Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn

Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein setzte heute am 22.06.2018 ihre Treffen mit Politikern fort. Wir berichteten schon in einem Magazinbeitrag darüber. Heute ist Angela Dorn (Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die GRÜNEN Hessen, Mitglied des Hessischen Landtags und Sprecherin für Umwelt, Energie und Klimaschutz) zu Gast. Für die Vertrauensgruppe berichten stellvertretend der Sprecher Heinz Jürgen Schleich und Ernst Prall über ihre die Tätigkeit als Pflegefamilie. Ziel des fachpolitischen Austauschs von Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn ist es, die Politiker für die Themen Care Leaver, Pflegekinder mit Behinderung und zum Heranziehungsbeitrag für Jugendliche in Ausbildung zu sensibilisieren.

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn wissen worüber sie sprechen…

Frau Angela Dorn ist sehr interessiert an den Schilderungen und den damit verbunden Problemstellungen. Sie hört aufmerksam zu und erfasst schnell die komplexen Zusammenhänge.Dabei erzählt sie von ihren ersten beruflichen Erfahrungen als Psychologin in einem bayerischen Kinderheim und ihre vertiefte Auseinandersetzung mit den Biographien dieser Kinder. Sie könne sich noch gut daran erinnern, wieviel Lebensmut aus diesen Kindern, trotz ihrer tragischen Geschichten gesprochen hat. Und durch ihre Tante – auch Pflegemutter – verbrachte sie viel Zeit mit Pflegekindern. Sie würdigt authentisch die Arbeit aller Pflegefamilien und betont den wichtigen gesellschaftlichen Beitrag den sie leisten.

Fachpolitische Sprecherin Frau Sigrid Erfurt und Dr. Andreas Jürgens (LWV) einbeziehen…

Bezogen auf die Bedarfe der Pflegefamilien möchte sie unsere Anliegen gerne der fachpolitischen Sprecherin – Sigrid Erfurt (stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Hessen und Sprecherin Behindertenpolitik) – vortragen. Dazu erstellen die Pflegeväter eine schriftliche Zusammenfassung. Zudem vermittelt Sie uns einen weiteren Ansprechpartner auf der Ebene des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Dr. Andreas Jürgens (Erster Beigeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses).

Die Vertrauensgruppe will aktiv werden…

Die Vertrauensgruppe möchte vor allem in Kontakt mit Dr. Andreas Jürgens treten und ihm anhand eines konkreten Beispiels von einer jungen Erwachsenen verdeutlichen, was der Übergang von der Kinder- und Jugendhilfe in den Bereich der Behindertenhilfe bedeutet, sowohl im Sinne der fachlichen Begleitung, als auch in finanzieller Hinsicht. Dazu wird Ernst Prall eine entsprechende Grundlage erarbeiten.Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn

Angela Dorn schildert gegen Ende des Gesprächs, wie wichtig für junge Erwachsene die Übergänge im Leben seien und dass es dringend notwendig sei auch gute Modelle für den Übergang von SGB VIII zum SGB XII bzw. SGB VIIII zu entwickeln.

Und als Politikerin habe sie gelernt wie hilfreich es für alle Akteure ist, gesichtswahrende Lösungen zu finden. Und so wünscht sie den Pflegevätern und Pflegefamilien weiter viel Energie für die in den Familien lebenden Kinder und Jugendlichen. Sie bedankt sich für die Einladung und für die engagierte Lobbyarbeit der Vertrauensgruppe. Auch Heinz Jürgen Schleich und Ernst Prall sind von dem 11/2 stündigen intensiven Austausch angetan und freuen sich über die positive Resonanz von Angela Dorn.

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn…die Rückmeldung

Ein paar Tage später nimmt Frau Angela Dorn nochmals mit der Vertrauensgruppe Kontakt auf. Sie ist tätig geworden und hat mit Frau Sigrid Erfurt die fachlichen Hintergründe erläutert. Sie empfiehlt eine Stellungnahme zum Gesetzentwurf der hessischen Landesregierung zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes zu verfassen. Die Vertrauensgruppe teilt ihr mit zur Anhörung des Gesetzentwurf eingeladen zu sein. Heinz Jürgen Schleich wird dort die Interessen der Pflegefamilien Hessen vertreten. Herzlichen Dank an Frau Angela Dorn.

Beratung von Pflegeeltern

Beratung von Pflegeeltern

Die Beratung von Pflegeeltern trägt zum Gelingen von Pflegeverhältnissen bei…

Der St. Elisabeth-Verein unterhält seit inzwischen 25 Jahren einen Fachbereich für Pflegeeltern. Aktuell sind unter unserer Trägerschaft über 100 Pflegefamilien in denen 182 Kinder  leben. Ein Team von 15 Fachberatungen, einer Projektleitung und 2 Geschäftsbereichsleitungen unterstützen die Familien bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe. Der heutige Magazinbeitrag stellt den Fachberatungsdienst und das Rückmeldegespräch zwischen Pflegeeltern und Fachberaterin in den Fokus.

Beratung von Pflegeeltern – ein Thema im World Cafe 2015

Auf unserer Jahrestagung 2015 haben wir mit unseren Pflegefamilien ein World Cafe durchgeführt.Dort wurde deutlich wie wichtig unseren Familien die Begleitung durch unsere Fachberatungen ist. Gleichzeitig bestand zum einen der Wunsch der Pflegefamilien mehr über die Aufgaben, die Arbeitsschwerpunkte und die Rolle der Fachberatungen zu erfahren. Zum  anderen wurden Reflexionsgespräche zwischen Pflegefamilie unf Fachberatung gewünscht, mit dem Ziel die gemeinsame Zusammenarbeit regelmäßig zu reflektieren.

Beratung von Pflegeeltern – die Aufgaben und die Rolle der Fachberatung

Die im folgenden dargestellte Struktur für die Aufgaben- und Rollebeschreibung der Fachberatung zeigt im Überblick die Schwerpunkte.

Grundlegende Tätigkeiten der Fachberatung im Rahmen der Sicherstellung der Leistungsvereinbarung (Eine Leistungsbeschreibung und das dazugehörige Entgelt wird zwischen dem St. Elisabeth-Verein und dem Jugendamt in der sogenannten Leistungsvereinbarung vereinbart und beschreibt, welche Leistungen wir als Einrichtung und die Erziehungsstellen für das Entgelt erbringen müssen).

