Pflegekinder in Regenbogenfamilien

Pflegekinder in Regenbogenfamilien

von Jana Bamberger, Master Studierende im Bereich „Soziologie und Sozialforschung“ an der Universität Marburg

Pflegekinder in Regenbogenfamilien ist nach wie vor noch ein kontroverses Thema. Der folgende Beitrag von Jana Bamberger will dazu beitragen Vorurteile zu relativieren und beschreibt vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung die Chancen für Regenbogenfamilien und Pflegekinder in anschaulicher und differenzierter Weise. Herzlichen Dank dafür.

„Lesben und Schwule müssen bei der Vermittlung von Pflegekindern gleich behandelt werden, denn sie können genau so gute Eltern sein wie heterosexuelle Menschen. Leider zeigt die Erfahrung vieler Homosexueller, dass ‚klassische‘ Familienverhältnisse oft für stabiler gehalten werden als die lesbischer oder schwuler Paare. Das ist haltlos und diskriminierend.“ (Mielchen 2016)

„‚Ehe für alle‘ heißt nicht ‚Elternschaft für alle‘“

Trotz zahlreicher Reformen und Maßnahmen zur Gleichberechtigung von homosexuellen Personen haben gleichgeschlechtliche Paare noch immer mit zahlreichen Hindernissen im Bereich der Familienplanung und dem Familienalltag zu kämpfen. Denn obwohl die allgemeine Toleranz gegenüber schwulen Männern und lesbischen Frauen in den letzten Jahrzehnten spürbar gestiegen ist, wird der gleichgeschlechtlichen Elternschaft weiterhin eher kritisch und ablehnend gegenübergestanden.

Das Konzept der gleichgeschlechtlichen Elternschaft scheint für viele heterosexuelle Personen nur schwer mit bestehenden traditionellen Vorstellungen von Familie vereinbar zu sein. Darüber hinaus sehen sich homosexuelle Paare oftmals mit zahlreichen Vorurteilen und Klischees gegenüber ihrer Familienform konfrontiert, welche ihnen u.a. eine angemessene Erziehungsfähigkeit absprechen. So war bei einer Umfrage im Jahr 2017 beispielsweise jede/r fünfte Befragte der Überzeugung, dass homosexuelle Paare Kinder schlechter erziehen als heterosexuelle Paare.

Doch nicht nur seitens der Gesellschaft lassen sich Stigmatisierungen und Diskriminierungen homosexueller Personen feststellen, auch im Rahmen der deutschen Rechtsgrundlage bestehen trotz zahlreicher Reformen noch immer Ungleichbehandlungen homosexueller gegenüber heterosexuellen Paaren.

Was ist überhaupt eine Regenbogenfamilie?

In der heutigen Gesellschaft wird das traditionelle Familienbild „Mutter, Vater, Kind“ von immer mehr unkonventionellen Modellen abgelöst. Neben mittlerweile weit verbreiteten Modellen wie Stieffamilien, Patchworkfamilien, und Alleinerziehenden existieren sogenannte „Regenbogenfamilien“, welche ebenfalls eine eigene Familienform darstellen.

Hierbei gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten in einer derartigen Familienform zusammenzuleben, wodurch auch unterschiedliche Definitionen des Begriffes existieren. Grundsätzlich wird unter einer Regenbogenfamilie eine Familie verstanden, welche sich aus zwei gleichgeschlechtlichen Elternteilen zusammensetzt, die mit mindestens einem Kind zusammenleben und dieses gemeinsam großziehen.

Regenbogenfamilien können hierbei die Form einer Adoptiv- oder Pflegefamilie annehmen oder eine Familie sein, bei welcher Kinder aus einer vorangegangen heterosexuellen Partnerschaft oder einer Leihmutterschaft stammen oder mittels einer künstlichen Befruchtung in eine aktuelle lesbische Beziehung hineingeboren wurden.

In Debatten um gleichgeschlechtliche Elternschaft wird sich hierbei, sowohl politisch als auch medial, sehr oft ausschließlich auf Adoptionen fokussiert, während Pflegekinderverhältnisse außer Acht gelassen werden. An dieser Lücke gilt es dringend anzuknüpfen.

Pflegekinder in Regenbogenfamilien

Adoptivkind oder Pflegekind?

Sowohl bei lesbischen, als auch bei schwulen Paaren, die über Kinder verfügen, stammen die meisten dieser Kinder aus vorhergehenden heterosexuellen Beziehungen oder wurden direkt in die gleichgeschlechtliche Familie hineingeboren. Nur etwa 6% der Kinder aus Regenbogenfamilien wurden als Pflegekind übernommen und lediglich knapp 2% kamen durch eine Adoption – zumeist eine Auslandsadoption – in ihre Familie. Daran wird deutlich, dass die Übernahme von Pflege- und Adoptivkindern für homosexuelle Paare noch immer mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist.

Der wesentliche Unterschied zwischen Pflegekindern und Adoptivkindern besteht darin, dass ein Adoptivkind formal und gesetzlich alleiniges Kind der neuen Eltern wird, während ein Pflegekind formal und gesetzlich das alleinige Kind der leiblichen Eltern bleibt. Zudem haben Pflegekinder in ihren Herkunftsfamilien oftmals belastende und teilweise sogar traumatisierende Erfahrungen gemacht, bei deren Bewältigung die Pflegeeltern Unterstützung bieten müssen.

Die Herkunft des Kindes hat meist einen festen Platz in dessen Leben, wodurch der Kontakt zu leiblichen Eltern oder anderen Mitgliedern der Herkunftsfamilie aufrechterhalten wird und das Kind lernt mit zwei Familien aufzuwachsen – seiner Ursprungs- und seiner Pflegefamilie. Das Pflegeverhältnis kann hierbei zeitlich begrenzt sein, wenn eine Rückkehr des Kindes in seine Ursprungsfamilie sinnvoll erscheint. Insgesamt stellen Dauerpflegen, d.h. Pflegschaften bis zur Verselbstständigung mit 18 Jahren und meist darüber hinaus, jedoch eine weit verbreitet Praxis dar, wodurch viele Pflegekinder letztendlich bei ihren Pflegeeltern groß werden können.

