Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen

Pflegekinder aufnehmen und der Weg dorthin…

„Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind.“

Pflegefamilien werden dringend gebraucht. Familien, Paare und Singles, die sich vorstellen können, einem Kind ein sicheres Zuhause zu geben, sind jederzeit willkommen. Pflegekinder aufnehmen – für viele Interessenten ist der Weg zum Pflegekind erst einmal mit Unsicherheiten und Fragen gespickt. Sind wir der Aufgabe gewachsen? Wie lange dauert es, bis ein Pflegekind einzieht? Erfüllen wir alle Voraussetzungen? Im Gespräch mit Pamela Premm von Premm PR berichtet Bertram Kasper, Geschäftsbereichsleiter beim St. Elisabeth-Verein, von seinen Erfahrungen und gibt Antworten auf die meist gestellten Fragen. Entstanden ist ein Mutmach-Interview für alle, die alle die Pflegekinder aufnehmen oder darüber nachdenken wollen.

Pamela Premm (PP): Vom Bewerberverfahren bis zum Einzug des Pflegekindes – es gibt viele Fragen auf dem Weg zur Pflegefamilie bis es dann zum „Pflegekinder aufnehmen“ kommt. Viele potenzielle Eltern sind sich unsicher, ob sie überhaupt die Voraussetzungen erfüllen, um Pflegeeltern zu werden. Worauf kommt es denn letztendlich an?

Bertram Kasper (BK): Schon allein, dass sich potenzielle Pflegeeltern mit der Thematik auseinandersetzen, macht sie zu guten Kandidaten. Wir sagen immer: Die wichtigste Voraussetzung, die zukünftige Pflegeeltern mitbringen sollten, ist die Neugier auf das Kind und die Lust, als Familie zusammenleben zu wollen. Um das herauszufinden, laden wir alle Kandidaten zu einem Kennenlern-Gespräch ein. In diesem ersten Infogespräch geht es darum, Vertrauen aufzubauen, und unsere fachlichen Unterstützung zur Begleitung von Pflegefamilien durch uns als Träger vorstellen. Erst dann gibt es eine ausführliche Infomappe und einen Fragebogen für die potenziellen Eltern, in dem z. B. auch Fakten zum Einkommen oder zur Wohnsituation abgefragt werden.

PP: Man liest immer wieder, dass interessierte Familien einen großen Respekt vor dem Jugendamt haben. Sind diese Unsicherheiten berechtigt?Pflegekinder aufnehmen

BK: Es kursieren die seltsamsten Vorstellungen von der Rolle der Jugendämter und über die Schärfe der Überprüfung. Auch dem Jugendamt ist es ein Anliegen, mit den zukünftigen Pflegefamilien ins Gespräch zu kommen. Insgesamt sind die Abläufe bürokratischer und stärker an offiziellen Formalien geknüpft als bei einem freien Träger. Das kann auf Interessenten respekteinflößend wirken. Vor dem Jugendamt braucht man allerdings keine Angst haben. Dort arbeiten ausgebildete Sozialpädagogen, die, genauso wie wir, auf Pflegestellen angewiesen sind. Auch bei einer direkten Zusammenarbeit mit den Jugendämtern bildet ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis die Basis. Wir arbeiten gut mit den Jugendämtern zusammen und unsere Pflegefamilien auch.

„Als Pflegefamilie wird man nicht geboren. Familien wachsen mit der Aufgabe…“

PP: Interessenten durchlaufen bei Ihnen ein mehrstufiges Bewerberverfahren. Viele interessierte Familien machen sich Sorgen, dass sie die Kriterien nicht erfüllen. Was sagen Sie diesen?

BK: Erst einmal geht es uns nicht darum, ein Urteil über die Menschen abzugeben. Im Bewerberverfahren wollen wir herausfinden, ob sich die zukünftigen Pflegefamilien zu 100 Prozent mit der Aufgabe identifizieren. Wir wissen aus Erfahrung, dass man als Pflegefamilie nicht geboren wird. Es ist ein sich Einfinden in die veränderte Situation. Man wächst in die neue Aufgabe hinein. Die interessierten Familien machen sich zu viele Sorgen. Wir versuchen daher, gleich zu Beginn, eine offene, vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Wir möchten den zukünftigen Eltern Ängste und Unsicherheiten nehmen, daher stehen Gespräche an erster Stelle. Der Bewerbungsprozess darf außerdem nicht als Einbahnstraße betrachtet werden. Es ist ein wechselseitiger Prozess. Wir möchten schließlich die Familien auch von uns überzeugen.

 „Wir wollen herausfinden, wie Familien mit Übergängen umgehen.“

PP: Ein perfektes Bild von sich, seiner Familie und dem Umfeld zu zeichnen, ist also gar nicht notwendig?

BK: Nein, ganz im Gegenteil. Je offener auch über schwierige Themen gesprochen wird, desto besser. Jede Familie hat doch ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen. Wir wollen vor allem wissen, wie emotional belastende Momente verarbeitet wurden, wie die Familie mit Übergängen umgeht. Das können beispielsweise schwierige Lebensphasen oder einschneidende Erlebnisse wie der Verlust eines geliebten Menschen sein. Holt sich die Familie Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird? Verfügt sie über eigene Strategien, um eine schmerzvolle Erfahrung zu verarbeiten und mit ihr abzuschließen?

Auch hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Paare, die große Schwierigkeiten haben, mit Übergängen zurechtzukommen, können ganz fürsorgliche Eltern sein. Uns geht es hierbei nicht, um das ob, sondern um das wie. Wie können wir Familien bestmöglich helfen? Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch, dass die  bestehenden Familienkonstellationen durcheinander gewirbelt werden können. Familien müssen sich ganz neu sortieren. Wenn wir von den Familien schon vorab wissen, wie sie solchen Veränderungen begegnen, können wir sie als Träger besser auf dem Weg zur Pflegefamilie unterstützen.

PP: Für Geschwisterkinder und die Verwandtschaft kann ein Pflegekind auf Unverständnis stoßen. Wie kann man gerade Geschwisterkinder vorbereiten?

BK: Auch hier gilt: reden, reden, reden. Wenn ein Pflegekind in die Familie kommt, ist das für die Geschwisterkinder ein herber Einschnitt. Es beginnt eine Phase, in der das Pflegekind viel Zeit beanspruchen wird. Die Eltern werden einige Termine wahrnehmen müssen. Das Pflegekind braucht intensive Aufmerksamkeit, die von den eigenen Kindern abgeht. Daher ist es wichtig, mit den Geschwisterkindern im Vorfeld offene Gespräche zu führen und die Gefühle zu erkunden.

Pflegekinder aufnehmenKinder sind in ihren Aussagen sehr direkt. „Bei uns in der Familie ist es gut, und wir haben noch Platz für ein Kind“, sind hoffnungsvolle Vorzeichen. Stehen die eigenen Kinder einem Pflegekind eher skeptisch oder ablehnend gegenüber, ist das eine denkbar ungünstige Situation. Natürlich können die Geschwisterkinder das Ausmaß der Veränderung im Vorhinein nicht abschätzen. Daher ist es wichtig, immer wieder mit den Kindern in Kontakt zu treten. In Seminaren geben wir ihnen den Raum, um Gefühle auszudrücken. Indem wir spezielle Freizeiten für Pflegekinder anbieten, haben die Kernfamilien die Chance, immer wieder Zeit miteinander zu verbringen und die gegenseitige Bindung zu stärken.

„Der Bewerbungsprozess und bis es zum Pflegekinder aufnehmen kommt, kann ungefähr so lange dauern wie eine Schwangerschaft.“

PP: Die Pflegeeltern können es häufig kaum erwarten, bis das Kind einzieht. Wie lange dauert es vom Erstgespräch bis zur Anerkennung als Pflegeeltern und dann bis heißt: Pflegekinder aufnehmen?

