Geschwister in Pflegefamilien – eine Beziehung zwischen Nähe und Distanz

Geschwister in Pflegefamilien – eine Beziehung zwischen Nähe und Distanz

Geschwister in Pflegefamilien – Pflegefamilien Hessen unterstützt Forschungsarbeit / Teilnehmer für Online-Umfrage gesucht

von Pamela Premm: Lisa Baethke lebt ihre Berufung. Sie war schon immer sozial engagiert und hilfsbereit. Jetzt setzt sie sich für Pflegefamilien ein. Seit rund einem Jahr arbeitet die studierte Sozialpädagogin im allgemeinen Sozialdienst des Jugendamts, ist zuständig für die Planung und Einleitung von Hilfen in Pflegefamilien. Neben ihrer Arbeit kümmert sich die junge Frau um ihre Masterthesis an der Universität Siegen. In ihrer Abschlussarbeit widmet sie sich einem Thema, das ihr besonders am Herzen liegt: „Geschwisterbeziehungen von sozialen Geschwistern in Pflegefamilien.“ Ihre Forschungsstudie will neue Erkenntnisse gewinnen: darüber wie Geschwister in Pflegefamilien zueinanderstehen, ob sie intensivere Beziehungen pflegen und ob sie dabei besonders innig oder besonders distanziert miteinander umgehen.

Der Rolle von Pflegegeschwistern wird oft zu wenig Bedeutung beigemessen

„Mir ist immer wieder aufgefallen, dass es bei der Arbeit mit Pflegefamilien in erster Linie darum geht, die Bindung zwischen Pflegekindern und Eltern zu stärken. Dabei wird die Beziehung von Pflegekindern und leiblichen Geschwisterkindern allzu oft vernachlässigt, obwohl sie im Familiensystem eine ebenso wichtige Rolle spielt“, sagt Baethke. „Kontakte von Pflegekindern könnten kaum intensiver sein als jene zu ihren gleichaltrigen, sozialen Geschwistern, mit denen sie zusammenleben und einen Großteil ihrer Zeit verbringen.“ In Hilfeplangesprächen werden Geschwisterkinder allerdings kaum einbezogen, obwohl sie oftmals neue Perspektiven einbringen können. „Erst kürzlich habe ich ein Hilfeplangespräch geführt, an dem zufällig auch die Pflegeschwester teilgenommen hat. Dort hat sich gezeigt, dass viele Aspekte, die Pflegeeltern als Besorgnis erlebt haben, aus der Perspektive der Schwester als viel weniger kritisch wahrgenommen wurden. Darauf möchte ich aufmerksam machen: ‚Hey, es gibt eben nicht nur Pflegeeltern und Pflegekinder – zu einer Pflegefamilie gehören alle, Geschwister eingeschlossen‘.“ Die Beziehungen zu den Geschwistern seien schließlich auch jene, die natürlicherweise oftmals länger andauern als die zu den Eltern.

Teilnehmer für Geschwisterstudie noch dringend gesucht

Pflegefamilien-Hessen unterstützt die Forschungsarbeit der Masterstudentin. „Geschwisterkinder sind für uns ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Arbeit mit Pflegefamilien. Gerade am Anfang sind Geschwister in Pflegefamilien eine wichtige Orientierungsquelle für Pflegekinder. Sie leben quasi den Familienalltag mit all seinen Besonderheiten und Regeln vor. Das kann Pflegekindern unheimlich helfen, sich zurechtzufinden“, sagt Bertram Kasper von Pflegefamilien Hessen. Dabei ist die Beziehung zwischen Pflegegeschwistern oftmals besonderen Belastungen ausgesetzt. Baethke ergänzt: „Pflegegeschwister werden beispielsweise oft mit Vorurteilen konfrontiert („Ihr seid ja gar nicht wirklich verwandt.“), die zusätzlich zur Belastungsprobe werden können. Außerdem besteht latent die Möglichkeit, dass das Pflegekind aus der Familie wieder herausgenommen wird. Mich interessiert es besonders, wie sich solche Belastungen auf die Geschwisterbeziehungen auswirken. Kommt es zu einer verstärkten Distanz zwischen den Geschwistern oder schweißen die Herausforderungen noch stärker zusammen? Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Kinder, die als Pflegegeschwister groß werden, sozialer und toleranter sind, weil sie gelernt haben, mit Vorurteilen umzugehen und für die Familie einzustehen. Wie Pflegekinder ihre Beziehung zu ihren Pflegegeschwistern erlebt haben, darüber können hoffentlich die Ergebnisse Aufschluss geben.“

Der Fragebogen richtet sich an Pflegekinder und ehemalige Pflegekinder, die mindestens 16 Jahre alt sind und mit Pflegegeschwistern (sozialen Geschwistern) in einer Pflegefamilie leb(t)en. Teilnahmeschluss ist der 30.11.2018. Vielen Dank vorab an alle Unterstützer!

[Jetzt an Umfrage teilnehmen]

Über die Teilnahme

Die Antworten werden anonymisiert verwertet und lassen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zu. Wer an der Verlosung von drei Amazon-Gutscheinen à 20 Euro teilnehmen möchte, hinterlässt seine Kontaktdaten am Ende des Fragebogens im Rahmen der Gewinnspielabfrage. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist freiwillig. Wer keine Kontaktdaten hinterlassen möchte, kann die Angabe der Daten auf der letzten Seite einfach überspringen. Der zeitliche Aufwand für die Beantwortung der Fragen beträgt ungefähr zehn Minuten.

