Fußball-WM sausen. Dann, wenn er selber spielen muss. Training geht eben vor – für den Traum vom Fußball-Profi.  *Namen von der Redaktion geändert

Möchten Sie auch Kinder auf ihrem Weg in den Sport und durch ihr Leben begleiten, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Der Beitrag wurde von Pamela Premm geschrieben. Vielen Dank.

Pflegemutter Barbara Schöneberger

Pflegemutter Barbara Schöneberger

Wenn ich wünschen könnte, wäre meine Pflegemutter Barbara Schöneberger

Gerade hat Barbara Schöneberger in der Dezemberausgabe des Magazins ‚Barbara‘ den Themenschwerpunkt Familie gewählt. Sie titelt „Natürlich ist bei uns alles super!“. Und abgebildet ist wie auf jeden Titelblatt natürlich Barbara Schöneberger.

Diesmal mit ihrer Pflegefamilie, einem adretten Mann mit grau melliertem Vollbart, einem vielleicht 9-jährigen Mädchen, erstaunt und fragend in die Welt schauend und ein etwa 6-jähriger Junge, grimmig sein Blick, mit trotzig verschränkten Armen. Beide mit blonden lockigen Haaren, wie die Pflegemutter Barbara Schöneberger selbst.

Glitzer, Glamour, Glücksmomente…

Pflegemutter Barabara Schöneberger eine ‚ Ich trau mich Mama‘ und eine ‚ Ich trau mich Frau‘, wie ich sie mir als Pflegekind wünschen würde. Mutig geht sie mit ihrem Andersein um, mit ihrem eben nicht in den Mainstream passend, und kreiert daraus ihre ganz eigene Identität. Da kann ich doch hoffen, dass sie sich so richtig und ganz für mich einsetzt.

Und dazu strahlt Barbara Schöneberger für mich diese wohlige Wärme aus, die mit ein wenig Fülle und einer Brust zum Anlehnen einhergeht. Eine echte Mama eben. Und dazu ist sie noch „schrill wie eine Sirene“ wie neulich Rainer Wälde in seinem Magazin schrieb.

Pflegemutter Barbara Schöneberger

bringt also ideale Voraussetzungen für eine Pflegemama mit, die verhaltensorginellen Kindern einen Lebensort geben möchte. Und sie schreibt im Editorial: „Im Ernst, ich finde Familie zu haben wirklich toll ! Und zwar das Gesamtpaket . Den Spaß. Den Stress. Das Gewusel. Apropos Gewusel : Mir kann es nie voll und wild genug sein. Mein Tisch zu Hause ist riesig.“

Da sagt sie etwas Wahres…

Pflegemutter Barbara Schöneberger

Den Spaß, den Stress, das Gewusel…genauso ist Pflegefamilie sein. Ich selbst kenne eine Pflegefamilie, die auf ihrem großen runden Tisch eine Eisenbahn im Kreis fahren lässt, damit alle gut an die Butter, die Marmelade, den Käse und die Wurst kommen. Da ist Spaß und Gewusel garantiert.

Etwas später im Heft wird die Geschichte eines schwulen Mannes erzählt, der das Vater sein für 4 Tage ausprobiert, mit einer täuschend echten Baby Care Puppe. Diese ist für junge Paare gedacht, die einmal ausprobieren wollen, wie das Eltern sein ist. Ein echtes Simulationsexperiment.

Bei unseren Pflegeeltern ist alles ganz real, in Echtzeit sozusagen. Das Lachen, das Weinen, gemeinsame Glückmomente erleben und die Gute Nacht Geschichte, abends vor dem Schlafengehen am Bett.

Abenteuer garantiert…!

Auch homosexuelle Paare und Alleinerziehende sind bei uns willkommen. Spiegeln sich doch bei Pflegeeltern auch die

Pflegemutter Barbara Schöneberger

unzählige Modelle von Familie- und Elternsein in unserer Gesellschaft wieder.

Also werden Sie auch zur ‚Ich trau mich Frau‘ und zum ‚Ich trau mich Mann‘ und werden Sie Pflegefamilie. Barabra Schöneberger hat gleich eine ganze Familie bei sich aufgenommen.

Wir freuen uns auf ein unverbindliches Vorgespräch mit Ihnen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf…

Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen und der Weg dorthin…

„Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind.“

Pflegefamilien werden dringend gebraucht. Familien, Paare und Singles, die sich vorstellen können, einem Kind ein sicheres Zuhause zu geben, sind jederzeit willkommen. Pflegekinder aufnehmen – für viele Interessenten ist der Weg zum Pflegekind erst einmal mit Unsicherheiten und Fragen gespickt. Sind wir der Aufgabe gewachsen? Wie lange dauert es, bis ein Pflegekind einzieht? Erfüllen wir alle Voraussetzungen? Im Gespräch mit Pamela Premm von Premm PR berichtet Bertram Kasper, Geschäftsbereichsleiter beim St. Elisabeth-Verein, von seinen Erfahrungen und gibt Antworten auf die meist gestellten Fragen. Entstanden ist ein Mutmach-Interview für alle, die alle die Pflegekinder aufnehmen oder darüber nachdenken wollen.

Pamela Premm (PP): Vom Bewerberverfahren bis zum Einzug des Pflegekindes – es gibt viele Fragen auf dem Weg zur Pflegefamilie bis es dann zum „Pflegekinder aufnehmen“ kommt. Viele potenzielle Eltern sind sich unsicher, ob sie überhaupt die Voraussetzungen erfüllen, um Pflegeeltern zu werden. Worauf kommt es denn letztendlich an?