BK: Das kommt immer darauf an. Wir sagen als Faustformel, dass der Bewerbungsprozess einer Schwangerschaft gleichkommt, inklusive Nestbau und Vorfreude. Einerseits nehmen wir uns ausreichend Zeit, um die Eltern kennen zu lernen. Allerdings versuchen wir auch, die Bedürfnisse der Eltern zu berücksichtigen, die von Beginn an hoch motiviert sind und der Anerkennung entgegenfiebern. Meistens dauert der Bewerbungsprozess etwa ein halbes bis drei Viertel Jahr. Manchmal forcieren wir das Verfahren auch. Dann wenn wir uns für die zukünftige Pflegefamilie ein bestimmtes Kind vorstellen können.

PP: Müssen Pflegeeltern denn alle Vorbereitungsseminare absolviert haben, bevor das Pflegekind einziehen darf?

BK: Nein, es ist sogar sehr sinnvoll, wenn sie noch einige davon wahrnehmen, wenn das Kind bereits eingezogen ist. Für die Grundqualifikation durchlaufen Pflegeeltern zwölf Module. Wenn das Pflegekind bereits in der Familie lebt, findet eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Themen statt. Das befürworten wir. Ansonsten bilden wir die Pflegefamilien regelmäßig fort. Pflegekinder aufnehmen bedeutet auch sich ständig zu qualifizieren und auch Supervision in Anspruch zu nehmen.

PP: Auch aufseiten der leiblichen Eltern stehen viele Unsicherheiten und Sorgen. Die Frage, ob es dem eigenen Kind gut gehen wird, spielt dort mit ein. Welchen Einfluss haben die leiblichen Eltern auf die Auswahl der Pflegeeltern?

BK: Sowohl die leiblichen Eltern als auch die Pflegeeltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht, was wir versuchen, positiv zum Wohl des Kindes zu beeinflussen. Wenn wir glauben, dass ein Kind in einer Pflegefamilie gut aufgehoben ist, leisten wir durchaus Überzeugungsarbeit bei den leiblichen Eltern oder beim Vormund. Auch die Pflegeeltern dürfen Wünsche äußern. Ist ein Pflegekind gefunden, wird ganz behutsam der Kontakt zwischen Pflegeeltern und Pflegekind angebahnt. Hier wird sehr genau geschaut, ob es zusammenpasst und ob sich beide Seiten „gut riechen“ können.

PP: Viele zukünftigen Pflegeeltern haben die Befürchtung zu alt für ein kleines Kind zu sein. Gibt es eine Altersgrenze für Pflegeeltern?

BK: Diese Angst ist unbegründet. Auch ältere Pflegeeltern haben die Chance, ein jüngeres Kind zu bekommen. Eine Grundregel besagt, dass die Pflegekinder die Volljährigkeit erreicht haben sollten, bevor die Pflegeltern im Rentenalter sind.

PP: Gibt es auch Fälle, dass Eltern als Pflegeeltern abgelehnt wurden?

BK: Wir schauen schon ganz genau, ob die Familie, Geschwisterkinder und die Verwandtschaft hinter dem Modell „Pflegefamilien“ stehen. Manchmal wiegt ein Ereignis aus der Vergangenheit auch so schwer, dass wir erst einmal davon absehen, ein Pflegekind zu vermitteln. Es kommt vor, dass erst eine Baustelle geschlossen werden muss, bevor die Zeit für etwas Neues gekommen ist. Beim Verlust des eigenen Kindes kann es sinnvoll sein, noch etwas Zeit verstreichen zu lassen.

Wichtig ist, dass die Eltern und das Umfeld emotional gefestigt sind, dem Pflegekind einen sicheren Halt geben können, sich Hilfe bei Konflikten holen und über eine hohe Empathie-Fähigkeit verfügen. Wir möchten die zukünftigen Pflegeeltern nicht überfordern, sodass wir schon sehr genau hinschauen. Wir versuchen, aber eher unterstützend einzuwirken, wenn wir das Potenzial erkennen, anstatt Kandidaten abzulehnen. Da wir einen guten Betreuungsschlüssel haben, können unsere Fachberater Familien auch durch schwierige Situationen intensiv begleiten.

Sie spielen mit dem Gedanken ein Pflegekind aufzunehmen? Dann melden Sie sich gerne bei uns!

Mehr Informationen zu unserem Bewerberverfahren erhalten Sie in folgendem Magazinbeitrag: Wie werden wir Pflegefamilie?

Lesen Sie im Interview – Teil 2: Das Pflegekind zieht ein…Er erscheint am 23.05.2018 um 9.00 Uhr auf dieser Homepage.

 

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden

Häufig hören wir die Frage…was sind die Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden?

Zuerst einmal können wir sagen, jede oder jeder kann „Pflegefamilie“ werden, wenn eine große Freude und Lust besteht mit Kindern Familie zu leben. Dabei wissen wir heute alle, dass sich das Bild von Familie gesellschaftlich gewandelt hat. Neben der traditionellen Familienform (Vater, Mutter, Kinder) gibt es heute viele andere Formen gemeinschaftlich zusammen zu leben. So müssen Pflegeeltern nicht verheiratet sein, es gibt sowohl heterosexuelle, als auch gleichgeschlechtliche Paare bei Pflegeeltern und wir haben auch alleinstehende Pflegemütter und Pflegeväter.

Gemeinsam wachsen…

Wir freuen uns über jede Anfrage, wenn Sie Pflegemutter oder Pflegevater werden möchten und gehen mit Ihnen in einen offenen und ehrlichen Dialog.

Auch freuen wir uns über jeder Anfrage, wenn Sie noch gar nicht genau wissen, was eine Pflegefamilie ist, wie das Leben in einer Pflegefamilie aussieht und ob das überhaupt etwas für Sie ist.

Schon heute können Sie folgenden Aspekten auf sich wirken lassen, um für sich zu prüfen die genannten Voraussetzungen auf Sie zutreffen oder ob Sie die Bereitschaft haben in die sinnstiftende Aufgabe als Pflegefamilie hineinzuwachsen.

Konkret:Voraussetungen um Pflegefamilie zu werden – Der formaler Rahmen

Es beginnt mit ganz normalen Voraussetzungen, dass Sie wirtschaftlich durch ein Gehalt abgesichert sind und ihr Lebensunterhalt auch ohne ein Pflegekind finanziell gewährleistet ist. Pflegeeltern erhalten vom Jugendamt ein Pflegegeld als Aufwandsentschädigung, dies reicht jedoch für den eigenen Lebensunterhalt nicht aus.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenDann sollten Sie über ausreichend Wohnraum verfügen, also für ein Pflegekinder das eigene Zimmer zur Verfügung stellen können. Dabei ist es unerheblich, ob Sie zur Miete wohnen oder ein eigenes Haus haben. Wenn Sie von uns als Pflegefamilie angenommen sind, ist es erfordliche ein erweitertes polizeilisches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorzulegen.

Bezogen auf das Alter von Pflegefamilien ist es sinnvoll einen Familien – entsprechenden Altersabstand zu haben. So gehen wir davon aus, dass mit dem Rentenalter von unseren Pflegeeltern, das Pflegekind volljährig sein sollte. So ist es möglich zwischen 45 – 48 Jahren noch Säuglinge oder Kleinkinder bei sich in die Familie zu integrieren.

Auch ist es sinnvoll darauf zu achten, dass ein Pflegekind vom Altern nicht zu nah am Alter der eigenen Kindern ist. Dabei hat es sich bewährt, wenn das Pflegekind möglichst zwei Jahre jünger ist als Ihr jüngste eigene Kind.

Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – sozialen und fachliche Rahmen:

Pflegekinder sind oft verhaltensoriginelle Kinder und bringen ihre eigenen überwiegend nicht einfachen Lebensgeschichten mit. Gründe für diese Biographien liegen i.d.R. bei den Eltern. Dies können finanzielle Not, fortschreitende Erziehungsunfähigkeit ausgelöst durch Drogen, körperliche oder psychische Krankheit oder andere schwierige Lebensumstände sein. Manchmal kann es vorkommen, dass ein Elternteil nicht bekannt ist.

