Minimalismus – eine Chance für mehr Leichtigkeit in Pflegefamilien

Sobald die Kinder einziehen, geht es los. Schon im Babyalter wird man mit einem Übermaß an Angeboten konfrontiert. Die multifunktionale Wippe, die von selbst schaukelt, während das Kind darin liegt. Das drehende, musikspielende Mobile für das Babybett. Wenn die Hochglanz-Prospekte ins Haus flattern, fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dabei kann es so guttun, erst einmal in sich hineinzuhorchen. Was braucht das Baby wirklich? Körpernähe, Nahrung, Liebe und ganz viel Zeit. Und wenn die Kinder älter werden? Muss es die angesagte Nerf oder die zehnte Monster High Barbie sein? Nicht unbedingt. Denn Verzicht hat viele Vorteile und kann die Bindung in der Familie fördern. Pflegefamilien und Minimalismus…was hat es damit auf sich?

Minimalismus gibt uns die Chance in Beziehung zueinander zu treten

Erinnern wir uns an die eigene Kindheit. Wie schön es war, mit den wenigen Dingen zu spielen, die bei den Großeltern zur Verfügung standen. Oder die unser eigenes Kinderzimmer bestückten. Es gab einfach auch noch nicht so viel Spielzeug. Ein einfaches Legobauset und die Kiste mit Bauklötzen konnten uns stundenlang fesseln. Damals gab es Zeit im Überfluss, die uns den Raum gab, nach draußen zu gehen und die Welt zu entdecken. Wir konnten uns kreativ und kognitiv entfalten und in Beziehung zueinander treten.

Geben wir unseren Kindern doch auch diese Chance. Viele Familien haben dem übermäßigen Konsum den Rücken gekehrt und verfolgen einen minimalistischen Ansatz. Für Pflegefamilien kann Minimalismus eine große Chance sein. Wenn es darum geht, den Pflegekindern eine sichere Familienstruktur zu bieten.

Doch was heißt Minimalismus?

Laut Wikipedia bezeichnet Minimalismus auch Downshifting genannt, einen „Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen.“ Siehe auch unter „Einfaches Leben“.

Ordnung bedeutet Klarheit und Sicherheit

Der Trend zum Minimalismus geht mit der Frage einher, wie viel ein Mensch wirklich braucht. Wenn wir ehrlich sind, ist das erstmal nicht viel. Ganz im Gegenteil. Ein Zuviel von allem beschwert uns, führt eher zu Unzufriedenheit. Viele Jugendliche und Erwachsene, aber auch schon ganz kleine Kinder fühlen sich depressiv verstimmt. Sie sind überfordert vom schulischen und außerschulischen Überangebot und der Vielzahl an Spiel- und digitalen Freizeitangeboten. Es ist an der Zeit, das Zuviel herunterzufahren und den entstehenden Platz mit Leben zu füllen.

Pflegefamilien und Minimalismus

Für Pflegekinder ist diese Rückkehr zu den natürlichen Wurzeln besonders wichtig, da sie meistens in chaotischen Verhältnissen zur Welt kamen und viel Ersatzbefriedigung durch Medienkonsum erfahren haben. Durch Ordnung und Routinen erfahren sie Sicherheit. Und auch ihre Gedankenwelt darf sich ordnen und den Platz für positive Erlebnisse freigeben. So wird aus Pflegefamilien und Minimalismus ein echter Zusammenhang.

Bewusste Lebenszeit statt digitale Reize

Bis zu einhundert Mal am Tag schaut jeder von uns im Schnitt auf sein Handy. Eltern, die auf Handys starren, statt den Kindern in die Augen zu blicken, ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Viele Jugendliche leiden jetzt schon an den Folgen eines übertriebenen Konsums der sozialen Medien. 100.000 sind bereits abhängig und weisen depressive Symptome auf. Zu einem minimalistischen Leben gehört auch dazu Vorbild zu sein. Wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir schon wieder auf das Handy schauen, um die letzte WhatsApp-Nachricht zu checken.

Warum sollte es unseren Kindern anders gehen. Erst wenn wir uns einschränken, können auch unsere Kinder und Jugendlichen einen entspannten Umgang mit den digitalen Medien erlernen. Digitaler Medienkonsum sollte nicht als Ersatzbefriedigung für echte soziale Beziehungen dienen. Viele Pflegekinder haben aber genau das nicht anders kennen gelernt. Gerade bei Familien in Schräglage steht der Medienkonsum häufig an erster Stelle. Umso wichtiger ist es für die Pflegekinder, wieder bewusst in ihren Bedürfnissen wahrgenommen zu werden.

Die Leichtigkeit des Urlaubs in den Alltag transportieren

Warum ist eigentlich so vieles einfacher, wenn wir reisen? Weil wir leichtes Gepäck dabeihaben und die Unterkunft sehr oft spartanisch ausgestattet ist. Auf 40 Quadratmetern rücken wir automatisch zusammen. Die Kinder haben nur ein kleines Spielzeug dabei. Pflegefamilien und MinimalismusAnstelle des Konsums tritt die gemeinsame Aktivität. Wir sprechen mehr miteinander und sind aufmerksamer für die Dinge, die uns unterwegs begegnen. Wir fühlen und spüren das Leben und sind dabei aufgeschlossen für Neues.