Bertram Kasper (BK): Schon allein, dass sich potenzielle Pflegeeltern mit der Thematik auseinandersetzen, macht sie zu guten Kandidaten. Wir sagen immer: Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind und die Lust, als Familie zusammenleben zu wollen. Um das herauszufinden, laden wir alle Kandidaten zu einem Kennenlern-Gespräch ein. In diesem ersten Infogespräch geht es darum, Vertrauen aufzubauen, und unsere fachlichen Unterstützung zur Begleitung von Pflegefamilien durch uns als Träger vorstellen. Erst dann gibt es eine ausführliche Infomappe und einen Fragebogen für die potenziellen Eltern, in dem z. B. auch Fakten zum Einkommen oder zur Wohnsituation abgefragt werden.

PP: Man liest immer wieder, dass interessierte Familien einen großen Respekt vor dem Jugendamt haben. Sind diese Unsicherheiten berechtigt?Pflegekinder aufnehmen

BK: Es kursieren die seltsamsten Vorstellungen von der Rolle der Jugendämter und über die Schärfe der Überprüfung. Auch dem Jugendamt ist es ein Anliegen, mit den zukünftigen Pflegefamilien ins Gespräch zu kommen. Insgesamt sind die Abläufe bürokratischer und stärker an offiziellen Formalien geknüpft als bei einem freien Träger. Das kann auf Interessenten respekteinflößend wirken. Vor dem Jugendamt braucht man allerdings keine Angst haben. Dort arbeiten ausgebildete Sozialpädagogen, die, genauso wie wir, auf Pflegestellen angewiesen sind. Auch bei einer direkten Zusammenarbeit mit den Jugendämtern bildet ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis die Basis. Wir arbeiten gut mit den Jugendämtern zusammen und unsere Pflegefamilien auch.

„Als Pflegefamilie wird man nicht geboren. Familien wachsen mit der Aufgabe…“

PP: Interessenten durchlaufen bei Ihnen ein mehrstufiges Bewerberverfahren. Viele interessierte Familien machen sich Sorgen, dass sie die Kriterien nicht erfüllen. Was sagen Sie diesen?

BK: Erst einmal geht es uns nicht darum, ein Urteil über die Menschen abzugeben. Im Bewerberverfahren wollen wir herausfinden, ob sich die zukünftigen Pflegefamilien zu 100 Prozent mit der Aufgabe identifizieren. Wir wissen aus Erfahrung, dass man als Pflegefamilie nicht geboren wird. Es ist ein sich Einfinden in die veränderte Situation. Man wächst in die neue Aufgabe hinein. Die interessierten Familien machen sich zu viele Sorgen. Wir versuchen daher, gleich zu Beginn, eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Wir möchten den zukünftigen Eltern Ängste und Unsicherheiten nehmen, daher stehen Gespräche an erster Stelle. Der Bewerbungsprozess darf außerdem nicht als Einbahnstraße betrachtet werden. Es ist ein wechselseitiger Prozess. Wir möchten schließlich die Familien auch von uns überzeugen.

 „Wir wollen herausfinden, wie Familien mit Übergängen umgehen.“

PP: Ein perfektes Bild von sich, seiner Familie und dem Umfeld zu zeichnen, ist also gar nicht notwendig?

BK: Nein, ganz im Gegenteil. Je offener auch über schwierige Themen gesprochen wird, desto besser. Jede Familie hat doch ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Wir wollen vor allem wissen, wie emotional belastende Momente verarbeitet wurden, wie die Familie mit Übergängen umgeht. Das können beispielsweise schwierige Lebensphasen oder einschneidende Erlebnisse wie der Verlust eines geliebten Menschen sein. Holt sich die Familie Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird? Verfügt sie über eigene Strategien, um eine schmerzvolle Erfahrung zu verarbeiten und mit ihr abzuschließen?

Auch hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Paare, die große Schwierigkeiten haben, mit Übergängen zurechtzukommen, können ganz fürsorgliche Eltern sein. Uns geht es hierbei nicht, um das ob, sondern um das wie. Wie können wir Familien bestmöglich helfen? Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch, dass die  bestehenden Familienkonstellationen durcheinander gewirbelt werden können. Familien müssen sich ganz neu sortieren. Wenn wir von den Familien schon vorab wissen, wie sie solchen Veränderungen begegnen, können wir sie als Träger besser auf dem Weg zur Pflegefamilie unterstützen.

PP: Für Geschwisterkinder und die Verwandtschaft kann ein Pflegekind auf Unverständnis stoßen. Wie kann man gerade Geschwisterkinder vorbereiten?

BK: Auch hier gilt: reden, reden, reden. Wenn ein Pflegekind in die Familie kommt, ist das für die Geschwisterkinder ein herber Einschnitt. Es beginnt eine Phase, in der das Pflegekind viel Zeit beanspruchen wird. Die Eltern werden einige Termine wahrnehmen müssen. Das Pflegekind braucht intensive Aufmerksamkeit, die von den eigenen Kindern abgeht. Daher ist es wichtig, mit den Geschwisterkindern im Vorfeld offene Gespräche zu führen und die Gefühle zu erkunden.

Pflegekinder aufnehmenKinder sind in ihren Aussagen sehr direkt. „Bei uns in der Familie ist es gut, und wir haben noch Platz für ein Kind“, sind hoffnungsvolle Vorzeichen. Stehen die eigenen Kinder einem Pflegekind eher skeptisch oder ablehnend gegenüber, ist das eine denkbar ungünstige Situation. Natürlich können die Geschwisterkinder das Ausmaß der Veränderung im Vorhinein nicht abschätzen. Daher ist es wichtig, immer wieder mit den Kindern in Kontakt zu treten. In Seminaren geben wir ihnen den Raum, um Gefühle auszudrücken. Indem wir spezielle Freizeiten für Pflegekinder anbieten, haben die Kernfamilien die Chance, immer wieder Zeit miteinander zu verbringen und die gegenseitige Bindung zu stärken.

„Der Bewerbungsprozess und bis es zum Pflegekinder aufnehmen kommt, kann ungefähr so lange dauern wie eine Schwangerschaft.“

PP: Die Pflegeeltern können es häufig kaum erwarten, bis das Kind einzieht. Wie lange dauert es vom Erstgespräch bis zur Anerkennung als Pflegeeltern und dann bis heißt: Pflegekinder aufnehmen?

