Sport für Pflegekinder – eine Erfolgsgeschichte! 

Pflegekind Jonas lebt für seinen Traum, ein Fußball-Profi zu werden und seine Pflegefamilie unterstützt ihn dabei

Am 14. Juni startet die Fußball-WM in Russland. Millionen Menschen werden mitfiebern und den deutschen Nationalspielern die Daumen drücken. Einer von ihnen ist Jonas*, selbst Torwart und Ausnahmetalent. Er spielt in der Hessenliga, U17, obwohl er mit gerade mal 14 Jahren zu den Jüngsten gehört. „Wenn er auf dem Fußballplatz steht, konzentriert er sich auf das Spiel und seine Mannschaftskameraden“, sagt sein Pflegevater Michael*. Vergessen sind die Sorgen und Nöte.

Mit fünf kam der Junge in seine Pflegefamilie, im Gepäck ein schweres Schicksal, wie es so viele Pflegekinder mit sich tragen. Die Pflegefamilie gibt ihm Halt und fördert seinen Wunsch, ein erfolgreicher Fußballer zu werden. Sport für Pflegekinder ist Kraftquelle und Lebenselixier. Da sind sich die Pflegeeltern einig. Beim Fußball kann Jonas Druck abbauen und sein persönliches Ziel verfolgen – ein Torwart-Profi zu werden!

Sport bringt Pflegekinder zurück ins Gleichgewicht

Schon bei den Bambinis hatte Jonas eine große Affinität zum Fußball. „Auf dem Rasen ist er ein anderer Mensch“, sagt sein Pflegevater. Während er in der Schule bei Lehrern und Klassenkameraden aneckt, findet er im Sport den Ausgleich und die Anerkennung, die er dringend benötigt. „Sein Sozialverhalten ist beim Fußball ein völlig anderes“, bestätigt er. Dann ist Jonas Freund und Kamerad, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt, auch mal extra Schichten trainiert, während es andere Jugendliche wieder an die Playstation zieht. Die Pflegefamilie ist sich sicher, dass Sport für Pflegekinder ausschließlich Vorteile mit sich bringt.

Anerkennung durch Trainer und Umfeld

Beim Fußball zählen nur die Leistung und das Engagement, unabhängig von der Herkunft. „Wir sind immer ganz offen damit umgegangen, dass Jonas ein Pflegekind ist. Sport und PflegekinderIm Fußball-Verein hat das nie jemanden gestört,“ so der Pflegevater. Beim Fußball haben alle eine Chance, die mit Herz und Seele dabei sind. Ein weiterer positiver Aspekt, den der Sport für Pflegekinder hat. „Der Trainer eiert nicht herum. Hier gibt es klare, präzise Ansagen. Genau, die Form der Ansprache, die unserem Sohn Sicherheit gibt.“ Dabei begegnen sich der Trainerstab und die Jugendlichen auf Augenhöhe. Absprachen werden inzwischen ohne die Eltern getroffen. Jeder übernimmt Verantwortung. Für Jonas ein gutes Gefühl, ernst genommen zu werden. Prestigeträchtige Sportarten, wie der Fußball, bringen zudem Lob und gesellschaftliche Akzeptanz. Etwas, was Pflegekinder von den leiblichen Eltern per se erstmal kaum erfahren. Über den Erfolg im Sport können Pflegekinder emotionale oder kognitive Defizite kompensieren, ihre Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenzen herausstellen. 

Gemeinsamer Familienurlaub ist schwierig

Die Familie investiert viel für den Lebenstraum ihres Pflegekindes. Drei bis vier Mal die Woche stehen Trainings an. Weite Fahrtstrecken zu den Auswärtsspielen und das teure Equipment zehren am Geldbeutel. Die Tochter beschwert sich manchmal, wenn die Jungs in der Familie wieder einmal unterwegs sind und erst spät am Abend heimkehren. „Einen gemeinsamen Familienurlaub zu planen, ist fast unmöglich“, sagt Michael. In den Sommerferien gibt es meistens nur eine zweiwöchige Trainingspause. Dass beide Eltern in dieser Zeit gleichzeitig Urlaub haben, ist äußerst selten. Also beschränkt sich der Sommerurlaub oft nur auf Kurzausflüge. Doch der Vater eines Pflege- und eines leiblichen Kindes will sich nicht beschweren. „Wir bekommen dafür auch ganz viel zurück und sind wahnsinnig stolz auf unseren Sohn.“Sport für Pflegekinder

Mit der Pubertät beginnt die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Der Wechsel in eine Pflegefamilie ist für die Kinder ein herber Einschnitt. In der Pubertät werden sie häufig von der Vergangenheit eingeholt. Alte Ängste werden wieder hervorgespült. Der Sport wirkt ausgleichend, wenn dunkle Wolken am Horizont aufziehen. „Das regelmäßige Training tut Jonas gut, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen und um Stress und Adrenalin abzubauen“, so der Pflegevater. Jonas achtet sehr auf sich und seine Gesundheit, ist körperlich austrainiert. Damit grenzt er sich auch von den vielen schmerzhaften Erfahrungen ab, die er als Kleinkind schon machen musste. Das stärkt ihn für andere Alltagsaufgaben.

Jonas will bei seiner Pflegefamilie bleiben

Jonas‘ Talent bleibt nicht unentdeckt. Er bekommt Angebote von Vereinen und Leistungszentren, könnte in ein Sportinternat umziehen. Doch vorerst hat er sich dafür entschieden in der Pflegefamilie zu bleiben. Dort wo er seine Unterstützer hat. Die Menschen, die ihn bedingungslos akzeptieren und lieben. Sein Ziel verliert er dabei nicht aus den Augen. Spätestens wenn die Spiele in der Hessenliga beginnen, wird er wieder fokussiert im Tor stehen. Er will Torwart-Profi werden, wie seine Idole Manuel Neuer und Roman Bürki. Dafür lässt er auch mal das ein oder andere Deutschland-Spiel bei der Fußball-WM sausen. Dann, wenn er selber spielen muss. Training geht eben vor – für den Traum vom Fußball-Profi.  *Namen von der Redaktion geändert

Möchten Sie auch Kinder auf ihrem Weg in den Sport und durch ihr Leben begleiten, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Der Beitrag wurde von Pamela Premm geschrieben. Vielen Dank.

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