Diese nehmen das Kind gemeinsam auf, wodurch keine biologischen und rechtlichen Ungleichgewichtungen auftreten und die Pflegschaft zum emotionalen Projekt beider wird. Des Weiteren werden Pflegeeltern durch den Pflegekinderdienst betreut und unterstützt und erhalten darüber hinaus auch finanzielle Unterstützungsleistungen in Form von Pflegegeld.

Vorurteile und Diskriminierungen

Gegner von Regenbogenfamilien argumentieren jedoch oft, dass homosexuelle Paare keine Kinder großziehen sollten, da diesen das gegengeschlechtliche Elternteil fehle. Dies wirke sich negativ auf verschiedene Entwicklungsprozesse, wie die allgemeine Identitätsbildung oder die zu entwickelnde Geschlechtsidentität aus. So wird u.a. behauptet, dass Kindern, welche bei zwei Vätern aufwachsen, die Fürsorge, Sicherheit und Pflege fehle, welche nur eine Mutter bereitstellen könne. Zudem wird angenommen, dass Töchter, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, aufgrund ‚falscher‘ oder fehlender Rollenmodelle zu männlich und Söhne zu weiblich werden. Es wird argumentiert, dass Jungen einen Vater bräuchten, um eine angemessene männliche Identität zu entwickeln und ein Vater auch für Mädchen unabdingbar sei, damit diese eine „heterosexuelle Feminität entwickeln und heteronormative Erwartungen an zukünftige Paarbeziehungen zu Männern bilden könnten.“ (Scholz 2017: 22)

Ein weiteres Vorurteil gegenüber Regenbogenfamilien besteht darin, dass die Kinder von schwulen und lesbischen Paaren selbst homosexuell werden würden. Zudem wird angenommen, dass Kinder aus Regenbogenfamilien verstärkt diskriminiert werden, da die Gesellschaft noch nicht reif für derartige Familienformen sei. Aus diesem Grund würden sich Kinder von homosexuellen Eltern häufig von Gleichaltrigen zurückziehen und sich sozial isolieren. Verstärkte Diskriminierungserfahrungen und Hänseleien zögen wiederum eine Beeinträchtigung in der Entwicklung der Kinder mit sich.

Sind homosexuelle Paare Eltern zweiter Klasse?

Stimmen diese Vorurteile tatsächlich und lassen sich homosexuelle Paare als Eltern zweiter Klasse abstempeln und sind Pflegekinder in Regenbogenfamilien ausgeschlossen?

Nein. Zahlreiche Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Lesben und Schwule Kinder ebenso „gut“ erziehen können wie heterosexuelle Mütter und Väter. Ein Großteil der Untersuchungen ergab, dass schwule Väter und lesbische Mütter über eine angemessene Erziehungsfähigkeit verfügen und ihre Kinder eine gelungene emotionale, soziale und sexuelle Entwicklung vollziehen. Zwar unterscheiden sich homosexuelle Eltern in einigen Aspekten des Erziehungsverhaltens durchaus von heterosexuellen, die Unterschiede scheinen dem Wohlbefinden der Kinder jedoch in keiner Weise zu schaden. Es konnte ermittelt werden, dass die Prozesse innerhalb einer Familie, wie beispielsweise die Qualität der Beziehungen, einen deutlich größeren Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben als die Struktur der Familie.

Ein wesentlicher Unterschied im Familienalltag zeigt sich lediglich darin, dass anfallende Erziehungs- und Versorgungsaufgaben in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oftmals egalitärer und flexibler geteilt werden als in heterosexuellen Beziehungen. Durch eine egalitäre Verteilung von Aufgaben steigt zumeist auch die Partnerschaftszufriedenheit, was sich wiederum positiv auf die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Kinder auswirkt.

Zudem konnte festgestellt werden, dass sowohl lesbische, als auch schwule Paare grundsätzlich einen großen Wert darauf legen, dass ihre Kinder regelmäßigen Kontakt zu Personen des anderen Geschlechts haben. Dies erscheint insofern wichtig, da Kinder zum Aufbau eines adäquaten geschlechtstypischen Rollenverhaltes Modelle beider Geschlechter in ihrem Lebensumfeld benötigen – dies müssen aber nicht zwingend Mutter und Vater sein.

Bezüglich der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder existieren unterschiedliche Ergebnisse. Manche Studien konnten keinerlei Unterschiede zwischen Kindern homosexueller Paare und Kindern heterosexueller Paare feststellen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder aus homosexuellen Familienkonstellationen genauso gut sozial integriert sind wie Kinder heterosexueller Eltern und einen ebenso hohen Selbstwert aufweisen. Hierbei konnte festgestellt werden, dass Kinder umso weniger diskriminiert werden, je offener sie, ihre Eltern, Freund/innen und andere Familienmitglieder mit der Lebensform ihrer Familie umgehen.

Obwohl zahlreiche Studien zu dem Ergebnis kommen, dass sich Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern ebenso „gut“ entwickeln wie Kinder aus Familien mit gegengeschlechtlichen Eltern, existieren noch immer einige Bedenken und Einwände bezüglich homosexueller Elternschaft, welche es dringend zu überwinden gilt. Wir wollen als Fachbereich Pflegefamilien weiterhin mit dazubeitragen, dass Pflegekinder in Regenbogenfamilien auch einen Lebensort finden können.

Warum Pflegekinder in Regenbogenfamilien besonders gut aufgehoben sind?

Insgesamt gibt es einige Argumente, die für die Aufnahme von Pflegekindern in Regenbogenfamilien sprechen. So weisen gleichgeschlechtliche Elternpaare grundsätzlich eine besonders hohe Motivation und große Entschiedenheit für ein Leben mit Kindern auf. Denn viel wichtiger als die Frage der Leiblichkeit, ist ihnen Elternschaft und Familie gemeinsam leben zu können. Sie entscheiden sich ganz bewusst für Pflegekinder, wodurch diese keine Kinder „zweiter Wahl“ sind.