BK: Das kommt immer darauf an. Wir sagen als Faustformel, dass der Bewerbungsprozess einer Schwangerschaft gleichkommt, inklusive Nestbau und Vorfreude. Einerseits nehmen wir uns ausreichend Zeit, um die Eltern kennen zu lernen. Allerdings versuchen wir auch, die Bedürfnisse der Eltern zu berücksichtigen, die von Beginn an hoch motiviert sind und der Anerkennung entgegenfiebern. Meistens dauert der Bewerbungsprozess etwa ein halbes bis drei Viertel Jahr. Manchmal forcieren wir das Verfahren auch. Dann wenn wir uns für die zukünftige Pflegefamilie ein bestimmtes Kind vorstellen können.

PP: Müssen Pflegeeltern denn alle Vorbereitungsseminare absolviert haben, bevor das Pflegekind einziehen darf?

BK: Nein, es ist sogar sehr sinnvoll, wenn sie noch einige davon wahrnehmen, wenn das Kind bereits eingezogen ist. Für die Grundqualifikation durchlaufen Pflegeeltern zwölf Module. Wenn das Pflegekind bereits in der Familie lebt, findet eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Themen statt. Das befürworten wir. Ansonsten bilden wir die Pflegefamilien regelmäßig fort. Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch sich ständig zu qualifizieren und auch Supervision in Anspruch zu nehmen.

PP: Auch aufseiten der leiblichen Eltern stehen viele Unsicherheiten und Sorgen. Die Frage, ob es dem eigenen Kind gut gehen wird, spielt dort mit ein. Welchen Einfluss haben die leiblichen Eltern auf die Auswahl der Pflegeeltern?

BK: Sowohl die leiblichen Eltern als auch die Pflegeeltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht, was wir versuchen, positiv zum Wohl des Kindes zu beeinflussen. Wenn wir glauben, dass ein Kind in einer Pflegefamilie gut aufgehoben ist, leisten wir durchaus Überzeugungsarbeit bei den leiblichen Eltern oder beim Vormund. Auch die Pflegeeltern dürfen Wünsche äußern. Ist ein Pflegekind gefunden, wird ganz behutsam der Kontakt zwischen Pflegeeltern und Pflegekind angebahnt. Hier wird sehr genau geschaut, ob es zusammenpasst und ob sich beide Seiten „gut riechen“ können.

PP: Viele zukünftigen Pflegeeltern haben die Befürchtung zu alt für ein kleines Kind zu sein. Gibt es eine Altersgrenze für Pflegeeltern?

BK: Diese Angst ist unbegründet. Auch ältere Pflegeeltern haben die Chance, ein jüngeres Kind zu bekommen. Eine Grundregel besagt, dass die Pflegekinder die Volljährigkeit erreicht haben sollten, bevor die Pflegeltern im Rentenalter sind.

PP: Gibt es auch Fälle, dass Eltern als Pflegeeltern abgelehnt wurden?

BK: Wir schauen schon ganz genau, ob die Familie, Geschwisterkinder und die Verwandtschaft hinter dem Modell „Pflegefamilien“ stehen. Manchmal wiegt ein Ereignis aus der Vergangenheit auch so schwer, dass wir erst einmal davon absehen, ein Pflegekind zu vermitteln. Es kommt vor, dass erst eine Baustelle geschlossen werden muss, bevor die Zeit für etwas Neues gekommen ist. Beim Verlust des eigenen Kindes kann es sinnvoll sein, noch etwas Zeit verstreichen zu lassen.

Wichtig ist, dass die Eltern und das Umfeld emotional gefestigt sind, dem Pflegekind einen sicheren Halt geben können, sich Hilfe bei Konflikten holen und über eine hohe Empathie-Fähigkeit verfügen. Wir möchten die zukünftigen Pflegeeltern nicht überfordern, sodass wir schon sehr genau hinschauen. Wir versuchen, aber eher unterstützend einzuwirken, wenn wir das Potenzial erkennen, anstatt Kandidaten abzulehnen. Da wir einen guten Betreuungsschlüssel haben, können unsere Fachberater Familien auch durch schwierige Situationen intensiv begleiten.

Sie spielen mit dem Gedanken ein Pflegekind aufzunehmen? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Mehr Informationen zu unserem Bewerberverfahren erhalten Sie in folgendem Magazinbeitrag: Wie werden wir Pflegefamilie?

Lesen Sie im Interview – Teil 2: Das Pflegekind zieht ein…Er erscheint am 23.05.2018 um 9.00 Uhr auf dieser Homepage.

 

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

Nelson Müller – mach Dein Ding…

Nelson Müller – erfrischend anders, seine dunkle Hautfarbe, seine Geschichte als Pflegekind mit ghanaischen Wurzeln, sein Erfolg als Sternekoch, Fernsehstar und seine zweite Karriere als Musiker. Seinen Pflegeeltern hat er ein eigenes Lied gewidmet: Euer Lied. Heute ist er für viele eine Identifikationsfigur, kulturell und sozial.

Wie kann Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder und Pflegeeltern sein?

Pflegekinder haben zwei Familien. Manchmal kommt – wie bei Nelson Müller – noch ein kulturell origineller Hintergrund dazu, der die Identitätsfindung nicht leichter macht und von einem jungen Menschen, der mit 4 Jahren nach Deutschland gekommen ist, einiges abverlangt. Für eine gelingende Identitätsentwicklung sind drei Aspekte besonders unterstützend:

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

  • eine stabile Pflegefamilie mit klaren Werten, Einstellungen und einem vernetzten sozialen Umfeld
  • die Bereitschaft der Pflegefamilie, die Herkunftsfamilie des Pflegekindes als wichtigen Faktor in der Geschichte des Kindes anzuerkennen
  • und die Fähigkeiten des Pflegekindes, selbst die beiden persönlichen Wurzeln miteinander sinnvoll zu verbinden
  • Nelson Müller scheint dies mit Unterstützung seiner Pflegeeltern gelungen zu sein.