  • Überprüfung neuer Familien
  • Aufnahme- und Anbahnungsverfahren von Kindern
  • Fachaufsicht
  • Sicherstellung des Kindeswohls
  • Eigene Fort- und Weiterbildung
  • Leitung der Regionalgruppen
  • Vorbereitung und Teilnahme an der jährlichen Erziehungsstellentagung
  • Begleitung der Fortbildungsangebote für die Erziehungsstellen
  • Teilnahme an Arbeitsgruppen zur Weiterentwicklung des Fachbereiches
  • Hinsichtlich der Familien: Überprüfung der Teilnahme an den Angeboten des Settings
  • Sicherstellung des Kindeswohls (Präventionskonzept)
  • Herkunftsfamilienarbeit (Biographiearbeit)
  • Umsetzung der Hilfeplanung
  • Einzelgespräche
  • Qualitätsmanagement (Handbuch Fachberatung)

Gliederung der Tätigkeiten:

  1. Beratungsarbeit
  2. (direkt)kindebezogene Tätigkeiten und Inhalte
  3. Herkunftselternarbeit
  4. Krisenbegleitung
  5. Koordination der Hilfe/Kontaktpflege/Netzwerke
  6. Verwaltung und Organisation

Beratung von PflegeelternDie Tätigkeiten 1 – 6 werden dann konkret ausgeführt und im Detail beschrieben. Alle unsere Pflegefamilien haben die komplette Tätigkeitsbeschreibung erhalten und alle neue Familien bekommen sie mit Beginn unserer Zusammenarbeit. Die jeweils zuständige Fachberatung hat die Aufgabe die Stellenbeschreibung mit der Pflegefamilie zu besprechen.

Möchten Sie die Stellenbeschreibung erhalten, schreiben Sie uns bitte ein E-Mail.

Faktoren gelingender Beratung von Pflegeeltern

Zentral für die in den Familien lebenden Pflegekinder ist es, dass das unterstützende Helfersystem gut zusammenarbeitet. Dazu ist zum einen hilfreich die gegenseitigen Erwartungen für die Kooperation zu klären (dazu kann die Tätigkeitsbeschreibung für die Beratung von Pflegeeltern dienen) und zum anderen darauf zu achten, dass die Zusammenarbeit regelmäßig reflektiert wird. So ist es möglich frühzeitig unterschiedliche Sichtweisen, Unstimmigkeiten aber auch gelingende Aspekte anzusprechen. Unser Leitfaden für das Gespräch zur Zusammenarbeit gliedert sich in drei Zeitebenen:

  • Rückblick,Vergangenheit
  • Gegenwart
  • Zukunft

 

Gespräch zur Zusammenarbeit

Dieses Gespräch soll zum einen der Reflektion der Zusammenarbeit zwischen der Fachberatung und der Erziehungsstellenfamilie dienen, zum anderen geht es um die wechselseitige Weiterentwicklung und auch um die zu verändernden Anforderungen an den Fachbereich insgesamt. Dabei kann auch die Zusammenarbeit mit den Herkunftseltern, dem Jugendamt, dem Vormund, Therapeuten, der Schule, der Kindertageseinrichtung und anderen Institutionen reflektiert werden.

Beim dem Reflektionsgespräch nehmen möglichst beide Erziehungsstelleneltern teil. Grundsätzlich geht es bei dem Rückmeldegespräch immer um die Sichtweise der Erziehungsstellenmutter und des Erziehungsstellenvaters und der Fachberatung. Diese können auch unterschiedlich sein.

Die folgenden Hinweise dienen sowohl der Erziehungsstelle, als auch der Fachberatung zur Anregung für Fragestellungen im Gespräch. Der „Leitfaden“ oder Aspekte davon können bei jeder Gelegenheit genutzt werden, wenn es der Erziehungsstelle oder der Fachberatung sinnvoll erscheint die gemeinsame Zusammenarbeit in Blick zu nehmen.

Rückblick/Vergangenheit

(Rückblick auf das vergangene Jahr / Rückblick auf jeweils ein konkretes Beratungsgespräch bzw. Ereignis)

  • Was gibt es zu der Vergangenheit im Allgemeinen zu berichten?Beratung von Pflegeeltern
  • Was haben wir/Sie im vergangen Zeitraum erreicht?
  • Welche guten, aber auch schwierigen Erfahrungen haben wir gemacht? Wie sind wir mit den guten und wie sind wir mit den schwierigen Situationen umgegangen?
  • Welche Stärken haben uns auch in den schwierigen Momenten weitergeholfen?
  • Welche Aspekte in der Zusammenarbeit haben wir als hilfreich, zielführend und entwicklungsfördernd erlebt?
  • Was war eher weniger hilfreich, zielführend und entwicklungsfördernd?

 Gegenwart

  • Gibt es Themen aus Sicht der Erziehungsstelleneltern und aus Sicht der Fachberatung, die aktuell besprochen werden sollen und wie viel Aufmerksamkeit wollen wir diesen Themen geben.
  • Wie stellt sich für die Erziehungsstelleneltern und für die Fachberatung die aktuelle Situation dar und was ist eher förderlich bzw. was ist eher hemmend?
  • Was sind die Stärken der Erziehungsstelleneltern?
  • Was sind die Stärken der Fachberatung?
  • Welche unserer Angebote werden nutzen Sie (Fortbildung, Supervision, Regionalgruppen, Jahrestagung und Curriculum zur Qualifizierung von Erziehungsstellen)

Zukunft

  • Wie wollen wir gemeinsam unsere Zusammenarbeit zukünftig gestalten bzw. verbessern und wollen wir denn auch weiter zusammenarbeiten.
  • Beratung von PflegeelternWelche Wünsche haben Sie zu den Inhalten, Gestaltung und zu den Themen bezüglich unserer Angebote (Fortbildung, Supervision, Regionalgruppen, Jahrestagung und Qualikurs)
  • Welche Entwicklungsthemen sehen Sie als Erziehungsstellenfamilie für sich, welche Entwicklungsthemen würde ich Ihnen als Fachberatung empfehlen.
  • Welche Vereinbarungen wollen wir dazu treffen?
  • Gibt es aktuelle Wünsche an den Fachbereich bzw. an die Geschäftsbereichsleitung?

 

Möchten Sie mehr über unsere Dienstleistungen für Pflegefamilien erfahren könnte auch folgender Beitrag für Sie interessant sein.

Wir arbeiten unter dem Dach des St. Elisabeth-Vereins. Ein Träger für Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe und Altenhilfe.