Sie haben noch Platz für ein Pflegekind in Ihrer Familie? Dann kontaktieren Sie uns gerne. Wir stehen Ihnen gerne Rede und Antwort zu diesem spannenden Lebensabschnitt.

Geschwister in Pflegefamilien eine wichtige Orientierungsquelle für Pflegekinder

 

Lobbyarbeit für Pflegekinder

Lobbyarbeit für Pflegekinder

Die Vertrauensgruppe macht Lobbyarbeit für Pflegekinder

Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein setzte heute am 20.08.2018 ihre Treffen mit Politikern fort. Wir berichteten schon in einem Magazinbeitrag darüber. Heute ist Handam Özgüven (Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis 13 – Marburg Biedenkopf) zu Gast. Frau Özgüven ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht. Sie ist seit Dezember 2015 im hessischen Landtag. Sie hat sich stark dafür eingesetzt, dass die Kinderrechte in der Novellierung der hessischen Verfassung einen Niederschlag finden. Dies scheint zu gelingen.

Drei Vertreter berichten…

Für die Vertrauensgruppe berichten stellvertretend der Sprecher Heinz Jürgen Schleich, Ernst Prall, Uwe Wüst und Wilma Jung über ihre die Tätigkeit als Pflegefamilie. Insgesamt lebten oder leben in den anwesenden Pflegefamilien 15 Pflegekinder.

Ziel des fachpolitischen Austauschs ist es, die Politiker für die Themen Care Leaver, Pflegekinder mit Behinderung verbunden mit dem Wechsel zum überörtlichen Träger der Eingliederungshilfe und zum Heranziehungsbeitrag für Jugendliche in Ausbildung zu sensibilisieren.

Aus dem Leben von Pflegefamilien und Pflegekindern

Herr Schleich erzählt von den bisherigen Aktivitäten der Vertrauensgruppe. So war z.B. Ernst Prall für die Vertrauensgruppe aktuell bei der Anhörung zum Gesetzentwurf für ein Gesetz zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes im sozial- und integrationspolitischen Ausschuss. Dazu gab es einige Schreiben der Vertrauensgruppe an die Petitionsausschüsse des Landes und des Bundes zu den oben genannten Themen.

Seine Erzählfluss gefunden, spricht Heinz Jürgen Schleich gleich von einem realen und aktuellen Beispiel:  Sein heute erwachsener und in Ausbildung befindlicher Pflegesohn hat in der nächsten Woche eine Termin bei der wirtschaftliche Jugendhilfe seines zuständigen Jugendamtes. Es geht um Heranziehungsbeitrag von seinem Ausbildungsgeld. Aufgrund seines Alters möchte er selbst zum Mitarbeiter des Amtes gehen.

Er nimmt die beiden Antworten des Petitionsausschusses mit. Ziel ist es, dass die wirtschaftliche Jugendhilfe nur 50% seiner Einkünfte einbehält. Diese Regel soll auf Bundesebene durchgesetzt werden, so die Aussage im Antwortschreiben des Petitionsausschusses auf Bundesebene.

Lobbyarbeit für Pflegekinder – positive Resonanz von Frau Özgüven

Lobbyarbeit für PflegekinderFrau Özgüven ist beeindruckt von dem Einsatz der Pflegefamilie, vor allem auch vom emotionalen Engagement für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen.

Uwe Wüst erzählt von seinen ersten beiden Pflegesöhnen, die mit einer geistigen Behinderung zu ihnen in die Familie gekommen sind. Aktuell leben sie in einer beschützenden Einrichtung und sind heute 30 und 26 Jahre an. Einer der beiden lebt im Bereich des Betreuten Wohnens. Der Auszug damals verzögerte sich aufgrund von baulichen Maßnahmen in der Einrichtung. Das Jugendamt machte dem zuständigen Sozialarbeiter Druck, damit der Junge zwischenzeitlich in eine Einrichtung kommt. Die Familie konnte diese Haltung überhaupt nicht verstehen und wäre der Sozialarbeiter nicht so engagiert gewesen, dann wäre die Gefahr einer Retraumatisierung gegeben. Und wir haben uns in unserem Engagement nicht wertgeschätzt gesehen.

Partner auf Augenhöhe – das wünschen sich Pflegefamilien

„Wir kommen uns als Pflegefamilien oft als Bittsteller vor, obwohl wir nur das Beste für die Kinder wollen. Wir wünschen uns eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und wir kennen die Situation, dass schon 16 jährige Jugendliche einen Bogen vom Jugendamt bekommen, wo sie sich einschätzen soll, was sie schon alles können. Es wird indirekt Druck gemacht, dass die jungen Menschen früh aus der Hilfe kommen. Und wenn 75 % einbehalten werden, dann können die jungen Menschen gar nichts ansparen für den Übergang in die Selbstständigkeit. Es ist einfach unfair, wenn eh schon benachteiligte Pflegekinder im Vergleich mit ihrer Peergroup die Erfahrung machen, dass sie zurückstehen.“

Wie wird die Zukunft werden?

Frau Jung berichtet davon, dass sie aus ihrer Arbeit als sozialpädagogische Fachkraft weiß, wie sensibel die Übergänge sind und wie schnell diese schief gehen können.