Darüber hinaus verfügen homosexuelle Personen über eine große Erfahrung in der Bewältigung ungewöhnlicher Lebenssituationen und sind dadurch in besonderem Maße dazu fähig, sich in ein Kind einzufühlen, das anders leben muss als andere Kinder. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen können sie mit Abweichungen besonders sensibel umgehen.

Pflegefamilien in Regenbogenfamilien

In der Abweichung von „normalen“ Familienmodellen können Pflegekinder in Regenbogenfamilien zudem ein Vorbild sehen, ihr eigenes Leben selbstbestimmt und zufrieden zu gestalten – trotz ungewöhnlicher Familienbiographie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass besondere Familien besondere Chancen und Ressourcen bieten. Indem unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Familienmodellen angeworben werden, können die Chancen auf mögliche Passungen für Pflegekinder erhöht werden, wodurch die Pflegekinderhilfe von der Hinzunahme unkonventioneller Familienmodelle profitieren kann. Wir denken es ist deutlich geworden, dass Pflegekinder in Regenbogenfamilien einen wertvollen Ort für ihre Entwicklung finden können.

Möchten Sie als Regenbogenfamilie mit Pflegekindern leben?

Dann nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns auf Sie? Hier der Link!

Quellen

Berger, Walter/ Reisbeck, Günter/ Schwer, Petra (2000): Lesben – Schwule – Kinder. Eine Analyse zum Forschungsstand. Düsseldorf: Allbro.

Carapacchio, Ina (2008): Kinder in Regenbogenfamilien. Eine Studie zur Diskriminierung von Kindern Homosexueller und zum Vergleich von Regenbogenfamilien mit heterosexuellen Familien. Diss. München 2009. München: o.V.

Copur, Eylem (2008): Gleichgeschlechtliche Partnerschaft und Kindeswohl. Bern: Stämpfli.

Fthenakis, Wassilios E. (2000): Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und kindliche Entwicklung. In: Jürgen Basedow/ Klaus J. Hopt/ Hein Kötz/ Peter Dopffel (Hg.): Die Rechtsstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Tübingen: Mohr Siebeck, S. 351-390.

Jansen, Elke/ Steffens, Melanie Caroline (2006): Lesbische Mütter, schwule Väter und ihre Kinder im Spiegel psychosozialer Forschung. In: Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis 38, H. 3, S. 642-653.

LSVD (Hg.) (2014): Regenbogenfamilien – alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogene Fachkräfte. 2. Auflage. Köln.

Scholz, Katrin (2017): Vorurteil und soziale Identität. Einstellungen zu homosexueller Partner-  und Elternschaft. Diss. Köln 2018. Köln: o.V.

Internetquellen

Greib, Angela (2019): Die Vermittlung von Pflegekindern an gleichgeschlechtliche Paare. URL: https://www.lsvd.de/en/lebensformen/lsvd-familienseiten/vortraege-und-veranstaltungen/5-lsvd-familienseminar-2007/9-ein-leben-mit-kindern-der-weg-zum-pflegekind-c1.html, Abruf am 16.09.2019.

Inhoffen, Lisa (2017): Homo-Ehe. Mehrheit der Deutschen für gleichgeschlechtliche Heirat. URL: https://yougov.de/news/2017/06/23/homo-ehe-mehrheit-der-deutschen-fur-gleichgeschlec/, Abruf am 16.09.2019.

MDR (2018): „Ehe für alle“ heißt nicht „Elternschaft für alle“. URL: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/bgh-urteil-adoption-verheiratete-homosexuelle-100.html, Abruf am 16.09.2019.

Mielchen, Stefan (2016): Aufruf zum CSD. Hamburg sucht gezielt schwule und lesbische Pflegeeltern. URL: https://www.queer.de/detail.php?article_id=26749, Abruf am 16.09.2019.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Aus der Interview-Reihe: Pflegeeltern werden

Teil 3: Zwischen den Familien – Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

Von Pamela Premm

Wer sich für ein Pflegekind entscheidet, nimmt unweigerlich eine Zwischenposition ein. Da sind die leiblichen Eltern auf der einen Seite, das Jugendamt und der Vormund auf der anderen. Und dazwischen die Pflegefamilie, die sich 24 Stunden am Tag um das Wohl des Pflegekindes kümmert und ihm ein geborgenes Umfeld schenkt. Um diesen Spagat zu meistern, bedarf es eine große Portion Vertrauen und starken Zusammenhalt. Was das bedeutet, wissen auch Caroline und Thomas Wagner mit ihren drei Pflegetöchtern.

Pflegestellen werden in Hessen und deutschlandweit dringend gesucht

Psychische Erkrankungen machen es den leiblichen Eltern oft unmöglich, sich um die eigenen Kinder zu kümmern. Diese haben zumeist viel Leid erfahren: Trennungsängste, Beziehungsabbrüche bis hin zur körperlichen Misshandlung. Die Vorgeschichte nehmen sie mit in die neue Familie. „Da braucht es zu Beginn eine Menge Zuspruch“, sagt Caroline. „Erstmal geht es darum, eine Bindung und Vertrauen aufzubauen.

Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern

© Konstantin Yuganov-mozZz – Fotolia.com

Dazu gehört auch, eine sinnvolle Besuchsregelung mit den leiblichen Eltern zu vereinbaren.“ In dieser Hinsicht wünscht sich die dreifache Pflegemutter mehr Rechte für Pflegefamilien. Gerade am Anfang müssen die Besuchskontakte behutsam erfolgen. „Ich halte es für wichtig, dass unsere Pflegekinder regelmäßigen Kontakt zu den leiblichen Eltern halten. Sie sollen auch ihre Wurzeln kennen lernen und erfahren dürfen, dass sie ihren Eltern etwas bedeuten. Allerdings sollte immer auf das Wohl der Kinder geachtet werden.“

Es wird viel Unruhe von außen reingetragen

Dass da die angesetzten Besuchskontakte bei Pflegekindern auch zu früh erfolgen können, musste die Pflegemutter schmerzlich erfahren. „Unsere große Tochter hatte in der Anfangsphase starke Schwierigkeiten, die Besuche bei den leiblichen Eltern zu verarbeiten. Die Kontakte waren zu häufig, ich durfte als Rückhalt nicht dabei sein. Das hat uns jedes Mal wieder zurückgeworfen. Sie war damals noch ein Kleinkind. Unsere Pflegetochter und auch wir fühlten uns in der Situation allein gelassen.“ Ähnlich verlief der Kontakt bei Melina, die schon als Baby zu den Wagners kam. Es gab monatelang keinen oder nur sporadischen Kontakt zur Mutter. Jeder Kontakt überforderte das Kind, dennoch wurde trotz einer psychischen Erkrankung der Mutter irgendwann eine Rückführung angedacht. Die Sorge um das Kind und die monatelange Unsicherheit war für das Paar sehr belastend. „Es wird so viel Unruhe von außen reingetragen. Ich wünschte mir, dass wir mehr Rechte hätten, auf Entscheidungen zum Wohle des Kindes einzuwirken“, so der Pflegevater Thomas. Bei der 3-jährigen hat sich das Jugendamt mittlerweile für einen dauerhaften Verbleib in der Pflegefamilie ausgesprochen. Bei den großen Pflegetöchtern ist der Umgang mit den leiblichen Eltern inzwischen adäquat geregelt. Das Paar rät jedem, sich frühzeitig Hilfe und Rat zu holen, auch was eine mögliche Rückführung angeht.

Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren

Gerichtstermine, Gutachten, schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern – auch das gehört unter Umständen zu einem Leben als Pflegefamilie. Auch bei Familie Wagner versuchen die leiblichen Eltern immer wieder die Pflegekinder zurückzuholen. Teilweise unter inakzeptablen Bedingungen. „Eine Rückführung hätte in allen drei Fällen dem Kindeswohl geschadet. Es waren teilweise zermürbende Termine bis hin zum Oberlandesgericht, die viel Kraft gekostet haben.“ Der Pflegevater hat sich mittlerweile selbst schlau gemacht, Gesetze studiert und immer wieder Beistand gesucht. Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern„Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig informiert, immer wieder nachfragt und auf sein Recht besteht. Pflegeeltern sollten sich stärker emanzipieren. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat uns dabei großartig unterstützt.“ Gespräche mit dem zuständigen Supervisor helfen beim Verarbeiten der schwierigen Momente und bei Sachfragen. „Wir mussten schon einige Krisen überstehen“, sagt auch Caroline. „Aber wir sind auch daran gewachsen, sodass uns so schnell nichts mehr aus der Bahn wirft.“ Und mit jeder positiven Rückmeldung wächst auch das Vertrauen in die eigene Kraft.

Die nötige Distanz und der Glaube haben dem Paar geholfen

Und welche Strategie verfolgt das Paar, um die Herausforderungen zu bewältigen? „Ich betrachte den Sachverhalt mit einer gewissen Distanz. Mir ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und mich zu informieren“, sagt der Pflegevater. Die Mutter tickt da anders: „Mir hat mein Glaube sehr geholfen. Mein Schicksal in Gottes Hände zu legen, nimmt mir die Last auf meinen Schultern.“ Einen Groll gegen die Eltern hegt sie nicht.  „Man darf nicht vergessen, dass auch die leiblichen Eltern in einer schwierigen Lage sind. Sie haben diesen wunderbaren kleinen Menschenkindern das Leben geschenkt und können sie nun nicht begleiten. Das ist schon schwer.“ Allerdings wünscht sich das Paar auch klarere Strukturen für alle Beteiligten zum Wohle des Kindes. „Mit Pflegekindern sollte nicht experimentiert werden, insbesondere wenn sie schon als Säuglinge aus der Familie herausgenommen wurden. Sie kennen doch teilweise gar nichts anderes als ihre Bezugspersonen in den Pflegefamilien.“ Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen ElternBei der Frage, ob sie es manchmal bereuen, sich auf das Abenteuer Pflegekind eingelassen zu haben, schütteln beide den Kopf: „Mögliche Rückführungen und schwierige Besuchskontakte von Pflegekindern zu den leiblichen Eltern, sind sicherlich belastend, aber am Ende überwiegt die Freude an den Kindern. Pflegefamilien werden händeringend gesucht, also warum nicht etwas Gutes tun? Unsere Kinder brauchten ein Zuhause und wir wollten unbedingt Kindern ein Zuhause schenken. Und wenn abends die Kleine im Bett liegt und sagt, dass sie uns liebhat, lösen sich alle Bedenken in Luft auf.“

Sie möchten Pflegekindern ein sicheres, geborgenes Umfeld schenken? Dann melden Sie sich gerne bei uns. 

Und hier der Link zu unserem Film „Basisstation gesucht“, der Sie motivieren soll das Abenteuer Pflegefamilie zu wagen. Herzlichen Dank an Christoph Schuchardt von kameramann 24.

(Namen wurden von der Redaktion geändert)

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente

Pflegefamilien und Mütterrente…

In diesem Beitrag lesen Sie welche Aspekte im von der großen Koalition beschlossenen Rentenpaket 2019 für Pflegefamilien vor allem im Zusammenhang mit der Mütterrente relevant sein können.

Die Rente insgesamt ein Thema für alle Menschen. Seit Jahren wissen wir, dass die Gefahr eines Kollaps bezogen auf unsere Renten größer und größer wird. Die Begründungen dazu sind hinglänglich bekannt. Wir alle werden aufgefordert privat vorzusorgen, damit wir nicht in eine Altersarmutsfalle tappen.

Aus meiner Sicht wird der Leistung von Müttern und Familien unabhängig davon, ob sie sich um eigene oder angenomme Kinder kümmern, immer noch nicht angemessen Rechnung getragen. Interessenverbände wie z.B. PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. versuchen auf die Politik Einfluss zu nehmen, und die Anrechnung von Kindererziehungszeiten zu verbessern. Das Rentenpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist noch weit entfernt, den gesellschaftlichen Beitrag wirklich zu würdigen.