Bei den Kindern können sich diese Lebenserfahrungen dann in verhaltensoriginellem Handeln und Auftreten äußern. Dazu gehören z.B. ein großes Nähe- oder umgekehrt Distanzverlangen, Entwicklungsverzögerungen, Aggressivität oder Passivität, Konzentrationsschwierigkeiten, eine geringe Toleranzgrenze und vielfältiges Hin- und Hergrissen sein. Auch spielt das oftmals ambivalente Spannungsfeld zu den Eltern eine zentrale Rolle.

Grund für diese Verhaltensweisen sind nicht selten körperliche und auch psychische Gewalt in der Herkunftsfamilie, Vernachlässigungen und andere Grenzüberschreitungen.

Das wünschen wir uns von Pflegefamilien…

Deshalb wünschen wir uns Pflegefamilie mit guten Nerven und viel Kraft und Energie, also ist es gut eine gewisse Belastungs- und Widerstandsfähigkeit mitzubringen. Sicher wissen Sie auch aus der Erziehung Ihrer eigenen Kinder, dass immer wieder auch krisenhafte Ereignisse und Situationen bewältigt werden müssen.

Aus vielfältiger Forschung wissen wir auch, dass die Erziehung von Kinder besonders dann gut gelingt, wenn Eltern folgende Fähigkeiten abrufen können:

Fürsorglichkeit oder Liebe:

Hier können Sie wahrscheinlich, sowohl vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen als Kind, als auch bezogen auf Ihre Erfahrungen als Eltern aus vollem Herzen ja sagen. Liebe und Fürsorglichkeit ein ganz zentrale Voraussetzung um Pflegefamilie zu sein, bzw. natürlich auch um Eltern zu sein. Nicht umsonst kennen Sie alle das sogenannte „Kindchenschma“. „Dadurch ist gewährleistet, dass die Eltern für ihre Jungen bzw. Kinder sorgen, sie Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdensäugen bzw. stillen, füttern, ihnen Mahlzeiten zubereiten, sie beschützen und großziehen.“ (zitiert aus Wikipedia). Pflegekinder haben bei der Liebe und Fürsorglichkeit oft Mangelerlebnisse hinter sich. 

Responsivität (Ansprechbarkeit und Sensitivität für die Bedürfnisse der Kinder:

Die Resonanz zwischen Kindern und Eltern ist ganz zentral. Wie gehen Sie mit Kindern um, wie reagieren Sie auf sie, wie nehmen Sie die Bedürfnisse Ihrer Kinder situationsangemessen dar. Bei Pflegekindern besteht dazu die Herausforderung, oft nicht genau erkennen zu können, wieso sich gerade jetzt orginell verhalten und welches Bedürfnis dahinter steht. So braucht es ebenfalls eine besondere Empathiefähigkeit, ein Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse der Kindern, jedoch auch die Bereitschaft sich selbst als Elternteil mit seinen Gefühlen mitteilen zu wollen.

Struktur und Vorhersehbarkeit, weitere Voraussetzungen um Pflegefamilie zu werden:

Ein Großteil der Pflegekinder ist eher in einer Umgebung von Strukturlosigkeit großgeworden. Das heißt, dass der Alltag der Kinder hat sich eher zufällig oder nur durch äußere Strukturen wie Kindergarten oder Schule organisiert. Erlebnisse wie gemeinsame Unternehmungen oder gemeinsames Essen verknüpft mit Familienritualen sind eher selten. Die Ebenen zwischen Kindern und Eltern wurden verschoben. Für die Kinder bedeutet das auch geraden in Familien mit Suchtproblematiken, dass sie Verantwortung übernehmen müssen, die sie eher überfordert, da sie selbst noch bedürftig sind. Deshalb ist es wichtig, dass Pflegefamilien Pflegekinder Sicherheit, Verlässlichkeit und auch eine gewisse Vorhersehbarkeit im Alltag und im Zusammenleben geben.,

Kinder großziehen ist ein echtes Abenteuer und braucht immer noch einen gewissen Idealismus. Dafür aber ist es ebenfalls eine, vielleicht sogar die sinnstiftendste Aufgabe überhaupt und trägt aktiv zur gesellschaftlichen Sicherung und Entwicklung bei. Gerade können wir erleben, wie die Geburtenraten wieder steigen, also Menschen wieder mehr den Wunsch nach einem Beitrag für das „Große Ganze“ haben.

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werden – Der öffentliche Rahmem:

Pflegefamilie sein bedeutet auch sich auf das Feld der sogenannten „Öffentlichen Erziehung“ oder „der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Achten Sozialgesetzbuch“ einzulassen. Das bedeutet, dass Sie als Pflegefamilie mit noch anderen Personen zu tun haben und sich mit ihnen auseinandersetzung müssen. Dazu gehören in aller Regel die leiblichen Eltern des Kinders, ein möglicher Vormund, Mitarbeitenden vom Jugendamt (Allgemeiner Sozialer Dienst oder Pflegekinderwesen), Therapeuten oder Psychologen und die Kolleginnen von unserer Fachdienst Fachberatung. Insofern können Sie auch nicht alle Entscheidungen alleine treffen, sondern sollten sich mit den unterschiedliche Beteiligten in der Hilfeform Pflegekinderwesen abstimmen. Insofern ist es hilfreich, wenn sie über eine gewisse Kooperationsfähigkeit verfügen.

Wir unterstüten Sie aktiv durch:

Vorraussetzungen um Pflegefamilie zu werdenIn die Aufgabe als Pflegefamilie wächst man nach unseren Erfahrungen hinein. D.h. sich wachsen zusammen mit dem Pflegekind, können immer besser verstehen, wieso es sich so oder so verhält und finden immer leichter gute Antworten auf die Anforderungen des Alltags. Wir unterstützen Sie durch einen Qualifizierungskurs, durch regelmäßige 4 – 6 wöchige Fachberatung, durch Supervision, durch regelmäßige und fortlaufende Fortbildung, durch Regionlagruppen, durch unsere Jahrestagung und durch Ferienfreizeiten für Pflegekinder.

Über unsere Unterstütungsangebote und weitere Hintergründe können Sie hier mehr lesen…https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegeeltern-werden/ und unter… https://www.pflegefamilien-hessen.de/pflegefamilie-sein-heisst-sinnstifter-sein/

Eins ist sicher…ein Pflegekind wird Ihren Familienalltag bereichern und lebendig machen. Also wenden Sie sich gerne für ein Informationsgespräch an uns.

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter oder:

Vom Abenteuer des achtsamen Sich – Selbst – Begegnens

von Esther Schmitt (Projektleitung Fort- und Weiterbildung)

23:30 Uhr. Erschöpft. Entmutigt. Kein Tag, der nach Wiederholung schreit. Leer gekämpft bin ich und leer gefühlt. Es ist der Abend, an dem ich Focusing „entdecke“: „Wenn Du Dich nicht an Deinem Leben freust, wer sonst?“[1] Dieser kleine Satz oder besser gesagt diese kleine Frage, markiert den Ausganspunkt einer persönlichen Reise ebenso wie den Beginn einer Entwicklung, deren Schritte sich seit 2017 in Fortbildungsangeboten für Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins widerspiegeln. Daraus ist auch das Angebot Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter entstanden.

11 Gründe, weiterzulesen: Was Focusing bewirken kann[2]

 Focusing kann Sie unterstützen …

  • innere Stimmigkeit zu erreichen: sich selbst zuhören und bei sich bleiben
  • zu entdecken, was Sie Tag für Tag brauchen und was Ihnen gut tut, damit sich Ihre Lebendigkeit entfalten kann.
  • im „Mich-Selbst-Annehmen“: sich selbst mehr und mehr verstehen und liebevoll annehmen
  • Theorie und Praxis des Veränderungswissens zu erwerben
  • angesichts herausfordernder zwischenmenschlicher Situationen die Fassung zu wahren und den Boden unter den Füßen zu behalten
  • zwischen eigenen und fremden Gefühlen zu unterscheiden: lebendig mit sich selbst und der Umwelt verbunden sein
  • über achtsames Wahrnehmen körperlichen Erlebens persönlich stimmige Lösungsschritte zu entfalten: Denk- und Heilungsschritte zugleich
  • Techniken der inneren Distanzierung, Beruhigung und Begleitung zu erlernen: die eigene Basisstation sein
  • schwierige und konfliktreiche zwischenmenschliche Situationen frischer, versöhnlicher und für beide Seiten zufriedenstellender zu gestalten
  • liebevoll mit „gefühltem Scheitern“ umzugehen und lebensbejahend zu bleiben
  • sich ohne großen Aufwand entspannter und ermutigter zu fühlen

Diese Aspekte verdeutlichen wie wichtig Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter sein kann. Doch was ist Focusing eigentlich genau?