Ihre beiden Pflegekinder sind mit 11 und 12 Jahren gekommen und das aus einer Zeit der vielen Wechsel und einer Odyssee in anderen Hilfeformen. Und jetzt fangen sie langsam an, sich in das Familienleben zu integrieren. Heute sind sie 15 und 16 Jahre. Beide bekommen eine Rente aus dem Opferentschädigungsgesetz. Das Eis ist wirklich dünn.

„Und ich mache mir heute schon Gedanken dazu, wie der Übergang gut gelingen kann. Für die beiden wünsche ich mir, dass es auch mit dem zuständigen Jugendamt und eventuell weiteren Kostenträgern zu einem guten Weg kommen kann.“

Frau Özgüven kann alle Aspekte gut verstehen. Sie wäre gerne im sozial- und integrationspolitischen Ausschuss und wird sich bei einer Wiederwahl in ihrer Fraktion dafür bewerben. Das Thema interessiert sie aufgrund ihrer fachanwaltlichen Qualifikation in Familienrecht sehr. Für heute verspricht Sie den Pflegefamilien, dass sie ihre Anliegen gerne an die fachpolitischen Sprecher weitergeben wird.

„Würden die Jugendämter die Übergänge der jungen Menschen sanfter und einfühlsamer gestalten, dann hätten viel junge Erwachsene deutlich bessere Chancen und Möglichkeiten für die eigene Selbstständigkeit“,

sagen Uwe Wüst und Heinz Jürgen Schleich zum Abschluss.

Und Frau Jung bringt es auf den Punkt:

„Es geht um kleine inhaltliche Felder, jedoch mit einer großen Wirkung auf die jungen Erwachsenen und ihre Zukunft“

Alle sind sich einig wie wertvoll der gemeinsame Termin für das bessere und gegenseitige Verständnis war.

Möchten Sie Pflegefamilien beim St. Elisabeth-Verein werden, dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf! Hier ist der Link!

Fachberatungen für Pflegefamilien

Fachberatungen für Pflegefamilien

Betriebsausflug der Fachberatungen für Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein in Marburg…

Am 14.08.2018 wandern die Fachberatungen für Pflegefamilien die Schächerbachtour bei Homberg/Ohm im schönen Hessen. Mit dabei waren alle Mitarbeitenden aus dem Fachbereichsbüro, von Hauswirtschaft und Hausmeisterei. Das ganze Team des Fachbereichs für Pflegefamilien, 25 Personen.

Sich gemeinsam auf den Weg machen, wandern, fröhlich sein, gemeinsam essen. Unser Betriebsauflug – jedes Jahr ein guter Tag für das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Gemeinsam wandern fördert den Austausch untereinander

Wandern eignet sich dafür besonders gut, da es möglich ist, den Weg in wechselnden Konstellationen zu gehen. So entstehen manchmal unverhofft Gespräche, die sonst vielleicht nicht möglich wären. Mal steht einfach der Weg und die schöne Landschaft im Mittelpunkt des Austausches, dann wieder sind es vielleicht die letzten Erlebnisse aus Beratungsgesprächen mit Pflegefamilien, etwas Privates von den eigenen Kindern oder die Ideen für den nächsten Urlaub.

Was ist das Schöne an meiner Arbeit, was macht mir besonders Freude?

Diese Frage spielte auch auf den 9 km der Schächerbachtour eine Rolle. Bertram Kasper bat einige Kolleginnen und Kollegen um ihre Beiträge dazu. Vorzuschicken ist in diesem Kontext, dass wir alle viel Freude und Sinnhaftigkeit in unserer Arbeit erleben. Doch wie ist der vielleicht auch durch seine Aktualität geprägte Blick gerade jetzt. Die Technik machte es möglich einige Orginalstimmen einzufangen.Fachberatungen für Pflegefamilien

Erstes Statement:

So sagte z.B. Ulla Brehm, die schon seit vielen Jahren als Fachberatung dabei ist und die selbst viele Jahre Pflegemutter war:

„Pflegeeltern bieten sich Pflegekindern als ihre sozialen Eltern an. Wir haben Euch nicht geboren, doch wir wollen eure sozialen Eltern sein. Und „Elternschaft“ endet eben nicht. Und Jugendhilfe macht sich dazu wenig bis gar keine Gedanken. Wie lange hat es gedauert bis „Care Leaver“ auch in der Forschung in den Fokus gerückt sind. Und wir wissen heute, dass es für viele Pflegeeltern nach der Jugendhilfe erst richtig los geht. Wenn der Übergang ins eigene Leben, in die Berufstätigkeit und vielleicht in die eigene Familiengründung ansteht. Und wie geht das: Auf Du und Du mit den Pflegekindern sein, ohne dafür noch eine Aufwandsentschädigung zu bekommen.“ Elternschaft, auch wenn es eine Soziale ist hört für mein Verständnis nicht auf. Und mir macht es Freude mit Pflegeeltern und Pflegekindern zu überlegen, wie dieser Weg gut gelingen kann. Dabei unterstütze ich gerne. Und wir sprechen dabei viel über die Art der Ausgestaltung, von Möglichkeiten, von Nähe und Distanz und von tatsächlich Machbarem.