Nelson Müller – erkenne Deine Möglichkeiten…

Was ist das Geheimnis von Nelson Müller?  Was sind die Faktoren in seiner Biographie, die ihn dabei unterstützten, seinen Weg zu gehen?

Ulrike Frenkel von der Stuttgarter Zeitung gibt in ihrem Artikel vom 13.11.2011 einige spannende Hinweise, die auch für Pflegefamilien und Pflegekinder interessant sein können. Auch in dem schon oben erwähnte Lied für seine Pflegefamilie finden sich einige Anhaltspunkte.

Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder

So textet Nelson Müller in seinem Song: „In Euch fand ich Familie und durch Euch fand ich Phantasie“ und ein paar Zeilen später „Ihr habt mich mit Liebe angesehen“. Dieses Gefühl des ‚Angenommen Werdens‘ scheint für Nelson Müller ganz zentral und prägend für seinen weiteren Lebensweg zu sein. Daraus schöpft er Kraft und Klarheit, wie er es im Interview mit Ulrike Frenkel nennt.

Die kleinen positiven Dinge im Alltag des Lebens…

und der herzliche leichte Blick darauf sind für Kinder mit zwei Familien ganz besonders elementar – eine wichtige Quelle für die Wahrnehmung der Schönheit der Welt. Dadurch wird zudem das Gefühl gestärkt: es ist gut auf der Welt zu sein.

Dazu kommt die Klarheit der vermittelten Werte. Wofür stehen wir als Familie, was sind die Leitplanken des Lebens, für die wir einstehen? Nelson Müller nennt Durchhaltevermögen und Verantwortungsbewusstsein. Zielorientiert etwas verfolgen und dabei dennoch offen zu sein für die vielfältigen Inspirationen, die das Leben bietet. Da ist die Kochkunst und die Musik ein ideales Feld, um sich auszutoben, um kreativ zu sein. Nelson Müller scheint seine Berufung gefunden zu haben.

Klarheit im Leben und Kreativität im Sein

Sicher auch deshalb engagiert sich Nelson Müller als Schirmherr für die sozialen Projekte ‚Menschenmögliches‘ und ‚FLIZmobil‘. Etwas weiter geben von dem erfahrenen Geschenk in einer behüteten und stabilen Umgebung aufgewachsen zu sein und dennoch genug Freiraum für die eigene Entwicklung gespürt zu haben.

Unsere Hinweise für Sie:

  • Pflegefamilie zu sein ist eine wundervolle Aufgabe und Sie leisten mit Ihrem Engagement einen generationsübergreifenden Beitrag
  • Viele Pflegekinder profitieren von dem liebevollen und stabilen Rahmen in einer Pflegefamilie
  • Der Blick auf die kleinen positiven Dinge im Leben ist elementar Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder
  • Die Klarheit in den vermittelten Werten verbunden mit genug Freiraum für die eigene Entwicklung ist für Pflegekinder eine tolle Kombination

Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme für ein unverbindliches Informationsgespräch, um Pflegefamilie zu werden!!!

Wer mehr über die Biographie von Nelson Müller erfahren will…Vielleicht finden Sie noch weitere Hinweise, wieso Nelson Müller ein Vorbild für Pflegekinder sein kann.

Eines seiner aktuellen Kochbücher finden Sie unter…

Die ausgewählten Fotos wurden uns dankenwerter Weise von Mario Andreya zur Verfügung gestellt

Pflegeväter auf dem Weg…

Pflegeväter auf dem Weg…

Mit Pflegevätern auf dem Weg sein

Es ist seit vielen Jahren Tradition, dass wir unsere Pflegevätern zu einem Wochenende unter Männern einladen. Dabei geht es sowohl um ein Dankeschön für die geleistete Arbeit, als auch um den Austausch unter Männern, die als Pflegeväter mit ihren Partnerinnen einmal „JA“ zu einer besonderen Form des Familienlebens gesagt haben. (Ein Mütterwochenende für unsere Pflegemütter gibt es übrigens auch)

Und dieses Jahr treffen wir uns in der Nähe des Edersees unter dem Motto: „Pflegeväter auf dem Weg“. Allen gemein ist es, dass sie sich irgendwann mit ihrer Familie auf den Weg zur Pflegefamilie gemacht haben.

Sie haben gespürt, dass es noch emotionalen und räumlichen „Platz“ bei ihnen gibt. Ihnen war bewusst, dass mit Kindern zu leben und sich mit Kindern auf den Weg in das Leben zu begeben ein Geschenk ist. Ein Wunder des Wachstums und der Entwicklung, gespeist von dem tieferen Sinn eines Beitrags für Generationen. Sie haben jedoch auch gewusst, dass es eine echte Herausforderung, eine anspruchsvolle und anstrengede Aufgabe ist. Höhen und Tiefen inbegriffen.

Pflegeväter auf den Weg – der Anfang

Wir haben die Pflegeväter gefragt, wie der Anfang war, wie die Idee entstanden ist, Pflegefamilie zu werden. Die Anworten zu den unterschiedlichen Geschichten waren so vielfältig wie die Modelle von Lebensentwürfen, ebenso bunt wie das Leben. Lassen wir sie zu Wort kommen...

Klaus in den 60zigern schon, immer noch mit Leib und Seele dabei. Sonorige Stimme, Schnauzer, die Haare inzwischen grau, spitzbübig sein Mund und ganz lebendig seine Blicke, wenn er anfängt Geschichten aus seinem Leben und von den Pflegekinder zu erzählen.