Lobbyarbeit für Pflegefamilien

Lobbyarbeit für Pflegefamilien

Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins* macht Lobbyarbeit für Pflegefamilien und trifft sich mit Landes- und Kommunalpolitikern

Der Einladung der Vertrauensgruppe des St. Elisabeth-Vereins sind am 11.06.2018 Angelika Löber (SPD), Marjana Schott und Jan Schalauske (beide Die Linke) gefolgt. Ziel des fachpolitischen Austauschs war es, die Politiker für die Themen Care Leaver, Pflegekinder mit Behinderung und zum Heranziehungsbeitrag für Jugendliche in Ausbildung zu sensibilisieren.

Die Beteiligten…

Für die Vertrauensgruppe waren Hans Schwarz, Detlef Wirth, Heinz Jürgen Schleich (Sprecher der Vertrauensgruppe), Ernst Prall und Uwe Wüst anwesend. Es fehlten: Wilma Jung, Petra Müller – Namockel und Melanie Kleine – Luttropp.

Alle Beteiligten haben sich besonders darüber gefreut, dass sich Nadine Mocco als betroffenes ehemaliges Pflegekind und Care Leaverin mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen eingebracht hat.

Lobbyarbeit für PflegefamilienNach der Begrüßung von Heinz Jürgen Schleich und der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass bei den fünf Pflegevätern insgesamt 99 Jahre Erfahrung als Pflegefamilie versammelt sind und in ihren Familien insgesamt 27 Pflegekinder gelebt haben oder aktuell noch leben. Allen Mitgliedern der Vertrauensgruppe ist die Lobbyarbeit für Pflegefamilien eine echte Herzensangelegenheit.

Danach berichtete Nadine Mocco von ihrer ganz persönlichen Geschichte. Nach dem Fachabitur stand die Frage an, ob sie einen Antrag auf Verlängerung der Erziehungshilfemaßnahme nach ihrem 18. Lebensjahr stellen soll. Sie entschied sich, dies zu tun, damit sie mit Beginn einer Lehre oder eines Freiwilligen Sozialen Jahres nicht ohne Unterstützung, auch durch ihre Pflegeeltern, dastehen würde.

Ein ehemaliges Pflegekind erzählt…

Sie sagt dazu: „Das war schon echt komisch, für sich selbst diesen Antrag zu stellen. Und was ganz blöd war, dass ich mich schlechter darstellen musste, als es tatsächlich war, damit ich auch wirklich Hilfe bekomme.“

Die Hilfe wurde ihr für ein Jahr gewährt. Sie entschloss sich, dann doch erst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Marburg zu machen. Sie konnte bei der Diakonie Hessen in eine Wohngemeinschaft ziehen. Sie selbst hätte ca. 430,00 € für ihren Lebensunterhalt vom FSJ – Träger bekommen. Das Jugendamt machte dann deutlich, dass sie davon 75 % als Heranziehungsbeitrag einbehalten würde. Dies hätte eine Summe von 322,50 € bedeutet. Damit fühlte sie sich erpresst, wären ihr doch nur noch 107,50 € geblieben. Davon hätte sie nicht ihren Lebensunterhalt in der WG bestreiten können.

Was sagt der Petitionsausschuß des Bundestages dazu?

Dabei stellt der Heranziehungsbeitrag eine sogenannte „Kann Bestimmung“ im SGB VIII dar und den Jugendämtern bleibt ein Ermessensspielraum. In einem Schreiben (16.12.2013) vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages wurde der Vertrauensgruppe wie folgt geantwortet:

„Nunmehr können Jugendämter seit dem 3. Dezember 2013 im Rahmen ihres Ermessens darüber entscheiden, ob sie bei jungen Menschen in stationären Einrichtungen oder in Pflegefamilien von der Kostenheranziehung aus dem Einkommen absehen oder einen geringeren Kostenbeitrag erheben. Voraussetzung ist, dass die jungen Menschen das Einkommen im Rahmen einer Tätigkeit erworben haben, die im besonderen Maße dem Zweck der Jugendhilfeleistung dient (zum Beispiel der Übernahme von Eigenverantwortung, dem Erwerb sozialer Kompetenzen oder der Verselbständigung). In Bezug genommen sind hier Fälle, in denen die Heranziehung des jungen Menschen zu den Kosten dem Ziel der Hilfe widersprechen und der Zweckbestimmung der pädagogischen Arbeit mit dem jungen Menschen entgegenlaufen würde.”

Bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr werden doch gerade die verfolgten Ziele der Jugendhilfemaßnahme noch gefestigt und der junge Mensch erbringt dazu noch einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag. Das ist dann für einen jungen Menschen nach Einschätzung von Nadine Mocco wirklich schwer nachzuvollbar.

Die Geschichte geht weiter…

Nadine Mocco erzählt weiter, dass mit ihrem zuständigen Jugendamt zu dieser Frage nicht zu verhandeln war und sie sich dann schweren Herzens entschloss, die Hilfe zu beenden.

Lobbyarbeit für PflegefamilienHeute sagt sie mit noch klarerer Überzeugung: “Wäre ich in der Hilfe geblieben, hätte ich finanziell das FSJ nicht machen können, und das ist jetzt, wo ich in Ausbildung bin, noch schlechter nachzuvollziehen, habe ich doch durch das FSJ auch zu arbeiten gelernt. Es war also wirklich eine gute Vorbereitung für die Sicherung meiner weiteren Zukunft.”

Damit war jedoch ihre Reise der Ungewissheiten nicht vorbei. Mit Beginn der Ausbildung musste sie sich eine eigene Wohnung suchen. Klar war, dass das Ausbildungsgeld nicht reichen würde, also beantragte sie Berufsausbildungsbeihilfe (BAB).

“Das war für mich ganz schlimm, dass ich eine Einkommensbescheinigung meiner getrennten Eltern vorlegen sollte, zu denen ich Jahre keinen Kontakt mehr hatte und auch keinen haben wollte. Das Ganze zog sich über ein halbes Jahr hin, in dem ich dann natürlich auch kein Geld bekam. Wären meine Pflegeeltern nicht so kulant gewesen und hätten mir Geld vorgestreckt, hätte ich die Lehre nicht beginnen können. Das verstehe ich alles nicht. Dann ist doch der ganze Einsatz von mir und meinen Pflegeeltern für die Katz, wenn einem solche Hürden in den Weg gelegt werden. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Politiker da leichtere Wege für uns Care Leaver schaffen.”

