Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…

Wie heißt es im Volksmund „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Darin drückt sich auch aus, dass die Hoffnung in einer schier aussichtslosen Situation noch einen Weg weisen kann. Und damit kann die Hoffnung ein mächtiger Motor des Lebens, ja sogar für das Leben sein. Beginnt nicht jeder Morgen mit einer Hoffnung…ganz profan auf schönes Wetter oder tief hoffnungsvoll auf einen schönen Tag mit der Familie. Die kleinen und großen Hoffnungen des Alltags.

Auch Pflegeeltern sind hoffnungsvoll oder haben in all den Turbulenzen des Alltags gelernt, wie es geht hoffnungsvoll zu sein. So war es naheliegend einen Magazinbeitrag über „Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…“ zu schreiben.

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat...Öffnen wir einmal die Tür und treten ein bei Familie „Vollderhoffnung“. Die älteste leibliche Tochter Marie ist schon aus dem Haus und studiert in Amsterdam Internationales Management. Die Zwillinge Mike und Justin sind kurz vor dem Abitur und wollen danach erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Die Idee dazu haben sie von ihrer Mutter, sie ist Sozialpädagogin und arbeitet halbtags in einer Kindertageseinricutung. Marie kommt eher nach Ihrem Vater. Er ist Pilot, doch arbeitet heute im Management von Lufthansa. Alle miteinander haben vor 3 Jahren beschlossen ihr gutes Leben mit einem Pflegekind zu teilen.

Dann kam Max, der Pflegejunge…

Und so lebt seit 3 Jahren Max bei ihnen, 8 Jahre alt, ein Pflegejunge, ein Wirbelwind der geschwind und lebendig durch das Haus saust.

Er hat bis zum 2. Lebenjahr bei seinen Eltern gelebt. Max kam also mit 16 Monaten in eine Pflegefamilien. Sein Vater sitzt seit vielen Jahren wegen verschiedener Gewaltdelikte im Gefängnis und seine Mutter befindet sich aktuell wieder in einer Entzugsklinik, da sie unter einem erheblichen Alkoholmissbrauch leidet.

Frau Vollderhoffnung kennt Max aus der Kindertageseinrichtung und hat seine Geschichte hautnah mitbekommen. Max musste seine erste Pflegefamilie aufgrund einer schweren Erkrankung der Pflegemutter verlassen. Und so war sich Familie Vollderhoffnung schnell einig, Max bei sich eine Perspektive zu geben. Sie wussten, dass Max eine schwierige Kindheit hatte und dass der Übergang aus der Pflegefamilie in ihre Familie für Max auch nicht leicht sein würde.

Wenn es schwieriger wird…

Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit tauchen die ersten Schwierigkeiten auf, besonders beim Übergang in die Grundschule. Max wird zunehmend aggressiver, wacht nachts auf und schläft nicht mehr ein. In der Schule schlägt er unvermittelt Kinder, so dass sich die Anrufe der Schule häufen. Auch auf der Straße gibt es immer wieder Konflikte mit Nachbarskindern. Dabei kommt es hin und wieder auf beiden Seiten zu kleineren Blesuren. Schon öfter waren die Nachbarn da, um mit den Pflegeeltern von Max zu sprechen.

Die Pflegeeltern Vollderhoffnung lassen sich jedoch nicht so schnell unterkriegen. Sie hoffen jeden Morgen neu. Hoffentlich geht in der Schule alles gut geht, hoffentlich klingelt nicht plötzlich das Telefon, weil es wieder einen Streit gab. Es wird wohl alles gut gehen, wenn wir Max jetzt draußen spielen lassen.

Und sie blicken auch zuversichtlich auf den nächsten Besuchkontakt mit der Mutter von Max und denken nicht daran, dass es beim letzten Mal aus dem Ruder lief. Unverzagt glauben sie daran, dass doch noch der Knoten Platz und Max sich stablisiert.Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…

Pflegefamilien und Pflegeeltern sind Hoffnungsträger für das Leben, für die Entwicklung von Kindern, den eigenen und den angenommenen. Sie glauben daran, dass sich Wege finden lassen, dass es Lösungen für schwierige Situationen gibt.

Doch für viele Pflegemütter und Pflegeväter macht die Hoffnung noch mehr aus. Sie entfaltet sozusagen ihre ganze Kraft erst, wenn ich mich in meiner Hoffnung eben nicht nur von einem guten oder weniger guten Ausgang einer Situation leiten lasse, sondern von dem Wissen um einem tieferen Sinn von Ereignissen und Entwicklungen.

Und diesen Aspekt drückt der teschechische Menschenrechtler Vaclav Havel in seinem Zitat zur Hoffnung wie folgt aus:

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Sie ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

Und Giovanni Maio (deutscher Mediziner und Philosoph) ergänzt den Gedanken von Havel wie folgt:

„Ihrem Wesen nach sei Hoffnung nicht auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, sie sei ein Offensein für das, was kommen wird, und ein Vertrauen darauf, es bewältigen zu können. Wer hoffe, vertraue auf die eigene innere Stärke un darauf, am Unverhersehbaren nicht zu zerbrechen. In einem tieferen Sinn hofft man nicht auf etwas, sondern auf sich selbst.“

Und darin wird deutlich, dass es im Zusammenhang mit der Hoffnung so zentral bedeutsam ist, sich selbst zu vertrauen, sich selbst anzunehmen, sich selbst etwas zuzutrauen, auch wenn es um das Unvorhersehbare geht.

Frau Vollderhoffnung hatte eine Ahnung, wie es mit Max werden könnten, doch genau wusste sie es nicht. Und dennoch ist sie voller Hoffnung auf die Situation zu gegangen, hat auf sich selbst und die Stärken von ihrem Mann und ihren Kindern vertraut. Und tatsächlich hat sich das Leben mit Max positiv gestaltet, obwohl es noch einige Hürden zu meistern gab.

Allen die vielleicht noch tiefer in das Thema einsteigen möchten sei der folgender Videotipp an das Herz gelegt.

Therapieziel Dankbarkeit „Über die heilende Kraft der Annahme seiner selbst“,  ein interessantes Video zu einem Vortrag von Giovanni Maio.

Und wie steht es mit Ihrer Hoffnung, mit Ihrem Blick auf die Hoffnung? Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…Wir laden Sie ein mit uns ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist Pflegefamilien werden und sein für Sie auch ein Weg. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

Inspiriert für diesen Beitrag wurde ich durch das „Die Zeit“ Leitthema „Wie mächtig ist die Hoffnung“, von Christian Heinrich und Allessandro Gottardo. Vielen Dank dafür.

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