Und Steffen Henkel steigt mit in das Gespräch ein und sagt:

„Welche große Bereitschaft er bei den Pflegeeltern erlebt, die auch lange nach dem Pflegeverhältnis wie selbstverständlich für „ihre sozialen Kinder“ da sind. Ich habe eine echte Hochachtung davor.“

Zweites Statement:

Ein paar Schritte in Stille und ein paar Gedanken weiter beschreibt Steffen Henkel was er so toll an der Arbeit als Fachberatung für Pflegefamilien findet und nimmt das Thema der Herkunftseltern in den Blick:

„Es ist für mich bemerkenswert zu sehen, wo häufig am Anfang Misstrauen und Vorsicht ist, wie dann durch die Regelmäßigkeit der Besuchskontakte zwischen Pflegekind, leiblichen Eltern und Pflegefamilie nach und nach Vetrauen wächst, wechselseitige Öffnung und Akzeptanz entsteht. Und besonders schön finde ich, dann zu erleben, wie positiv dies auf die Pflegekinder wirkt. Einfach toll und von allen Beteiligten eine echte Leistung und ein wertvoller Einsatz.“

Drittes Statement:

Fachberatungen für PflegefamilienEsther Schmitt ist im Team der Fachberatungen für Pflegefamilien intensiv mit der Fortbildung, der Qualifizierung und der Projektentwicklung betraut. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wieso sie in dieses Arbeitsfeld gewechselt ist, und was ihre Motivation und ihre Freude im Pflegekinderbereich bis noch heute darstellt:

„Ich fand und finde heute immer noch, dass Pflegekinder ein Lobby brauchen und ich habe einen großen Respekt und ein große Anerkennung vor den Familien, die Pflegekindern einen Ort schenken, an dem gedeihlichen Leben und ein gute Entwicklung möglich ist.

Und dabei trägt mich die Gewissheit, dass jeder Mensch ein Recht hat ein gutes Leben zu leben. Es gilt Bedingungen zu schaffen, durch die genau das möglich wird. Ohne Pflegefamilien wäre genau das für Pflegekinder nicht möglich.

 

Und das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich jeden Tag wenn ich aufstehe die Chance habe, den Pflegeeltern ganz konkret dabei den Rücken zu särken für die Pflegekinder ein guter Lebensort zu sein.“

Viertes Statement:

Neben den Fachberatungen tragen ebenfalls die Kolleginnen aus dem Fachbereichsbüro, unsere Kollegin aus der Hauswirtschaft und der Hausmeister viel zum Gelingen eines reibungslosen Ablaufes bei. Auch sie haben erzählt, was ihnen besonders Freude bei der Arbeit macht.

Frau Wendy Bald, als Leiterin des Büros findet besonders wichtig:

„Ich war schon immer ein Mensch, der gerne indirekt und im Hintergrund das Große und Ganze unterstützt hat und mit Rat und Tat versucht die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit zu unterstützen. Ich möchte das Ganze im Blick behalten.“

Fünftes Statement:

Und Heike Weiß, als Mitarbeiterin in der Hauswirtschaft erzählt:

„Ich versuche alles immer so einzurichten, dass sich alle wohlfühlen und gut versorgt sind. Dabei geht es mir auch darum, dass sich nicht nur die Kolleginnen aus dem Fachberatungsdienst wohlfühlen, sondern im besonderen die Pflegekinder, ihre leiblichen Eltern und natürlich unsere Pflegefamilien. Und es freut mich, dass alle meinen Beitrag für das Ganze sehen und ich dafür Zuspruch bekommen. Eine schöne Aufgabe.“

Sechstes Statement:

Dirk Griesche (Fachberatung Pflegefamilien) findet es klasse:

„Richtig Spaß an der Arbeit als Fachberatung macht mir, dass ich Familien langfristig begleiten darf. Die Pflegefamilien lernen mich kennen und ich lerne die Pflegefamilien kennen. Irgendwann macht es Klick und dann kommt wechselseitig das Vertrauen ins Spiel. Und das mit den Familien gemeinsam erleben zu dürfen ist wirklich eine schöne Erfahrung. Es macht Spaß bei diesem wechselseitigen Prozeß dabei sein zu können. Und gemeinsam durchstandene schwierige Situationen helfen dabei.“Fachberatungen für Pflegefamilien

Fachberatungen für Pflegefamilien sind auch KrisenbegleiterInnen…

Zum Schluss kommt nocheinmal Ulla Brehm und bringt etwas auf den Punkt, was wohl allen Fachberatungen wirklich eine große Freude bereitet:

„Besonders Freude macht es mir, wenn große Krisen und Irritationen sich auflösen lassen und alle Beteiligten einen neuen und gemeinsamen Weg finden und dabei wirklich keiner verloren gegangen ist.“

Auch bei einem Betriebsausflug lässt sich ein positiver und guter Blick auf die Arbeit werfen. Das ganze Team im Fachbereich Pflegefamilien trägt mit zu einem gelingenden Prozeß für Pflegekinder, leibliche Eltern und die Pflegefamilien bei. Eine sinnstiftende Arbeit die Freude bereitet und immer wieder neue Herausforderungen bietet.

Wollen Sie Pflegefamilie werden und von einer guten Begleitung profitieren, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahmen. Hier ist der LINK!