Politiker beeindruckt…

Alle drei Politiker gaben sich fassungslos zu diesem Umgang. Sie fragten interessiert nach, um die Gesamtzusammenhänge noch besser zu verstehen. So sprach Jan Schalauske z.B. davon, dass es möglich wäre, im Einzelfall ihn als Mandatsträger direkt anzusprechen, um für Unterstützung bzw. Aufklärung zu werben. Marjana Schott drückte aus, dass hier einfach auf die enge Bindung zu den Pflegeeltern gesetzt wird. Doch was ist mit den Jugendlichen, denen diese Verbindung nicht zur Verfügung steht? Und Angelika Löber gab den Anwesenden den Tipp, sie bei der nächsten Petition direkt einzubeziehen, damit sie auch gut und richtig bearbeitet wird.

Und Nadine Mocco stellt für sich fest:

“Ohne meine Pflegeeltern hätte ich diesen Übergang nicht geschafft.”

Bezogen auf die Pflegekinder mit Behinderung führt Marjana Schott aus, dass gerade der Gesetzentwurf der hessischen Landesregierung zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes zur Lesung im Landtag eingebracht ist. Sie will versuchen, Heinz Jürgen Schleich als Sprecher der Vertrauensgruppe noch einen Platz für die Anhörung zu reservieren.

Für  alle war es ein sehr wichtiger und inhaltlich fundierter Termin. Die Mitglieder der Vertrauensgruppe dankten Nadine Mocco und allen Politikern für ihr Interesse und für ihren Einsatz.

Nach den Sommerferien stehen noch weitere Gespräche mit Politikern aus dem Landkreis Marburg Biedenkopf und der Stadt Marburg aus.

Möchten Sie selbst Pflegefamilien werden oder sich an der Lobbyarbeit für Pflegefamilien unterstützend beteiligen freuen wir uns über Ihre

Kontaktaufnahme!!!

*Anmerkung: Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins wird alle 3 Jahre von den über 100 Pflegefamilien als ihre Interessensvertretung gewählt. Sie nimmt sich jedes Jahr Arbeitsschwerpunkte vor. Das Jahr 2018 steht unter dem Motto: „Lobbyarbeit für Pflegefamilien“. Es stehen insgesamt mehrere Treffen mit Politikern auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene an.

Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen und der Weg dorthin…

„Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind.“

Pflegefamilien werden dringend gebraucht. Familien, Paare und Singles, die sich vorstellen können, einem Kind ein sicheres Zuhause zu geben, sind jederzeit willkommen. Pflegekinder aufnehmen – für viele Interessenten ist der Weg zum Pflegekind erst einmal mit Unsicherheiten und Fragen gespickt. Sind wir der Aufgabe gewachsen? Wie lange dauert es, bis ein Pflegekind einzieht? Erfüllen wir alle Voraussetzungen? Im Gespräch mit Pamela Premm von Premm PR berichtet Bertram Kasper, Geschäftsbereichsleiter beim St. Elisabeth-Verein, von seinen Erfahrungen und gibt Antworten auf die meist gestellten Fragen. Entstanden ist ein Mutmach-Interview für alle, die alle die Pflegekinder aufnehmen oder darüber nachdenken wollen.

Pamela Premm (PP): Vom Bewerberverfahren bis zum Einzug des Pflegekindes – es gibt viele Fragen auf dem Weg zur Pflegefamilie bis es dann zum „Pflegekinder aufnehmen“ kommt. Viele potenzielle Eltern sind sich unsicher, ob sie überhaupt die Voraussetzungen erfüllen, um Pflegeeltern zu werden. Worauf kommt es denn letztendlich an?

Bertram Kasper (BK): Schon allein, dass sich potenzielle Pflegeeltern mit der Thematik auseinandersetzen, macht sie zu guten Kandidaten. Wir sagen immer: Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind und die Lust, als Familie zusammenleben zu wollen. Um das herauszufinden, laden wir alle Kandidaten zu einem Kennenlern-Gespräch ein. In diesem ersten Infogespräch geht es darum, Vertrauen aufzubauen, und unsere fachlichen Unterstützung zur Begleitung von Pflegefamilien durch uns als Träger vorstellen. Erst dann gibt es eine ausführliche Infomappe und einen Fragebogen für die potenziellen Eltern, in dem z. B. auch Fakten zum Einkommen oder zur Wohnsituation abgefragt werden.

PP: Man liest immer wieder, dass interessierte Familien einen großen Respekt vor dem Jugendamt haben. Sind diese Unsicherheiten berechtigt?Pflegekinder aufnehmen

BK: Es kursieren die seltsamsten Vorstellungen von der Rolle der Jugendämter und über die Schärfe der Überprüfung. Auch dem Jugendamt ist es ein Anliegen, mit den zukünftigen Pflegefamilien ins Gespräch zu kommen. Insgesamt sind die Abläufe bürokratischer und stärker an offiziellen Formalien geknüpft als bei einem freien Träger. Das kann auf Interessenten respekteinflößend wirken. Vor dem Jugendamt braucht man allerdings keine Angst haben. Dort arbeiten ausgebildete Sozialpädagogen, die, genauso wie wir, auf Pflegestellen angewiesen sind. Auch bei einer direkten Zusammenarbeit mit den Jugendämtern bildet ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis die Basis. Wir arbeiten gut mit den Jugendämtern zusammen und unsere Pflegefamilien auch.

„Als Pflegefamilie wird man nicht geboren. Familien wachsen mit der Aufgabe…“

PP: Interessenten durchlaufen bei Ihnen ein mehrstufiges Bewerberverfahren. Viele interessierte Familien machen sich Sorgen, dass sie die Kriterien nicht erfüllen. Was sagen Sie diesen?

BK: Erst einmal geht es uns nicht darum, ein Urteil über die Menschen abzugeben. Im Bewerberverfahren wollen wir herausfinden, ob sich die zukünftigen Pflegefamilien zu 100 Prozent mit der Aufgabe identifizieren. Wir wissen aus Erfahrung, dass man als Pflegefamilie nicht geboren wird. Es ist ein sich Einfinden in die veränderte Situation. Man wächst in die neue Aufgabe hinein. Die interessierten Familien machen sich zu viele Sorgen. Wir versuchen daher, gleich zu Beginn, eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Wir möchten den zukünftigen Eltern Ängste und Unsicherheiten nehmen, daher stehen Gespräche an erster Stelle. Der Bewerbungsprozess darf außerdem nicht als Einbahnstraße betrachtet werden. Es ist ein wechselseitiger Prozess. Wir möchten schließlich die Familien auch von uns überzeugen.