Die große Koalition hat jetzt die neue Mütterrente ab 2019 auf den Weg gebracht. Was gilt es für Pflegefamilien zu beachten!

Was ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erkennt der Staat die Erziehungsleistungen von Eltern an, diese Zeiten werden grundsätzlich auf die Rente angerechnet. Des Weiteren sollen Mütter – seltener Väterm – die aufgrund von Kindererziehung ihren Beruf ruhen lassen, in der Rente nicht wesentlich schlechter gestellt werden, als kinderlose Arbeitnehmer.

Was wurde im Rentenpaket entschieden?

Ab 2019 bekommen alle Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren sind, zusätzliche Rentenansprüche. Jedoch gibt es statt einem Rentenpunkt nur einen halben Rentenpunkt. So sieht es der Rentenkompromiss vor. Diese Mütterrente erhalten alle Eltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder Vollzeit betreut wurden oder nebenbei berufstätig waren. Es gibt jedoch eine Einkommenobergrenze, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze für Rentenbeiträge orientiert. Liegen Mütter oder Väter darüber bekommen sie ihre Erziehungsleistung nicht auf die Rente angerechnet. Eltern, die ihre Kinder zusammen großgezogen haben, können wählen, wer die Erziehungszeiten erhalten soll. Gleiches gilt für Pflegefamilien und Mütterrente.Pflegefamilien und Mütterrente

Wichtig: Antrag für die Mütterrente stellen!

Um sich die Erziehungszeiten anrechnen zu lassen, muss bei der Rentenversicherung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Wurden schon vorher Erziehungszeiten berücksichtigt, muss dieser Antrag nicht gestellt werden. Es wird jedoch empfohlen das persönliche Rentenkonto danach zu überprüfen.

Zur Beachtung: Besonderheiten bei Pflegefamilien und Mütterrente

Adoptiv- und Pflegeeltern, die Mütterrente beanspruchen, müssen bei ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger formlos einen Antrag stellen. Die ist besonders wichtig, da eine Berücksichtigung von Erziehungszeiten ausgeschlossen ist, wenn die Kindererziehungszeit bereits bei einem anderen Leistungsempfänger (leibliche Eltern von Pflegekindern) berücksichtigt wurde. Diese Praxis stellt aus unserer Sicht einen Affront gegenüber der Erziehungsleistung der Pflege- bzw. Adoptiveltern dar. Deshalb fordert der PFAD – Bundesveraband der Pflege- und Adoptivfamilien Deutschland e.V. in seiner Stellungnahme den Passus mit dem Leistungsausschluss ersatzlos zu streichen.

Folgende Links klären weiter zum Thema Pflegefamilien und Mütterrente auf:

Aufruf an bereits verrentete Pflege- und Adoptiveltern

PFAD Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes 

Möchten Sie Pflegefamilie werden, dann können Sie hier direkt mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

Geschwister in Pflegefamilien – eine Beziehung zwischen Nähe und Distanz

Geschwister in Pflegefamilien – eine Beziehung zwischen Nähe und Distanz

Geschwister in Pflegefamilien – Pflegefamilien Hessen unterstützt Forschungsarbeit / Teilnehmer für Online-Umfrage gesucht

von Pamela Premm: Lisa Baethke lebt ihre Berufung. Sie war schon immer sozial engagiert und hilfsbereit. Jetzt setzt sie sich für Pflegefamilien ein. Seit rund einem Jahr arbeitet die studierte Sozialpädagogin im allgemeinen Sozialdienst des Jugendamts, ist zuständig für die Planung und Einleitung von Hilfen in Pflegefamilien. Neben ihrer Arbeit kümmert sich die junge Frau um ihre Masterthesis an der Universität Siegen. In ihrer Abschlussarbeit widmet sie sich einem Thema, das ihr besonders am Herzen liegt: „Geschwisterbeziehungen von sozialen Geschwistern in Pflegefamilien.“ Ihre Forschungsstudie will neue Erkenntnisse gewinnen: darüber wie Geschwister in Pflegefamilien zueinanderstehen, ob sie intensivere Beziehungen pflegen und ob sie dabei besonders innig oder besonders distanziert miteinander umgehen.

Der Rolle von Pflegegeschwistern wird oft zu wenig Bedeutung beigemessen

„Mir ist immer wieder aufgefallen, dass es bei der Arbeit mit Pflegefamilien in erster Linie darum geht, die Bindung zwischen Pflegekindern und Eltern zu stärken. Dabei wird die Beziehung von Pflegekindern und leiblichen Geschwisterkindern allzu oft vernachlässigt, obwohl sie im Familiensystem eine ebenso wichtige Rolle spielt“, sagt Baethke. „Kontakte von Pflegekindern könnten kaum intensiver sein als jene zu ihren gleichaltrigen, sozialen Geschwistern, mit denen sie zusammenleben und einen Großteil ihrer Zeit verbringen.“ In Hilfeplangesprächen werden Geschwisterkinder allerdings kaum einbezogen, obwohl sie oftmals neue Perspektiven einbringen können. „Erst kürzlich habe ich ein Hilfeplangespräch geführt, an dem zufällig auch die Pflegeschwester teilgenommen hat. Dort hat sich gezeigt, dass viele Aspekte, die Pflegeeltern als Besorgnis erlebt haben, aus der Perspektive der Schwester als viel weniger kritisch wahrgenommen wurden. Darauf möchte ich aufmerksam machen: ‚Hey, es gibt eben nicht nur Pflegeeltern und Pflegekinder – zu einer Pflegefamilie gehören alle, Geschwister eingeschlossen‘.“ Die Beziehungen zu den Geschwistern seien schließlich auch jene, die natürlicherweise oftmals länger andauern als die zu den Eltern.