Was ist Focusing? – Der „Entdecker“:

Prof. Eugene Gendlin, geboren 1926 in Wien und seines Zeichens Philosoph, Psychologe und Psychotherapeut, war fasziniert von dem Sich-Einlassen auf das, was schon gespürt, aber noch nicht gewusst wird. Mit seinen Eltern floh er 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA, studierte in Chicago Philosophie und wurde im Verlauf seiner Karriere zum Professor für Philosophie und Verhaltenswissenschaften der Universität Chicago berufen.

Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Psychotherapie erhielt er höchste Auszeichnungen. Sein erstes Buch FOCUSING (auf das weitere rund 500 Veröffentlichungen folgen sollten) erschien 1978 und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. In seiner Arbeit verbinden sich empirische Psychotherapieforschung, psychotherapeutische Praxis und Philosophie zu einem Ganzen. Er ist der Entdecker des „Felt Sense“, einer Erlebniskategorie, die heute das Herzstück des Focusing bildet.[3]

Die Praxis:

Focusing, das ist die gute Nachricht, die wir von Frau Dipl. Psychologin Charlotte Rutz (Referentin) erhalten, ist „für Jederfrau und Jedermann erlernbar“. Focusing für Pflegemütter und PflegeväterFrau/Mann kann sich Focusing als eine Art Werkzeugkoffer voller vieler kleiner, leichter, intuitiver Techniken, Konzepte, Landkarten und Übungsanleitungen vorstellen, die die/den Focusing-Praktiker/in grundsätzlich dabei unterstützen, sich in einer freundschaftlichen und annehmenden Beziehung zu sich selbst zu beheimaten.

Das freundliche Verstehen von sich selbst…

Dieses „freundliche Verstehen“, das uns häufig in Kontakt mit dem befreundeten oder geliebten Gegenüber selbstverständlich ist, sollte von wesentlicher Bedeutung sein auch für die innere Kommunikation mit uns selbst: „Genau wie in einer zwischenmenschlichen Beziehung eröffnet nur die Haltung des liebevollen, akzeptierenden Annehmens und Belassens, wie es gerade ist, den Raum für Veränderung, Wandlung und innere Kreativität. Nur so heilen innere Verwundungen und entsteht in uns überraschend Neues.“, sagt Klaus Renn, approbierter Psychotherapeut und einer der beiden Leiter des Deutschen Ausbildungsinstituts für Focusing und Focusing-Therapie (DAF).[4]

Den Kontakt mit sich selbst nicht zu verlieren, gerade in heiklen Situationen mit lieben Mitmenschen, ist die Voraussetzung dafür, dass auch schwierige Situationen für beide Seiten befriedigender und versöhnlicher gestaltet werden können.

Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter einfach selbst ausprobieren…

„Es ist schwer“, so Frau Dipl. Psychologin Charlotte Rutz, „über Focusing zu schreiben. Ausprobieren ist die Devise!“ Zum Ausprobieren haben die Pflegefamilien des St. Elisabeth-Vereins zum zweiten Mal in diesem Jahr Gelegenheit:

Der zweite „Focusing-Schnuppertag“ findet am Samstag, 21.04.2018 in unseren Seminarräumen in Marburg statt. Begleitet werden die Teilnehmenden auch an diesem Tag von Frau Charlotte Rutz, die in den vergangenen Jahren vielfache Erfahrungen mit Focusing gesammelt hat: Sie selbst hat bei Klaus Renn am DAF als Teilnehmende verschiedene Ausbildungsabschnitte, bis hin zur Focusing-Therapeutin, absolviert. Heute arbeitet sie regelmäßig mit Focusing-Elementen und engagiert sich in der Focusing-Ausbildung.[5]

Basisstation für sich und andere: Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Die Frage, die sich stellt…

Wie kann das gehen und welche enormen emotionalen Aufwendungen werden wohl betrieben, um als Pflegemütter und -väter auf oft „ schwerer See“ Tag für Tag Familie leben zu können?

Nach jedem persönlichen Gespräch, nach jeder Fortbildungsveranstaltung, jeder Regionalgruppe wird diese Frage in mir lauter … Die Konstellationen sind besonders – in vielerlei Hinsicht. Pflegekinder sind Kinder, die per definitionem, in schwierigem Gelände zurechtzukommen aufgefordert sind:

Zu allen altersgemäßen Entwicklungsanforderungen, die jedes Kind zu bewältigen hat, kommt – in jedem Fall- die eine ganz spezielle Anforderung hinzu: Als Kind nicht bei den leiblichen Eltern oder zumindest einem leiblichen Elternteil zu leben. Warum auch immer. Etwas ist geschehen. Was auch immer.

Spuren, die sich Bahn brechen…

Was geschehen ist, hinterlässt Spuren. Spuren, die sich in der „neuen“, der „anderen“ Familie Bahn brechen. Verbunden oft mit großen Anstrengungen aller jener, die diese Familie sind.

Wie umgehen, mit verzweifelten, aggressiven Wutanfällen der Kinder, mit ihren manchmal sehr originellen Gewohnheiten, mit Angstzuständen, emotionalem Rückzug, (teils) extremen, nicht eindeutig einzuordnenden Reaktionen auf Kontakte mit leiblichen Eltern, und, und, und … ??

Wie mit all dem umgehen und trotzdem in Beziehung bleiben, versöhnlich sein, Nähe anbieten, gelassen reagieren…? Pflegeeltern sind also auf enorme Weise gefordert: Tag für Tag. Es bleibt deshalb nicht aus und kann auch nicht ausbleiben, dass Kraftreserven geringer werden, negative Gefühle entstehen – dem Kind und sich selbst gegenüber, innere Not erlebt wird, Frau/Mann manchmal einfach nur aufgeben will, weil die Situation ausweglos erscheint.

Gute Rahmenbedingungen für Pflegefamilien…Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter

Pflegefamilien brauchen deshalb Rahmenbedingungen, die sie in ihrer Aufgabe bestmöglich unterstützen. Neben regelmäßiger persönlicher Beratung sowie zusätzlicher Supervision, sind dies beim St. Elisabeth-Verein kostenfreie Fortbildungsangebote, die auf Pflegefamilien zugeschnitten sind. Auch Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter kann da eine Antwort geben.

 

„Im Spielerischen liegt eine andere Möglichkeit des Lebendig – Seins:
eine Bereitschaft, sich auf die schwierigen Probleme mit einem Appetit auf
Leben, einer Fähigkeit, sich an gute Zeiten zu erinnern und einer Freude am
Leben einzulassen.“ Prof. Eugene Gendlin

Selbstfürsorge unterstützen: Focusing für Pflegemütter und Pflegeväter des St. Elisabeth-Vereins e.V. im Fortbildungsangebot 2018

Der Geschäftsbereich bietet in diesem Jahr erneut an, Focusing kennenzulernen und einzuüben: „Focusing-Schnuppertage“ (23.02.2018 oder 21.04.2018) und ab Herbst zusätzlich ein mehrtägiges Focusing-Seminar (Start am 26.10.2018) können hierzu genutzt werden. Mehr zu den Fortbildungen für unsere Pflegemütter und Pflegeväter finden Sie unter „Fortbildungen“.