 „Wir wollen herausfinden, wie Familien mit Übergängen umgehen.“

PP: Ein perfektes Bild von sich, seiner Familie und dem Umfeld zu zeichnen, ist also gar nicht notwendig?

BK: Nein, ganz im Gegenteil. Je offener auch über schwierige Themen gesprochen wird, desto besser. Jede Familie hat doch ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Wir wollen vor allem wissen, wie emotional belastende Momente verarbeitet wurden, wie die Familie mit Übergängen umgeht. Das können beispielsweise schwierige Lebensphasen oder einschneidende Erlebnisse wie der Verlust eines geliebten Menschen sein. Holt sich die Familie Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird? Verfügt sie über eigene Strategien, um eine schmerzvolle Erfahrung zu verarbeiten und mit ihr abzuschließen?

Auch hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Paare, die große Schwierigkeiten haben, mit Übergängen zurechtzukommen, können ganz fürsorgliche Eltern sein. Uns geht es hierbei nicht, um das ob, sondern um das wie. Wie können wir Familien bestmöglich helfen? Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch, dass die  bestehenden Familienkonstellationen durcheinander gewirbelt werden können. Familien müssen sich ganz neu sortieren. Wenn wir von den Familien schon vorab wissen, wie sie solchen Veränderungen begegnen, können wir sie als Träger besser auf dem Weg zur Pflegefamilie unterstützen.

PP: Für Geschwisterkinder und die Verwandtschaft kann ein Pflegekind auf Unverständnis stoßen. Wie kann man gerade Geschwisterkinder vorbereiten?

BK: Auch hier gilt: reden, reden, reden. Wenn ein Pflegekind in die Familie kommt, ist das für die Geschwisterkinder ein herber Einschnitt. Es beginnt eine Phase, in der das Pflegekind viel Zeit beanspruchen wird. Die Eltern werden einige Termine wahrnehmen müssen. Das Pflegekind braucht intensive Aufmerksamkeit, die von den eigenen Kindern abgeht. Daher ist es wichtig, mit den Geschwisterkindern im Vorfeld offene Gespräche zu führen und die Gefühle zu erkunden.

Pflegekinder aufnehmenKinder sind in ihren Aussagen sehr direkt. „Bei uns in der Familie ist es gut, und wir haben noch Platz für ein Kind“, sind hoffnungsvolle Vorzeichen. Stehen die eigenen Kinder einem Pflegekind eher skeptisch oder ablehnend gegenüber, ist das eine denkbar ungünstige Situation. Natürlich können die Geschwisterkinder das Ausmaß der Veränderung im Vorhinein nicht abschätzen. Daher ist es wichtig, immer wieder mit den Kindern in Kontakt zu treten. In Seminaren geben wir ihnen den Raum, um Gefühle auszudrücken. Indem wir spezielle Freizeiten für Pflegekinder anbieten, haben die Kernfamilien die Chance, immer wieder Zeit miteinander zu verbringen und die gegenseitige Bindung zu stärken.

„Der Bewerbungsprozess und bis es zum Pflegekinder aufnehmen kommt, kann ungefähr so lange dauern wie eine Schwangerschaft.“

PP: Die Pflegeeltern können es häufig kaum erwarten, bis das Kind einzieht. Wie lange dauert es vom Erstgespräch bis zur Anerkennung als Pflegeeltern und dann bis heißt: Pflegekinder aufnehmen?

BK: Das kommt immer darauf an. Wir sagen als Faustformel, dass der Bewerbungsprozess einer Schwangerschaft gleichkommt, inklusive Nestbau und Vorfreude. Einerseits nehmen wir uns ausreichend Zeit, um die Eltern kennen zu lernen. Allerdings versuchen wir auch, die Bedürfnisse der Eltern zu berücksichtigen, die von Beginn an hoch motiviert sind und der Anerkennung entgegenfiebern. Meistens dauert der Bewerbungsprozess etwa ein halbes bis drei Viertel Jahr. Manchmal forcieren wir das Verfahren auch. Dann wenn wir uns für die zukünftige Pflegefamilie ein bestimmtes Kind vorstellen können.

PP: Müssen Pflegeeltern denn alle Vorbereitungsseminare absolviert haben, bevor das Pflegekind einziehen darf?

BK: Nein, es ist sogar sehr sinnvoll, wenn sie noch einige davon wahrnehmen, wenn das Kind bereits eingezogen ist. Für die Grundqualifikation durchlaufen Pflegeeltern zwölf Module. Wenn das Pflegekind bereits in der Familie lebt, findet eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Themen statt. Das befürworten wir. Ansonsten bilden wir die Pflegefamilien regelmäßig fort. Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch sich ständig zu qualifizieren und auch Supervision in Anspruch zu nehmen.

PP: Auch aufseiten der leiblichen Eltern stehen viele Unsicherheiten und Sorgen. Die Frage, ob es dem eigenen Kind gut gehen wird, spielt dort mit ein. Welchen Einfluss haben die leiblichen Eltern auf die Auswahl der Pflegeeltern?

BK: Sowohl die leiblichen Eltern als auch die Pflegeeltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht, was wir versuchen, positiv zum Wohl des Kindes zu beeinflussen. Wenn wir glauben, dass ein Kind in einer Pflegefamilie gut aufgehoben ist, leisten wir durchaus Überzeugungsarbeit bei den leiblichen Eltern oder beim Vormund. Auch die Pflegeeltern dürfen Wünsche äußern. Ist ein Pflegekind gefunden, wird ganz behutsam der Kontakt zwischen Pflegeeltern und Pflegekind angebahnt. Hier wird sehr genau geschaut, ob es zusammenpasst und ob sich beide Seiten „gut riechen“ können.

PP: Viele zukünftigen Pflegeeltern haben die Befürchtung zu alt für ein kleines Kind zu sein. Gibt es eine Altersgrenze für Pflegeeltern?

BK: Diese Angst ist unbegründet. Auch ältere Pflegeeltern haben die Chance, ein jüngeres Kind zu bekommen. Eine Grundregel besagt, dass die Pflegekinder die Volljährigkeit erreicht haben sollten, bevor die Pflegeltern im Rentenalter sind.

PP: Gibt es auch Fälle, dass Eltern als Pflegeeltern abgelehnt wurden?