Teilnehmer für Geschwisterstudie noch dringend gesucht

Pflegefamilien-Hessen unterstützt die Forschungsarbeit der Masterstudentin. „Geschwisterkinder sind für uns ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Arbeit mit Pflegefamilien. Gerade am Anfang sind Geschwister in Pflegefamilien eine wichtige Orientierungsquelle für Pflegekinder. Sie leben quasi den Familienalltag mit all seinen Besonderheiten und Regeln vor. Das kann Pflegekindern unheimlich helfen, sich zurechtzufinden“, sagt Bertram Kasper von Pflegefamilien Hessen. Dabei ist die Beziehung zwischen Pflegegeschwistern oftmals besonderen Belastungen ausgesetzt. Baethke ergänzt: „Pflegegeschwister werden beispielsweise oft mit Vorurteilen konfrontiert („Ihr seid ja gar nicht wirklich verwandt.“), die zusätzlich zur Belastungsprobe werden können. Außerdem besteht latent die Möglichkeit, dass das Pflegekind aus der Familie wieder herausgenommen wird. Mich interessiert es besonders, wie sich solche Belastungen auf die Geschwisterbeziehungen auswirken. Kommt es zu einer verstärkten Distanz zwischen den Geschwistern oder schweißen die Herausforderungen noch stärker zusammen? Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Kinder, die als Pflegegeschwister groß werden, sozialer und toleranter sind, weil sie gelernt haben, mit Vorurteilen umzugehen und für die Familie einzustehen. Wie Pflegekinder ihre Beziehung zu ihren Pflegegeschwistern erlebt haben, darüber können hoffentlich die Ergebnisse Aufschluss geben.“

Der Fragebogen richtet sich an Pflegekinder und ehemalige Pflegekinder, die mindestens 16 Jahre alt sind und mit Pflegegeschwistern (sozialen Geschwistern) in einer Pflegefamilie leb(t)en. Teilnahmeschluss ist der 30.11.2018. Vielen Dank vorab an alle Unterstützer!

[Jetzt an Umfrage teilnehmen]

Über die Teilnahme

Die Antworten werden anonymisiert verwertet und lassen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zu. Wer an der Verlosung von drei Amazon-Gutscheinen à 20 Euro teilnehmen möchte, hinterlässt seine Kontaktdaten am Ende des Fragebogens im Rahmen der Gewinnspielabfrage. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist freiwillig. Wer keine Kontaktdaten hinterlassen möchte, kann die Angabe der Daten auf der letzten Seite einfach überspringen. Der zeitliche Aufwand für die Beantwortung der Fragen beträgt ungefähr zehn Minuten.

Sie haben noch Platz für ein Pflegekind in Ihrer Familie? Dann kontaktieren Sie uns gerne. Wir stehen Ihnen gerne Rede und Antwort zu diesem spannenden Lebensabschnitt.

Geschwister in Pflegefamilien eine wichtige Orientierungsquelle für Pflegekinder

 

Lobbyarbeit für Pflegekinder

Lobbyarbeit für Pflegekinder

Die Vertrauensgruppe macht Lobbyarbeit für Pflegekinder

Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein setzte heute am 20.08.2018 ihre Treffen mit Politikern fort. Wir berichteten schon in einem Magazinbeitrag darüber. Heute ist Handam Özgüven (Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis 13 – Marburg Biedenkopf) zu Gast. Frau Özgüven ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht. Sie ist seit Dezember 2015 im hessischen Landtag. Sie hat sich stark dafür eingesetzt, dass die Kinderrechte in der Novellierung der hessischen Verfassung einen Niederschlag finden. Dies scheint zu gelingen.

Drei Vertreter berichten…

Für die Vertrauensgruppe berichten stellvertretend der Sprecher Heinz Jürgen Schleich, Ernst Prall, Uwe Wüst und Wilma Jung über ihre die Tätigkeit als Pflegefamilie. Insgesamt lebten oder leben in den anwesenden Pflegefamilien 15 Pflegekinder.

Ziel des fachpolitischen Austauschs ist es, die Politiker für die Themen Care Leaver, Pflegekinder mit Behinderung verbunden mit dem Wechsel zum überörtlichen Träger der Eingliederungshilfe und zum Heranziehungsbeitrag für Jugendliche in Ausbildung zu sensibilisieren.

Aus dem Leben von Pflegefamilien und Pflegekindern

Herr Schleich erzählt von den bisherigen Aktivitäten der Vertrauensgruppe. So war z.B. Ernst Prall für die Vertrauensgruppe aktuell bei der Anhörung zum Gesetzentwurf für ein Gesetz zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes im sozial- und integrationspolitischen Ausschuss. Dazu gab es einige Schreiben der Vertrauensgruppe an die Petitionsausschüsse des Landes und des Bundes zu den oben genannten Themen.

Seine Erzählfluss gefunden, spricht Heinz Jürgen Schleich gleich von einem realen und aktuellen Beispiel:  Sein heute erwachsener und in Ausbildung befindlicher Pflegesohn hat in der nächsten Woche eine Termin bei der wirtschaftliche Jugendhilfe seines zuständigen Jugendamtes. Es geht um Heranziehungsbeitrag von seinem Ausbildungsgeld. Aufgrund seines Alters möchte er selbst zum Mitarbeiter des Amtes gehen.

Er nimmt die beiden Antworten des Petitionsausschusses mit. Ziel ist es, dass die wirtschaftliche Jugendhilfe nur 50% seiner Einkünfte einbehält. Diese Regel soll auf Bundesebene durchgesetzt werden, so die Aussage im Antwortschreiben des Petitionsausschusses auf Bundesebene.