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn

Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien vom St. Elisabeth-Verein setzte heute am 22.06.2018 ihre Treffen mit Politikern fort. Wir berichteten schon in einem Magazinbeitrag darüber. Heute ist Angela Dorn (Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die GRÜNEN Hessen, Mitglied des Hessischen Landtags und Sprecherin für Umwelt, Energie und Klimaschutz) zu Gast. Für die Vertrauensgruppe berichten stellvertretend der Sprecher Heinz Jürgen Schleich und Ernst Prall über ihre die Tätigkeit als Pflegefamilie. Ziel des fachpolitischen Austauschs von Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn ist es, die Politiker für die Themen Care Leaver, Pflegekinder mit Behinderung und zum Heranziehungsbeitrag für Jugendliche in Ausbildung zu sensibilisieren.

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn wissen worüber sie sprechen…

Frau Angela Dorn ist sehr interessiert an den Schilderungen und den damit verbunden Problemstellungen. Sie hört aufmerksam zu und erfasst schnell die komplexen Zusammenhänge.Dabei erzählt sie von ihren ersten beruflichen Erfahrungen als Psychologin in einem bayerischen Kinderheim und ihre vertiefte Auseinandersetzung mit den Biographien dieser Kinder. Sie könne sich noch gut daran erinnern, wieviel Lebensmut aus diesen Kindern, trotz ihrer tragischen Geschichten gesprochen hat. Und durch ihre Tante – auch Pflegemutter – verbrachte sie viel Zeit mit Pflegekindern. Sie würdigt authentisch die Arbeit aller Pflegefamilien und betont den wichtigen gesellschaftlichen Beitrag den sie leisten.

Fachpolitische Sprecherin Frau Sigrid Erfurt und Dr. Andreas Jürgens (LWV) einbeziehen…

Bezogen auf die Bedarfe der Pflegefamilien möchte sie unsere Anliegen gerne der fachpolitischen Sprecherin – Sigrid Erfurt (stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Hessen und Sprecherin Behindertenpolitik) – vortragen. Dazu erstellen die Pflegeväter eine schriftliche Zusammenfassung. Zudem vermittelt Sie uns einen weiteren Ansprechpartner auf der Ebene des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, Dr. Andreas Jürgens (Erster Beigeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsausschusses).

Die Vertrauensgruppe will aktiv werden…

Die Vertrauensgruppe möchte vor allem in Kontakt mit Dr. Andreas Jürgens treten und ihm anhand eines konkreten Beispiels von einer jungen Erwachsenen verdeutlichen, was der Übergang von der Kinder- und Jugendhilfe in den Bereich der Behindertenhilfe bedeutet, sowohl im Sinne der fachlichen Begleitung, als auch in finanzieller Hinsicht. Dazu wird Ernst Prall eine entsprechende Grundlage erarbeiten.Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn

Angela Dorn schildert gegen Ende des Gesprächs, wie wichtig für junge Erwachsene die Übergänge im Leben seien und dass es dringend notwendig sei auch gute Modelle für den Übergang von SGB VIII zum SGB XII bzw. SGB VIIII zu entwickeln.

Und als Politikerin habe sie gelernt wie hilfreich es für alle Akteure ist, gesichtswahrende Lösungen zu finden. Und so wünscht sie den Pflegevätern und Pflegefamilien weiter viel Energie für die in den Familien lebenden Kinder und Jugendlichen. Sie bedankt sich für die Einladung und für die engagierte Lobbyarbeit der Vertrauensgruppe. Auch Heinz Jürgen Schleich und Ernst Prall sind von dem 11/2 stündigen intensiven Austausch angetan und freuen sich über die positive Resonanz von Angela Dorn.

Pflegefamilien Hessen und Angela Dorn…die Rückmeldung

Ein paar Tage später nimmt Frau Angela Dorn nochmals mit der Vertrauensgruppe Kontakt auf. Sie ist tätig geworden und hat mit Frau Sigrid Erfurt die fachlichen Hintergründe erläutert. Sie empfiehlt eine Stellungnahme zum Gesetzentwurf der hessischen Landesregierung zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes zu verfassen. Die Vertrauensgruppe teilt ihr mit zur Anhörung des Gesetzentwurf eingeladen zu sein. Heinz Jürgen Schleich wird dort die Interessen der Pflegefamilien Hessen vertreten. Herzlichen Dank an Frau Angela Dorn.

Beratung von Pflegeeltern

Beratung von Pflegeeltern

Die Beratung von Pflegeeltern trägt zum Gelingen von Pflegeverhältnissen bei…

Der St. Elisabeth-Verein unterhält seit inzwischen 25 Jahren einen Fachbereich für Pflegeeltern. Aktuell sind unter unserer Trägerschaft über 100 Pflegefamilien in denen 182 Kinder  leben. Ein Team von 15 Fachberatungen, einer Projektleitung und 2 Geschäftsbereichsleitungen unterstützen die Familien bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe. Der heutige Magazinbeitrag stellt den Fachberatungsdienst und das Rückmeldegespräch zwischen Pflegeeltern und Fachberaterin in den Fokus.

Beratung von Pflegeeltern – ein Thema im World Cafe 2015

Auf unserer Jahrestagung 2015 haben wir mit unseren Pflegefamilien ein World Cafe durchgeführt.Dort wurde deutlich wie wichtig unseren Familien die Begleitung durch unsere Fachberatungen ist. Gleichzeitig bestand zum einen der Wunsch der Pflegefamilien mehr über die Aufgaben, die Arbeitsschwerpunkte und die Rolle der Fachberatungen zu erfahren. Zum  anderen wurden Reflexionsgespräche zwischen Pflegefamilie unf Fachberatung gewünscht, mit dem Ziel die gemeinsame Zusammenarbeit regelmäßig zu reflektieren.