Das sagen Teilnehmende des ersten „Focusing-Schnupperstages“: 

„In einer ruhigen und gelassenen Atmosphäre konnte mit verschiedenen Übungen/Methoden experimentiert werden – eine ganz andere Art und Weise ein Seminar zu erleben.“

Es war ein wunderbarer Tag ohne Leistungs-oder zumindest Erkenntnisdruck. In ruhiger und ausgesprochen wertschätzender Atmosphäre ist zwischen manchen Teilnehmenden ein sehr persönlicher und vertrauensvoller Austausch möglich gewesen.Kurze Meditationen (stehend, sitzend oder liegend – ganz nach der eigenen Vorliebe) haben zu einer angenehmen Entschleunigung beigetragen.    Ich mache weiter!   Annette Wüst

Wie kann ich eine Situation, ein Gefühl, ein Erlebnis welches  unangenehm und bedrückend mein Leben belastet, anschauen – und annehmen ?In einer von Frau Rutz vorgeschlagenen Partnerübung konnte ich mich in mein inneres Erleben begeben. Es liegt in meiner Verantwortung mich dem unangenehmen Befinden zu nähern, es genauer anzuschauen und zu akzeptieren. Ich  bin der Gestalter. Damit ist noch keine Lösung bewirkt.Durch die vertrauliche Atmosphäre aus Eigenwahrnehmung und Zuhören ist ein Freiraum entstanden, bei dem die Bedrückung durch das unangenehme Befinden an Gewicht verloren hat. Schwierig zu erklären – Einlassen und Ausprobieren…

Interessieren Sie sich für die Arbeit als Pflegefamilie oder möchten Sie einmal in unsere Fortbildungen reinschnuppern, wenden Sie sich bitte über unser Kontaktformular an uns!

[1] Ausgesprochen von einem Zenmeister auf einer Focusing- Sommerschule

[2] Bücher, die die Wirkungsmöglichkeiten von Focusing darstellen sowie Übungsanleitungen enthalten: Klaus Renn: Dein Körper sagt Dir, wer Du werden kannst (2017); Ebd: Magische Momente der Veränderung (2016)

[3] Wenn Sie mehr über die Hintergründe, Haltungen und Axiome von Focusing sowie den Einsatz von Focusing in der Therapie erfahren wollen, dann empfiehlt sich ebenfalls das Buch von Klaus Renn: Magische Momente der Veränderung. (2016)

[4] Vgl. Klaus Renn: Dein Körper sagt dir, wer du werden kannst.(2017), S. 67f.

[5] Mehr über Focusing erfahren Sie auch auf der Internetseite des DAF

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…

Wie heißt es im Volksmund „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Darin drückt sich auch aus, dass die Hoffnung in einer schier aussichtslosen Situation noch einen Weg weisen kann. Und damit kann die Hoffnung ein mächtiger Motor des Lebens, ja sogar für das Leben sein. Beginnt nicht jeder Morgen mit einer Hoffnung…ganz profan auf schönes Wetter oder tief hoffnungsvoll auf einen schönen Tag mit der Familie. Die kleinen und großen Hoffnungen des Alltags.

Auch Pflegeeltern sind hoffnungsvoll oder haben in all den Turbulenzen des Alltags gelernt, wie es geht hoffnungsvoll zu sein. So war es naheliegend einen Magazinbeitrag über „Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…“ zu schreiben.

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat...Öffnen wir einmal die Tür und treten ein bei Familie „Vollderhoffnung“. Die älteste leibliche Tochter Marie ist schon aus dem Haus und studiert in Amsterdam Internationales Management. Die Zwillinge Mike und Justin sind kurz vor dem Abitur und wollen danach erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Die Idee dazu haben sie von ihrer Mutter, sie ist Sozialpädagogin und arbeitet halbtags in einer Kindertageseinricutung. Marie kommt eher nach Ihrem Vater. Er ist Pilot, doch arbeitet heute im Management von Lufthansa. Alle miteinander haben vor 3 Jahren beschlossen ihr gutes Leben mit einem Pflegekind zu teilen.

Dann kam Max, der Pflegejunge…

Und so lebt seit 3 Jahren Max bei ihnen, 8 Jahre alt, ein Pflegejunge, ein Wirbelwind der geschwind und lebendig durch das Haus saust.

Er hat bis zum 2. Lebenjahr bei seinen Eltern gelebt. Max kam also mit 16 Monaten in eine Pflegefamilien. Sein Vater sitzt seit vielen Jahren wegen verschiedener Gewaltdelikte im Gefängnis und seine Mutter befindet sich aktuell wieder in einer Entzugsklinik, da sie unter einem erheblichen Alkoholmissbrauch leidet.

Frau Vollderhoffnung kennt Max aus der Kindertageseinrichtung und hat seine Geschichte hautnah mitbekommen. Max musste seine erste Pflegefamilie aufgrund einer schweren Erkrankung der Pflegemutter verlassen. Und so war sich Familie Vollderhoffnung schnell einig, Max bei sich eine Perspektive zu geben. Sie wussten, dass Max eine schwierige Kindheit hatte und dass der Übergang aus der Pflegefamilie in ihre Familie für Max auch nicht leicht sein würde.

Wenn es schwieriger wird…

Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit tauchen die ersten Schwierigkeiten auf, besonders beim Übergang in die Grundschule. Max wird zunehmend aggressiver, wacht nachts auf und schläft nicht mehr ein. In der Schule schlägt er unvermittelt Kinder, so dass sich die Anrufe der Schule häufen. Auch auf der Straße gibt es immer wieder Konflikte mit Nachbarskindern. Dabei kommt es hin und wieder auf beiden Seiten zu kleineren Blesuren. Schon öfter waren die Nachbarn da, um mit den Pflegeeltern von Max zu sprechen.

Die Pflegeeltern Vollderhoffnung lassen sich jedoch nicht so schnell unterkriegen. Sie hoffen jeden Morgen neu. Hoffentlich geht in der Schule alles gut geht, hoffentlich klingelt nicht plötzlich das Telefon, weil es wieder einen Streit gab. Es wird wohl alles gut gehen, wenn wir Max jetzt draußen spielen lassen.

Und sie blicken auch zuversichtlich auf den nächsten Besuchkontakt mit der Mutter von Max und denken nicht daran, dass es beim letzten Mal aus dem Ruder lief. Unverzagt glauben sie daran, dass doch noch der Knoten Platz und Max sich stablisiert.Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat

Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…

Pflegefamilien und Pflegeeltern sind Hoffnungsträger für das Leben, für die Entwicklung von Kindern, den eigenen und den angenommenen. Sie glauben daran, dass sich Wege finden lassen, dass es Lösungen für schwierige Situationen gibt.

Doch für viele Pflegemütter und Pflegeväter macht die Hoffnung noch mehr aus. Sie entfaltet sozusagen ihre ganze Kraft erst, wenn ich mich in meiner Hoffnung eben nicht nur von einem guten oder weniger guten Ausgang einer Situation leiten lasse, sondern von dem Wissen um einem tieferen Sinn von Ereignissen und Entwicklungen.

Und diesen Aspekt drückt der teschechische Menschenrechtler Vaclav Havel in seinem Zitat zur Hoffnung wie folgt aus:

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus. Sie ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“

Und Giovanni Maio (deutscher Mediziner und Philosoph) ergänzt den Gedanken von Havel wie folgt:

„Ihrem Wesen nach sei Hoffnung nicht auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, sie sei ein Offensein für das, was kommen wird, und ein Vertrauen darauf, es bewältigen zu können. Wer hoffe, vertraue auf die eigene innere Stärke un darauf, am Unverhersehbaren nicht zu zerbrechen. In einem tieferen Sinn hofft man nicht auf etwas, sondern auf sich selbst.“

Und darin wird deutlich, dass es im Zusammenhang mit der Hoffnung so zentral bedeutsam ist, sich selbst zu vertrauen, sich selbst anzunehmen, sich selbst etwas zuzutrauen, auch wenn es um das Unvorhersehbare geht.