BK: Wir schauen schon ganz genau, ob die Familie, Geschwisterkinder und die Verwandtschaft hinter dem Modell „Pflegefamilien“ stehen. Manchmal wiegt ein Ereignis aus der Vergangenheit auch so schwer, dass wir erst einmal davon absehen, ein Pflegekind zu vermitteln. Es kommt vor, dass erst eine Baustelle geschlossen werden muss, bevor die Zeit für etwas Neues gekommen ist. Beim Verlust des eigenen Kindes kann es sinnvoll sein, noch etwas Zeit verstreichen zu lassen.

Wichtig ist, dass die Eltern und das Umfeld emotional gefestigt sind, dem Pflegekind einen sicheren Halt geben können, sich Hilfe bei Konflikten holen und über eine hohe Empathie-Fähigkeit verfügen. Wir möchten die zukünftigen Pflegeeltern nicht überfordern, sodass wir schon sehr genau hinschauen. Wir versuchen, aber eher unterstützend einzuwirken, wenn wir das Potenzial erkennen, anstatt Kandidaten abzulehnen. Da wir einen guten Betreuungsschlüssel haben, können unsere Fachberater Familien auch durch schwierige Situationen intensiv begleiten.

Sie spielen mit dem Gedanken ein Pflegekind aufzunehmen? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Mehr Informationen zu unserem Bewerberverfahren erhalten Sie in folgendem Magazinbeitrag: Wie werden wir Pflegefamilie?

Lesen Sie im Interview – Teil 2: Das Pflegekind zieht ein…Er erscheint am 23.05.2018 um 9.00 Uhr auf dieser Homepage.

 

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Häufig hören wir die Frage…was sind die Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden?

Zuerst einmal können wir sagen, jede oder jeder kann „Pflegefamilie“ werden, wenn eine große Freude und Lust besteht mit Kindern Familie zu leben. Dabei wissen wir heute alle, dass sich das Bild von Familie gesellschaftlich gewandelt hat. Neben der traditionellen Familienform (Vater, Mutter, Kinder) gibt es heute viele andere Formen gemeinschaftlich zusammen zu leben. So müssen Pflegeeltern nicht verheiratet sein, es gibt sowohl heterosexuelle, als auch gleichgeschlechtliche Paare bei Pflegeeltern und wir haben auch alleinstehende Pflegemütter und Pflegeväter.

Gemeinsam wachsen…

Wir freuen uns über jede Anfrage, wenn Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden möchten und gehen mit Ihnen in einen offenen und ehrlichen Dialog.

Auch freuen wir uns über jeder Anfrage, wenn Sie noch gar nicht genau wissen, was eine Pflegefamilie ist, wie das Leben in einer Pflegefamilie aussieht und ob das überhaupt etwas für Sie ist.

Schon heute können Sie folgenden Aspekten auf sich wirken lassen, um für sich zu prüfen die genannten Voraussetzungen auf Sie zutreffen oder ob Sie die Bereitschaft haben in die sinnstiftende Aufgabe als Pflegefamilie hineinzuwachsen.

Konkret:Voraussetungen um Pflegefamilie zu werden – Der formaler Rahmen

Es beginnt mit ganz normalen Voraussetzungen, dass Sie wirtschaftlich durch ein Gehalt abgesichert sind und ihr Lebensunterhalt auch ohne ein Pflegekind finanziell gewährleistet ist. Pflegeeltern erhalten vom Jugendamt ein Pflegegeld als Aufwandsentschädigung, dies reicht jedoch für den eigenen Lebensunterhalt nicht aus.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenDann sollten Sie über ausreichend Wohnraum verfügen, also für ein Pflegekinder das eigene Zimmer zur Verfügung stellen können. Dabei ist es unerheblich, ob Sie zur Miete wohnen oder ein eigenes Haus haben. Wenn Sie von uns als Pflegefamilie angenommen sind, ist es erfordliche ein erweitertes polizeilisches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorzulegen.

Bezogen auf das Alter von Pflegefamilien ist es sinnvoll einen Familien – entsprechenden Altersabstand zu haben. So gehen wir davon aus, dass mit dem Rentenalter von unseren Pflegeeltern, das Pflegekind volljährig sein sollte. So ist es möglich zwischen 45 – 48 Jahren noch Säuglinge oder Kleinkinder bei sich in die Familie zu integrieren.

Auch ist es sinnvoll darauf zu achten, dass ein Pflegekind vom Altern nicht zu nah am Alter der eigenen Kindern ist. Dabei hat es sich bewährt, wenn das Pflegekind möglichst zwei Jahre jünger ist als Ihr jüngste eigene Kind.

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – sozialen und fachliche Rahmen:

Pflegekinder sind oft verhaltensoriginelle Kinder und bringen ihre eigenen überwiegend nicht einfachen Lebensgeschichten mit. Gründe für diese Biographien liegen i.d.R. bei den Eltern. Dies können finanzielle Not, fortschreitende Erziehungsunfähigkeit ausgelöst durch Drogen, körperliche oder psychische Krankheit oder andere schwierige Lebensumstände sein. Manchmal kann es vorkommen, dass ein Elternteil nicht bekannt ist.

Bei den Kindern können sich diese Lebenserfahrungen dann in verhaltensoriginellem Handeln und Auftreten äußern. Dazu gehören z.B. ein großes Nähe- oder umgekehrt Distanzverlangen, Entwicklungsverzögerungen, Aggressivität oder Passivität, Konzentrationsschwierigkeiten, eine geringe Toleranzgrenze und vielfältiges Hin- und Hergrissen sein. Auch spielt das oftmals ambivalente Spannungsfeld zu den Eltern eine zentrale Rolle.

Grund für diese Verhaltensweisen sind nicht selten körperliche und auch psychische Gewalt in der Herkunftsfamilie, Vernachlässigungen und andere Grenzüberschreitungen.

Das wünschen wir uns von Pflegefamilien…

Deshalb wünschen wir uns Pflegefamilie mit guten Nerven und viel Kraft und Energie, also ist es gut eine gewisse Belastungs- und Widerstandsfähigkeit mitzubringen. Sicher wissen Sie auch aus der Erziehung Ihrer eigenen Kinder, dass immer wieder auch krisenhafte Ereignisse und Situationen bewältigt werden müssen.

