Sich willkommen fühlen: Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Von Gastautorin Pamela Premm

Ich war zu spät. Fast eine halbe Stunde. Im Winter rollen die Züge nicht so regelmäßig aus dem Bahnhof, wie sie sollten. Der St. Elisabeth-Verein in Marburg hat mich zu einem Kennenlerngespräch eingeladen. Sie planen ihren Content-Bereich auf der Webseite auszubauen und suchen eine passende Redakteurin. Da ich selbst Mama bin, berührt mich das Thema Pflegefamilie sofort.

Das Gebäude des St. Elisabeth-Vereins liegt auf einer Anhöhe vor den Toren Marburgs. Es ist ruhig, beschaulich. Trotz meiner Verspätung werde ich am Eingang von einer Kollegin herzlich in Empfang genommen. Den Kaffee darf ich mir in der kleinen Küche selbst aussuchen. Etwas aufgeregt bin ich schon. Wahrscheinlich geht es mir da wie den zukünftigen Pflegeeltern. Doch meine Nervosität wird mir schnell genommen. Die Kollegen des St. Elisabeth-Vereins, mit denen ich das Gespräch führe, sind freundlich und zugewandt. Die Atmosphäre ist familiär. Ich fühle mich sofort gut aufgehoben.

Ich lerne ein neues Wort: verhaltensoriginellZu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Nicht alle Pflegekinder sind umgänglich, erfahre ich. Die meisten haben ein ordentliches Päckchen zu tragen. Feiertage wie Weihnachten oder Muttertag sind per se mit starken Emotionen verknüpft und eine besondere Herausforderung für die Familien. „Einige Kinder sind verhaltensoriginell“, sagt Bertram Kasper, der sich seit nunmehr 25 Jahren um Pflegefamilien kümmert. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern beschreibt eher eine Realität, die mit dem romantischen Bild von Familie so gar nichts zu tun hat. „Die Pflegekinder schaffen es ohne Weiteres durch auffälliges Verhalten ein ganzes Familienfest zu sprengen“, ergänzt er. Daher sei es wichtig, ruhige, klare Abläufe und Strukturen an den Feiertagen zu schaffen, an denen sich die Kinder orientieren können.

Als Mutter von zwei eigenen Kindern kann ich nur zustimmend nicken. Selbst meinen beiden werden große Feiern manchmal zu viel. Und statt freudige Kinderaugen gibt es Tränen. Wie soll es da nur den Kindern gehen, die gar nicht genau wissen, wie man Weihnachten und Geburtstage eigentlich feiert? Für die große Ereignisse bisher mit Enttäuschungen verbunden waren? „Es gibt immer wieder diese schwierigen Tage“, sagt Esther Schmitt, die sich unter anderem auch um die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins kümmert. „Das sind Tage, an denen die Familie besonders in den Fokus rückt. Die Kinder können den Überschwall an Geborgenheit kaum verkraften. Stattdessen brechen angestaute Emotionen aus.“

Der Verein nimmt zukünftige Pflegeeltern an die Hand

Zum Glück sind die Pflegefamilien nicht allein. Von Beginn an steht ihnen der Verein als Ratgeber zur Seite. Ähnlich wie bei mir gibt es für potenzielle Pflegefamilien ein erstes Kennenlerngespräch. Erst dann folgen schriftliche Informationen. „Wir möchten herausfinden, ob wir zueinander passen. Die Eltern sollen das Gefühl bekommen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind“, sagt Esther Schmitt.

Wir sind seit über 30Jahren als Pflegefamilie tätig, davon seit 15 Jahren als Erziehungsstelle beim St. Elisabeth Verein, Pflegefamilien Hessen. Wir stellen immer wieder fest, dass das eine sehr gute Entscheidung war. Wir sind dankbar durch unsere Fachberaterin gut betreut zu sein. Wir erfahren durch sie eine gute Unterstützung in den verschiedensten Alltagssituationen, aber auch wenn es mal problematisch wird. Durch die diversen Fortbildungsangebote werden wir optimal geschult und die Gemeinschaft innerhalb des Vereins und der Erziehungsstellen empfinden wir als super hilfreich.