Frau Vollderhoffnung hatte eine Ahnung, wie es mit Max werden könnten, doch genau wusste sie es nicht. Und dennoch ist sie voller Hoffnung auf die Situation zu gegangen, hat auf sich selbst und die Stärken von ihrem Mann und ihren Kindern vertraut. Und tatsächlich hat sich das Leben mit Max positiv gestaltet, obwohl es noch einige Hürden zu meistern gab.

Allen die vielleicht noch tiefer in das Thema einsteigen möchten sei der folgender Videotipp an das Herz gelegt.

Therapieziel Dankbarkeit „Über die heilende Kraft der Annahme seiner selbst“,  ein interessantes Video zu einem Vortrag von Giovanni Maio.

Und wie steht es mit Ihrer Hoffnung, mit Ihrem Blick auf die Hoffnung? Pflegeeltern, Hoffnung und die Gewissheit, dass etwas Sinn hat…Wir laden Sie ein mit uns ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist Pflegefamilien werden und sein für Sie auch ein Weg. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

Inspiriert für diesen Beitrag wurde ich durch das „Die Zeit“ Leitthema „Wie mächtig ist die Hoffnung“, von Christian Heinrich und Allessandro Gottardo. Vielen Dank dafür.

Pflegefamilien und Minimalismus

Pflegefamilien und Minimalismus

Minimalismus – eine Chance für mehr Leichtigkeit in Pflegefamilien

Sobald die Kinder einziehen, geht es los. Schon im Babyalter wird man mit einem Übermaß an Angeboten konfrontiert. Die multifunktionale Wippe, die von selbst schaukelt, während das Kind darin liegt. Das drehende, musikspielende Mobile für das Babybett. Wenn die Hochglanz-Prospekte ins Haus flattern, fällt es schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Dabei kann es so guttun, erst einmal in sich hineinzuhorchen. Was braucht das Baby wirklich? Körpernähe, Nahrung, Liebe und ganz viel Zeit. Und wenn die Kinder älter werden? Muss es die angesagte Nerf oder die zehnte Monster High Barbie sein? Nicht unbedingt. Denn Verzicht hat viele Vorteile und kann die Bindung in der Familie fördern. Pflegefamilien und Minimalismus…was hat es damit auf sich?

Minimalismus gibt uns die Chance in Beziehung zueinander zu treten

Erinnern wir uns an die eigene Kindheit. Wie schön es war, mit den wenigen Dingen zu spielen, die bei den Großeltern zur Verfügung standen. Oder die unser eigenes Kinderzimmer bestückten. Es gab einfach auch noch nicht so viel Spielzeug. Ein einfaches Legobauset und die Kiste mit Bauklötzen konnten uns stundenlang fesseln. Damals gab es Zeit im Überfluss, die uns den Raum gab, nach draußen zu gehen und die Welt zu entdecken. Wir konnten uns kreativ und kognitiv entfalten und in Beziehung zueinander treten.

Geben wir unseren Kindern doch auch diese Chance. Viele Familien haben dem übermäßigen Konsum den Rücken gekehrt und verfolgen einen minimalistischen Ansatz. Für Pflegefamilien kann Minimalismus eine große Chance sein. Wenn es darum geht, den Pflegekindern eine sichere Familienstruktur zu bieten.

Doch was heißt Minimalismus?

Laut Wikipedia bezeichnet Minimalismus auch Downshifting genannt, einen „Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen.“ Siehe auch unter „Einfaches Leben“.

Ordnung bedeutet Klarheit und Sicherheit

Der Trend zum Minimalismus geht mit der Frage einher, wie viel ein Mensch wirklich braucht. Wenn wir ehrlich sind, ist das erstmal nicht viel. Ganz im Gegenteil. Ein Zuviel von allem beschwert uns, führt eher zu Unzufriedenheit. Viele Jugendliche und Erwachsene, aber auch schon ganz kleine Kinder fühlen sich depressiv verstimmt. Sie sind überfordert vom schulischen und außerschulischen Überangebot und der Vielzahl an Spiel- und digitalen Freizeitangeboten. Es ist an der Zeit, das Zuviel herunterzufahren und den entstehenden Platz mit Leben zu füllen.

Pflegefamilien und Minimalismus

Für Pflegekinder ist diese Rückkehr zu den natürlichen Wurzeln besonders wichtig, da sie meistens in chaotischen Verhältnissen zur Welt kamen und viel Ersatzbefriedigung durch Medienkonsum erfahren haben. Durch Ordnung und Routinen erfahren sie Sicherheit. Und auch ihre Gedankenwelt darf sich ordnen und den Platz für positive Erlebnisse freigeben. So wird aus Pflegefamilien und Minimalismus ein echter Zusammenhang.

Bewusste Lebenszeit statt digitale Reize

Bis zu einhundert Mal am Tag schaut jeder von uns im Schnitt auf sein Handy. Eltern, die auf Handys starren, statt den Kindern in die Augen zu blicken, ist zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Viele Jugendliche leiden jetzt schon an den Folgen eines übertriebenen Konsums der sozialen Medien. 100.000 sind bereits abhängig und weisen depressive Symptome auf. Zu einem minimalistischen Leben gehört auch dazu Vorbild zu sein. Wie oft erwischen wir uns dabei, dass wir schon wieder auf das Handy schauen, um die letzte WhatsApp-Nachricht zu checken.

Warum sollte es unseren Kindern anders gehen. Erst wenn wir uns einschränken, können auch unsere Kinder und Jugendlichen einen entspannten Umgang mit den digitalen Medien erlernen. Digitaler Medienkonsum sollte nicht als Ersatzbefriedigung für echte soziale Beziehungen dienen. Viele Pflegekinder haben aber genau das nicht anders kennen gelernt. Gerade bei Familien in Schräglage steht der Medienkonsum häufig an erster Stelle. Umso wichtiger ist es für die Pflegekinder, wieder bewusst in ihren Bedürfnissen wahrgenommen zu werden.

Die Leichtigkeit des Urlaubs in den Alltag transportieren

Warum ist eigentlich so vieles einfacher, wenn wir reisen? Weil wir leichtes Gepäck dabeihaben und die Unterkunft sehr oft spartanisch ausgestattet ist. Auf 40 Quadratmetern rücken wir automatisch zusammen. Die Kinder haben nur ein kleines Spielzeug dabei. Pflegefamilien und MinimalismusAnstelle des Konsums tritt die gemeinsame Aktivität. Wir sprechen mehr miteinander und sind aufmerksamer für die Dinge, die uns unterwegs begegnen. Wir fühlen und spüren das Leben und sind dabei aufgeschlossen für Neues.

Wir sollten versuchen, diese Leichtigkeit auch in den Alltag zu transportieren und immer wieder genau jene Situationen herbeiführen, in denen wir uns im Urlaub am wohlsten führen. Das kann ein regelmäßiger Spaziergang durch den Wald sein oder Füße verbuddeln am Badesee-Strand.  Schaffen wir uns auch im Alltag kleine Glücksmomente und besinnen wir uns auf die Werte, die wirklich zählen: Zeit haben, bewusst leben, tief durchatmen.

Das Frühjahr ist die perfekte Jahreszeit, um sich Luft zu machen

Schaffen wir Platz für neues Leben, für die Leichtigkeit des Sommers, indem wir alten Ballast abwerfen. Dann werden die zu klein geratenen Kindersachen für den Flohmarkt zusammengepackt. Der Keller wird ausgemistet und der Sperrmüll gerufen. Und mit jedem Teil, was wir nicht mehr brauchen und welches verschwindet, fühlen wir uns leichter. Es tut eben gut, sich von Dingen, die uns belasten, zu befreien. Man braucht hierbei nicht rigoros einen Minimalismus-Ansatz verfolgen. Es reicht, mit kleinen Schritten zu beginnen und für sich das richtige Maß zu finden.