Lobbyarbeit für Pflegekinder – positive Resonanz von Frau Özgüven

Lobbyarbeit für PflegekinderFrau Özgüven ist beeindruckt von dem Einsatz der Pflegefamilie, vor allem auch vom emotionalen Engagement für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Uwe Wüst erzählt von seinen ersten beiden Pflegesöhnen, die mit einer geistigen Behinderung zu ihnen in die Familie gekommen sind. Aktuell leben sie in einer beschützenden Einrichtung und sind heute 30 und 26 Jahre an. Einer der beiden lebt im Bereich des Betreuten Wohnens. Der Auszug damals verzögerte sich aufgrund von baulichen Maßnahmen in der Einrichtung. Das Jugendamt machte dem zuständigen Sozialarbeiter Druck, damit der Junge zwischenzeitlich in eine Einrichtung kommt. Die Familie konnte diese Haltung überhaupt nicht verstehen und wäre der Sozialarbeiter nicht so engagiert gewesen, dann wäre die Gefahr einer Retraumatisierung gegeben. Und wir haben uns in unserem Engagement nicht wertgeschätzt gesehen.

Partner auf Augenhöhe – das wünschen sich Pflegefamilien

„Wir kommen uns als Pflegefamilien oft als Bittsteller vor, obwohl wir nur das Beste für die Kinder wollen. Wir wünschen uns eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und wir kennen die Situation, dass schon 16 jährige Jugendliche einen Bogen vom Jugendamt bekommen, wo sie sich einschätzen soll, was sie schon alles können. Es wird indirekt Druck gemacht, dass die jungen Menschen früh aus der Hilfe kommen. Und wenn 75 % einbehalten werden, dann können die jungen Menschen gar nichts ansparen für den Übergang in die Selbstständigkeit. Es ist einfach unfair, wenn eh schon benachteiligte Pflegekinder im Vergleich mit ihrer Peergroup die Erfahrung machen, dass sie zurückstehen.“

Wie wird die Zukunft werden?

Frau Jung berichtet davon, dass sie aus ihrer Arbeit als sozialpädagogische Fachkraft weiß, wie sensibel die Übergänge sind und wie schnell diese schief gehen können.

Ihre beiden Pflegekinder sind mit 11 und 12 Jahren gekommen und das aus einer Zeit der vielen Wechsel und einer Odyssee in anderen Hilfeformen. Und jetzt fangen sie langsam an, sich in das Familienleben zu integrieren. Heute sind sie 15 und 16 Jahre. Beide bekommen eine Rente aus dem Opferentschädigungsgesetz. Das Eis ist wirklich dünn.

„Und ich mache mir heute schon Gedanken dazu, wie der Übergang gut gelingen kann. Für die beiden wünsche ich mir, dass es auch mit dem zuständigen Jugendamt und eventuell weiteren Kostenträgern zu einem guten Weg kommen kann.“

Frau Özgüven kann alle Aspekte gut verstehen. Sie wäre gerne im sozial- und integrationspolitischen Ausschuss und wird sich bei einer Wiederwahl in ihrer Fraktion dafür bewerben. Das Thema interessiert sie aufgrund ihrer fachanwaltlichen Qualifikation in Familienrecht sehr. Für heute verspricht Sie den Pflegefamilien, dass sie ihre Anliegen gerne an die fachpolitischen Sprecher weitergeben wird.

„Würden die Jugendämter die Übergänge der jungen Menschen sanfter und einfühlsamer gestalten, dann hätten viel junge Erwachsene deutlich bessere Chancen und Möglichkeiten für die eigene Selbstständigkeit“,

sagen Uwe Wüst und Heinz Jürgen Schleich zum Abschluss.

Und Frau Jung bringt es auf den Punkt:

„Es geht um kleine inhaltliche Felder, jedoch mit einer großen Wirkung auf die jungen Erwachsenen und ihre Zukunft“

Alle sind sich einig wie wertvoll der gemeinsame Termin für das bessere und gegenseitige Verständnis war.

Möchten Sie Pflegefamilien beim St. Elisabeth-Verein werden, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf! Hier ist der Link!

Fachberatungen für Pflegefamilien

Fachberatungen für Pflegefamilien

Betriebsausflug der Fachberatungen für Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein in Marburg…

Am 14.08.2018 wandern die Fachberatungen für Pflegefamilien die Schächerbachtour bei Homberg/Ohm im schönen Hessen. Mit dabei waren alle Mitarbeitenden aus dem Fachbereichsbüro, von Hauswirtschaft und Hausmeisterei. Das ganze Team des Fachbereichs für Pflegefamilien, 25 Personen.

Sich gemeinsam auf den Weg machen, wandern, fröhlich sein, gemeinsam essen. Unser Betriebsauflug – jedes Jahr ein guter Tag für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Gemeinsam wandern fördert den Austausch untereinander

Wandern eignet sich dafür besonders gut, da es möglich ist, den Weg in wechselnden Konstellationen zu gehen. So entstehen manchmal unverhofft Gespräche, die sonst vielleicht nicht möglich wären. Mal steht einfach der Weg und die schöne Landschaft im Mittelpunkt des Austausches, dann wieder sind es vielleicht die letzten Erlebnisse aus Beratungsgesprächen mit Pflegefamilien, etwas Privates von den eigenen Kindern oder die Ideen für den nächsten Urlaub.

Was ist das Schöne an meiner Arbeit, was macht mir besonders Freude?

Fachberatungen für Pflegefamilien

Diese Frage spielte auch auf den 9 km der Schächerbachtour eine Rolle. Bertram Kasper bat einige Kolleginnen und Kollegen um ihre Beiträge dazu. Vorzuschicken ist in diesem Kontext, dass wir alle viel Freude und Sinnhaftigkeit in unserer Arbeit erleben. Doch wie ist der vielleicht auch durch seine Aktualität geprägte Blick gerade jetzt. Die Technik machte es möglich einige Orginalstimmen einzufangen.