Wir sollten versuchen, diese Leichtigkeit auch in den Alltag zu transportieren und immer wieder genau jene Situationen herbeiführen, in denen wir uns im Urlaub am wohlsten führen. Das kann ein regelmäßiger Spaziergang durch den Wald sein oder Füße verbuddeln am Badesee-Strand.  Schaffen wir uns auch im Alltag kleine Glücksmomente und besinnen wir uns auf die Werte, die wirklich zählen: Zeit haben, bewusst leben, tief durchatmen.

Das Frühjahr ist die perfekte Jahreszeit, um sich Luft zu machen

Schaffen wir Platz für neues Leben, für die Leichtigkeit des Sommers, indem wir alten Ballast abwerfen. Dann werden die zu klein geratenen Kindersachen für den Flohmarkt zusammengepackt. Der Keller wird ausgemistet und der Sperrmüll gerufen. Und mit jedem Teil, was wir nicht mehr brauchen und welches verschwindet, fühlen wir uns leichter. Es tut eben gut, sich von Dingen, die uns belasten, zu befreien. Man braucht hierbei nicht rigoros einen Minimalismus-Ansatz verfolgen. Es reicht, mit kleinen Schritten zu beginnen und für sich das richtige Maß zu finden.

Zehn Tipps für ein reduzierteres, bewussteres und erfülltes Leben:

  1. Sich Platz schaffen für mehr Leichtigkeit: Es lohnt sich, erst einmal mit einer Schublade zu beginnen, dann kommt der Kleiderschrank, dann der Keller. Alles, was lang nicht getragen oder genutzt wurde, kommt in die Kiste und wird gespendet oder auf dem (Online-)Flohmarkt verkauft.
  2. Kaufentscheidungen abwägen: Kurz vor Ostern wird man wieder mit Konsumangeboten überrollt. Geschenkideen zu Ostern, Deko-Tipps, Rezepte für das opulente Festmahl. Mittlerweile gibt es viele Anlässe, an denen Anreize zum Kauf geschaffen werden: Halloween, Valentinstag oder Weltfrauentag. Denken wir einfach zweimal nach, bevor wir etwas anschaffen. Das schont den Geldbeutel und den Platz.
  3. Einmal pro Woche in den Biomarkt: Denn hier gibt es noch Pflegefamilien und MinimalismusObst ohne Plastikmüll und sonstigen Umverpackungen. Für Kinder ein super Lerneffekt, damit sie auch sehen, dass es anders geht. Wenn man sich den Müll gar nicht erst ins Haus holt, muss man ihn auch nicht entsorgen.
  4. Entschleunigen und genießen: Wenn wir regelmäßig gemeinsam kochen, Gemüse schnippeln und uns um den Familientisch versammeln, nehmen wir die Zeit bewusst war. Das entschleunigt unseren Alltag und füllt ihn mit sinnstiftenden Momenten.
  5. Gemeinsames Erleben statt Konsum von Dingen: Wie schön war doch gleich der gemeinsame Ausflug in den Wildpark, der sich über eine kleine Futterspende finanziert. Davon zehren wir und das ist so viel wichtiger als von unzähligen Besitztümern umgeben zu sein.
  6. Digitale Zeit beschränken: Kinder dürfen Computer spielen, allerdings nicht stundenlang. Eltern dürfen auch das Handy nutzen, allerdings muss es auch Zeiten geben, in denen es in der Tasche bleibt. Ein Geheimtipp: Das Handy häufiger auf „grau“ stellen. Forscher wollen festgestellt haben, dass die leuchtenden Farben der Apps besonders anziehend wirken und uns geradezu veranlassen, nach neuen Angeboten zu suchen. Ein Handy in Graustufen bietet viel weniger Anreiz. Abends ist medienfreie Zeit, die für Gespräche und zum Spielen genutzt wird.
  7. Kindern und Minimalismus? Das ist in der Tat schwierig. Aber man kann sie dafür sensibilisieren. Einmal im Jahr wird beispielsweise schon längst vergessenes Spielzeug gespendet. Wenn sich ein Kind für zwei Spielzeuge interessiert, soll es sich für eines entscheiden und vielleicht auch das Taschengeld investieren. Außerdem darf es ruhig mal auf einen bestimmten Anlass wie den Geburtstag warten.
  8. Regelmäßig aufräumen: und das nicht als Last empfinden, sondern eher als Chance, es sich wieder so richtig hübsch zu machen. Ganz bewusst, Dinge in die Hand zu nehmen und sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Nur so, wie sich alle in der Familie damit wohlfühlen.
  9. Jedes Ding hat seinen Platz: Und wenn es noch nicht so ist, sollten wir genau jetzt damit beginnen und überlegen, wo etwas hingehört. Denn wenn etwas seinen festen Platz hat und wir nicht immer neu überlegen müssen, dann sparen wir zukünftig Zeit und haben wieder den Kopf frei für Dinge, die uns wichtig sind.
  10. Literatur zum Thema lesen: Es gibt wunderbare Bücher, die sich mit dem Thema „Aufräumen“ beschäftigen. Zum Beispiel: Minimalismus wohnen: Besser aufräumen, freier leben von Fräulein Ordnung. Sie betreibt auch einen Blog zum Thema und ist eine wahre Ordnungsexpertin: Fräulein Ordnung

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