„Es fing an, das ist bald vierzig Jahre her, da waren wir Notpflegestelle für das Jugendamt und wir hatten im ersten Jahr nacheinander 4 Kinder bei uns. Alle mit ihrer ganz persönlichen Leidensgeschichte. Und eines Abends saßen meine Frau und ich zusammen. Und wie als ob wir uns verabredet hätten, sprachen wir darüber ob wir richtige Dauerpflegestelle werden wollen. Ich kann mit erinnern wie heute, das „Ja“ war noch nicht ausgesprochen, da verrieten unsere Blicke, das die Entscheidung dafür schon gefallen war. Inzwischen waren über 50 Kinder- und Jugendliche bei uns.“

Pflegeväter auf dem Weg – nach Mexiko

Heinz Jürgen, kurzhosig, Trekkingsandalen, denen man schon etliche Touren ansieht an nackten Füßen, immer vorne dabei, die Haare leicht zurückgekämmt, merkt mit fester, verspielter Stimme und schnellen staccatoähnlichen Sätze an:

„Bei mir fing es schon mit 20 Jahren an. Mein bester Freund, knapp 10 Jahre älter als ich, hatte damals schon 2 Pflegesöhne. Überhaupt bewunderte ich sein soziales Engagement. Heute lebt er in Mexiko und setzt sich immer noch für die Schwächsten. Das hat mir richtig imponiert und mir war klar so etwas wollte ich auch unbedingt machen. Als unser Kinder dann aus der Pubertät waren, setzten sich unsere Familie zusammen. Pflegeväter auf dem WegDie Kinder, meine Frau, sogar meine Eltern- und Schwiegereltern, alle waren von unserer Idee begeistert, Kinder den Weg in ihr Leben zu ebenen. Und bei jedem Pflegekind haben wir sinnbildlich nach und nach den Rucksack ausgepackt. Mit den schönen und mit den schwierigen Momenten aus ihrer Biographie.  So ist er leichter geworden über all die Jahre und neue Geschichten und Erfahrungen aus unserer Familie sind dazugekommen. Einfach schön…“

 

Pflegeväter auf dem Weg – Kinderwunschgeschichten

Und dann melden sich immer mehr Pflegeväter zu Wort, die Geschichte bahnen sich den Weg durch die eigenen Erinnerungen, auch wenn es schon viele Jahre her ist und scheinbar verblast. Kai ist neu in der Runde, er wählt jedes Wort mit bedacht, unaufgeregt spricht er ruhig über den Wunsch von ihm und seiner Frau viele Kinder zu haben. Dabei zeigt sich bei ihm ein weinendes und ein lachendes Auge. Das Weinende steht für die schwierige Geburt ihres eigenen Kindes. Seine Frau wäre damals beinahe gestorben und dann wollten sie für weitere eigene Kinder auf keinen Fall ein Risiko eingehen.

„Mit etwas Abstand wurde uns klar, wir wollten noch weitere Kinder. Wir dachten an ein Adoptivkind, doch das Jugendamt riet uns ab und erzählte uns von der Möglichkeit Pflegefamilie zu werden. Durch die Vorbereitungsseminar haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, ob wir wirklich uns wirklich der Aufgabe Pflegekinder mit „Anhang“ sozusagen stellen wollen“

Und da ist das lachende Auge…

Wir haben alles richtig gemacht und uns den Wunsch nach einer großen Familie mit Kindern erfüllt. Auch wenn es mit dem „Anhang“ manchmal richtig schwer ist, würden wir alles genauso wieder machen.

Pflegeväter auf dem Weg – von der Patenschaft zur Pflegefamilie

Bei Manfred – Ende Fünfzig immer akkurat gekleidet, heute mit hellem Hemd und weißer Hose, die Haare fast noch so lang wie Anfang der 70er Jahre, den Kamm passend lässig in der Gesäßtasche platziert – war es wieder ganz anders. Bei ihm gab es in der Nachbarschaft Pflegefamilien. Zu einer hatten er und seiner Frau mehr Kontakt und so ergab es sich, dass sie eine Patenschaft für ein Pflegekind dieser Familie übernahmen. Pflegeväter auf dem WegErst nur Nachmittags, dann auch mal am Wochenende und schließlich auch in den Ferien. Seine Frau fand gefallen an dieser Arbeit und dachte sie könnten sich doch auch bewerben. So lag es nahe sich auch an den St. Elisabeth-Verein zu wenden. Heute ist ihre Pflegetocher schon über 6 Jahre bei ihnen.

Pflegeväter auf dem Weg – der Wunsch nach einen Kinderlachen

Juzo, ein Lebenskünstler, groß gewachsen, Motorrad vernarrt, wie seine Pflegesöhne rundet dann diesen Teil des Austausches mit seinem trockenen Humor ab und sagt:

„Bei ihm uns seiner Frau war es ganz einfach der Wunsch nach einem Kinderlachen“

Viel zustimmendes Nicken in der Runde!

Pflegeväter auf dem Weg – steinig und schön…

Und wir haben gefragt,welche schönen oder eher steinigere Wege denn in der Zwischenzeit  als Pflegefamilie zurückgelegt wurden…

Auch dabei fällt Klaus sofort seine jetzt älteste Pflegetochter ein und er beginnt fast ein wenig zu schwärmen. Seine Frau hat sich nicht abbringen lassen nach Stuttgart in ein Spezialzentrum zu fahren, um endlich Sicherheit zu haben. Sie wollte abklären, ob ihre Pflegetochter pränatal Alkoholismus geschädigt wurde. Und tatsächlich über 70% Schädigung. Viele Jahre wollte das niemand glauben und auch angesprochene Ärzte wollten davon nichts wissen. Heute hätte sie endlich Gewissheit und könnten einordnen, wieso sie all die Jahre solche Schwierigkeiten gehabt hatten. Und Klaus variiert einen Satz in vielfältigen Facetten:

„Die Aufgabe als Pflegefamilie ist wirklich lohnenswert, auch wenn die Schwierigkeiten auf der Straße liegen“.

Heute würde ihre Pflegetochter ein Ausbildung als Hauswirtschafterin machen und hätte schon einen Freund.