Erstes Statement:

So sagte z.B. Ulla Brehm, die schon seit vielen Jahren als Fachberatung dabei ist und die selbst viele Jahre Pflegemutter war:

„Pflegeeltern bieten sich Pflegekindern als ihre sozialen Eltern an. Wir haben Euch nicht geboren, doch wir wollen eure sozialen Eltern sein. Und „Elternschaft“ endet eben nicht. Und Jugendhilfe macht sich dazu wenig bis gar keine Gedanken. Wie lange hat es gedauert bis „Care Leaver“ auch in der Forschung in den Fokus gerückt sind. Und wir wissen heute, dass es für viele Pflegeeltern nach der Jugendhilfe erst richtig los geht. Wenn der Übergang ins eigene Leben, in die Berufstätigkeit und vielleicht in die eigene Familiengründung ansteht. Und wie geht das: Auf Du und Du mit den Pflegekindern sein, ohne dafür noch eine Aufwandsentschädigung zu bekommen.“ Elternschaft, auch wenn es eine Soziale ist hört für mein Verständnis nicht auf. Und mir macht es Freude mit Pflegeeltern und Pflegekindern zu überlegen, wie dieser Weg gut gelingen kann. Dabei unterstütze ich gerne. Und wir sprechen dabei viel über die Art der Ausgestaltung, von Möglichkeiten, von Nähe und Distanz und von tatsächlich Machbarem.

Und Steffen Henkel steigt mit in das Gespräch ein und sagt:

„Welche große Bereitschaft er bei den Pflegeeltern erlebt, die auch lange nach dem Pflegeverhältnis wie selbstverständlich für „ihre sozialen Kinder“ da sind. Ich habe eine echte Hochachtung davor.“

Zweites Statement:

Ein paar Schritte in Stille und ein paar Gedanken weiter beschreibt Steffen Henkel was er so toll an der Arbeit als Fachberatung für Pflegefamilien findet und nimmt das Thema der Herkunftseltern in den Blick:

„Es ist für mich bemerkenswert zu sehen, wo häufig am Anfang Misstrauen und Vorsicht ist, wie dann durch die Regelmäßigkeit der Besuchskontakte zwischen Pflegekind, leiblichen Eltern und Pflegefamilie nach und nach Vetrauen wächst, wechselseitige Öffnung und Akzeptanz entsteht. Und besonders schön finde ich, dann zu erleben, wie positiv dies auf die Pflegekinder wirkt. Einfach toll und von allen Beteiligten eine echte Leistung und ein wertvoller Einsatz.“

Drittes Statement:

Fachberatungen für Pflegefamilien

Esther Schmitt ist im Team der Fachberatungen für Pflegefamilien intensiv mit der Fortbildung, der Qualifizierung und der Projektentwicklung betraut. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wieso sie in dieses Arbeitsfeld gewechselt ist, und was ihre Motivation und ihre Freude im Pflegekinderbereich bis noch heute darstellt:

„Ich fand und finde heute immer noch, dass Pflegekinder ein Lobby brauchen und ich habe einen großen Respekt und ein große Anerkennung vor den Familien, die Pflegekindern einen Ort schenken, an dem gedeihlichen Leben und ein gute Entwicklung möglich ist.

Und dabei trägt mich die Gewissheit, dass jeder Mensch ein Recht hat ein gutes Leben zu leben. Es gilt Bedingungen zu schaffen, durch die genau das möglich wird. Ohne Pflegefamilien wäre genau das für Pflegekinder nicht möglich.

Und das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich jeden Tag wenn ich aufstehe die Chance habe, den Pflegeeltern ganz konkret dabei den Rücken zu särken für die Pflegekinder ein guter Lebensort zu sein.“

Viertes Statement:

Neben den Fachberatungen tragen ebenfalls die Kolleginnen aus dem Fachbereichsbüro, unsere Kollegin aus der Hauswirtschaft und der Hausmeister viel zum Gelingen eines reibungslosen Ablaufes bei. Auch sie haben erzählt, was ihnen besonders Freude bei der Arbeit macht.

Frau Wendy Bald, als Leiterin des Büros findet besonders wichtig:

„Ich war schon immer ein Mensch, der gerne indirekt und im Hintergrund das Große und Ganze unterstützt hat und mit Rat und Tat versucht die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit zu unterstützen. Ich möchte das Ganze im Blick behalten.“

Fünftes Statement:

Und Heike Weiß, als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft erzählt:

„Ich versuche alles immer so einzurichten, dass sich alle wohlfühlen und gut versorgt sind. Dabei geht es mir auch darum, dass sich nicht nur die Kolleginnen aus dem Fachberatungsdienst wohlfühlen, sondern im besonderen die Pflegekinder, ihre leiblichen Eltern und natürlich unsere Pflegefamilien. Und es freut mich, dass alle meinen Beitrag für das Ganze sehen und ich dafür Zuspruch bekommen. Eine schöne Aufgabe.“

Sechstes Statement:

Dirk Griesche (Fachberatung Pflegefamilien) findet es klasse:

Fachberatungen für Pflegefamilien

„Richtig Spaß an der Arbeit als Fachberatung macht mir, dass ich Familien langfristig begleiten darf. Die Pflegefamilien lernen mich kennen und ich lerne die Pflegefamilien kennen. Irgendwann macht es Klick und dann kommt wechselseitig das Vertrauen ins Spiel. Und das mit den Familien gemeinsam erleben zu dürfen ist wirklich eine schöne Erfahrung. Es macht Spaß bei diesem wechselseitigen Prozeß dabei sein zu können. Und gemeinsam durchstandene schwierige Situationen helfen dabei.“

Fachberatungen für Pflegefamilien sind auch KrisenbegleiterInnen…

Zum Schluss kommt nocheinmal Ulla Brehm und bringt etwas auf den Punkt, was wohl allen Fachberatungen wirklich eine große Freude bereitet:

„Besonders Freude macht es mir, wenn große Krisen und Irritationen sich auflösen lassen und alle Beteiligten einen neuen und gemeinsamen Weg finden und dabei wirklich keiner verloren gegangen ist.“

Auch bei einem Betriebsausflug lässt sich ein positiver und guter Blick auf die Arbeit werfen. Das ganze Team im Fachbereich Pflegefamilien trägt mit zu einem gelingenden Prozeß für Pflegekinder, leibliche Eltern und die Pflegefamilien bei. Eine sinnstiftende Arbeit die Freude bereitet und immer wieder neue Herausforderungen bietet.

Wollen Sie Pflegefamilie werden und von einer guten Begleitung profitieren, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahmen. Hier ist der LINK!