Zehn Tipps für ein reduzierteres, bewussteres und erfülltes Leben:

  1. Sich Platz schaffen für mehr Leichtigkeit: Es lohnt sich, erst einmal mit einer Schublade zu beginnen, dann kommt der Kleiderschrank, dann der Keller. Alles, was lang nicht getragen oder genutzt wurde, kommt in die Kiste und wird gespendet oder auf dem (Online-)Flohmarkt verkauft.
  2. Kaufentscheidungen abwägen: Kurz vor Ostern wird man wieder mit Konsumangeboten überrollt. Geschenkideen zu Ostern, Deko-Tipps, Rezepte für das opulente Festmahl. Mittlerweile gibt es viele Anlässe, an denen Anreize zum Kauf geschaffen werden: Halloween, Valentinstag oder Weltfrauentag. Denken wir einfach zweimal nach, bevor wir etwas anschaffen. Das schont den Geldbeutel und den Platz.
  3. Einmal pro Woche in den Biomarkt: Denn hier gibt es noch Pflegefamilien und MinimalismusObst ohne Plastikmüll und sonstigen Umverpackungen. Für Kinder ein super Lerneffekt, damit sie auch sehen, dass es anders geht. Wenn man sich den Müll gar nicht erst ins Haus holt, muss man ihn auch nicht entsorgen.
  4. Entschleunigen und genießen: Wenn wir regelmäßig gemeinsam kochen, Gemüse schnippeln und uns um den Familientisch versammeln, nehmen wir die Zeit bewusst war. Das entschleunigt unseren Alltag und füllt ihn mit sinnstiftenden Momenten.
  5. Gemeinsames Erleben statt Konsum von Dingen: Wie schön war doch gleich der gemeinsame Ausflug in den Wildpark, der sich über eine kleine Futterspende finanziert. Davon zehren wir und das ist so viel wichtiger als von unzähligen Besitztümern umgeben zu sein.
  6. Digitale Zeit beschränken: Kinder dürfen Computer spielen, allerdings nicht stundenlang. Eltern dürfen auch das Handy nutzen, allerdings muss es auch Zeiten geben, in denen es in der Tasche bleibt. Ein Geheimtipp: Das Handy häufiger auf „grau“ stellen. Forscher wollen festgestellt haben, dass die leuchtenden Farben der Apps besonders anziehend wirken und uns geradezu veranlassen, nach neuen Angeboten zu suchen. Ein Handy in Graustufen bietet viel weniger Anreiz. Abends ist medienfreie Zeit, die für Gespräche und zum Spielen genutzt wird.
  7. Kindern und Minimalismus? Das ist in der Tat schwierig. Aber man kann sie dafür sensibilisieren. Einmal im Jahr wird beispielsweise schon längst vergessenes Spielzeug gespendet. Wenn sich ein Kind für zwei Spielzeuge interessiert, soll es sich für eines entscheiden und vielleicht auch das Taschengeld investieren. Außerdem darf es ruhig mal auf einen bestimmten Anlass wie den Geburtstag warten.
  8. Regelmäßig aufräumen: und das nicht als Last empfinden, sondern eher als Chance, es sich wieder so richtig hübsch zu machen. Ganz bewusst, Dinge in die Hand zu nehmen und sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Nur so, wie sich alle in der Familie damit wohlfühlen.
  9. Jedes Ding hat seinen Platz: Und wenn es noch nicht so ist, sollten wir genau jetzt damit beginnen und überlegen, wo etwas hingehört. Denn wenn etwas seinen festen Platz hat und wir nicht immer neu überlegen müssen, dann sparen wir zukünftig Zeit und haben wieder den Kopf frei für Dinge, die uns wichtig sind.
  10. Literatur zum Thema lesen: Es gibt wunderbare Bücher, die sich mit dem Thema „Aufräumen“ beschäftigen. Zum Beispiel: Minimalismus wohnen: Besser aufräumen, freier leben von Fräulein Ordnung. Sie betreibt auch einen Blog zum Thema und ist eine wahre Ordnungsexpertin: Fräulein Ordnung

Wollen Sie mehr zum Thema Pflegefamilien und Pflegeeltern sein erfahren, dann machen Sie einen Termin mit uns aus. Gerne informieren wir Sie…

Pflegeeltern sind Optimisten

Pflegeeltern sind Optimisten

Pflegeeltern sind Optimisten…

Was ist eigentlich ein Optimist? Einer der „Ja“ sagt zum Leben. Jemand der immer an das Gute und das Positive glaubt. Jemand der in der Lage ist auch negative Ereignisse positiv umzudeuten. Jemand der auch schwierige Situationen als zeitlich begrenzt, als zu kontrollieren und als in sich geschlossenes Phänomen erlebt. Wahrlich ein Optimist.

Mir bekannte Pflegeeltern würde ich als unerschöpfliche Optimisten bezeichnen. Sie sind immer gut drauf, immer ein freundliches und zugewandtes Wort auf den Lippen, meistens ein Lachen in ihren Gesichter, auch wenn sie gerade nicht im Fokus stehen, diese die liebevolle Ansprache ihres Pflegesohnes, auch wenn es gerade hoch hergeht, selbst dem größten Sturm wissen sie noch etwas Gutes abzugewinnen und eine vermeindliche Niederlage begreifen sie noch als Chance für Veränderung. Diese Pflegeeltern sind Optimisten!

Wie machen sie das bloß und was unterscheidet sie von anderen Menschen? Sind sie glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben? Haben sie mehr Selbstwert als andere Paare und spüren sie mehr Selbstwirksamkeit als Menschen in ihrer Umgebung? Und wie sind die Auswirkungen auf sie und ihre Umgebung? Was ist der Schlüssel zu diesem unerschöpflichen Optimismus? Und wozu ist Optimismus gut? Was ist der Sinn von Optimismus?

Was sagt die Wissenschaft zum Optimismus?

Ein Buch von Martin E.P. Seligman, einem der Begründer der Positiven Psychologie trägt den Untertitel „Warum Optimisten länger leben?“. Viele Studien zeigen inzwischen, dass Optimisten tatsächlich im Vergleich zu Pessimisten um ca. 19 % länger leben, dass ihre körperliche Abwehrkraft Pflegeeltern sind Optimistenund auch ihre Resilienz deutlich ausgeprägter sind, als bei eher pessimistischen Menschen. Die einschlägigen Wissenschaftsmagazine wie „GEO“, „GEO Wissen“ oder „Geist und Gehirn“ haben in den letzten Jahren viele Veröffentlichungen gerade auch bezogen auf das Zusammenspiel zwischen Geist, Gehirn und Körper dazu publiziert. Auch wenn längst noch nicht alles in diesem Kontext erforscht ist zeichnet sich eine eindeutige Tendenz ab. Die Kraft der guten Gefühle ist nachweisbar.

Dabei muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Optimismus aktuell nicht die einzige Einflugschneise in das Thema ist. Die Positive Psychologie ist schon genannt. Dazu kommt die Glück- und Zufriedenheitsforschung und nicht zuletzt die Neurobiologie, die dazu beiträgt auch die Vorgänge im Gehirn mit den dazugehörigen biochemischen  Vorgängen zu erforschen. Nicht zu vergessen die Medizin, die daran interessiert ist, wie Gesundung durch von Optimismus geprägten innerpsychische Vorgänge positiv beeinflusst werden kann.

Was sind die Wirkfaktoren von Optimismus?

Nach Durchsicht verschiedener Veröffentlichungen zum Thema kristallisieren sich folgende Faktoren als besonders wirksam heraus:

  • Eigeninitiative
  • Selbstwirksamkeitserwartung
  • Zufriedenheit
  • Ressourcenorientierung
  • Beziehungen
  • Sinn

Bei den einzelnen Faktoren wird deutlich werden, dass sie eng miteinander zusammenhängen und die Übergänge zum Teil fließend sind. Auch vor diesem Hintergrund kann der Schluss gezogen werden, dass gerade in der Verbindung der einzelnen Faktoren eine große Kraft liegt. Zufriedenheit, ein positives Gefühl und Begeisterung sorgen für die Ausschüttung neuroplastischer Botenstoffe im Gehirn. Sie sind wie Nahrung für die Nervenzellen und die neuronalen Vernetzungen. Heute wissen wir, wenn wir Erfahrungen in diesem Zustand machen, dass diese sich besonders gut einprägen.