Und besonders freut sich Klaus darüber, dass ihm seine leiblichen Kinder und seine Enkel sagen, wie gut diese Zeit war, wieviel sie selbst in dieser Zeit gelernt haben. Und dann fällt ihm sein jüngstes Enkelkind ein, dass sich neulich für eine dunkelhäutige Klassenkameradin eingesetzt hat, als sie wegen ihrer Hautfarbe angemacht wurde. Und dann lacht er wieder so ganz zufrieden in sich hinein.

Pflegeväter auf dem Weg – die eigene Geschichte prägt

Detlef hat oft eine Überraschung für die Gruppe der Pflegeväter parat, manchmal sogar ein kleines Geschenk. Das kommt gut an in der Runde. Einer der so etwas für die Zusammengehörigkeit tut. Und dann erinnert er sich daran als er 18 Jahre alt war. Er und seine Clique Gleichaltriger haben einmal einen Grillnachmittag für Heimkinder ausgerichtet. Und sie waren erstaunt wie offen die Kinder- und Jugendlichen auf sie zugegangen sind, wie offen sie von ihren Schicksalen erzählt haben. Und Detlef hat sich entschieden, dieses Heim regelmäßig zu besuchen und das über 12 Jahre lang.

„Ich habe mir Zeit genommen und manchmal war ich tief betroffen, da die Kinder vergeblich auf ihre Eltern gewartet haben, obwohl sie doch ganz bestimmt kommen wollten. Diese Zeit hat mich bis heute geprägt.

Als ich dann meine jetztige Frau kennengelernt habe, musste ich nicht lange überlegen, obwohl sie alleinerziehend mit 6 Kinder lebte. 2 Eigene und 4 Pflegekinder. Ich habe sozusagen in eine Großfamilie geheiratet und ich wusste sofort ‚hier bin ich richtig, hier bin ich zuhause‘. Da war die Erinnerung von damals plötzlich wieder ganz nah.“

Pflegeväter auf dem Weg oder der Kreisverkehr ohne Abbiegespur

Und dann meldet sich nochmal Manfred und spricht von seiner Pflegetochter und wie hin- und hergerissen er ist. Er weiß nicht so genau was zu tun ist. Er spürt nur, dass es für sie jetzt gerade in der Pubertät zu viel ist. Er hat ausgerechnet, dass sie im Jahr 80 Termine hat. Hilfeplangespräche, Therapie, die Besuchkontakte Vater und Mutter getrennt, der Vormund kommt alle 4 Wochen vorbei, dann die Extraförderung in der Schule. Und sie sagt:

„Bei all dem wird immer über ich gesprochen, ich werde ausgefragt, was läuft gut, was läuft schlecht, immer soll ich sagen wie es mir geht, immer wollen die was von mir. Keiner fragt mich, ob ich das alles will. Ich will einfach nur meine Ruhe.“

Andere Pflegeväterstimmen mischen sich ein, sie kennen ähnliche Situationen. Einer spricht von Kindern und Jugendlichen im Kreisverkehr ohne Abbiegespur, keine Wege hinaus aus der Spriale. Dabei ist für viele die Pflegefamilie der zentrale und stabile Ort. Und dennoch mischen so viele andere Stellen mit.

Pflegeväter auf dem Weg – ganz praktisch und real…

Und wir haben an diesem Wochenende ausprobiert, wie es denn ganz praktisch ist in der Gemeinschaft auf dem Weg zu sein. Dazu haben wir eine 2, 5 stündigen Geocachingtour unternommen. Wir wurden eingeführt in eine Märchen-, Rätsel- und GPS Erkundungswelt, Spass und schönen Ausblicke inklusive. Dazwischen Zeit für viel Gespräch und Austausch, über allerlei Pflegefamilien- und Lebensthemen und die Frage, was es heißt auf dem Weg zu sein.

Uwe, ein Schlacks knapp über 1,90 mit karierter Gangsterkappe, gegen die Sonne heute, Dreitagebart, kurzärmeliges Holzfällerhemd, spricht freudig über sein Vergnügen die Rätsel heute auf dem Weg lösen zu wollen. Gelassen spricht er aus: „Und das Wege gehen, auch oft wie Rätsel lösen ist. In einem Moment glaubst du, jetzt hast du es, um dann doch festzustellen, dass alles nochmal auf Anfang muss. Den Weg wieder zurück und den Umweg genommen, um dann doch zum Ziel zu kommen.“

Pflegeväter auf dem Weg und die Gebrüder Grimm

Heinz Jürgen kommt dazu und merkt mit fester, doch verspielter Stimme und schnellen staccatoähnlichen Sätze an: „Ihm haben vor allem die Märchenrätsel gefallen.“ Und sofort muss er an seinen Pflegesohn denken, der sich neulich als Prinz aus dem Märchen „Der Froschkönig“ verkleidet hat und immer wieder davon spricht, wie er der Frosch von der Prinzessin an die Wand geworfen wurde. Er ist mit seinen sechs Jahre auf dem Weg, immer mehr hinein in das Leben. Märchen waren für ihn unbekannt. Er kannte nur Dauerberieselung durch das Fernsehen. Und schnell zeigt sich in den leuchtenden Augen von Heinz Jürgen, dass er richtig ein wenig stolz ist, dass seine Kinder gefallen an Märchen finden. Für einen Marburger und einen Freund der Gebrüder Grimm eine besondere Freude.

Manfred erzählt: „Auf dem Weg sein bedeutet für ihn, etwas neues zu wagen, etwas zu erforschen, neugierig zu sein für das was kommt und dann seine Ziele daraus entsprechend zu entwickeln. Auch ist ihm wichtig, beim auf dem Weg sein, die eigene Balance zu behalten und auch entscheiden zu können, wann ich vielleicht Hilfe und Unterstützung brauche, um sich eben nicht zu überfordern.