Martina und Harry Pflegefamilie aus Leidenschaft für Kindern mit Handicap

„Wir möchten natürlich auch Werbung für uns machen. Schließlich sind wir auf die Unterstützung der Familien angewiesen.“ Dafür bietet der St. Elisabeth-Verein ein Paket mit umfangreichen Weiterbildungsmaßnahmen für die Familien.  „Uns ist es wichtig, dass die Eltern sich ausreichend qualifiziert fühlen für die anstehende Aufgabe“, sagt Jens Rohe, Geschäftsbereichsleiter des Vereins und ebenfalls Pflegevater. Dafür bieten wir entsprechende Seminare und Workshops an und geben Familien regelmäßig die Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen.“ Der Verein ist überdurchschnittlich engagiert. Das spürt man auch im Gespräch.

Gemeinsam entwickeln wir die ersten Themen

Schnell entsteht ein Dialog über die Themen, für die sich Familien und Pflegefamilien gleichermaßen interessieren könnten. Wir sammeln Ideen für den Redaktionsplan: Authentische Geschichten sind wichtig, um Emotionen zu wecken. Informationen, um aufzuklären. Einblicke in den Alltag mit Pflegekindern, um die Freude widerzuspiegeln. All dies hatte ich mir schon auf der Zugfahrt notiert.

Besondere Situationen wie der erste Urlaub oder das erste Osterfest als neue Familie, Erfolgsgeschichten von erwachsenen Pflegekindern: Es gibt so viele Themen, die Eltern und zukünftige Eltern beschäftigt. Ich habe das Gefühl, Gutes zu tun, wenn ich den Verein dabei unterstütze, seine Ziele zu erreichen. Wir umreißen noch kurz, wie wir gemeinsam beginnen können. Dann ist die Zeit auch schon wie im Fluge vergangen.

Einen Matching-Prozess gibt es auch für Pflegefamilien

„Es wird sehr genau geprüft, welches Kind in welche Familie passt“, sagt Betram Kasper, der mich freundlicherweise zurück zum Bahnhof fährt. Ein aufwendiges Profiling bildet dafür die Grundlage. „Quirlige Kinder passen eher in eine Familie, die auch mal Fünfe gerade sein lässt. Zu ruhigen Eltern passt eher ein zurückhaltendes Kind, das viel Zuneigung und Fingerspitzengefühl braucht. Dahinter steht immer das gemeinsame Ziel, den Pflegekindern die Möglichkeit zu bieten, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu werden, einen Beruf auszuüben und sich vollständig intergriert zu fühlen“, sagt er abschließend und ergänzt: „Viele Kinder haben seit Gründung des Vereins ihren Weg gefunden und Hürden erfolgreich gemeistert. Es sind die kleinen Erfolgsgeschichten, die uns motivieren und zeigen, dass sich unser Einsatz lohnt.“Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen

Ich nehme viel mit aus dem Gespräch

Pflegeeltern sind Sinnstifter, die Wertvolles auf den Weg bringen. Pflegefamilie zu sein, ist eine intensive Zeit, geprägt von Fürsorge und dem nötigen Respekt vor der Aufgabe und füreinander. Im Grunde unterscheidet es sich nicht all zu sehr von einem normalen Familienalltag. Mit dem Unterschied, dass die Höhen ein bisschen höher und die Tiefen ein bisschen tiefer ausfallen. Und dass es im Hintergrund auch noch die echten Eltern gibt. Das Leben mit Kindern verändert alles. Das Leben mit Pflegekindern verändert noch mal mehr. Mit einem warmen Gefühl im Herzen fahre ich zurück nach Kassel. Ich freue mich auf die Arbeit und darauf, im Moment des Schreibens ebenfalls zum Sinnstifter zu werden, wie es die vielen Familien und Paare für ihre Pflegekinder sind.

Den Artikel schließe ich mit einem offenen Plädoyer für den ersten Schritt: Alle, die sich für die Aufnahme eines Pflegekindes interessieren, sollten unbedingt Kontakt zum St. Elisabeth-Verein aufnehmen und sich von den kompetenten und freundlichen Mitarbeitern beraten lassen. Es lohnt sich ganz bestimmt.

Zu Gast bei Pflegefamilien Hessen – Hier finden Sie das Kontaktformular oder rufen Sie einfach an.

Von Gastautorin Pamela Premm

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