Doch was verbirgt sich konkret hinter den oben genannten Aspekten, auch mit dem Fokus auf den Titel dieses Magzinbeitrags „Pflegeeltern sind Optimisten“:

Eigeninitiative:

Unter Eigeninitiative ist nach Prof. M. Frese gemeint, das ich aus mir selbst heraus aktiv werden, das ich zukunftsbezogen und antizipierend handele (proaktiv), das ich mit Widerstand rechne und damit umgehe und das ich die Einstellung habe mit meinem Handeln auch Veränderungen zu bewirken. Hier wird deutlich, dass sich in der Eigeninitiative auch Aspekte von Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeitserwartung wieder finden.

Gerade für Pflegeeltern scheint die Haltung der Eigeninitiative hilfreich zu sein, geht es doch im Alltag darum Lösungen zu finden und in der Interaktion mit dem Pflegekind wahrscheinlichen Widerstand nicht auf mich als Pflegemutter oder Pflegevater  zu beziehen. Viele pädagogische Handlungen sind auf die Zukunft gerichtet und wirken in der Summe, ohne dass ich deren Wirkung im jeweiligen Augenblick erkennen kann. Gerade dann kommt es stark darauf an, dass sich eine optimistische Haltung zu bewahren…eben doch Pflegeeltern sind Optimisten.

„There are three types of people in the world: those who make things happen, those who watch things happen, and those who wonder what happened.” (Ash, 1995, p. 151)

Selbstwirksamkeitserwartung:

Hier meinen Wissenschaftler wie R. Schwarzer und M. Jerusalem die innere Überzeugung selbst etwas bewirken zu können. Typische Sätze für Menschen mit dieser Überzeugung sind: „Ich erreiche meine Ziel“, „Ich schaffe das“ oder „Ich löse das jetzt aus meinen eigenen Fähigkeiten heraus“. Aus dieser Haltung heraus entsteht Energie und das Gefühl der Unabhängigkeit. Die bewusste Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten ist bei Menschen mit einer hohen Selbstwirksam-keitserwartung besonders ausgeprägt.

Entscheiden sich Familien Pflegefamilien zu werden, haben sie oft unausgesprochen ein ausgeprägtes Selbstwirksamkeitsempfinden. Sie sind geleitet von der Idee, dass sie neben den eigenen Kindern Kraft, Energie und Liebe für weitere Kinder haben. Der Wunsch etwas zu teilen bzw. weiterzugeben ist ausgeprägt. Sie möchten lebenswerte Lebensräume für Kinder schaffen, die eben eher weniger Selbstwirksamkeitserleben haben, denen eben nicht so leicht über die Lippen kommt „Ich bekomme das hin“. Pflegeeltern vertrauen darauf, dass sich Wege finden lassen und wir als Fachberatungsdienst begleiten Pflegefamilien dabei, den Blick auf Wirksamkeit zu erhalten.

Zufriedenheit:

Die Psychologin A. Schütz von der TU Chemnitz fand heraus, dass es zwischen dem Erleben von Selbstwirksamkeit und Zufriedenheit einen unmittelbaren Zusammenhang gibt. Je selbstwirksamer ich mich erlebe, desto zufriedener bin ich mit mir und meinem Leben. Die Schere zwischen Selbst- und Idealbild ist gering. Wir sind dann zufrieden, Pflegeeltern sind Optimistenwenn wir unseren eigenen Weg gehen können, wenn wir zu den getroffenen Entscheidungen stehen können. Auch hier wird wieder der Bezug zur Selbstwirksamkeit deutlich. Zufriedenheit stellt sich auch dann ein, wenn ich mit meinen Werten im Einklang leben kann, wenn sie beruflich und privat kongruent sind, wie H. Jellouschek in einer Befragung von deutschen Managern herausfand.

Wir als Fachberatungdienst für Pflegefamilien erleben in der Zusammenarbeit mit unseren Familien genau die beschriebene Verbindung. Die Kraft für das Pflegefamiliesein, die Ausdauer auch schwierige Phasen mit den Pflegekinder zu überstehen, kommt genau aus der Quelle des Zusammenspiels, von Selbstwirksamkeit, Zufriedenheit und der gelebten Einklang mit den eigenen Werten als Familie. Diese Wirkkraft ist für viele Pflegekinder genau die Voraussetzung einen Ort von Konsitenz zu erleben, der die Tür für das eigene Selbstwirksamkeitserleben weit aufstoßen kann. Ein echtes Geschenk.

Ressourcenorientierung:

Wer die Fähigkeit besitzt, die eigenen Ressourcen in den Fokus seiner Aufmerksamkeit zu stellen verfügt über eine Quelle der Stärkenorientierung. Insoo Kim Berg und Steve de Shazer haben auf dem Hintergrund der Lösungs- und Ressourcenorientierung einen eigenständigen Therapieansatz entwickelt. Auch Seligman hat Ende der 90er Jahre in der Stärkenorientierung eine entscheidende Säule für die Positive Psychologie gesehen.

Vielen Pflegeeltern scheint dieser Aspekt in die „Wiege gelegt zu sein“. Der Fokus auf die eigenen Stärken und auch der Fokus auf die gelingenden Situationen in der Interaktion mit den Pflegeeltern sind von immenser Bedeutung. So lassen sich Entwicklungen initieeren, die zu Beginn von Pflegeverhältnissen vielleicht nicht zu erwarten gewesen wären.

Deshalb achten wir als Fachdienst auch im Bewerbungsprozess auf die Fähigkeit zur Stärkenorientierung. Ist das Glas halbvoll oder ist das Glas halbleer? Dazu gehört für uns auch der Aspekt der Offenheit sich als Pflegefamilie auf eigene Lern- und Entwicklungsprozesse einzulassen, um für sich selbst weitere Stärken und Fähigkeiten zu etablieren. Neben der Fachberatung stehen unseren Pflegefamilien noch weitere Unterstützungssysteme wie Supervision, Fortbildung und Regionalgruppe zur Verfügung.

Beziehungen:

Der Wissenschaftsjournalist W. Bartens schreibt: „Wer sich jeden Tag missmutig ein paar Löffel kalt gepresstes Olivenöl einflößt, der wird davon kein gesundheitlichen Nutzen haben“. Sinnvoller sei da ein Schweinebraten mit guten Freunden. Auch G. Hüther geht davon aus, dass ein gutes soziales Netzwerk erheblich zur Stabilisierung in schwierigen Zeiten beiträgt.

Pflegeltern sind Optimisten


©-Gorilla-Fotolia_13787693_S.jpg

Dabei wirken vor allen die direkten Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse. Sie sind dem Optimismus förderlich und tragen durch die Zugehörigkeitserfahrungen deutlich zu einem stabilen Selbstwert bei.

Wir erleben Pflegefamilien mit einem ausgeprägten Netzwerk, als stabile Systeme, denen es auch leichter gelingt schwierige Phasen zu überstehen. Dabei ist aus unserer Erfahrung für die Familien besonders wichtig, dass das direkte familiäre Beziehungsnetzwerk auch hinter der Idee steht,  Pflegefamilie zu werden. Eng mit dem Beziehungsthema ist der Aspekt des Zugehörigkeitsgefühls verknüpft. Sichere Beziehungen begünstigen das Erleben von Zugehörigkeit. Gerade auch für Pflegekinder trägt die Erfüllung diese zentralen Bedürfnisses zur Entwicklungsförderung bei.

Und zu welchem Schluss kommen Sie für sich?

Und? Zu welchem Schluss kommen Sie ganz für sich? Sind Sie ein optimistischer Mensch, überwiegt der Optimismus in Ihrer Familie? Finden Sie etwas der Wirkaspekte von Optimismus bei sich und ihren engsten Angehörigen wieder? Wie stark sind die einzelnen Faktoren ausgeprägt und welche gilt es vielleicht noch zu entwickeln? Wie dem auch sei…Pflegeeltern sind Optimisten.

Wir freuen uns über Rückmeldungen und Kommentare und wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen, um sich über ein Leben als Pflegefamilie zu informieren.