Manchmal gibt es Tage, die rauschen nur so an Pflegeeltern vorbei. Eine Anforderung jagt die nächste und das Ganze garniert mit kleinen und großen Katastrophen. Wie so ein Tag aussehen kann ganz real und tatsächlich erlebt schreibt uns eine Pflegemama anlässlich des ersten Nationalen Aktionstages für Pflege- und Adoptivfamilien am 31.05.2021. Dieser Tag war unserer Sicht überfällig und wir danken dem Bundesverband für Pflege- und Adoptivfamilien e.V. und dem Forschungskonsortium EMPOWERYOU für die Initiierung dieses Tage der Wertschätzung und Anerkennung von Pflege- und Adoptivfamilien. Und wir danken vor allem der Pflegemama, die uns an ihrem Tag teilhaben lässt. Herzlichen Dank.

Pflegemama sein – Was für ein Tag!

Und Abends sitze ich dann auf dem Sofa und fühle mich, als hätte mich ein Zug überrollt. Ich bin eine dreifache Pflegemutter mit Kindern im Alter von 10, 9 und 5 Jahren

11. Mai 2021 – 21.00h!

Was für ein Tag!

Ich sitze auf dem Sofa und fühle mich als hätte mich ein Zug überrollt.

Mehr Chaos hätte es heute wohl kaum geben können.

Schon in der Früh am morgen: Kinder die zur Schule sollen und einfach keine Lust zum Aufstehen verspüren. Die sich einfach wieder ins Bett legen, nachdem man ihr Zimmer verlassen hat.

Frühstück vorbereiten, wieder die Kinder motivieren aufzustehen und sich anzuziehen.

Brotdosen packen, Kinder erneut zum Frühstück einladen.

Dem Mann Mut zusprechen für die anstehenden Herausforderungen, die ihn auf der Arbeit erwarten.

Endlich alle sitzen am Tisch! Unstillbaren Redefluss der beiden Kleinen aufnehmen. Fragen beantworten.

Die Mittlere zur Schule schicken, der Kleinen nochmal schnell die Haare bürsten. Parallel der Großen die ersten Schulaufgaben des Distanzunterrichts erklären.

Die Kleine verabschieden, die vom Mann auf dem Weg zur Arbeit im Kindergarten abgegeben wird.

Endlich etwas Ruhe! Fehlanzeige! Telefon: Schulsozialarbeiter der Großen. Fragen beantworten, erklären, reden. Telefonat beenden.

Tisch abräumen. Schulaufgaben der Großen kontrollieren, motivieren zum Weiterarbeiten und Aufgaben erklären.

Gerade den Staubsauger in die Hand genommen, Telefon: Teilhabeassistenz der Mittleren „Vermutlich hat ihr Kind Läuse!“ Läuseshampoo bereitstellen. Den Kopf der Großen auf Läuse untersuchen.

Staubsauger die Zweite. Wieder Schulaufgaben erklären, motivieren.

Hund in den Garten lassen. Telefon: Erfreulich! Eine Freundin, kurzer Plausch.

Der Hund nutzt die Zeit und zertrümmert einen meiner Lieblingsdekoartikel.

Telefonat beenden. Trümmer beseitigen!

Mittagessen vorbereiten.

Mittlere kommt heim. Läuseshampoo unter lautem Protest des Kindes auftragen. Mittagessen.

Haare der Mittleren waschen und auskämmen. Bettwäsche und Kuscheltiere zur Waschmaschine bringen.

Direkt weiter die Mittlere zur Therapiestunde fahren. Zwischenzeit nutzen, um Einkauf zu erledigen. Auf dem Heimweg die Kleine vom Kindergarten abholen.

Videokonferenz der Großen unterstützend begleiten. Parallel den Kopf der Kleinen untersuchen.

Anruf der Nachbarin mit Bitte um kurze Hilfe. Schon auf dem Weg zum Nachbarhaus ruft die Kleine: Ich muss aufs Klo! Ich höre wie es auf den Boden plätschert. Nachbarin auf später vertrösten. Kind duschen, Boden wischen.

Ohne Pause zum heilpädagogischen Reiten der Großen.

Direkt im Anschluss zur Nachbarin.

Abendessen vorbereiten.

Wichtig fürs Gewissen: Schauen, dass auch was Gesundes auf dem Tisch steht!

Küche saubermachen.

Kinder motivieren Schlafanzug anzuziehen. Beim Zähneputzen unterstützen.

Dann die Information der Großen, dass leider wieder Kot in der Unterhose ist. Trösten.

Gute Nacht Ritual – mal drei. Und dann wartet da noch die Wäsche!

Läuse, Urin, Kot und all die Andere!

Was für ein Tag!

Ich nehme das Telefon zur Hand – nur kurz mit einer Vertrauten reden!

Zuspruch! Ermutigung! Trost!

Doch was bekomme ich zu hören?

DU HAST ES DOCH SO GEWOLLT!

Nach dem ersten fassungslosen Entsetzen über diese gefühlte Empathielosigkeit – innehalten. Habe ich das so gewollt? Würde ich es anders wollen?

Und ich denke an die Tage, an denen alles nahezu reibungslos läuft. Die Tage, an denen die Kinder mich morgens fröhlich begrüßen, mit hübschen Kleidchen selbstvergessen über bunte Blumenwiesen tanzen und mit ihren lieben Stimmen mir ein „Ich habe Dich lieb Mama“ zusprechen. Ich denke an die vielen kleinen Glücksmomente, wenn wir zusammen die ersten süßen Erdbeeren genießen, lautstark beim Autofahren eines unserer gemeinsamen Lieblingslieder schmettern, wenn die Kinder sich beim Geschichte lesen an mich kuscheln und plötzlich fallen sie mir ein. Sind einfach in mir – all die kleinen und großen Sternstunden.

Ich denke darüber nach wie einsam mein Leben ohne diese Wunderkinder wären, wie leer und ich spüre wie es sich in mir breitmacht: ICH HAB ES SO GEWOLLT!

Fühlen Sie sich ermutigt und wollen vielleicht auch Pflegefamilie werden, dann können Sie hier mit uns Kontakt aufnehmen.

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