Beratung von Pflegeeltern – die Aufgaben und die Rolle der Fachberatung

Die im folgenden dargestellte Struktur für die Aufgaben- und Rollebeschreibung der Fachberatung zeigt im Überblick die Schwerpunkte.

Grundlegende Tätigkeiten der Fachberatung im Rahmen der Sicherstellung der Leistungsvereinbarung (Eine Leistungsbeschreibung und das dazugehörige Entgelt wird zwischen dem St. Elisabeth-Verein und dem Jugendamt in der sogenannten Leistungsvereinbarung vereinbart und beschreibt, welche Leistungen wir als Einrichtung und die Erziehungsstellen für das Entgelt erbringen müssen).

  • Überprüfung neuer Familien
  • Aufnahme- und Anbahnungsverfahren von Kindern
  • Fachaufsicht
  • Sicherstellung des Kindeswohls
  • Eigene Fort- und Weiterbildung
  • Leitung der Regionalgruppen
  • Vorbereitung und Teilnahme an der jährlichen Erziehungsstellentagung
  • Begleitung der Fortbildungsangebote für die Erziehungsstellen
  • Teilnahme an Arbeitsgruppen zur Weiterentwicklung des Fachbereiches
  • Hinsichtlich der Familien: Überprüfung der Teilnahme an den Angeboten des Settings
  • Sicherstellung des Kindeswohls (Präventionskonzept)
  • Herkunftsfamilienarbeit (Biographiearbeit)
  • Umsetzung der Hilfeplanung
  • Einzelgespräche
  • Qualitätsmanagement (Handbuch Fachberatung)

Gliederung der Tätigkeiten:

  1. Beratungsarbeit
  2. (direkt)kindebezogene Tätigkeiten und Inhalte
  3. Herkunftselternarbeit
  4. Krisenbegleitung
  5. Koordination der Hilfe/Kontaktpflege/Netzwerke
  6. Verwaltung und Organisation

Beratung von PflegeelternDie Tätigkeiten 1 – 6 werden dann konkret ausgeführt und im Detail beschrieben. Alle unsere Pflegefamilien haben die komplette Tätigkeitsbeschreibung erhalten und alle neue Familien bekommen sie mit Beginn unserer Zusammenarbeit. Die jeweils zuständige Fachberatung hat die Aufgabe die Stellenbeschreibung mit der Pflegefamilie zu besprechen.

Möchten Sie die Stellenbeschreibung erhalten, schreiben Sie uns bitte ein E-Mail.

Faktoren gelingender Beratung von Pflegeeltern

Zentral für die in den Familien lebenden Pflegekinder ist es, dass das unterstützende Helfersystem gut zusammenarbeitet. Dazu ist zum einen hilfreich die gegenseitigen Erwartungen für die Kooperation zu klären (dazu kann die Tätigkeitsbeschreibung für die Beratung von Pflegeeltern dienen) und zum anderen darauf zu achten, dass die Zusammenarbeit regelmäßig reflektiert wird. So ist es möglich frühzeitig unterschiedliche Sichtweisen, Unstimmigkeiten aber auch gelingende Aspekte anzusprechen. Unser Leitfaden für das Gespräch zur Zusammenarbeit gliedert sich in drei Zeitebenen:

  • Rückblick,Vergangenheit
  • Gegenwart
  • Zukunft

 

Gespräch zur Zusammenarbeit

Dieses Gespräch soll zum einen der Reflektion der Zusammenarbeit zwischen der Fachberatung und der Erziehungsstellenfamilie dienen, zum anderen geht es um die wechselseitige Weiterentwicklung und auch um die zu verändernden Anforderungen an den Fachbereich insgesamt. Dabei kann auch die Zusammenarbeit mit den Herkunftseltern, dem Jugendamt, dem Vormund, Therapeuten, der Schule, der Kindertageseinrichtung und anderen Institutionen reflektiert werden.

Beim dem Reflektionsgespräch nehmen möglichst beide Erziehungsstelleneltern teil. Grundsätzlich geht es bei dem Rückmeldegespräch immer um die Sichtweise der Erziehungsstellenmutter und des Erziehungsstellenvaters und der Fachberatung. Diese können auch unterschiedlich sein.

Die folgenden Hinweise dienen sowohl der Erziehungsstelle, als auch der Fachberatung zur Anregung für Fragestellungen im Gespräch. Der „Leitfaden“ oder Aspekte davon können bei jeder Gelegenheit genutzt werden, wenn es der Erziehungsstelle oder der Fachberatung sinnvoll erscheint die gemeinsame Zusammenarbeit in Blick zu nehmen.

Rückblick/Vergangenheit

(Rückblick auf das vergangene Jahr / Rückblick auf jeweils ein konkretes Beratungsgespräch bzw. Ereignis)

  • Was gibt es zu der Vergangenheit im Allgemeinen zu berichten?Beratung von Pflegeeltern
  • Was haben wir/Sie im vergangen Zeitraum erreicht?
  • Welche guten, aber auch schwierigen Erfahrungen haben wir gemacht? Wie sind wir mit den guten und wie sind wir mit den schwierigen Situationen umgegangen?
  • Welche Stärken haben uns auch in den schwierigen Momenten weitergeholfen?
  • Welche Aspekte in der Zusammenarbeit haben wir als hilfreich, zielführend und entwicklungsfördernd erlebt?
  • Was war eher weniger hilfreich, zielführend und entwicklungsfördernd?