Klaus meldet sich auch zu Wort, „dass hier in Oberorke mit allen diesen tollen Pflegevätern auf dem Weg sein für ihn bedeutet, Abstand von zu Hause zu bekommen, einfach mal frei von den eigenen 5 weiblichen „Mitbewohnern“ zu haben und die Zeit zu genießen. Und das auch und gerade wenn die eigene Frau vielleicht mahnend beim Abschied noch gesagt hat „Denk dran esse und trinke nicht soviel“. Und er würde auch unheimlich von den Geschichten der anderen Pflegeväter profitieren und immer eine Menge neuer Ideen mit nach Hause nehmen.

Pflegeväter auf dem Weg – mit Umwegen die Ortskenntnisse erhöhen

Ernst gehört zu den älteren Semestern hier. Er ist Pflegevater mit Laib und Seele. Er spricht ruhig und überlegt, schwankt manchmal in der Wahl zwischen zwei Worten. Auf dem Weg sein bedeutet für ihn, an das Innehalten zu denken. Einfach auf seinem Weg einmal stehen bleiben und wahrnehmen was gerade ist. Bei mir selbst. Wie geht es mir gerade mit meinem im Leben stehen? Was nehme ich um mich herum wahr? In welcher Resonanz stehe ich mit all dem um mich herum? Mit den Kindern? Mit meiner Frau? Und ein paar Minuten weiter spricht er von Umwegen, die zum auf dem Weg sein gehören. Und im fällt der Satz ein „Umwege erhöhen die Ortskenntnisse. Und genau, bei den Pflegekindern erhöhen die gemeinsamen Umwege auch das gemeinsame Verständnis für die Lebensgeschichte.

Ein Wochenende voller unterschiedlicher Weggeschichten rund um das Pflegefamilie sein. Berührende, stolze, humorvolle, schöne und schwierige, doch am Ende immer verbunden mit dem tiefen Wissen, dass es richtig, lohnend und wertvoll ist, sein Leben genauso als Pflegefamilie zu gestalten.

Wir freuen uns auf das Gespräch mit interessierten Familien. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

 

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Häufig hören wir die Frage…was sind die Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden?

Zuerst einmal können wir sagen, jede oder jeder kann „Pflegefamilie“ werden, wenn eine große Freude und Lust besteht mit Kindern Familie zu leben. Dabei wissen wir heute alle, dass sich das Bild von Familie gesellschaftlich gewandelt hat. Neben der traditionellen Familienform (Vater, Mutter, Kinder) gibt es heute viele andere Formen gemeinschaftlich zusammen zu leben. So müssen Pflegeeltern nicht verheiratet sein, es gibt sowohl heterosexuelle, als auch gleichgeschlechtliche Paare bei Pflegeeltern und wir haben auch alleinstehende Pflegemütter und Pflegeväter.

Gemeinsam wachsen…

Wir freuen uns über jede Anfrage, wenn Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden möchten und gehen mit Ihnen in einen offenen und ehrlichen Dialog.

Auch freuen wir uns über jeder Anfrage, wenn Sie noch gar nicht genau wissen, was eine Pflegefamilie ist, wie das Leben in einer Pflegefamilie aussieht und ob das überhaupt etwas für Sie ist.

Schon heute können Sie folgenden Aspekten auf sich wirken lassen, um für sich zu prüfen die genannten Voraussetzungen auf Sie zutreffen oder ob Sie die Bereitschaft haben in die sinnstiftende Aufgabe als Pflegefamilie hineinzuwachsen.

Konkret:Voraussetungen um Pflegefamilie zu werden – Der formaler Rahmen

Es beginnt mit ganz normalen Voraussetzungen, dass Sie wirtschaftlich durch ein Gehalt abgesichert sind und ihr Lebensunterhalt auch ohne ein Pflegekind finanziell gewährleistet ist. Pflegeeltern erhalten vom Jugendamt ein Pflegegeld als Aufwandsentschädigung, dies reicht jedoch für den eigenen Lebensunterhalt nicht aus.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenDann sollten Sie über ausreichend Wohnraum verfügen, also für ein Pflegekinder das eigene Zimmer zur Verfügung stellen können. Dabei ist es unerheblich, ob Sie zur Miete wohnen oder ein eigenes Haus haben. Wenn Sie von uns als Pflegefamilie angenommen sind, ist es erfordliche ein erweitertes polizeilisches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorzulegen.

Bezogen auf das Alter von Pflegefamilien ist es sinnvoll einen Familien – entsprechenden Altersabstand zu haben. So gehen wir davon aus, dass mit dem Rentenalter von unseren Pflegeeltern, das Pflegekind volljährig sein sollte. So ist es möglich zwischen 45 – 48 Jahren noch Säuglinge oder Kleinkinder bei sich in die Familie zu integrieren.

Auch ist es sinnvoll darauf zu achten, dass ein Pflegekind vom Altern nicht zu nah am Alter der eigenen Kindern ist. Dabei hat es sich bewährt, wenn das Pflegekind möglichst zwei Jahre jünger ist als Ihr jüngste eigene Kind.

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – sozialen und fachliche Rahmen:

Pflegekinder sind oft verhaltensoriginelle Kinder und bringen ihre eigenen überwiegend nicht einfachen Lebensgeschichten mit. Gründe für diese Biographien liegen i.d.R. bei den Eltern. Dies können finanzielle Not, fortschreitende Erziehungsunfähigkeit ausgelöst durch Drogen, körperliche oder psychische Krankheit oder andere schwierige Lebensumstände sein. Manchmal kann es vorkommen, dass ein Elternteil nicht bekannt ist.

Bei den Kindern können sich diese Lebenserfahrungen dann in verhaltensoriginellem Handeln und Auftreten äußern. Dazu gehören z.B. ein großes Nähe- oder umgekehrt Distanzverlangen, Entwicklungsverzögerungen, Aggressivität oder Passivität, Konzentrationsschwierigkeiten, eine geringe Toleranzgrenze und vielfältiges Hin- und Hergrissen sein. Auch spielt das oftmals ambivalente Spannungsfeld zu den Eltern eine zentrale Rolle.