Aus vielfältiger Forschung wissen wir auch, dass die Erziehung von Kinder besonders dann gut gelingt, wenn Eltern folgende Fähigkeiten abrufen können:

Fürsorglichkeit oder Liebe:

Hier können Sie wahrscheinlich, sowohl vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen als Kind, als auch bezogen auf Ihre Erfahrungen als Eltern aus vollem Herzen ja sagen. Liebe und Fürsorglichkeit ein ganz zentrale Voraussetzung um Pflegefamilie zu sein, bzw. natürlich auch um Eltern zu sein. Nicht umsonst kennen Sie alle das sogenannte „Kindchenschma“. „Dadurch ist gewährleistet, dass die Eltern für ihre Jungen bzw. Kinder sorgen, sie Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdensäugen bzw. stillen, füttern, ihnen Mahlzeiten zubereiten, sie beschützen und großziehen.“ (zitiert aus Wikipedia). Pflegekinder haben bei der Liebe und Fürsorglichkeit oft Mangelerlebnisse hinter sich. 

Responsivität (Ansprechbarkeit und Sensitivität für die Bedürfnisse der Kinder:

Die Resonanz zwischen Kindern und Eltern ist ganz zentral. Wie gehen Sie mit Kindern um, wie reagieren Sie auf sie, wie nehmen Sie die Bedürfnisse Ihrer Kinder situationsangemessen dar. Bei Pflegekindern besteht dazu die Herausforderung, oft nicht genau erkennen zu können, wieso sich gerade jetzt orginell verhalten und welches Bedürfnis dahinter steht. So braucht es ebenfalls eine besondere Empathiefähigkeit, ein Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse der Kindern, jedoch auch die Bereitschaft sich selbst als Elternteil mit seinen Gefühlen mitteilen zu wollen.

Struktur und Vorhersehbarkeit, weitere Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden:

Ein Großteil der Pflegekinder ist eher in einer Umgebung von Strukturlosigkeit großgeworden. Das heißt, dass der Alltag der Kinder hat sich eher zufällig oder nur durch äußere Strukturen wie Kindergarten oder Schule organisiert. Erlebnisse wie gemeinsame Unternehmungen oder gemeinsames Essen verknüpft mit Familienritualen sind eher selten. Die Ebenen zwischen Kindern und Eltern wurden verschoben. Für die Kinder bedeutet das auch geraden in Familien mit Suchtproblematiken, dass sie Verantwortung übernehmen müssen, die sie eher überfordert, da sie selbst noch bedürftig sind. Deshalb ist es wichtig, dass Pflegefamilien Pflegekinder Sicherheit, Verlässlichkeit und auch eine gewisse Vorhersehbarkeit im Alltag und im Zusammenleben geben.,

Kinder großziehen ist ein echtes Abenteuer und braucht immer noch einen gewissen Idealismus. Dafür aber ist es ebenfalls eine, vielleicht sogar die sinnstiftendste Aufgabe überhaupt und trägt aktiv zur gesellschaftlichen Sicherung und Entwicklung bei. Gerade können wir erleben, wie die Geburtenraten wieder steigen, also Menschen wieder mehr den Wunsch nach einem Beitrag für das „Große Ganze“ haben.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – Der öffentliche Rahmem:

Pflegefamilie sein bedeutet auch sich auf das Feld der sogenannten „Öffentlichen Erziehung“ oder „der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Achten Sozialgesetzbuch“ einzulassen. Das bedeutet, dass Sie als Pflegefamilie mit noch anderen Personen zu tun haben und sich mit ihnen auseinandersetzung müssen. Dazu gehören in aller Regel die leiblichen Eltern des Kinders, ein möglicher Vormund, Mitarbeitenden vom Jugendamt (Allgemeiner Sozialer Dienst oder Pflegekinderwesen), Therapeuten oder Psychologen und die Kolleginnen von unserer Fachdienst Fachberatung. Insofern können Sie auch nicht alle Entscheidungen alleine treffen, sondern sollten sich mit den unterschiedliche Beteiligten in der Hilfeform Pflegekinderwesen abstimmen. Insofern ist es hilfreich, wenn sie über eine gewisse Kooperationsfähigkeit verfügen.

Wir unterstüten Sie aktiv durch:

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenIn die Aufgabe als Pflegefamilie wächst man nach unseren Erfahrungen hinein. D.h. sich wachsen zusammen mit dem Pflegekind, können immer besser verstehen, wieso es sich so oder so verhält und finden immer leichter gute Antworten auf die Anforderungen des Alltags. Wir unterstützen Sie durch einen Qualifizierungskurs, durch regelmäßige 4 – 6 wöchige Fachberatung, durch Supervision, durch regelmäßige und fortlaufende Fortbildung, durch Regionlagruppen, durch unsere Jahrestagung und durch Ferienfreizeiten für Pflegekinder.

Über unsere Unterstütungsangebote und weitere Hintergründe können Sie hier mehr lesen…https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegeeltern-werden/ und unter… https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegefamilie-sein-heisst-sinnstifter-sein/

Eins ist sicher…ein Pflegekind wird Ihren Familienalltag bereichern und lebendig machen. Also wenden Sie sich gerne für ein Informationsgespräch an uns.

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Sich willkommen fühlen: Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Von Gastautorin Pamela Premm

Ich war zu spät. Fast eine halbe Stunde. Im Winter rollen die Züge nicht so regelmäßig aus dem Bahnhof, wie sie sollten. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat mich zu einem Kennenlerngespräch eingeladen. Sie planen ihren Content-Bereich auf der Webseite auszubauen und suchen eine passende Redakteurin. Da ich selbst Mama bin, berührt mich das Thema Pflegefamilie sofort.

Das Gebäude des St. Elisabeth-Vereins liegt auf einer Anhöhe vor den Toren Marburgs. Es ist ruhig, beschaulich. Trotz meiner Verspätung werde ich am Eingang von einer Kollegin herzlich in Empfang genommen. Den Kaffee darf ich mir in der kleinen Küche selbst aussuchen. Etwas aufgeregt bin ich schon. Wahrscheinlich geht es mir da wie den zukünftigen Pflegeeltern. Doch meine Nervosität wird mir schnell genommen. Die Kollegen des St. Elisabeth-Vereins, mit denen ich das Gespräch führe, sind freundlich und zugewandt. Die Atmosphäre ist familiär. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben.

Ich lerne ein neues Wort: verhaltensoriginellZu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Nicht alle Pflegekinder sind umgänglich, erfahre ich. Die meisten haben ein ordentliches Päckchen zu tragen. Feiertage wie Weihnachten oder Muttertag sind per se mit starken Emotionen verknüpft und eine besondere Herausforderung für die Familien. „Einige Kinder sind verhaltensoriginell“, sagt Bertram Kasper, der sich seit nunmehr 25 Jahren um Pflegefamilien kümmert. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern beschreibt eher eine Realität, die mit dem romantischen Bild von Familie so gar nichts zu tun hat. „Die Pflegekinder schaffen es ohne Weiteres durch auffälliges Verhalten ein ganzes Familienfest zu sprengen“, ergänzt er. Daher sei es wichtig, ruhige, klare Abläufe und Strukturen an den Feiertagen zu schaffen, an denen sich die Kinder orientieren können.