 Gegenwart

  • Gibt es Themen aus Sicht der Erziehungsstelleneltern und aus Sicht der Fachberatung, die aktuell besprochen werden sollen und wie viel Aufmerksamkeit wollen wir diesen Themen geben.
  • Wie stellt sich für die Erziehungsstelleneltern und für die Fachberatung die aktuelle Situation dar und was ist eher förderlich bzw. was ist eher hemmend?
  • Was sind die Stärken der Erziehungsstelleneltern?
  • Was sind die Stärken der Fachberatung?
  • Welche unserer Angebote werden nutzen Sie (Fortbildung, Supervision, Regionalgruppen, Jahrestagung und Curriculum zur Qualifizierung von Erziehungsstellen)

Zukunft

  • Wie wollen wir gemeinsam unsere Zusammenarbeit zukünftig gestalten bzw. verbessern und wollen wir denn auch weiter zusammenarbeiten.
  • Beratung von PflegeelternWelche Wünsche haben Sie zu den Inhalten, Gestaltung und zu den Themen bezüglich unserer Angebote (Fortbildung, Supervision, Regionalgruppen, Jahrestagung und Qualikurs)
  • Welche Entwicklungsthemen sehen Sie als Erziehungsstellenfamilie für sich, welche Entwicklungsthemen würde ich Ihnen als Fachberatung empfehlen.
  • Welche Vereinbarungen wollen wir dazu treffen?
  • Gibt es aktuelle Wünsche an den Fachbereich bzw. an die Geschäftsbereichsleitung?

 

Möchten Sie mehr über unsere Dienstleistungen für Pflegefamilien erfahren könnte auch folgender Beitrag für Sie interessant sein.

Wir arbeiten unter dem Dach des St. Elisabeth-Vereins. Ein Träger für Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe und Altenhilfe.

Lobbyarbeit für Pflegefamilien

Lobbyarbeit für Pflegefamilien

Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins* macht Lobbyarbeit für Pflegefamilien und trifft sich mit Landes- und Kommunalpolitikern

Der Einladung der Vertrauensgruppe des St. Elisabeth-Vereins sind am 11.06.2018 Angelika Löber (SPD), Marjana Schott und Jan Schalauske (beide Die Linke) gefolgt. Ziel des fachpolitischen Austauschs war es, die Politiker für die Themen Care Leaver, Pflegekinder mit Behinderung und zum Heranziehungsbeitrag für Jugendliche in Ausbildung zu sensibilisieren.

Die Beteiligten…

Für die Vertrauensgruppe waren Hans Schwarz, Detlef Wirth, Heinz Jürgen Schleich (Sprecher der Vertrauensgruppe), Ernst Prall und Uwe Wüst anwesend. Es fehlten: Wilma Jung, Petra Müller – Namockel und Melanie Kleine – Luttropp.

Alle Beteiligten haben sich besonders darüber gefreut, dass sich Nadine Mocco als betroffenes ehemaliges Pflegekind und Care Leaverin mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen eingebracht hat.

Lobbyarbeit für PflegefamilienNach der Begrüßung von Heinz Jürgen Schleich und der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass bei den fünf Pflegevätern insgesamt 99 Jahre Erfahrung als Pflegefamilie versammelt sind und in ihren Familien insgesamt 27 Pflegekinder gelebt haben oder aktuell noch leben. Allen Mitgliedern der Vertrauensgruppe ist die Lobbyarbeit für Pflegefamilien eine echte Herzensangelegenheit.

Danach berichtete Nadine Mocco von ihrer ganz persönlichen Geschichte. Nach dem Fachabitur stand die Frage an, ob sie einen Antrag auf Verlängerung der Erziehungshilfemaßnahme nach ihrem 18. Lebensjahr stellen soll. Sie entschied sich, dies zu tun, damit sie mit Beginn einer Lehre oder eines Freiwilligen Sozialen Jahres nicht ohne Unterstützung, auch durch ihre Pflegeeltern, dastehen würde.

Ein ehemaliges Pflegekind erzählt…

Sie sagt dazu: „Das war schon echt komisch, für sich selbst diesen Antrag zu stellen. Und was ganz blöd war, dass ich mich schlechter darstellen musste, als es tatsächlich war, damit ich auch wirklich Hilfe bekomme.“

Die Hilfe wurde ihr für ein Jahr gewährt. Sie entschloss sich, dann doch erst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Marburg zu machen. Sie konnte bei der Diakonie Hessen in eine Wohngemeinschaft ziehen. Sie selbst hätte ca. 430,00 € für ihren Lebensunterhalt vom FSJ – Träger bekommen. Das Jugendamt machte dann deutlich, dass sie davon 75 % als Heranziehungsbeitrag einbehalten würde. Dies hätte eine Summe von 322,50 € bedeutet. Damit fühlte sie sich erpresst, wären ihr doch nur noch 107,50 € geblieben. Davon hätte sie nicht ihren Lebensunterhalt in der WG bestreiten können.

Was sagt der Petitionsausschuß des Bundestages dazu?