Grund für diese Verhaltensweisen sind nicht selten körperliche und auch psychische Gewalt in der Herkunftsfamilie, Vernachlässigungen und andere Grenzüberschreitungen.

Das wünschen wir uns von Pflegefamilien…

Deshalb wünschen wir uns Pflegefamilie mit guten Nerven und viel Kraft und Energie, also ist es gut eine gewisse Belastungs- und Widerstandsfähigkeit mitzubringen. Sicher wissen Sie auch aus der Erziehung Ihrer eigenen Kinder, dass immer wieder auch krisenhafte Ereignisse und Situationen bewältigt werden müssen.

Aus vielfältiger Forschung wissen wir auch, dass die Erziehung von Kinder besonders dann gut gelingt, wenn Eltern folgende Fähigkeiten abrufen können:

Fürsorglichkeit oder Liebe:

Hier können Sie wahrscheinlich, sowohl vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen als Kind, als auch bezogen auf Ihre Erfahrungen als Eltern aus vollem Herzen ja sagen. Liebe und Fürsorglichkeit ein ganz zentrale Voraussetzung um Pflegefamilie zu sein, bzw. natürlich auch um Eltern zu sein. Nicht umsonst kennen Sie alle das sogenannte „Kindchenschma“. „Dadurch ist gewährleistet, dass die Eltern für ihre Jungen bzw. Kinder sorgen, sie Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdensäugen bzw. stillen, füttern, ihnen Mahlzeiten zubereiten, sie beschützen und großziehen.“ (zitiert aus Wikipedia). Pflegekinder haben bei der Liebe und Fürsorglichkeit oft Mangelerlebnisse hinter sich. 

Responsivität (Ansprechbarkeit und Sensitivität für die Bedürfnisse der Kinder:

Die Resonanz zwischen Kindern und Eltern ist ganz zentral. Wie gehen Sie mit Kindern um, wie reagieren Sie auf sie, wie nehmen Sie die Bedürfnisse Ihrer Kinder situationsangemessen dar. Bei Pflegekindern besteht dazu die Herausforderung, oft nicht genau erkennen zu können, wieso sich gerade jetzt orginell verhalten und welches Bedürfnis dahinter steht. So braucht es ebenfalls eine besondere Empathiefähigkeit, ein Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse der Kindern, jedoch auch die Bereitschaft sich selbst als Elternteil mit seinen Gefühlen mitteilen zu wollen.

Struktur und Vorhersehbarkeit, weitere Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden:

Ein Großteil der Pflegekinder ist eher in einer Umgebung von Strukturlosigkeit großgeworden. Das heißt, dass der Alltag der Kinder hat sich eher zufällig oder nur durch äußere Strukturen wie Kindergarten oder Schule organisiert. Erlebnisse wie gemeinsame Unternehmungen oder gemeinsames Essen verknüpft mit Familienritualen sind eher selten. Die Ebenen zwischen Kindern und Eltern wurden verschoben. Für die Kinder bedeutet das auch geraden in Familien mit Suchtproblematiken, dass sie Verantwortung übernehmen müssen, die sie eher überfordert, da sie selbst noch bedürftig sind. Deshalb ist es wichtig, dass Pflegefamilien Pflegekinder Sicherheit, Verlässlichkeit und auch eine gewisse Vorhersehbarkeit im Alltag und im Zusammenleben geben.,

Kinder großziehen ist ein echtes Abenteuer und braucht immer noch einen gewissen Idealismus. Dafür aber ist es ebenfalls eine, vielleicht sogar die sinnstiftendste Aufgabe überhaupt und trägt aktiv zur gesellschaftlichen Sicherung und Entwicklung bei. Gerade können wir erleben, wie die Geburtenraten wieder steigen, also Menschen wieder mehr den Wunsch nach einem Beitrag für das „Große Ganze“ haben.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – Der öffentliche Rahmem:

Pflegefamilie sein bedeutet auch sich auf das Feld der sogenannten „Öffentlichen Erziehung“ oder „der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Achten Sozialgesetzbuch“ einzulassen. Das bedeutet, dass Sie als Pflegefamilie mit noch anderen Personen zu tun haben und sich mit ihnen auseinandersetzung müssen. Dazu gehören in aller Regel die leiblichen Eltern des Kinders, ein möglicher Vormund, Mitarbeitenden vom Jugendamt (Allgemeiner Sozialer Dienst oder Pflegekinderwesen), Therapeuten oder Psychologen und die Kolleginnen von unserer Fachdienst Fachberatung. Insofern können Sie auch nicht alle Entscheidungen alleine treffen, sondern sollten sich mit den unterschiedliche Beteiligten in der Hilfeform Pflegekinderwesen abstimmen. Insofern ist es hilfreich, wenn sie über eine gewisse Kooperationsfähigkeit verfügen.

Wir unterstüten Sie aktiv durch:

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenIn die Aufgabe als Pflegefamilie wächst man nach unseren Erfahrungen hinein. D.h. sich wachsen zusammen mit dem Pflegekind, können immer besser verstehen, wieso es sich so oder so verhält und finden immer leichter gute Antworten auf die Anforderungen des Alltags. Wir unterstützen Sie durch einen Qualifizierungskurs, durch regelmäßige 4 – 6 wöchige Fachberatung, durch Supervision, durch regelmäßige und fortlaufende Fortbildung, durch Regionlagruppen, durch unsere Jahrestagung und durch Ferienfreizeiten für Pflegekinder.

Über unsere Unterstütungsangebote und weitere Hintergründe können Sie hier mehr lesen…https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegeeltern-werden/ und unter… https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegefamilie-sein-heisst-sinnstifter-sein/

Eins ist sicher…ein Pflegekind wird Ihren Familienalltag bereichern und lebendig machen. Also wenden Sie sich gerne für ein Informationsgespräch an uns.