Als Mutter von zwei eigenen Kindern kann ich nur zustimmend nicken. Selbst meinen beiden werden große Feiern manchmal zu viel. Und statt freudige Kinderaugen gibt es Tränen. Wie soll es da nur den Kindern gehen, die gar nicht genau wissen, wie man Weihnachten und Geburtstage eigentlich feiert? Für die große Ereignisse bisher mit Enttäuschungen verbunden waren? „Es gibt immer wieder diese schwierigen Tage“, sagt Esther Schmitt, die sich unter anderem auch um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins kümmert. „Das sind Tage, an denen die Familie besonders in den Fokus rückt. Die Kinder können den Überschwall an Geborgenheit kaum verkraften. Stattdessen brechen angestaute Emotionen aus.“

Der Verein nimmt zukünftige Pflegeeltern an die Hand

Zum Glück sind die Pflegefamilien nicht allein. Von Beginn an steht ihnen der Verein als Ratgeber zur Seite. Ähnlich wie bei mir gibt es für potenzielle Pflegefamilien ein erstes Kennenlerngespräch. Erst dann folgen schriftliche Informationen. „Wir möchten herausfinden, ob wir zueinander passen. Die Eltern sollen das Gefühl bekommen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind“, sagt Esther Schmitt.

Wir sind seit über 30Jahren als Pflegefamilie tätig, davon seit 15 Jahren als Erziehungsstelle beim St. Elisabeth Verein, Pflegefamilien Hessen. Wir stellen immer wieder fest, dass das eine sehr gute Entscheidung war. Wir sind dankbar durch unsere Fachberaterin gut betreut zu sein. Wir erfahren durch sie eine gute Unterstützung in den verschiedensten Alltagssituationen, aber auch wenn es mal problematisch wird. Durch die diversen Fortbildungsangebote werden wir optimal geschult und die Gemeinschaft innerhalb des Vereins und der Erziehungsstellen empfinden wir als super hilfreich.

Martina und Harry Pflegefamilie aus Leidenschaft für Kindern mit Handicap

„Wir möchten natürlich auch Werbung für uns machen. Schließlich sind wir auf die Unterstützung der Familien angewiesen.“ Dafür bietet der St. Elisabeth-Verein ein Paket mit umfangreichen Weiterbildungsmaßnahmen für die Familien.  „Uns ist es wichtig, dass die Eltern sich ausreichend qualifiziert fühlen für die anstehende Aufgabe“, sagt Jens Rohe, Geschäftsbereichsleiter des Vereins und ebenfalls Pflegevater. Dafür bieten wir entsprechende Seminare und Workshops an und geben Familien regelmäßig die Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen.“ Der Verein ist überdurchschnittlich engagiert. Das spürt man auch im Gespräch.

Gemeinsam entwickeln wir die ersten Themen

Schnell entsteht ein Dialog über die Themen, für die sich Familien und Pflegefamilien gleichermaßen interessieren könnten. Wir sammeln Ideen für den Redaktionsplan: Authentische Geschichten sind wichtig, um Emotionen zu wecken. Informationen, um aufzuklären. Einblicke in den Alltag mit Pflegekindern, um die Freude widerzuspiegeln. All dies hatte ich mir schon auf der Zugfahrt notiert.

Besondere Situationen wie der erste Urlaub oder das erste Osterfest als neue Familie, Erfolgsgeschichten von erwachsenen Pflegekindern: Es gibt so viele Themen, die Eltern und zukünftige Eltern beschäftigt. Ich habe das Gefühl, Gutes zu tun, wenn ich den Verein dabei unterstütze, seine Ziele zu erreichen. Wir umreißen noch kurz, wie wir gemeinsam beginnen können. Dann ist die Zeit auch schon wie im Fluge vergangen.

Einen Matching-Prozess gibt es auch für Pflegefamilien

„Es wird sehr genau geprüft, welches Kind in welche Familie passt“, sagt Betram Kasper, der mich freundlicherweise zurück zum Bahnhof fährt. Ein aufwendiges Profiling bildet dafür die Grundlage. „Quirlige Kinder passen eher in eine Familie, die auch mal Fünfe gerade sein lässt. Zu ruhigen Eltern passt eher ein zurückhaltendes Kind, das viel Zuneigung und Fingerspitzengefühl braucht. Dahinter steht immer das gemeinsame Ziel, den Pflegekindern die Möglichkeit zu bieten, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu werden, einen Beruf auszuüben und sich vollständig intergriert zu fühlen“, sagt er abschließend und ergänzt: „Viele Kinder haben seit Gründung des Vereins ihren Weg gefunden und Hürden erfolgreich gemeistert. Es sind die kleinen Erfolgsgeschichten, die uns motivieren und zeigen, dass sich unser Einsatz lohnt.“Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Ich nehme viel mit aus dem Gespräch

Pflegeeltern sind Sinnstifter, die Wertvolles auf den Weg bringen. Pflegefamilie zu sein, ist eine intensive Zeit, geprägt von Fürsorge und dem nötigen Respekt vor der Aufgabe und füreinander. Im Grunde unterscheidet es sich nicht all zu sehr von einem normalen Familienalltag. Mit dem Unterschied, dass die Höhen ein bisschen höher und die Tiefen ein bisschen tiefer ausfallen. Und dass es im Hintergrund auch noch die echten Eltern gibt. Das Leben mit Kindern verändert alles. Das Leben mit Pflegekindern verändert noch mal mehr. Mit einem warmen Gefühl im Herzen fahre ich zurück nach Kassel. Ich freue mich auf die Arbeit und darauf, im Moment des Schreibens ebenfalls zum Sinnstifter zu werden, wie es die vielen Familien und Paare für ihre Pflegekinder sind.

Den Artikel schließe ich mit einem offenen Plädoyer für den ersten Schritt: Alle, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren, sollten unbedingt Kontakt zum St. Elisabeth-Verein aufnehmen und sich von den kompetenten und freundlichen Mitarbeitern beraten lassen. Es lohnt sich ganz bestimmt.

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen – Hier finden Sie das Kontaktformular oder rufen Sie einfach an.

Von Gastautorin Pamela Premm