Dabei stellt der Heranziehungsbeitrag eine sogenannte „Kann Bestimmung“ im SGB VIII dar und den Jugendämtern bleibt ein Ermessensspielraum. In einem Schreiben (16.12.2013) vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages wurde der Vertrauensgruppe wie folgt geantwortet:

„Nunmehr können Jugendämter seit dem 3. Dezember 2013 im Rahmen ihres Ermessens darüber entscheiden, ob sie bei jungen Menschen in stationären Einrichtungen oder in Pflegefamilien von der Kostenheranziehung aus dem Einkommen absehen oder einen geringeren Kostenbeitrag erheben. Voraussetzung ist, dass die jungen Menschen das Einkommen im Rahmen einer Tätigkeit erworben haben, die im besonderen Maße dem Zweck der Jugendhilfeleistung dient (zum Beispiel der Übernahme von Eigenverantwortung, dem Erwerb sozialer Kompetenzen oder der Verselbständigung). In Bezug genommen sind hier Fälle, in denen die Heranziehung des jungen Menschen zu den Kosten dem Ziel der Hilfe widersprechen und der Zweckbestimmung der pädagogischen Arbeit mit dem jungen Menschen entgegenlaufen würde.”

Bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr werden doch gerade die verfolgten Ziele der Jugendhilfemaßnahme noch gefestigt und der junge Mensch erbringt dazu noch einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag. Das ist dann für einen jungen Menschen nach Einschätzung von Nadine Mocco wirklich schwer nachzuvollbar.

Die Geschichte geht weiter…

Nadine Mocco erzählt weiter, dass mit ihrem zuständigen Jugendamt zu dieser Frage nicht zu verhandeln war und sie sich dann schweren Herzens entschloss, die Hilfe zu beenden.

Lobbyarbeit für PflegefamilienHeute sagt sie mit noch klarerer Überzeugung: “Wäre ich in der Hilfe geblieben, hätte ich finanziell das FSJ nicht machen können, und das ist jetzt, wo ich in Ausbildung bin, noch schlechter nachzuvollziehen, habe ich doch durch das FSJ auch zu arbeiten gelernt. Es war also wirklich eine gute Vorbereitung für die Sicherung meiner weiteren Zukunft.”

Damit war jedoch ihre Reise der Ungewissheiten nicht vorbei. Mit Beginn der Ausbildung musste sie sich eine eigene Wohnung suchen. Klar war, dass das Ausbildungsgeld nicht reichen würde, also beantragte sie Berufsausbildungsbeihilfe (BAB).

“Das war für mich ganz schlimm, dass ich eine Einkommensbescheinigung meiner getrennten Eltern vorlegen sollte, zu denen ich Jahre keinen Kontakt mehr hatte und auch keinen haben wollte. Das Ganze zog sich über ein halbes Jahr hin, in dem ich dann natürlich auch kein Geld bekam. Wären meine Pflegeeltern nicht so kulant gewesen und hätten mir Geld vorgestreckt, hätte ich die Lehre nicht beginnen können. Das verstehe ich alles nicht. Dann ist doch der ganze Einsatz von mir und meinen Pflegeeltern für die Katz, wenn einem solche Hürden in den Weg gelegt werden. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Politiker da leichtere Wege für uns Care Leaver schaffen.”

Politiker beeindruckt…

Alle drei Politiker gaben sich fassungslos zu diesem Umgang. Sie fragten interessiert nach, um die Gesamtzusammenhänge noch besser zu verstehen. So sprach Jan Schalauske z.B. davon, dass es möglich wäre, im Einzelfall ihn als Mandatsträger direkt anzusprechen, um für Unterstützung bzw. Aufklärung zu werben. Marjana Schott drückte aus, dass hier einfach auf die enge Bindung zu den Pflegeeltern gesetzt wird. Doch was ist mit den Jugendlichen, denen diese Verbindung nicht zur Verfügung steht? Und Angelika Löber gab den Anwesenden den Tipp, sie bei der nächsten Petition direkt einzubeziehen, damit sie auch gut und richtig bearbeitet wird.

Und Nadine Mocco stellt für sich fest:

“Ohne meine Pflegeeltern hätte ich diesen Übergang nicht geschafft.”

Bezogen auf die Pflegekinder mit Behinderung führt Marjana Schott aus, dass gerade der Gesetzentwurf der hessischen Landesregierung zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes zur Lesung im Landtag eingebracht ist. Sie will versuchen, Heinz Jürgen Schleich als Sprecher der Vertrauensgruppe noch einen Platz für die Anhörung zu reservieren.

Für  alle war es ein sehr wichtiger und inhaltlich fundierter Termin. Die Mitglieder der Vertrauensgruppe dankten Nadine Mocco und allen Politikern für ihr Interesse und für ihren Einsatz.

Nach den Sommerferien stehen noch weitere Gespräche mit Politikern aus dem Landkreis Marburg Biedenkopf und der Stadt Marburg aus.

Möchten Sie selbst Pflegefamilien werden oder sich an der Lobbyarbeit für Pflegefamilien unterstützend beteiligen freuen wir uns über Ihre

Kontaktaufnahme!!!

*Anmerkung: Die Vertrauensgruppe der Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins wird alle 3 Jahre von den über 100 Pflegefamilien als ihre Interessensvertretung gewählt. Sie nimmt sich jedes Jahr Arbeitsschwerpunkte vor. Das Jahr 2018 steht unter dem Motto: „Lobbyarbeit für Pflegefamilien“. Es stehen insgesamt mehrere Treffen mit Politikern auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene an.